10 Fragen an Helmut Ohley

01.03.16

Hallo Herr Ohley,

vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben. Zehn Fragen gehen nun an Sie.

 

1) Folgendes Szenario: Sie betreten ein Zugabteil, gehen durch den Gang und sehen dort auf einem Tisch zwei Personen, die „Russian Railroads“ spielen (gehen wir mal von einem etwas größeren Tisch aus ;)). Was würden Sie diesen beiden Spielern sagen?

 

Wahrscheinlich würde ich nur kurz zusehen, ansonsten den Spielern zu ihrer Spieleauswahl gratulieren :-)

 

2) Wenn man Ihren Namen hört, denkt man direkt an Ihr Brettspiel "Russian Railroads", mit welchem Sie den Deutschen Spielepreis 2014 gewonnen haben. Können Sie den Lesern einen Einblick in die Entwicklung des Spiels geben (Entwicklungszeit, Testphase, Herausforderungen, Ergebnis/Zufriedenheit)

 

Aus der Erinnerung, ohne mich zeitlich genau festlegen zu können, die Entwicklung begann wohl 2010, nachdem im Oktober 3 Spiele (u.a. Poseidon) erschienen sind, war plötzlich wieder Zeit für etwas Neues! Nach ca. 1,5 Jahren war es dann soweit „fertig“. Aber erst nach einem weiteren Jahr intensiver Zusammenarbeit mit dem Hans im Glück Verlag wurde es zu dem Spiel, über das wir gerade reden. Ich glaube das Ergebnis kann sich sehen lassen, zumindestens ich bin sehr zufrieden!

 

3) Ist Ihnen die Idee zum Spiel "Russian Railroads" während der Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn gekommen? ;) Waren Sie schon mal in Russland oder wie kamen Sie zu diesem Bezug?

 

Ich war leider noch nie in Russland, aber das Thema russische Eisenbahn und vor allem die Transsibirische war schon viele Jahre im Hinterkopf, und hätte sich auch für ein 18xx angeboten, aber da waren andere schneller ….

 

4) Wenn man sich Ihre Spiele anschaut, dann kommt des Öfteren das Thema Züge und Straßenbahnen prägnant zum Vorschein. Kann man schon so weit gehen und sagen, dass sie leidenschaftlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und deshalb das Thema immer wieder integrieren ;)?

 

Leider nein, auch wenn es die guten Vorsätze gebieten würden, weniger mit dem Auto zu fahren!

 

5) Vor kurzem ist die Erweiterung zu "Russian Railroads" erschienen. War eine Erweiterung bereits bei der Konzeption des Grundspiels geplant, oder wurde dem Wunsch vieler Spieler sowie Rezensenten nachgegangen, mehr Variabilität zu schaffen? Inwiefern bereichert die Erweiterung das Grundspiel?

 

Eine Erweiterung war ursprünglich nicht geplant (wäre auch komisch, oder?). Der Gedanke kam nach und nach, dabei ist der Wunsch nach mehr Variabilität eher unbewusst in die Entwicklung mit eingeflossen. Ob die Erweiterung das Grundspiel bereichert, müssen letztlich die Spieler entscheiden. Ich denke, dass sie den Anreiz bietet, auch mal wieder ganz andere Wege zu suchen und auszuprobieren.

 

6) Sie haben schon einige Spiele mit Ihrem Autorenpartner Leonard Orgler entwickelt. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande? Jetzt mal ehrlich ;) Gibt es eventuell Aspekte dieser Zusammenarbeit bei der Sie sagen würden, dass Sie lieber alleine entwickeln, wie z. B. bei Trambahn?

 

Es hat Vor- und Nachteile, aber die Vorteile überwiegen. Der ständige Austausch über einzelne Punkte bringt das Spiel voran, schwierig wird’s natürlich wenn man über ein Detail unterschiedlicher Ansicht ist, aber man hat ein gemeinsames Ziel und die Chancen sind gut, dass man zusammen die „beste“ Lösung findet.

 

7) Ist vermutlich auch was für die Zukunft geplant? Eventuell noch ein Brettspiel mit dem Thema Eisenbahn? Oder möchten Sie gerne auch thematisch wieder mal in eine andere Richtung gehen?

 

Ein bereits abgeschlossenes gemeinsames Projekt ist 1844/1854 das 2016 bei Lookout erscheinen wird. Wenn die Mechanik passt, kann ich mir gut vorstellen, beim Thema Eisenbahn zu bleiben, aber auch andere Themen können spannend sein, ich bin da offen für Alles!

 

 

 

8) Wie würden Sie ihre Spiele mit 3 „Wörtern“ beschreiben?

 

- Meist etwas komplexer

- wenig Glück

- spiele ich immer wieder gerne

 

(Bild: Prototyp Russian Railroads)

 

 

9) Was sind denn eigentlich Ihre drei Lieblingsspiele und warum?

Das kann man so eigentlich nicht beantworten, zum einen sind 3 Spiele viel zu wenig, dann ändert sich das auch immer mal wieder, und ich kann mit ganz vielen Spielen Spaß haben.

Ich versuche mal 3 Punkte zu nennen.

- Eigene Spiele, die eigenen Kinder sind einem die Liebsten!

- 18xx, allen voran 1830 weil es mein erstes 18xx war das ich gespielt habe.

- und dann noch ganz viele Spiele von HiG, Lookout und Alea.

 

 

10) Eine kleine Funfrage noch zum Schluss ;): Sind Sie womöglich neidisch, weil Ihnen die Idee einer dreidimensionalen Eisenbahn, wie z. B. bei Colt Express, nicht eingefallen ist?

 

Nein, neidisch bin ich nicht, bei der Menge an guten Ideen hätte ich da viel zu tun ;-) Und als Spieler freue ich mich ohnehin über jede gute Idee und jedes gute Spiel!