25.06.16

10 Fragen an Johannes Sich

 

Hallo, Herr Sich! Schön, dass Sie sich den 10 Fragen des Brettspiegels stellen ;)

 

Sie haben das Spiel "La Cosa Nostra" über Ihren eigenen Verlag rausgebracht und über die deutsche Plattform Start Next im Jahre 2014 finanziert. Wie blicken Sie nun aktuell auf Ihr Spiel zurück und welches Fazit ziehen Sie?

 

Ich bin im Rückblick äußerst zufrieden und sehr stolz drauf. Es war eine unglaublich anstrengende Zeit, doch nun mit etwas Abstand kann ich sagen, dass es sich echt gelohnt hat. Für ein deutsches Indie-Game ist es sehr erfolgreich und verkauft sich immer noch gut. Wir bekommen regelmäßig Nachrichten und Bewertungen von begeisterten Spielern - da freu ich mir jedes Mal ein Loch ins Knie. Danke Leute!

Und es geht weiter: In naher Zukunft wird eine polnische Version bei Baldar Games erscheinen, und auch eine englische Ausgabe ist in Planung. Letztere wird von Quined Games veröffentlicht und war eigentlich schon für Juni als Kickstarter-Projekt geplant. Leider musste der Termin nochmal verschoben werden. Ich freue mich sehr darauf.

 

2. Was viele Fans von "La Cosa Nostra" sicher interessiert: Wird in nächster Zeit eine Erweiterung erscheinen? Wenn ja, würde diese dann ebenfalls über Startnext finanziert werden?

 

Ich arbeite derzeit an zwei Entwürfen für mögliche Erweiterungen, eine kleinere und eine größere, bei der tatsächlich eine ganz neue Ebene ins Spiel kommt.

Leider dauert das alles seine Zeit, und wir sind derzeit auch noch sehr mit der Vorbereitung der englischen Kickstarter-Kampagne beschäftigt.

Ob die Veröffentlichung einer Erweiterung wieder über Startnext erfolgt, ist noch nicht klar, aber es wäre natürlich naheliegend.

3. Ist die Entwicklung von Spielen und der Vertrieb über Startnext eine Angelegenheit, mit der man seinen Lebensunterhalt bestreiten könnte?

 

Der Vertrieb allein über Crowdfunding würde sicherlich nicht ausreichen. Um gewinnbringend Spiele zu vermarkten, muss man auch langfristigen Verkauf anstreben, das Spiel über Großhandel für Spieleläden verfügbar machen, Messen besuchen etc. Also letztlich klassische Verlagsarbeit, mit der man einen großen Teil seiner Zeit verbringt. Es wäre bestimmt möglich, in Vollzeit an der Entwicklung, Gestaltung und Vermarktung eigener Spiele zu arbeiten und damit auch sein Geld zu verdienen. Doch man muss sich fragen, ob man all diese Arbeitsbereiche selbst machen (und erlernen!) will, die im Normalfall ein ganzer Verlag mit mehreren routinierten Mitarbeitern macht. Und darüber hinaus muss man das unternehmerische Risiko bedenken: Wenn ein Projekt floppt, dann hat man vielleicht schon ein Jahr unbezahlter Arbeit in Grafik und Entwicklung hineingesteckt, was man als Einzelkämpfer sicher schwer verkraften kann.

 

4. Arbeiten Sie auch noch an anderen Spielen als Entwickler und als Illustrator?

 

Ich habe ein paar Ideen für weitere Spiele in Arbeit, aber die befinden sich noch im Anfangsstadium. Als Illustrator habe ich zusammen mit meinem Kollegen Daniel Goll zuletzt das Artwork von "Haspelknecht" gemacht, das letztes Jahr bei Quined Games erschienen ist. Derzeit ist eine amerikanische Lokalisierung in Vorbereitung, wofür wir gerade ein neues Box-Design entwerfen (erscheint dieses Jahr bei Capstone Games). Weitere Projekte sind in Vorbereitung, aber noch nicht offiziell.

 

5. Was macht Ihnen mehr Spaß, ein Spiel zu entwickeln oder es zu illustrieren? Wie ist derzeit die Arbeitsverteilung?

 

Das ist schwer zu vergleichen. Mir macht beides großen Spaß. Da ich schon seit vielen Jahren als Illustrator arbeite bin ich darin natürlich geübter als in der Entwicklung von Spielen -" La Cosa Nostra" ist ja mein erstes eigenes Spiel. Die Grafik für ein Spiel zu machen ist ein Projekt von Wochen oder Monaten, während ich mit der Entwicklung eines Spiels eher Jahre verbringe. Erfahrenen Autoren fällt es sicherlich viel leichter, ein Konzept bis zum fertigen Spiel zu entwickeln.

 

6. Wie würden Sie Ihren Illustrationsstil mit drei Wörtern beschreiben?

 

Schwer zu sagen, da ich immer versuche die Stilistik dem jeweiligen Projekt anzupassen. Vielleicht am ehesten: vielseitig, skurril, comic-inspiriert.

 

7. Gibt es einen Spieleverlag, einen Autor oder ein bestimmtes Projekt, wofür Sie gerne die Illustrationen angefertigt hätten oder in Zukunft anfertigen würden?

 

Ich würde sehr gern mehr im Bereich Sci-Fi & Fantasy machen, auch wenn, bzw. gerade weil ich bisher recht wenig in dieser Richtung gemacht habe.

Ein Projekt das ich sehr interessant fänd, wäre die Mitarbeit an "T.I.M.E. Stories". In dem Spiel wird mit jedem neuen "Fall" ein neues Genre abgedeckt, eine neue kleine Welt kreiert, mit eigenen Charakteren und Schauplätzen.

Wow, das ist eigentlich eine gute Idee, vielleicht schicke ich denen mal mein Portfolio. Danke für diese Frage ;-)

 

8. Welche Spiele würden Sie den Lesern empfehlen und warum?

 

Ich spiele immer wieder sehr gern  "Ein bisschen Mord muss sein", ein Spiel das sich sehr gut dafür eignet, auch mit Gelegenheits- oder Nichtspielern einen wahnsinnig lustigen Abend zu haben. Viel Gerede, Schauspielerei und Nervenkitzel an der Grenze zum Stress, da muss man sich schon drauf einlassen, aber immer wieder ein großer Spaß.

Als Absacker danach eine Runde "Escape from the aliens in outer space" - schnell erklärt, wenig Reden, langes Grübeln, dichte atmosphärische Spannung.

Wer "La Cosa Nostra" mag, dem kann ich auch Tom Vasels "Nothing Personal" ans Herz legen. Ein sehr stimmungsvolles Mafia-Spiel mit großer thematischer Tiefe und harten Verhandlungen.

 

9. Gibt es einen Illustrator von Brettspielen, von dessen Arbeit Sie besonders angetan sind? Wenn ja, was zeichnet für Sie diese besonderen Illustrationen aus?

 

Spontan fallen mir das großartige Artwork von Weberson Santiago für "Die Blutige Herberge" ein, sowie das von Markus Bülow für "Duell: Spiel mit mir das Spiel vom Tod". Beide bestechen durch einen jeweils sehr eigenständigen, künstlerischen Illustrationsstil, der sich mutig von den gängigen Brettspiel-Illustrationen abhebt und die Stimmung des Spiels hervorragend transportiert.

 

10. Welche Tipps würden Sie Leuten geben, die eine Startnext Kampagne starten wollen?

 

Der wichtigste Tipp ist vielleicht: Überlege dir vorher, ob du wirklich die Zeit und die Motivation aufbringen willst und kannst, die dafür nötig ist. Natürlich kann man auch eine Kampagne mit geringem Aufwand fahren, doch man sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass es mit etwas Glück zum Selbstläufer wird. Wenn man wirklich viele Leute erreichen will, dann ist das definitiv mit einem überwältigenden Arbeitsaufwand verbunden.

Ich denke ein wichtiger Faktor ist, dass man ein Team von ein paar Leuten hat. So kann man Aufgabenbereiche aufteilen und steht mit dem Druck und der Verantwortung nicht alleine da. Dann kann man das Ganze auch auch trotz Stress noch ein wenig genießen - denn es soll ja auch Spaß machen so ein Projekt!

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Es war mir ein Vergnügen.