27.08.16

5 Fragen zu "la Granja: No Siesta"

 

 

Hallo Herr Odendahl. Vielen Dank, dass Sie dem Interview zu Ihrem bald erscheinenden Spiel "La Granja: No Siesta!" zugestimmt haben. 

 

Vielen Dank für die Anfrage. Aber duzen wir uns doch. Ich hab auf meiner ersten Spielemesse Anfang der 2000er Jahre direkt gelernt, dass Spieler sich untereinander duzen. Egal in welcher Funktion. 

 

Kein Problem ;) 

 

1) Dein Brettspiel "La Granja" hat vor nicht allzu langer Zeit für Furore gesorgt. Nun ist "La Granja: No Siesta" angekündigt worden. Es lehnt an das Spiel "La Granja" an, ist jedoch ein eigenständiges Spiel. Beschreibe doch mal den Spielablauf und was macht das Spiel in deinen Augen so besonders? 

 

"No Siesta" ist vom Ablauf her ein relativ einfaches Spiel. Eine Runde hat zwei Kernphasen – die Würfelphase und die Wertungsphase. In der Würfelphase greife ich den von "La Granja" bekannten Würfelverteilungsmechanismus auf. Es gibt pro Spieler zwei Würfel im Spiel und einen weiteren dazu. Also in einer Partie mit vier Spielern sind es neun Würfel. Diese werden gewürfelt und jeder Spieler darf sich einen der Würfel der Reihe nach aussuchen. Anders als in "La Granja" wird nun weiter gewürfelt. Und zwar mit den noch nicht gewählten Würfeln. Das würde bsw. in der Viererrunde bedeuten, dass fünf Würfel erneut gewürfelt werden. Aus diesem Wurf darf nun wieder jeder Spieler einen Würfel wählen. Auch der letzte, verbleibende Würfel wird erneut gewürfelt und ist, wie im großen Bruder, für alle Spieler da. 

Nachdem nun alle Spieler ein Würfelergebnis bestehend aus drei Würfeln haben, dürfen sie in der Wertungsphase dieses Ergebnis auf ihrem Wertungszettel ankreuzen. Dieser Zettel zeigt verschiedene Bereiche des eigenen Hofes und die Erträge von den Würfeln finden in unterschiedlichen Unterbereichen Anwendung. Hier finden sich aus "La Granja" bekannte Dinge wieder: Das Dach der Scheune muss errichtet werden, Marktkarren befüllt, Helfer angeworben werden. Dazu gibt es noch den Fernhandel und ein Lager für Erntegüter und einen Stall für Tiere. 

Mit ein wenig Erfahrung können die Spieler diese Wertungsphase auch gleichzeitig spielen, was "No Siesta" zu einem sehr schnellen Spiel macht. Das war es schon fast. Würfeln und Ergebnis der Würfelauswahl auf dem Zettel festhalten. Das ist im Kern das ganze Spiel. In der Mitte des Tisches gibt es darüber hinaus zwei kleine Tableaus. Eines, auf dem die Spieler bestimmte Bonuspunkte festhalten können, die sie sich erstpielt haben. Und eines, mit der "Siesta-Skala". Diese müssen die Spieler hinaufklettern, um das Spiel zu beenden. Das ist meist nach ca. 30-45 Minuten der Fall. 

Ob mein Spiel besonders ist, möchte ich lieber andere Leute bewerten lassen. Aber ich kann gern herausstellen, was ich daran gut finde. Ich mag Spiele mit geringen Wartezeiten, bei denen alle Spieler am Spiel beteiligt sind. Daher mag ich diese Würfelmechanik so gern. Einer würfelt, aber alle Spieler sind beteiligt, denn auch sie dürfen sich hier Würfel sichern. Und die Wertungsphase ist so angelegt, dass die Spieler mit ein wenig Spielerfahrung gleichzeitig spielen. Jeder kreuzt auf dem eigenen Zettel. Da kommt es selten zu Reibereien zwischen den Spielern. Es sind also alle Spieler immer intensiv dabei zu spielen. Es entstehen kaum Wartezeiten. Das ist ein Spielgefühl, das ich sehr mag.

 

 

2) Wie kam es zu der Entwicklung dieser Auskopplung und wer war alles an dem Entstehungsprozess beteiligt? 

 

Ich mag Würfelspiele. Sowohl solche, die Würfel in einem größeren Kontext nutzen, als auch solche, die sich fast auf die Würfelei fokussieren. Bei den größeren, komplexeren Spielen würde ich eher sagen, dass es Spiele mit Würfeln sind. Und da würde ich "La Granja" dazu zählen. Aber mir war ziemlich schnell auch klar, dass sich die Würfelmechanik auch in einem deutlich kleineren Würfelspiel anbieten würde. 

Von Anfang an war es daher mein Wunsch, die Mechanik von "La Granja" "auszukoppeln" und ein kleineres Spiel darum zu formen. Natürlich hätte man auch hier ein anderes Thema wählen können. Vielleicht wäre das sogar besser gewesen, statt mich auf "La Granja" zu beschränken. Aber La Granja war mein erstes Spiel, mein Baby. Ich wollte die Chance nutzen, wenn sie sich ergibt. 

Die Chance war allerdings sehr gering. "La Granja" erschien beim wundervollen "Spielworxx-Verlag", der Spiele in sehr kleinen Auflagen produziert. Mir war von Anfang an klar, dass ich wieder mit Uli Blennemann von "Spielworxx" zusammenarbeiten wollte, um beim Thema bleiben zu können. Und auch er war sehr interessiert am Spiel, sah aber keine Chance, es bei "Spielworxx" zu veröffentlichen. Es passt nicht so richtig ins Verlagsprofil. Allerdings wurde "La Granja" ja später noch von weiteren Verlagen aufgegriffen und ist dann zu einem oft verkauften Spiel geworden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass auch der amerikanische Verleger von "La Granja", "Stronghold Games", Interesse an einem Würfelspielableger hat. Uli Blennemann arbeitet zusätzlich zu seinem eigenen Verlag, noch bei "ADC Blackfire", einem tschechischen Unternehmen, das sich auch in Deutschland auf den Markt etablieren möchte. Als für Brett- und Gesellschaftsspiele zuständiger Redakteur konnte er "No Siesta" nun dort ins Verlagsprogramm integrieren und gemeinsam mit "Stronghold Games" ist nun eine größere Auflage möglich. Ich freue mich sehr darüber, denn "ADC Blackfire" hat ein paar sehr schöne Spiele in der letzten Zeit veröffentlicht. Das ist gute Gesellschaft! 

Was ich sehr schön finde ist, dass wir es geschafft haben, das Spiel passend für eine bestimmte Schachtelgröße zu produzieren. "Stronghold Games" verfolgt eine "Pocket Line" mit kleinen, aber feinen Spielen in kleiner Schachtel. Diese "Pocket Line" ist durchnummeriert, nach der Art, wie ein berühmter deutscher Verlag seit langer Zeit seine Spiele nummeriert, von dem ich lange Fan bin. "No Siesta" wird Nummer 4 der "Pocket Line" in Amerika. 

Prototyp
Prototyp

 

3) Gebe doch mal einen Einblick in die Entwicklungsphase. Wieviel Zeit hat diese in Anspruch genommen? Und welche Schwierigkeiten haben sich evtl. ergeben? 

 

Um ehrlich zu sein war mir ziemlich schnell klar, was ich da für ein Spiel machen wollte und es dauerte nicht lange, bis die erste Version spielbar war und auch schon recht gut funktionierte. Allerdings waren die Rückmeldungen anfangs eher mäßig. Im Laufe der Zeit wurde das immer besser. Besonders mein Freund Matthias Cramer hat mir einen wichtigen Hinweis gegeben, den ich versucht habe umzusetzen. 

Mechanisch gab es das Problem, dass ich die Würfelei für das deutlich leichtere "No Siesta" ein wenig anpassen musste. In "La Granja" wird pro Runde nur einmal gewürfelt und dann aus dem Würfelpool ausgewählt. Das deutlich komplexere "La Granja" verträgt die sich daraus ergebenden Überlegungen, welche Würfel man wählen sollte, welche nicht und vor allem: Welche man den anderen Spielern überlassen sollte und welche man lieber wegnehmen sollte. Doch für ein kleineres Würfelspiel war dies problematisch. Die Tester verfielen teilweise in eine Starre beim Überlegen und die Auswahlphase dauerte unverhältnismäßig lange. Auch ein Grund, warum die Reaktionen auf das Spiel eher mittelgut waren. Daher musste ich einführen, dass immer wieder neu gewürfelt wird, um bestimmte Entscheidungsebenen einfach nicht zuzulassen. Die Würfelmechanik passt nun viel besser zu dem kleinen, nicht ganz so komplexen "No Siesta". 

Aber ganz wollte ich auf mein "La Granja-Original" nicht verzichten. Daher haben wir die "La Granja-Variante" als Zweispieler-Variante mit in die Regel aufgenommen. Zu zweit ist es nicht so schlimm, wenn die Würfel liegen bleiben. Man muss nur Entscheidungen treffen, die sich auf einen anderen Spieler beziehen. Nicht auf bis zu drei. Zu zweit wird die originale "La Granja-Variante" zu einem sehr schönen Duell. Die Überlegungen, die ich im Mehrpersonenspiel nicht zulassen wollte, verfeinern das Zweierspiel ein wenig. Daher rate ich allen Spielern ab, die originale Variante der Würfelverteilung nicht mit 3 oder 4 Spielern zu verwenden. Die Spielzeit verdoppelt sich nahezu und das Spiel verliert viel von seinem leichten, unbeschwerten Charakter. 

 

4) Wem wird "La Granja: No Siesta" gefallen und wem eventuell nicht? ;) 

 

Das ist schwierig zu beantworten. Ich denke, wer mittelschwere Würfelspiele mit wenig Wartezeit mag, der wird hier seine Freude haben. Ich würde nicht sagen, dass das Spiel ein "Absacker" ist. Aber es ist auch kein abendfüllendes Spiel. Vielleicht ist es ganz gut geeignet, um an einem Abend, an dem man nicht ganz so viel Zeit hat, sich auf die große Reise nach Mallorca zu begeben, doch ein wenig mediterranes Feeling an den heimischen Spieletisch zu bekommen. 

Es könnte auf der anderen Seite sehr gut sein, dass Spieler, die sich ein wenig mehr Interaktion wünschen, nicht so gern zu "No Siesta" greifen. Die Würfelphase ist schon eine gemeinsam gespielte Phase, aber besonders, wenn jeder allein für sich auf seinem Wertungszettel kreuzt, treten die Mitspieler mit ihren eigenen Zetteln schon ein wenig in den Hintergrund. Aber es war bei "La Granja" auch schon der Fall, dass das eigene Tun viel auf dem eigenen Spielertableau stattfand. 

 

5) Ist das "La Granja-Universum" hiermit abgeschlossen? Oder stehen womöglich schon weitere Entwicklungen diesbezüglich an? 

 

Das kann ich nicht sagen. Bisher gibt es nur ein paar lose Ideen. Nichts Konkretes. Es hängt auch damit zusammen, was sich die Verleger vielleicht wünschen. Ob man da nochmal ein Kartenspiel nachlegt? Weiß ich nicht. Im Moment ist nichts geplant. Aber ich würde es nicht ausschließen. 

 

Danke für die Informationen! Wir freuen uns schon auf die Veröffentlichung!