24.08.16

5 Fragen zu Touria

 

Hallo Inka und Markus Brand, bald erscheint das Spiel "Touria", auf das bestimmt viele Leser und Leserinnen sehr gespannt sind.

 

1. Worum geht es in "Touria" und an wen richtet sich das Spiel?

 

In dem märchenhaften Land Touria lebt Prinzessin Tara. Sie hat beschlossen zu heiraten, aber natürlich nicht irgendwen - nur der mutigste der mitspielenden Helden kann ihr Herz erobern. Dazu muss er im Laufe der Partie sieben Herzen und eben soviel Gold sammeln und zum Schloss bringen. Wem dieses als erstes gelingt, der darf beim König um Taras Hand anhalten. 

Das Besondere an "Touria" sind seine tanzende Türme. Sie stehen an den Grenzen des Landes und weisen den Helden den Weg. Jeder Spieler schaut von einer anderen Seite auf die vier dreidimensionalen Aktionstürme. Die jeweils für ihn sichtbaren Seiten der Türme geben an, welche Aktionen dem Spieler im aktuellen Spielzug zur Verfügung stehen. Aus den 2 bis 4 verschiedenen Möglichkeiten wählt er eine aus, führt sie durch und dreht den entsprechenden Turm um 90 Grad entgegen dem Uhrzeigersinn. So variieren die Aktionen der Spieler von Spielzug zu Spielzug. Die Spieler müssen sich auf immer neue Situationen einlassen und den für sich optimalen Spielzug ausmachen. 

Das Spiel spricht unserer Meinung nach Familien und Spieler gleichermaßen an. Die Regeln sind nicht zu komplex, als dass die "Familie von nebenan" damit überfordert wäre, der Vielspieler findet Freude an der Planung des optimalen Spielzugs und wird ob der vielen verschiedenen Aktionsmöglichkeiten überrascht sein.

 

Prototyp "Touria"
Prototyp "Touria"

 

2. Das Spiel haben Sie mit dem Autoren Michael Rieneck entwickelt. Wie ist die Zusammenarbeit entstanden und was schätzen Sie an Ihm?

 

Michael und wir haben uns 2007 über unseren gemeinsamen guten Freund Stefan Stadler kennengelernt. Michael hatte gerade mit Stefan bei Kosmos das großartige "Die Säulen der Erde" veröffentlicht und man war auf der Suche nach einem passenden Verlag für das neue gemeinsame Werk "Cuba". Da wir zu diesem Zeitpunkt gerade bei "Eggertspiele" unser "Guatemala Café" veröffentlicht hatten, konnten wir Peter Eggert und Stefan Stadler bekannt machen und bei dieser schönen Gelegenheit dann auch Michael Rieneck persönlich kennenlernen. Bis dato kannten wir ja nur seine wunderbaren Spiele wie beispielsweise das bei uns immer noch liebend gern gespielte "In 80 Tagen um die Welt". 

Im Laufe der Jahre hat sich eine wunderbare Freundschaft entwickelt und irgendwann haben wir beschlossen, dass es Zeit für ein gemeinsames Projekt würde. Inka und ich hatten ein Spiel entwickelt, indem der Aktionsturm- Mechanismus bereits enthalten war. Die Aktionstürme - ein an sich sehr cooler Mechanismus - passten aber nicht im geringsten zum Spielprinzip, was uns auch die Verlage immer wieder bestätigten. Also haben wir das Spiel ohne die Türme weiter entwickelt. Daraus entstanden ist dann übrigens "Murano".

Die Türme haben uns aber stets begeistert, wir wollten sie nicht einfach aufgeben. Nun standen sie also auf unserem Schreibtisch herum und das passende Spiel dazu fehlte. Inka schlug dann vor, dass wir die Türme Michael zeigen sollten, vielleicht fiel im ja etwas Passendes dazu ein - und Michael war sofort Feuer und Flamme. Es dauerte keine Woche, da jagte er erste Ideen und Skizzen durch den Äther.

Was wir an Michael schätzen? Neben seinen vielen tollen Spielen und Spielideen (von denen wir schon wirklich viele testen durften) schätzen wir ihn in erster Linie als Menschen. Er ist ein toller Freund, hat einen traumhaften Humor, ist einfühlsam, ehrlich, eloquent… mehr gute Eigenschaften, die mit E beginnen, fallen mir gerade nicht ein - dafür sicher noch zahlreiche andere - aber das würde jetzt den Rahmen sprengen.

 

 

 

3) Wer hat welchen Part bei der Entwicklung übernommen und wie ist die Entwicklung von statten gegangen (Dauer, Testphase, Treffen der Entwickler)?

 

Nachdem wir Michael die Türme gezeigt hatten, kamen die ersten Ideen für ein Spiel dazu von ihm. Ab dann ging es im regen Austausch via Mail und Telefon hin und her. Insgesamt haben wir über zwei Jahre an dem Spiel gearbeitet. Um unsere Prototypen in Kiel und Gummersbach immer auf dem gleichen Stand zu halten, haben wir in dieser Zeit wirklich viel telefoniert. Getestet hat jeder von uns in den eigenen Spielegruppen, die Ergebnisse dieser Tests wurden natürlich sofort mitgeteilt. Gemeinsam gespielt haben wir das Spiel tatsächlich nur zwei oder drei Mal - immer in Essen während der Spielemesse. Seit ein paar Jahren wohnen wir dort nämlich im gleichen Hotel und während des Frühstücks lässt es sich vortrefflich zocken. :-)

 

4) Kam eigentlich erst das Thema oder die Mechanik?

 

Wie bereits erwähnt, gab es die Aktionstürme - aber das Spiel fehlte. Von daher kann man ganz klar sagen, dass zuerst die Mechanik da war. Allerdings spielten bereits Michaels erste Ideen für das Gemeinschaftsprojekt in einer märchenhaften Welt - sie hieß nur damals noch nicht Touria, sondern - ganz kreativ - das Land der vier Türme :-)

 

5) Was macht "Touria" in Ihren Augen so besonders?

 

Zum einen natürlich die Aktionstürme - ich spiele die gesamte Zeit unter Anspannung. Zu welchem Turm greift der Mitspieler? Wird er mir die Aktion bei Hella, der Brunnenfee lassen? Oder ist es wohlmöglich genau diese Aktion, die mir nun vor den Augen wegdreht wird? Vielleicht dreht mir der Mitspieler aber auch den Drachen fort? Als nächstes käme dort Holla, die Waldfee. Das wäre nahezu ideal! Dieser Mechanismus sorgt für viele emotionale Momente, das siegessichere Lächeln und die wütenden Stirnfalten gleichermaßen.

Zudem finden wir es sehr abwechslungsreich, mit "Touria" ein Spiel entwickelt zu haben, dass ohne das Zählen von Siegpunkten auskommt. Es ist eine Art Wettlauf, bei dem man nur erahnen kann, an welcher Position man sich gerade befindet. Durch einen spannenden Showdown am Schloss von Prinzessin Tara hat dann sogar der Langsamste noch eine Chance auf den Sieg - zwar nur ein kleine - aber immerhin.

Ein weiteres Highlight sind in unseren Augen die traumhaften Illustrationen von Klemens Franz und die grandiose redaktionelle Betreuung durch Britta Stöckmann. Wir Fünf waren ein wirklich tolles Team und heraus gekommen ist ein wunderschönes Spiel! Überzeugt Euch auf der Spiel in Essen doch einfach selbst

davon. Und vielleicht besucht ihr Michael, Klemens und uns dort ja auch

Donnerstag um 16 Uhr oder Samstag um 11 Uhr - es könnte sich lohnen :-)