24.12.15

            10 Fragen an Stefan Feld

Hallo Stefan,
vielen Dank, dass du dich bereits erklärst, mit mir das Interview zu führen. Charakteristisch für die Interviews vom Brettspiegel ist, dass dir exakt zehn Fragen gestellt werden. Also fangen wir mal mit Frage Nummer Eins an.

1) Für alle Leute, die noch nie was von dir gehört haben und sich jetzt fragen, wer Stefan Feld ist. Wie würdest du dich bei einem ambitionierten Spieler vorstellen, der noch nie etwas von dir gehört hat :)?

 

Ich würde mich als Autor vorstellen, der am liebsten Vielspielerspiele entwickelt, die viele Entscheidungen erfordern und bei denen man meisten gewissen Beschränkungen unterliegt und bei denen man etwas Frusttoleranz mitbringen muss ;)

2) Du hast schon sehr viele Spiele entwickelt, die über die Landesgrenzen hinweg sehr beliebt sind. Hättest du jemals mit einem solchen Erfolg gerechnet?

 

Nein, ehrlich gesagt nicht. Als ich damals anfing Spiele zu entwickeln, hatte ich keinerlei Ambitionen in der Spieleszene „berühmt“ zu werden. Ich war Spieler durch und durch, und bin es immer noch, und es war einfach noch ein neuer Weg sich mit Spielen auseinander zu setzen. Und ehrlich gesagt hatte ich auch Glück, dass meine Art Spiele zu machen bei vielen einen Nerv getroffen hat. 

3) Mittlerweile haben sich die typischen Feld-Spiele etabliert. Wie würdest du mit drei Begriffen die Art dieser Spiele beschreiben?

 

Eng, vielfältig, besondere Spielmechanik.

4) Jetzt mal Klartext ;), welches ist deiner Meinung nach dein stärkstes bzw. dein schwächstes Spiel und warum?

 

Das ist schwer zu beantworten. Es ist so, als wenn man Fragen würde: „Welches deiner Kinder hast du am liebsten?“ Alle meine Spiele sind mir ans Herz gewachsen, was vermutlich ganz natürlich ist, wenn man sich so intensiv damit auseinandersetzt. Es geht mir eher so, dass ich auf einige Mechaniken nach wie vor stolz bin, zum Beispiel die Windrose in Macao, oder das bewegen des Piratenanführers in Ru(h)m und Ehre, und andere Sachen, die ich heute anders machen würde: Der Händler in Revolte in Rom, oder das Wirtshaus in Notre Dame.

5) Fühlst du dich manchmal wie der Leonardo DiCaprio der Brettspielszene, da du eine Menge von hochqualitativen Spielen entwickelst, jedoch meist „nur“ auf unzähligen Empfehlungs- sowie Nominierungslisten landest und die begehrten Preise (Spiel/Kennerspiel des Jahres, Deutscher Spielepreis) noch nicht erhalten hast ;)?

 

Ein Freund von mir hat mal gesagt, ich wäre der Ballack der Spieleszene, was ja genau in die gleiche Richtung geht. Natürlich würde ich mich sehr darüber freuen, auch mal ganz oben zu stehen. Aber es liegt mir fern, meine Spiele absichtlich mit dieser Zielsetzung zu entwickeln. Ich glaube, dann würde das Kreative verloren gehen.

6) Bist du mit den Resonanzen auf deine Spiele zufrieden?

 

Ja, absolut. Ich erhalte ganz viele positive Rückmeldungen und das ist sehr schön. Und das es auch kritische Stimmen gibt, finde ich absolut in Ordnung. Ich habe gelernt, es nicht allen Recht machen zu können.

 

Inwiefern integrierst du Anregungen und Lob in die nachfolgenden Entwicklungen?

Das ist sehr schwer. Und, ehrlich gesagt, bin ich sehr schlecht, was die Vorhersage von Erfolgen meiner Spiele angeht. Bei „Burgund“ habe ich nicht damit gerechnet, dass es so durchstartet und bei „La Isla“ habe ich gedacht, das müsste der Renner sein. ;)

7) Wie reagierst du auf Kritik, in der man behauptet, dass deine Spiele sehr trocken sind, sich nach Arbeit anfühlen und keine thematische Atmosphäre erzeugen?


Da steckt ja manchmal schon was dahinter ;o) Was ich nicht verstehe ist, dass das bei meinen Spielen immer besonders hervorgehoben wird. Nehmen wir mal „Marco Polo“, ein wirklich tolles Spiel.  Ich würde behaupten hier kommt jetzt auch nicht mehr thematische Atmosphäre, wie bei meinen Spielen auf. Trotzdem wird das dort nicht so breit getreten, wie bei mir. Vermutlich habe ich den Fehler begangen, offen zuzugeben, dass ich eher der Mechaniker bin. Oder den vielen Schreibern fällt einfach nichts Neues mehr ein und es wird einfach gerne mit Stereotypen gearbeitet.

8) Was war dieses Jahr los? ;) Normalerweise ist man von dir einen fortlaufenden Output gewöhnt. Oder hast du was Großes für nächstes Jahr (2016) geplant?

 

Ich bin nun seit eineinhalb Jahren Schulleiter unseres Gymnasiums, was dazu geführt hat, dass ich in dieser Eingewöhnungszeit nicht mehr so viel Zeit in Spiele investieren konnte. Das hat sich aber nun etwas gebessert, so dass es 2016 einige Sachen geben wird. Relativ fest steht schon „Burgen von Burgund – Das Kartenspiel“ bei alea und „Das Orakel von Delphi“ bei Hallgames.

9) Wie findest du die Ansicht, dass man auch neuen Illustratoren und Autoren seitens der Verlage eine Chance bieten sollte, in dieser Branche Fuß zu fassen und evtl. für Vielseitigkeit in der Brettspielszene zu sorgen?

 

Auf jeden Fall! Und meines Erachtens passiert das ja. Vor allem wird die Szene internationaler.

10) Was sich wahrscheinlich die Leser da draußen fragen ist, ob man den Job als Spieleautor als Hauptberuf ausüben kann oder sich diese Betätigung finanziell nur als Hobby realisieren lässt?

 

Man kann schon, und es tun ja auch einige. Ich könnte aber mit der Art von Spielen, die ich mache, nicht davon Leben. Hierfür sind die Absatzzahlen dann doch überschaubar. Und auf Lizenzprodukte und Mitbringspiele habe ich keine echte Lust.


Vielen Dank Stefan, dass du dir die Zeit genommen hast, um die Fragen zu beantworten. Dann bin ich mal auf 2016 gespannt, was von dir auf den Markt kommen wird.
Sehr gerne !