21.08.17

5 Fragen zu "A Game of Thrones - Catan" von Klaus und Benjamin Teuber

 

Hallo Herr Benjamin Teuber, schön, dass Sie uns etwas über das bald erscheinende Spiel "A Game of Thrones Catan" erzählen werden.

 

1) Die Serie "A Game of Thrones" liegt gerade sehr stark im Trend. War es der einzige Beweggrund, warum eine thematische Anlehnung an die Serie erfolgt oder gibt es noch weitere Beweggründe für das aktuelle "Catan-Projekt"?

 

Dass die Serie derzeit so stark im Trend liegt, hat im Grunde nicht so viel damit zu tun. Tatsächlich handelt es sich auch gar nicht um eine thematische Anlehnung an die Serie, sondern um eine Anlehnung an die Bücher von George R.R. Martin, "A Song of Ice and Fire". Als wir gefragt wurden, ob wir ein "A Game of Thrones – Catan" machen möchten, kannte ich allerdings tatsächlich nur die Serie, von der ich ein riesen Fan war. Insofern kann man sagen, der Hype hat eine gewisse "Mitschuld", denn ohne die Serie zu kennen, hätten wir wohl nicht mit der Entwicklung des Spieles angefangen. :-) Klaus und einige andere aus unserem Entwicklungsteam hatten jedoch zum Zeitpunkt der Anfrage schon lange alle Bücher verschlungen, insofern konnten wir uns dann gut in die Welt hineindenken.

 

2) Inwieweit wird sich diese Version von dem ursprünglichen "Catan" unterscheiden?

 

Die Grundelemente "Ernten, Handeln, Bauen" sind natürlich enthalten, sowie alle Regeln, die zum ursprünglichen "Catan" gehören. Zu den bekannten Mechanismen gesellt sich nun die Geschichte aus "AGoT". Feindliche Wildlinge aus dem Norden, unter ihnen auch Riesen und wendige Kletterer, versuchen die Mauer zu erstürmen, um in den Süden zu gelangen. Die Spieler müssen dafür sorgen, dass die Mauer zu jeder Zeit ausreichend bemannt ist, um die kriegerische Streitmacht der Wildlinge abzuwehren und Raubzüge südlich der Mauer zu verhindern. So sendet jeder Spieler seine Wächter auf die Mauer und alle arbeiten kooperativ daran, sie zu verteidigen. Gleichzeitig steht jedoch gerade die Wahl des neuen Lord Kommandanten an. Der Spieler, der sich in der "Schenkung", also dem Gebiet direkt unterhalb der Mauer, am meisten Einfluss verschafft, indem er möglichst viele Siedlungen und Befestigungen baut und somit 10 Siegpunkte erhält, wird zum neuen Lord Kommandanten gewählt und gewinnt somit das Spiel. Jedoch kann er auf diese Weise nur dann gewinnen, wenn die Wildlinge von allen Spielern gemeinsam in Schach gehalten werden. Sollten die Wildlinge es 3 Mal geschafft haben, die Mauer zu durchbrechen, so bleibt nicht genug Zeit, den Lord Kommandanten anhand seines Einflusses in der Schenkung zu ermitteln – in dieser Notsituation wird der Spieler Lord Kommandant, der in jenem Moment die Mehrheit an Wächtern auf der Mauer gestellt hat. Diese zweite Möglichkeit, Lord Kommandant zu werden und zu gewinnen, führt zu schönen taktischen Überlegungen.

 

Ansonsten war es uns wichtig, dass wir noch eine Art "Basisspiel" ermöglichen. Mit dem kompletten Regelsatz zu "A Game of Thrones – Catan" wäre man als "Catan-Neuling" eventuell erst einmal überfordert. Für diese Spieler ist es wichtig, erst einmal das Basisspiel kennen zu lernen, damit sie die Grundregeln beherrschen. Daher kann man mit ein paar Abstrichen auch das gewohnte "Catan" Basisspiel spielen.  

 

Anfangs waren wir übrigens sehr skeptisch: Passt "A Game of Thrones" eigentlich zu "Catan"? Gibt es eine ausreichend große Überschneidung der beiden Marken in ihren Werten und Inhalten? Wir waren hin- und hergerissen. Wie wir alle wissen, geht es in "AGoT" nicht gerade zimperlich zur Sache, um es harmlos auszudrücken. "Catan" hingegen basiert auf dem friedlichen Miteinander, natürlich gibt es Konflikte, aber sie werden gewaltfrei ausgetragen. Auf den ersten Blick ist das eine große Diskrepanz. Wenn man aber noch einmal genauer hinschaut, ist es so, dass wir im Bereich der Schenkung das catanische Prinzip haben, sich möglichst erfolgreich und dabei friedlich auszubreiten und die meisten Siegpunkte zu erhalten. Schließlich können die verschiedenen Vertreter der Nachtwache sich nicht gegenseitig an den Hals gehen, selbst wenn sie die Macht erlangen und Lord Kommandant werden wollen, dafür ist die Gefahr von außen einfach zu groß. Diese Gefahr von außen ist eine Bedrohung, gegen die die Spieler gemeinsam und kooperativ vorgehen müssen. Nur zusammen können sie der Gefahr aus dem Norden trotzen.

Während also die erzählerischen Elemente aus "AGoT" in diesem Spiel eingeflossen sind, wird dennoch an den spielmechanischen Grundpfeilern "Catan’s" festgehalten. Diese interessante Mischung aus den beiden Welten hat uns letztlich überzeugt, weswegen wir das Projekt als "AGoT-Fans" nach der Überwindung der anfänglichen Skepsis mit viel Begeisterung angegangen sind.

 

3) Das Spiel haben Sie gemeinsam mit ihrem Vater Klaus Teuber entwickelt. Können Sie uns Einblicke in die Entwicklungsphase geben?

 

Eingefleischte "Catan-Fans" werden sofort erkannt haben, dass vor fast 20 Jahren ein historisches Szenario mit dem Titel "Die große Mauer" erschienen ist. Jenes Szenario behandelte thematisch die Errichtung der Großen Mauer in China und die Abwehr der Mongolen aus dem Norden. Dieses Szenario passte thematisch wie die Faust aufs Auge, wenn man sich die "Große Mauer" im Norden von Westeros anschaut.

 

Die Idee, die "Große Mauer" für dieses Spiel umzuarbeiten, kam übrigens nicht von uns. Ron Magin vom "Catan Studio Inc.", einem Entwicklungsstudios "Asmodees", hatte den Vorschlag, das Szenario dahingehend umzuarbeiten. Nach der anfänglichen, oben beschriebenen Skepsis überzeugte uns der Vorschlag von Ron. So setzten Klaus und ich uns daran, das Spiel umzuarbeiten. An einigen Stellen brachten wir dem Thema geschuldete Änderungen ein, an manchen Stellen hatten wir neue Ideen, die von den Regeln des historischen Szenarios "Große Mauer" teilweise beträchtlich abweichen. Nach vielen Testspielen zu Hause in der Familie und gemeinsam mit unseren Entwicklungsteams bei "Kosmos" und dem "Catan Studio", waren wir nach über einem Jahr Entwicklungsarbeit fertig und zufrieden. Momentan können wir es nicht erwarten, endlich die final ausgearbeitete Version zu sehen – bislang haben wir nur mit unserem, eher spartanisch ausgestatteten  Prototypen gespielt :). 

 

4) Neben dem Verlag "Kosmos" ist im Rahmen des Projektes noch eine Kooperation mit Verlag "Fantasy Flight Games" zustande gekommen. Welche Vorteile bringt diese Kooperation?

 

Tatsächlich ist es "FFG", die den direkten Kontakt zu George R.R. Martin haben. Wie oben erwähnt, kam ein Redakteur aus dem "Catan Studio" auf uns zu, welches wie "FFG" nun ebenfalls zu "Asmodee" gehört, und fragte, ob wir es für möglich halten, dieses Spiel zu machen. Basierend auf der engen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen dem "Kosmos Verlag" und "Catan Studio" war dann auch sofort klar, dass wir "A Game of Thrones – Catan" auf jeden Fall in beiden Ländern in der Landessprache veröffentlichen wollen. Die Redaktionsteams beider Verlage haben uns in der Entwicklung sehr unterstützt, weswegen wir an dieser Stelle auch gerne danke sagen wollen für die tolle Zusammenarbeit!

Die Produktion wird übrigens sehr international, denn neben "Asmodee" und "Kosmos" fanden noch 7 weitere "Catan- Partner" das Konzept sehr gut und sind in die Produktion eingestiegen.

 

5) Sind auch noch weitere Produkte im Universum von "A Game of Thrones" geplant? 

 

Momentan wäre es noch zu früh, etwas dazu zu sagen. Möglich wäre auf jeden Fall, eine Ergänzung für 5-6 Spieler zu veröffentlichen. Außerdem hatten wir durchaus noch ein paar Helferkarten getestet, die aber am Ende nicht in das Spiel kamen, weil es den Rahmen gesprengt hätte. Am zurückliegenden Wochenende auf dem "Gencon" kam das ganze Redaktionsteam zusammen und es sprudelten noch ein paar Ideen. Welche das waren, verrate ich an der Stelle aber lieber noch nicht, auch das wäre zu früh. 

 

Danke für das Interview. Fans von "A Game of Thrones" sind bestimmt schon sehr gespannt auf das Spiel!