29.01.17

5 Fragen zu "Valletta"

 

Hallo Herr Dorra, es freut mich, dass Sie sich für das Interview Zeit nehmen. 

 

1) Demnächst erscheint ihr Spiel "Valletta", das beim Verlag "Hans im Glück" erscheinen wird. Da es noch nicht so viele Informationen zu dem Spiel gibt, wäre es schön, dies aus erster Hand zu erfahren. Um was geht es in "Valletta" und wem könnte es gefallen? 

 

Im Spiel "Valletta" gibt es einen variablen Spielplan, der genau genommen aus einer prachtvollen Hauptstraße und 30 Gebäude-Kärtchen besteht. Bei den Gebäuden handelt es sich beispielsweise um eine Schreinerei, eine Bank, ein Wirtshaus oder ein Badehaus. Auf jedes dieser Gebäude wird eine kleine Charakterkarte gelegt. Auf der Schreinerei befindet sich ein Schreiner, auf dem Wirtshaus ein Wirt und auf dem Badehaus ein Bader. 

Zu Spielbeginn hält jeder Spieler bereits mehrere, eher schwache Charakterkarten auf die Hand. Kommt ein Spieler zum Zug, so spielt er 3 beliebige Karten aus und führt entsprechende Aktionen aus. Ein Holzsammler bringt ihm beispielsweise ein Holz. Ein Architekt ermöglicht es, eines der ausliegenden Gebäude zu bauen. Spielt ein Spieler beispielsweise den Architekten und gibt 1 Holz und 1 Eisen ab, so kann er die ausliegende Schreinerei bauen. Der Spieler nimmt dann die Schreinerei in Besitz, indem er ein Häuschen in seiner Spielerfarbe darauf stellt. Der Bau eines Gebäudes bringt dem Spieler stets 3 Vorteile:

Zum einen gibt es zum Spielende für jedes errichtete Gebäude mehrere Siegpunkte. Zum anderen erhält der Spieler die Charakterkarte, die sich auf dem Gebäude befindet. Der Schreiner kann beispielsweise beim Ausspielen gleich mehrere Holzstücke erhalten und ist somit lukrativer als der Holzsammler. Und drittens erhöht jedes Gebäude die Anzahl an Holz, Stein, Eisen oder Geld, die der Spieler beim Ausspielen bestimmter Charaktere verdienen kann

 

2) Was zeichnet "Valletta" im Gegensatz zu Ihren letzten Spielen, wie z.B. "Gum Gum Machine" und "Meduris" aus und macht es in dieser Sicht besonders? 

 

Ich würde alle 3 Spiele als ganz besondere Spiele bezeichnen. "Gum Gum Machine" ist für mich ein haptisches Erlebnis. Es hat sicherlich einen hohen Glücksanteil und richtet sich an Familien mit jüngeren Mitspielern ab 7 oder 8 Jahren. "Meduris" ist dagegen ein eher taktisches Spiel mit einer hohen Interaktion. Alle Spieler sind gleichzeitig am Spiel beteiligt und niemand verlässt den Spieltisch, um sich beispielsweise einen Kaffee zu holen. "Valletta" hat sowohl taktische, als auch strategische Elemente. Als erfolgreicher Spieler sollte man den ausliegenden variablen Spielplan "lesen", um gezielt bestimmte Charaktere zu erwerben. Es gibt Charakterkarten, mit denen man viel Geld oder viele Rohstoffe verdienen kann. Andere Charaktere haben besondere Fähigkeiten, die es beispielsweise erlauben, ein Gebäude preiswerter zu bauen. Und es gibt Charaktere, mit denen man Siegpunkte erhalten kann, wenn man bestimmte Gebäude besitzt oder Geld bzw. Rohstoffe abgeben kann. Die Kunst besteht darin, seine Kartenhand so zusammen zu stellen, das sich eine schlagfertige Truppe ergibt, die in kurzer Zeit viele Siegpunkte generieren kann. Im Grunde handelt es sich um eine Kombination aus Kartenspiel und Brettspiel.

 

3) Wie kam es zu der Realisierung des Spiels? Und können Sie sich noch an die Situation erinnern, in der Sie von "Hans im Glück" das "Go" für das Projekt bekommen haben? 

 

Ich habe das Spiel beim Spieleautorentreffen 2014 in Göttingen drei Verlagen vorgestellt. Alle 3 Redakteure haben großes Interesse an dem Spiel geäußert und ich habe mir gedacht, dass es bei "Hans im Glück" bestimmt gut aufgehoben ist. Ich habe auch sehr bald eine Zusage bekommen. Die Umsetzung hat dann aber doch noch ziemlich lange gedauert. Zunächst war die Veröffentlichung vage für Essen 2015 geplant. Dann wurde Essen 2016 anvisiert und jetzt ist es letztendlich Nürnberg 2017 geworden. 

 

4) Hat die Thematik des Spiels für Sie einen besondere Bedeutung? Wie kam es zu der Thematik? 

 

Thematisch habe ich ein Faible für vergangene Jahrhunderte sowie für den Mittelmeerraum und ich mag Spiele, in denen es unterschiedliche Charaktere, wie beispielsweise einen Fuhrmann, Hehler, Bischof, Händler, Zöllner und Grundbesitzer gibt. Es ging mir von Anfang an darum, in einer Stadt Gebäude zu errichten und mit dem Bau eines Gebäudes eine interessante Charakterkarte zu erhalten. Das Spielgeschehen sollte im Mittelalter stattfinden und im südlichen Europa angesiedelt sein. Eine bestimmte Region oder Stadt hatte ich, ehrlich gesagt, dabei noch nicht im Sinn. Von "Hans im Glück" kam dann der Vorschlag, das Spielgeschehen nach Valletta zu verlegen. Das passte ausgezeichnet und der Großmeister Jean de la Valette wurde dann zur zentralen Spielfigur. 

 

 

5) Von wem haben Sie Unterstützung im Entwicklungsprozess erfahren und inwiefern? 

 

Die Entwicklung hat zunächst etwa ein Jahr gedauert. Es gab viele Ideen und viele Varianten, die ausgiebig getestet wurden. Glücklicherweise habe ich sehr spielerfahrene Spieltester, die sich stets einen Spaß daraus machen, sehr unkonventionell zu spielen, um Regellücken und andere Ungereimtheiten aufzudecken. In einer späteren Phase kamen dann noch weitere Ideen von "Hans im Glück" dazu, die das Spiel noch etwas vereinfacht und die Spieldauer verkürzt haben. So ist dann ein neues, taktisches und strategisches Spiel mit einer Spieldauer von etwa 60 bis 90 Minuten entstanden. 

 

Wir sind gespannt auf das Spiel. Das hört sich alles sehr interessant an. Vielen Dank für das Interview! 

 

Ich danke auch!