16.02.18

5 Fragen zu "Great Western Trail - Rails to the North" (Erweiterung)

 

Hallo Herr Pfister, bald erscheint die Erweiterung zum Erfolgsspiel "Great Western Trail".

 

1) Was können die SpielerInnen erwarten?

 

Bei "Rails to the North" gibt es neue Städte, die angeschlossen werden können. Du expandierst nach Norden und erreichst Städte, die dir Fähigkeiten bringen, günstig eine schwarze Scheibe liefern lassen oder du einen Bahnhofsvorsteher setzen kannst. Damit ergeben sich neue Strategien und statt einem eindimensionalen Liefern muss man nun knifflige Entscheidungen treffen. Das Spiel bleibt sich somit treu: Es gibt jetzt noch mehr Wege zum Ziel. Da die Boni bei jeder Partie anders verteilt werden, muss man sich nun noch mehr auf die aktuelle Auslage einstellen, so gibt es mehr Möglichkeiten Karten zu entsorgen oder eine neue Person anzuheuern oder an Kühe zu kommen.

Besonders gelungen finde ich ein Plättchen, das man abgibt, um zu einem beliebigen Zeitpunkt 2 Karten tauschen zu können. Das reduziert den Zufall vor Kansas City und man muss genau überlegen, wann man diese Fähigkeit verwendet. Man kommt im Laufe einer Partie auf ca. 3 solche Plättchen, die gut eingeteilt werden wollen.

Die Erweiterung spielt sich intuitiv, es kommen nicht viele Regeln hinzu. Die Grundregeln bleiben sogar gleich, man bekommt lediglich eine neue Hilfsaktion, die unterhalb des Spielertableaus angelegt wird. Mit dieser Hilfsaktion kann man in den Norden expandieren, muss aber dafür eine 2er Kuh abwerfen. Wenn man eine 2er Kuh doppelt besitzt, ist das von Vorteil. Wer schnell expandieren will, wird seine Kartenhand aber schwächen, hat aber dafür später den Vorteil der besseren Liefermöglichkeiten - ein interessantes Dilemma!

 

2) Ab welchem Zeitpunkt war es klar, dass eine Erweiterung entwickelt werden muss?

 

Der Verlag kam im Sommer auf mich zu. Das Spiel ist bei "Boardgamegeek", der größten internationalen Community, auf Platz 9, also Top 10 der besten Spiele aller Zeiten! Das ist für mich natürlich eine große Ehre, auch wenn mir bewusst ist, dass dort hauptsächlich Vielspieler abstimmen. Eine Erweiterung wurde von vielen gewünscht.

 

3) Welchen Einfluss hat der Redakteur Viktor Kobilke, der schon beim Grundspiel mitgewirkt hat, bei dieser Erweiterung genommen?

 

Mir war schnell klar, welche Richtung ich einschlagen möchte. Die habe ich dann herausgearbeitet und Viktor einen Prototypen geschickt. Er hat dann noch verfeinert und weiter getestet.

 

4) Gab es Schwierigkeiten und Hürden bei der Entwicklung? Wenn ja, welche?

 

Eigentlich lief es sehr gut. Im Norden wird ein neuer Plan angelegt, der auch Teile des alten Spielplans überdecken muss. Das hat Viktor mit einem faltbaren Plan toll hinbekommen, sodass alles perfekt sitzt und nicht verrutscht.

 

5) Was halten Sie eigentlich persönlich von Erweiterungen? Welche Vor- und Nachteile sehen Sie in diesen?

 

Manchmal hört man, dass Erweiterungen Geldmacherei sei. Das stimmt so aber nicht, denn eine Erweiterung verkauft sich nur ein Bruchteil vom Basisspiel, ist aber trotzdem einiges an Arbeit - natürlich weniger als ein ganz neues Spiel zu entwickeln, aber es muss trotzdem gestaltet und getestet werden bei deutlich geringeren Verkaufszahlen. Für mich bereichert eine Erweiterung das Basisspiel. Man kann Feedback der Spieler einarbeiten. Auch wenn man ein Spiel vor Veröffentlichung oft testet, tausende Partien danach bringen immer neue Erkenntnisse. Wenn ich eine Erweiterung angehe, höre ich deshalb immer zuerst auf das Feedback der Spieler. Was hat ihnen nicht so gut gefallen? Welche Strategie ist vielleicht zu stark? Was ist gut angekommen und kann man noch stärker gewichten? Eine Erweiterung ist selten ein "Muss", aber wer ein Spiel gern hat und oft spielt, für ihn oder sie ist eine Erweiterung eine Bereicherung.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Sehr gerne!