10.02.16

10 Fragen an Inka & Markus Brand

Hallo Inka und Markus Brand. Danke, dass Sie sich für das Interview Zeit nehmen. Fangen wir mal mit der ersten Frage an.

 

1) Zu Beginn eine direkte Frage ;): Sie sind eigentlich nur als Autorenduo bekannt und können Sie sich vorstellen, im Hinblick auf die Entwicklung von Spielen auch getrennte Wege zu gehen?

 

Das werden wir sehr häufig gefragt. Sicher wäre es möglich, auch alleine ein Spiel zu entwickeln, aber das wollen wir gar nicht. Wir haben das große Glück, hier unser gemeinsames Hobby ausleben zu dürfen - so etwas ist nicht selbstverständlich. Als Team funktionieren wir sehr gut. Wir können unsere Ideen sofort ausprobieren und bekommen umgehend ein Feedback. Wir ärgern uns gemeinsam, wenn etwas nicht rund läuft und freuen uns über Erfolge zusammen. Das alles ist in unseren Augen nicht nur förderlich für die Qualität dessen, was am Ende auf dem Tisch liegt, sondern auch eines der „großen Lose“ in unserer Beziehung. 

 

2) Was würden Sie hinsichtlich der Fähigkeiten im Entwickeln über den jeweils Anderen sagen?

 

Inka ist die Verträumte. Bei ihr ist zunächst alles möglich. Jedes Thema, jeder Mechanismus, jedes Material - alles passt schon irgendwie in die Schachtel. Oft kommt sie über das Thema auf neue Gedanken. Gerade im Erwachsenen-Spiel kommen die ersten Ideen für ein Spiel meist von ihr.

Markus ist eher für die Zahlen zuständig. Obwohl er zu Schulzeiten in Mathe kein Überflieger war, sorgt er für ein ausgewogenes Verhältnis im Spiel. Das Austarieren von Siegpunkt- oder Kartenwerten läuft bei ihm schon fast aus dem Bauch heraus. Außerdem widmet er sich mit großer Leidenschaft dem Bau von aufwendigeren 3D-Prototypen, vornehmlich im Kinderspiel-Bereich. Noch immer ist er auf den Bau der „Monsterfalle“ sehr stolz. 

 

3) Sie haben beide mit dem Brettspiel „Village“ den Preis des Kennerspiels 2012 gewonnen und es wurde nun das Spiel „My Village“ entwickelt, das eine Anlehnung an „Village“ ist. Wie kam es zu dieser Würfelvariante? War dies die Idee des Verlages oder womöglich Ihr Bestreben?

 

Wir haben uns den treibenden Würfelmechanismus ausgedacht und wollten um diesen herum ein neues Spiel entwickeln. Relativ schnell waren wir an einem Punkt, an dem wir bemerkten: Man könnte tatsächlich ein Village-Würfelspiel daraus machen. Wir informierten dann den Verlag und erkundigten uns, ob überhaupt Interesse an einem solchen Spiel bestünde. Wäre hier kein „Go“ von Eggertspiele bekommen, wäre vermutlich etwas ganz anderes daraus geworden.

Wir haben uns also niemals mit dem Gedanken an den Tisch gesetzt, nun ein Village-Würfelspiel zu entwickeln…es kam einfach.

 

4) Jetzt mal ehrlich, wer hat denn bei Meinungsverschiedenheiten das letzte Wort? ;)

 

Inka glaubt, dass Sie immer Recht hat und Markus gibt ihr das Gefühl, dass Sie immer Recht hat :-)

 

5) Sie beide haben die unterschiedlichsten Spiele konzipiert, die sich über diverse Genres erstrecken. Welche Art von Spielen macht Ihnen am meisten Spaß?

 

Beim Entwickeln macht immer das Spiel am meisten Spaß, das gerade bearbeitet wird. Da sind wir beim Kinderspiel genauso leidenschaftlich am Werk, wie bei einer neuen Village-Variante. Der gemeinsame kreative Part ist es, der uns so viel Freude bereitet. Das oftmals „lästige“ Drumherum, wie das Spielregel Schreiben oder Prototypen Basteln bringt dann schon mal weniger Freude.

Wenn es aber nicht ums Spiele Entwickeln sondern tatsächlich nur um die fertigen Spiele geht, bevorzugen wir beide inzwischen das Genre des „gehobenen“ Familienspiels. Eine Spieldauer mit 60 bis 90 Minuten, nicht zu verkopfte Spielregeln und ein hoher Wiederspiel-Reiz treffen im Moment unseren Nerv absolut.

 

6) Welche drei Spiele gefallen Ihnen von Ihren Spielen am besten und was sind Ihre Lieblingsspiele von anderen Autoren?

 

Eigentlich sollte es schwer sein, unter den „eigenen Babys“ die liebsten zu benennen, aber wir können sie doch recht leicht ausmachen. In der Regel spielen wir unsere Spiele ja bereits vor der Veröffentlichung mehrere hundert Mal, um alle Eventualitäten zu testen. Wenn Sie dann erscheinen, rühren wir sie in der Regel so gut wie gar nicht mehr an, weil wir sie einfach schon häufig genug gespielt haben.

Unsere Spiele „Village“, „La Boca“ und „Murano“ holen wir aber tatsächlich immer mal wieder hervor.

 

Lieblingsspiele der Kollegen haben wir natürlich auch.

Aktuell begeistert uns total das neue „Pandemic Legacy“ von Matt Leacock und Rob Daviau und natürlich das großartige „Orléans“ von Reiner Stockhausen. Die Alltime-Bestenliste führt sicher Alan Moon´s „Zug um Zug“ an und Stefan Dorra´s „Medina“ liegt auch nach wie vor sehr hoch im Kurs.

 

7) Sie waren beide für die Erweiterung von Orleans, Orleans Invasion zuständig. Sie haben mit dem Autor Reiner Stockhausen kooperiert. Wie war es für Sie, als Autorenduo nun mit einem dritten Autor zusammenzuarbeiten?

 

Diese Kooperation lief in der Tat anders ab, als man sich das vorstellen mag. Reiner hat uns im Frühsommer 2015 kontaktiert und nachgefragt, ob wir uns vorstellen könnten, Szenarien für eine Orléans-Erweiterung zu entwickeln. Da - wie oben bereits erwähnt - Orléans zu unseren aktuellen Lieblingsspielen zählt, mussten wir gar nicht lange überlegen. Wird uns eine solche Ehre zuteil, können wir sie nicht ausschlagen. Wir sagten zu und tüftelten den Sommer über an den beiden Szenarien „Invasion“ und „Blütezeit“. Reiner selbst entwickelte parallel die Soloszenarien und die Duell-Variante. Am Ende haben wir dann alles zusammengetragen und gemeinsam getestet.

 

8) Wie verläuft die Kooperationen mit den Verlagen ab? Wer geht auf wen zu? Werden Ihre Grundideen modifiziert? Können Sie auch auf Illustrationen (Illustrator und Stile) Einfluss nehmen?

 

Wir haben das große Glück, in der Branche Fuß gefasst zu haben. Inzwischen kontaktieren uns auch die Verlage und vergeben Auftragsarbeiten. Wir dürfen dann Spielideen zu bestimmten Lizenzen ausarbeiten - wie zum Beispiel zu der ProSieben-Serie „Stromberg“, zu den „Drei ???“ oder - was einem Ritterschlag gleichkommt - zu „Star Wars“.

Unsere freien Ideen können wir den Verlagen unserer Wahl vorstellen. Wir treffen die Redakteure dann meist auf den großen Spiele-Messen, der Spiel in Essen oder der Toyfair in Nürnberg und präsentieren ihnen dort, was uns Neues eingefallen ist.

Die Redakteure nehmen die Ideen mit, wenn sie denn gefallen und testen sie verlagsintern. Gefällt ein Spiel bekommt es dann irgendwann den Zuschlag und die redaktionelle Arbeit beginnt. Dann kann durchaus noch an einzelnen Regeln gefeilt werden, das Thema kann sich gänzlich ändern und der Illustrator macht sich ans Werk. Bei kleineren Verlagen dürfen wir dann auch schon mal einen Wunsch bezüglich des Illustrators äußern - bei größeren Verlagen ist dies schwieriger.

 

9) Ihre Spiele sind sehr vielseitig und erstrecken sich von Kinderspielen bis hin zu Spielen für Kenner bzw. Vielspieler. Können Sie dennoch beschreiben, welche Hauptcharakteristika ihre Spiele eventuell gemeinsam haben?

 

Was wohl alle Spiele gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie uns gefallen. Wir versuchen, jedem Spiel etwas Besonderes oder Neuartiges zu geben. Natürlich kann man das Rad nicht neu erfinden, aber wir sind sehr zufrieden, mit dem, was wir bisher entwickelt haben.

 

10) Wer hat wen zum Spielen gebracht und eventuell zum Spielen gezwungen bzw. überredet :).

 

Wir haben beide immer schon gerne gespielt und uns auch über das Thema „Spielen“ kennen und lieben gelernt. Inka war aber immer eher die „Taktikerin“ und Markus der „Party-Spieler“. Das hat sich auch tatsächlich in der ganzen Zeit - wir sind inzwischen 16 Jahre verheiratet - nicht verändert.