03.02.17

5 Fragen zu den "Exit-Spielen" 2017 von Inka und Markus Brand

1) Hallo Herr und Frau Brand, der Verlag "Kosmos" hat angekündigt, voraussichtlich im Mai diesen Jahres drei neue "Exit-Spiele" herauszubringen. Was können Sie uns über diese Produkte berichten?

 

Die neuen "Exit-Spiele" werden tatsächlich im Mai diesen Jahres erscheinen. Es wird drei neue Settings geben. In "Die verbotene Burg" erhalten die Spieler eine merkwürdige Einladung in eine alte verlassene Burg, vor "der vergessenen Insel" kentern sie mit ihrem Segelboot und in "Der Station im ewigen Eis" verpassen sie dummerweise die Evakuierung der Forschungsanlage, als dort ein unbekannter Virus auszubrechen droht.  Die Spiele funktionieren nach dem bekannten Prinzip, allesamt natürlich mit ganz neuen Rätseln.

 

2) Die bisher erschienen Teile haben sich über 100.000 Mal verkauft. Hat Sie das überrascht oder hat das der Verlag im Vorfeld prognostiziert?

 

Natürlich haben uns diese Zahlen überrascht. Dem Verlag war nach den ersten Vorbestellungen klar, dass die Spiele für großes Interesse sorgen. Das wir aber bereits nach 3 Monaten die vierte Auflage produzieren würden und die Verkaufszahlen im sechsstelligen Bereich liegen, hat wohl niemand wirklich geahnt.

Wir freuen uns und sind überglücklich, dass die Spiele so gut ankommen. 

 

3) Was unterscheidet eigentlich aus Autorensicht die Entwicklung von "Escape-Spielen" von der Konzeption von "Strategiespielen"?

 

Wir haben hier natürlich nur einen "Grundmechanismus", der für alle Spiele gleich ist. Wir mussten uns also nur ein einziges Mal das Decodier-, Lösungs- und Hilfe-System entwickeln und können nun für jedes neue Exit-Spiel darauf zugreifen. Das ist natürlich bei herkömmlichen Brettspielen nicht möglich, es sei denn man möchte sechs identische Spiele mit unterschiedlichen Themen machen.

Bei den Exit-Spielen können wir uns dann rätseltechnisch total austoben. Hier sind – abgesehen von der Materialfülle – quasi keine Grenzen gesetzt. Alles ist möglich.. Im „normalen" Brettspiel ist man da dann deutlich eingeschränkter, weil man sich nur innerhalb der entwickelten Mechanismen bewegen kann. Rätsel haben keinen vorgegebenen Mechanismus, bei jedem Rätsel ist ein anderer Weg das Ziel – einzig gemein ist allen Rätseln, dass sie eine Lösung haben – und die ist in unserem Fall stets dreistellig ;-)

Exit 2016 " Die verlassene Hütte"
Exit 2016 " Die verlassene Hütte"

4) Wer testet eigentlich Ihre "Exit-Spiele", bevor diese verkauft werden? Und wie verhält sich die Testphase von Strategiespielen zu der der "Exit-Spiele"?

 

Unsere Tochter ist meist die erste Testerin. Sie liebt die "Exit-Spiele" (egal von welchem Verlag) und löst die Rätsel schon erschreckend routiniert. Als nächstes kommt immer unsere Dienstag-Testrunde dran, die jeden Dienstag (wie der Name schon verrät) bei uns am Küchentisch sitzt und testet, was bei "Drei" nicht auf den Bäumen ist. Seit letztem Jahr haben wir nun auch die Möglichkeit auf den von uns organisierten offenen Spieleabenden in Gummersbach, bereitwillige Tester zu finden. Und dann gibt es natürlich noch das ein oder andere Spieleevent, auf dem wir fleißig testen. Im vergangenen Jahr waren wir eine Woche lang in Oberhof und haben dort bei fast 450 SpielerInnen aus dem Vollen schöpfen können. Rund um die Uhr konnten wir die "Exit-Spiele" testen.

 

Diese Spieleevents sind für uns Gold wert, denn selten hat man die Möglichkeit, auf so viele interessierte Menschen zu stoßen, die bereitwillig (fast) alles spielen, was man ihnen vorsetzt und dann auch noch ein wertvolles und vor allem fundiertes Feedback geben. Beides ist für die Tests der "Exit-Spiele" von großer Bedeutung – Masse wie Klasse! Eines unterscheidet die Tests nämlich von den herkömmlichen Prototypen-Tests: Hat die Gruppe das Spiel einmal gespielt, ist sie für uns "erledigt". Ein und dasselbe Spiel kann niemand ein zweites Mal testen. Wer des Rätsels Lösung kennt, ist "raus". Das liegt in der Natur der Sache. Heißt, dass wir einen unheimlich hohen "Testspieler-Verschleiß" haben. 

 

Was sich sicherlich auch noch gravierend von den Tests der "normalen" Brettspiele unterscheidet, ist die Tatsache, dass wir nach jeder Partie einen neuen Prototypen basteln müssen. Auch bei unseren Tests gerät das Material in Mitleidenschaft. Wenn die Karten beschriftet, geknickt oder zerrissen werden müssen, dann ist das eben so.

 

Inzwischen nehmen wir ein mobiles Büro mit auf die Spieleevents. Inka bastelt dann immer fleißig den Nachschub. Außerdem haben wir so die Möglichkeit, schnell und unkompliziert Änderungen vornehmen zu können. Oft stellen wir in den Tests fest, dass kleinere oder auch größere Dinge nicht so funktionieren, wie wir uns das vorstellen (Jeder Jeck rätselt anders). Mit unserem Büro im Hotelzimmer können wir dann gleich die uns vorschwebenden Änderungen einarbeiten und ausprobieren.  

 

5) Auch schon mal live in einem Escape Room gewesen? ;)

 

In einem? Ich denke, man kann uns getrost als "Escape-Junkies" bezeichnen. Es gibt eigentlich keinen Monat, in dem wir nicht mindestens einen Escape-Raum besuchen. Der nächste wird übrigens zur "Toyfair" in Nürnberg gespielt. Da freuen wir uns schon sehr drauf, zumal wir mit kompetenten Mitstreitern rätseln werden... Natürlich streben wir eine neue Bestzeit an ;-)

 

Danke für das Interview und viel Erfolg mit den Spielen!

Wir danken Dir!