22.01.16

10 Fragen an Michael Menzel

Hallo, Herr Menzel. Danke, dass Sie sich für das Interview Zeit nehmen. Es werden Ihnen gemäß der Interviews vom Brettspiegel exakt zehn Fragen gestellt und dann fangen wir mal an.

 

1) Wie würden Sie sich einem Spieler vorstellen, dem Sie begegnen und der gerade „Die Legenden von Andor“ auf dem Tisch liegen hat?

 

Hallo, ich bin Michael Menzel, der Autor und Illustrator dieses Spiels und allein verantwortlich für die Positionierung der Feldzahlen!

 

2) Sie haben unzählige Spiele illustriert, gehören zu den bekanntesten Illustratoren und haben mit „Die Legenden von Andor“ einen großen Wurf als Spieleentwickler gemacht. Dann bietet sich direkt einmal eine Entscheidungsfrage an: Entwicklung oder Illustration und warum? ;)

 

„Die Legenden von Andor“ war ein Unfall :) Ich bin und bleibe Illustrator. Das Malen und Zeichnen ist meine Leidenschaft seit ich denken kann und es gibt wohl nur wenige Tage in meinem Leben, an denen ich nicht gezeichnet habe. 

 

3) Wenn ich mich nicht täusche, haben sie “Die Legenden von Andor“ mit Ihren Kindern zusammen entwickelt. Inwiefern hat deren Mitwirkung zu dem Endergebnis beigetragen?

 

Mein Sohn und mein Neffe waren sozusagen der Grund, weshalb ich das Spiel überhaupt entwickelt habe. Wir wollten etwas mit Zauberei, Drachen und Kämpfern spielen. Da die Spiele mit diesen Themen häufig ganz besonders viele Regeln haben (die beiden waren damals gerade mal 9 Jahre alt), habe ich angefangen etwas Eigenes zu entwickeln. Alle Regeln sollten sich möglichst logisch erschließen, wie beispielsweise der Schild, den man 2x einsetzen kann. Auf der Vorderseite ist er noch neu, dann, nach der ersten Benutzung wird er auf die Rückseite gedreht und ist ziemlich verbeult. Setzt man ihn ein zweites Mal ein, geht er aus dem Spiel, so als würde er auseinander fallen. Wenn man das einmal gelernt hat und es stringent bei anderen Gegenständen genauso funktioniert, dann gibt es eine Hürde weniger, die sonst weniger erfahrene Spieler, wie mich und meine Jungs, vom Spielspaß trennt.  

 

4) Eine Frage, die vielen Leuten auf der Seele brennt, ist: Wie lange brauchen Sie eigentlich für die Anfertigung eines Charakters, wie z.B. bei Brügge oder Andor?

 

Das ist sehr schwer zu beantworten, weil ich selbst beim Malen nicht auf die Zeit achte. Eine Karte ist fertig, wenn sie fertig ist. Ich würde tippen, dass ich für eine Heldentafel von Andor etwa einen halben Tag benötige, aber es gab auch schon welche, die zuerst nicht gelingen wollten und dann kann das auch mal viel länger dauern. 

 

5) Wie würden Sie in drei Worten Ihren Illustrationsstil bezeichnen?

 

kraftvoll, erdig, malersich

 

6) Können Sie in einigen Schritten erklären, wie genau der Prozess der Anfertigung einer Illustration bewerkstelligt wird?

 

Schwer. Im Idealfall weiß ich schon vorher, wie das fertige Bild aussehen soll. Dann ist es wie Malen nach Zahlen – es ist schon alles da, ich muss es nur noch malen. Häufig, an weniger konzentrierten Tagen, ist es eher ein Rumsuchen nach der richtigen Form und Farbe. 

Ich habe Ihnen hier mal ein Bild mitgeschickt, das ich kürzlich für eine Hintergrund-Geschichte zu "Die Legenden von Andor" illustriert habe. So kann man sich das vielleicht besser vorstellen.  

 

Da ich keine professionelle Ausbildung zum Illustrator genossen habe, kann ich eigentlich nicht wirklich sagen ob das so gut ist, wie ich es mache. Vielleicht gibt es einen besseren Weg?

 

7) „Entstehen im Rahmen der Illustrationstätigkeit auch Kooperationen, oder arbeitet man als Illustrator eher solitär. Denn blickt man auf die Rückseite der Spieleschachteln, wird oft zwischen Illustration und Grafikdesign unterschieden. Stimmt sich der Illustrator also in der Regel mit einem Grafikdesigner ab?“

 

Das ist sehr unterschiedlich und die Übergänge sind fließend. In der Regel bin ich allein verantwortlich für die Illustration, wenngleich viele Einflüsse von den Redaktionen und manchmal auch vom Autor kommen. Was sehr gut ist, denn wer kennt das Spiel besser als der Autor und die Redaktion? Das Grafik-Design ist eher der technische Teil der Arbeit, wie das Setzen von Karten-Texten oder der Regel. Das gehört nicht in meinen Arbeitsbereich. Eine enge Zusammenarbeit mit einem anderen Illustrator könnte ich mir nur dann vorstellen, wenn sich unsere Arbeit gegenseitig „beflügelt“. Hier fällt mir spontan Maura Kalusky ein, dessen Illlus ich einfach großartig finde. Allerdings hätte ich da ein bisschen Sorge, dass er mich „unter den Tisch malt“. :)

 

8) Was viele Leute da draußen interessiert, ist, ob Sie hauptberuflich als Illustrator agieren und wie es zu diesem Berufszweig kam?

 

Ich bin durch eine Zufallsbegegnung zu meinem ersten Auftrag gekommen. Das war pures Glück. Allerdings habe ich recht schnell realisiert, dass das Illustrieren von Brettspielen ein echter Traumjob ist und habe dann alles dafür getan, um mehr Aufträge zu bekommen. 

 

9) Um nochmal auf das Thema Spielentwicklung zurückzukommen. Wie war es, die Neuerscheinung „Die Legenden von Andor – Chada & Thorn“ von einem anderen Autor entwickeln zu lassen, das auf ihrem Basisspiel beruht? Haben Sie auf die Entwicklung eingewirkt? Und welche Argumente würden aus Ihrer Sicht für einen Kauf sprechen? ;)

 

Gerhard Hecht war mein Wunsch-Autor. Ich sehe mich, wie oben beschrieben, nicht als Autor und wollte aber für Andor ein knackiges 2 Personenspiel haben. Ein Spiel mit einem starken Kartenmechanismus, das auch Nicht-Andor-Fans anspricht. Wenn man es selbst nicht kann,  sollte man sich an einen Profi wenden. Die Zusammenarbeit mit Gerhard war toll. Ich habe mich hauptsächlich wegen der Story eingemischt, denn das ist nun einmal der Teil, den Gerhard nicht erfüllen konnte. Das Spiel sollte, wenngleich eigenständig, völlig in die Andor-Welt eingebettet sein.

Chada & Thorn eignet sich für Leute, die häufig zu zweit spielen und auch mal gemeinsam gewinnen wollen. Ich finde, dass kooperative Spiele auch besonders gut für Eltern mit Kindern geeignet sind, weil man sich hier ausdrücklich helfen soll.

 

10) Manche bösen Zungen behaupten, Sie würden sich auf den Lorbeeren von „Die Legenden von Andor“ ausruhen ;) Kann man in Zukunft kein anderes Spiel mehr von Ihnen erwarten?

 

Echt? Also ich glaube nicht, dass ich mich auf irgendwas ausruhe. Im Gegenteil! Die Welt von Andor ist ja doch sehr lebendig und ich entwickle weiterhin kostenlose Bonus-Legenden und Mini-Erweiterung, die dann zum Download auf www.legenden-von-andor.de bereitstehen. Zudem ist Andor ja als Trilogie geplant und mit „Die Reise in den Norden“ ist ja erst Teil II erschienen. Ich freue mich darauf die Geschichte eines Tages weiterzuerzählen.

 

Danke, dass Sie sich Zeit genommen haben.

Vielen Dank für die tollen Fragen und weiterhin viel Erfolg mit brettspiegel.de.