07.08.16

5 Fragen zu "Luther-Das Spiel"

 

Guten Tag, Herr Schlegel! Sie haben gemeinsam mit Ihrer Frau "Luther - Das Spiel" entwickelt, das in nächster Zeit über den Verlag "Kosmos" erscheinen soll.

 

1) Wie kam es zu der Spielidee bzw. zu der Entwicklung?

 

Columbus ist nicht nach Westen gefahren, um Amerika zu entdecken. Er war auf dem Weg nach Indien, dabei lag ihm Amerika im Weg. Auch hier spielte das spätere Ergebnis, Luther, zu Anfang überhaupt keine Rolle. Erst als die Mechanik weitgehend stand, trat Luther auf den Plan und beherrschte die Szene. 

Im Einzelnen: Ich entwickelte einen Prototypen zu einem Spiel mit politischem Inhalt. Der Plan umfasste alle 16 Bundesländer. Die Hauptstädte, die Reisewege zwischen ihnen und Quiz-Fragen spielten die Hauptrolle. Doch das fertige Spiel war eine Sackgasse. Dann kam meine Frau ins Spiel, die die Politik durch Luther ersetzte. Mit dem Themenwechsel musste ich natürlich am Spiel selbst einiges ändern, es ging aber.

Prototyp "Luther"
Prototyp "Luther"

 

2) Ist dies das erste Spiel, das Sie zusammen mit Ihrer Frau Erika Schlegel entwickelt haben? Und wie kam es dazu? 

 

Auch bei "Mit Mose durch die Wüste" waren wir beide die Autoren. Das Spiel ist vor exakt 20 Jahren erschienen und zwar bei "uljö", einer Firma, die viele Produkte aus dem christlichen Bereich verkauft. Die Firma ist ein Versandhandel und unser Spiel haben die immer noch im Programm. Das hält sich also ganz ordentlich.

Meine Frau hat bei "Mit Mose durch die Wüste" und "Luther – Das Spiel"  als Autorin mitgemacht, weil die Spiele stärker themenfixiert als sonst sind.

 

3) Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit Ihrer Frau? Wir wissen, dass Sie jetzt ganz genau aufpassen müssen, was Sie sagen dürfen ;)

 

Ach, bei uns sind Männer und Frauen gleichberechtigt, dürfen ihre Meinung sagen. Das war nicht immer so – zu Luthers Zeit ohnehin nicht – und in vielen Staaten ist selbst heute die Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht. Ich kritisiere diese Staaten; nein, ich kritisiere die Männer in diesen Staaten und hoffe, dass die Frauen dort bald die Gleichberechtigung erlangen.

Aber zum ersten Teil Ihrer Frage: Normalerweise entwickle ich Spiele ganz alleine, meine Frau gehört dann zu den bemitleidenswerten Frühtestern, die ein völlig abstraktes Spiel testen "dürfen". Denn ich bin ein Autor, der Spiele ganz abstrakt entwickelt, anstelle von Figuren wird von A, B, C geredet. Wenn das dann halbwegs läuft, wandel ich diese Symbole in Personen um.

Hier war es anders. Die Mechanik war weitgehend ok, Luther zog die Aufmerksamkeit auf sich. Schließlich ist bei diesem Spiel das Thema keine Randerscheinung, nicht drangeklatscht wie sonst häufig, sondern ein wesentlicher Teil. Und bei den vielen kleinen Änderungen, die sich bei den vielen Tests ergaben, mussten wir immer Luther vor Augen haben. Da war es doch dringend geboten, dass eine Fachperson mit von der Partie war. 

Und meine Frau hat nicht nur Religionspädagogik und Geschichte studiert, sie war Jahrzehnte im Presbyterium ihrer Gemeinde und ist heute dort noch aktiv. Sie als evangelische Christin hat sich besonders intensiv mit Luther befasst. Als Fachfrau ist sie wirklich bestens geeignet, an der Entwicklung von "Luther – Das Spiel" mitzuwirken. Wer ein Spiel entwickelt, das nahe am Thema abläuft, dem rate ich, sich auf Fachwissen zu stützen. 

In einem Satz: Ich schätze die Zusammenarbeit mit ihr sehr hoch ein.

 

4) Wie war die Kooperation mit dem Verlag Kosmos?

 

In Kurzform: Äußerst fruchtbar.

Etwas ausführlicher: Wolfgang Lüdtke, der dieses Spiel zu "Kosmos" holte und dort betreute, hatte einfach riesigen Spaß am "Luther-Spiel". Zu Anfang nicht so sehr, 2014 war das Thema Luther für ihn einfach Neuland. Aber das änderte sich bald und er konnte Erika und mir klar machen, dass bestimmte Teile doch zu ändern waren. 

So standen zu Anfang Quizfragen im Vordergrund, ein Element, das er nicht so passend fand. Es flog raus und wir haben es durch etwas Themenadäquates ersetzt: Ein aus 20 Teilen bestehendes Luther-Porträt, das Punkte bringt und fürs Spielende sorgt. Das war nicht nur einfach eine simple Änderung, es war eine Verbesserung: Die trockenen Fragen wurden durch ein spielerisches und spannendes Element abgelöst. 

Auch an anderen Stellen hat er Änderungen ausgelöst. Beispielsweise bei Kärtchen, die man schieben musste, die sich aber nicht verhaken durften. Da wäre die Produktion ausgeflippt. Der tolle Schiebemechanismus musste raus. Aber wenn man in einem Prototypen voll drinsteckt, hat man Alternativen auf Lager, aus denen wir dann eine ausgewählt haben. 

Seine verzwickte Rolle als Scharnier zwischen Autorenwünschen und Produktionsmöglichkeiten hat er einfach bestens bewältigt und durch seine vielfältige Tätigkeit dem Spiel mehr Reiz gegeben.

Sie möchten wenigstens etwas Kritik hören? Könnte ich nicht liefern. Vielleicht, wenn ich das fertige Spiel in den Händen halte, noch ist es ja in der Produktion.

 

5) An welche Zielgruppe richtet sich das Spiel genau?

 

Es gibt Autoren, die haben Thema und Zielgruppe klar vor Augen; sie setzen sich dann hin und entwickeln ein Spiel, das genau passt. Ich nicht, zu Anfang entwickle ich etwas aus dem Bauch heraus, ohne irgendwelche Beschränkungen. Wenn das Spiel halbwegs fertig ist und mir ein Thema vorschwebt, dann tritt die Zielgruppe nach vorne. 

Personen, die ein Spiel mit überschaubaren Regeln erwarten, die während der Partie nicht häufig im Regelheft nachschlagen müssen, weil das den Spielfluss zerreißt. Leute, die weder ein abendfüllendes Spiel noch ein Mini-Spiel wünschen, denen 1 Stunde eine angenehme Dauer ist. Personen, die sich neugierig auf das Thema machen lassen. Das dürften aber fast alle sein, denn die Erwähnung von Karl V., Katharina von Bora und Johann Tetzel macht einfach neugierig und das Glossar informiert. Es muss auch Leuten Freude machen, die sich bislang weniger mit Spielen befasst haben, die mehr über das Thema an das Spiel gekommen sind. 

 

Danke für die Informationen und wir freuen uns schon auf das Spiel!