29.08.17

5 Fragen zu "Isle of Skye" - Die Wanderer (Erweiterung)

Hallo Herr Pelikan, vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen und einen Einblick die bald erscheinende Erweiterung zum Spiel "Isle of Skye" gewähren.

 

1) Was bringt die neue Erweiterung – Die Wanderer?

 

Es kommt Bewegung ins Spiel. Jeder Spieler schickt einen Wanderer auf die Reise durchs eigene Clangebiet, der die Bedürfnisse von drei verschiedenen Verbündeten befriedigen möchte. Dazu muss er bestimmte Orte in einer vorgegebenen Reihenfolge besuchen und kann dadurch auf den drei entsprechenden Fortschrittsleisten aufsteigen, die jeweils unterschiedliche – teils fix aufgedruckte, teils variable – Boni bringen. Die Reichweite des Wanderers ist beschränkt, vor allem, wenn er nicht entlang von Straßen ziehen kann. Ich muss jetzt beim Kauf und beim Anlegen der Landschaftsplättchen nicht nur auf die normalen Rundenwertungen achten, sondern mir auch noch überlegen, auf welchen Leisten ich gerne schnell aufsteigen möchte, und wie ich die Voraussetzungen ohne lange Umwege erfüllen kann. Das erfordert noch mal deutlich mehr Planung und Denkleistung. Die Spieldauer steigt aber nur um ca. 15 Minuten.

 

2) War alleinig der Umstand, dass das Spiel "Isle of Skye" den Preis des "Kennerspiels" gewonnen hat, Grund dafür, dass nun eine Erweiterung erscheinen wird oder spielen evtl. noch andere Gründe eine Rolle?

 

Ob zu einem Spiel eine Erweiterungen kommt hängt, neben allgemeiner Verlagspolitik, natürlich entscheidend vom Erfolg des Grundspiels ab. Und die Auszeichnung "Kennerspiel des Jahres" hat zweifelsohne den Erfolg von "Isle of Skye" enorm beflügelt. Die erste Anfrage, ob wir denn Ideen für eine Erweiterung hätten, kam aber bereits kurz nach Erscheinen des Grundspiels, also etwa ein halbes Jahr vor der Nominierung. Das Spiel hat ja einen offenen, modularen Charakter, der wie geschaffen für Erweiterungen ist.

 

3) Können Sie den LeserInnen einen Einblick in die Entwicklungszeit mit Alexander Pfister geben?

 

Alex hat ein sehr gutes Gespür dafür, ob es sich lohnt, einen bestimmten Ansatz weiter zu verfolgen. Deshalb war ich sehr froh, dass ihm die vage Idee, die Landschaft mit Leben zu füllen, gefiel. Wir hatten eine längere Brainstorming-Session, und beim nächsten Treffen hatte ich einen Satz bunter Figuren in mein "Isle of Skye" gepackt, und Alex hatte für jeden Spieler eine Wertungsübersicht mit. Auf jedes neu angelegte Plättchen konnte man sich – je nach abgebildeten Symbolen -  einen Arbeiter einer bestimmten Farbe kaufen: blaue Seeleute, rote Turmwächter, grüne Bauern, usw. Diese musste man zur Burg ziehen, um dann bestimmte Belohnungen zu kassieren, mit steigender Auszahlung für viele Figuren der gleichen Farbe, aber ebenso einer großen Belohnung für komplette Sets aller Farben. Rasch war klar, die gleichförmigen Karawanen in Richtung Burg sind zu monoton, aber die Routenplanung und das Herumziehen im Clangebiet machen Spaß. Also doch lieber den Prophet zum Berg schicken als sich den Berg liefern zu lassen. Im nächsten Schritt kam auf jedes neu angelegte Landschaftsplättchen ein Warenwürfel, den ein Händler abholen konnte, um Mini-Aufträge abzuarbeiten. In groben Zügen war die vorliegende Erweiterung bereits erkennbar. Aber es war noch ein langer Weg, auf dem uns auch die "Lookout-Redaktion" immer wieder unterstützend begleitet hat.

 

4) Gestaltete sich die Entwicklung der Erweiterung schwerfälliger als die des Grundspiels?

 

Ein neues Spiel bietet die volle Freiheit, eine neue Welt zu erschaffen. Wenn man dabei auf Mauern stößt, kann man diese einfach umwerfen oder an die richtige Stelle setzen. Dafür ist am Anfang noch nichts da, mit dem man arbeiten kann. Bei einer Erweiterung gibt es die Welt bereits. Man kann sich darin umsehen und die Frage stellen, was würde ich hier sonst noch alles gerne tun? Es ist wie eine spannende Entdeckungsreise. Der Nachteil: man muss mit manchen Gegebenheiten einfach leben. In "Isle of Skye" gibt es ein Landschaftsplättchen mit zwei gebogenen Wegen, die einander nicht Berühren. Dieses eine Plättchen hat uns beim Erarbeiten der Legeregeln für die neuen Straßenplättchen viel Kopfzerbrechen bereitet. In die Anleitung zu schreiben, sortiert dieses Plättchen aus, wenn ihr mit dem Wanderer spielen wollt, wäre nicht schön. Umgekehrt war aber vielleicht gerade dieses Plättchen der Grund, warum wir uns intensiv mit den Bewegungs- und Straßenbauregeln auseinander gesetzt haben und letztlich – wie wir hoffen – eine intuitive Lösung gefunden haben.

 

5) Wird das Projekt "Isle of Skye" mit dieser Erweiterung abgeschlossen sein, oder kann man sich auch auf weitere Erweiterungen in Zukunft freuen?

 

Ich möchte nichts versprechen, was wir dann nicht halten können. Die "Isle of Skye" spielmechanisch weiter zu Erkunden macht jedenfalls Spaß. Dass noch einmal eine Erweiterung kommen wird, die den Anspruch derartig nach oben schraubt, wage ich zu bezweifeln. Neue Landschaftsplättchen, vielleicht auch Wertungsplättchen, wird es mit ziemlicher Sicherheit immer wieder mal geben. In diesem Zusammenhang lohnt ein Blick in den nächsten Ausguck (Nr. 9).

 

Vielen Dank für das Interview!