15.06.16

10 Fragen an Franz Vohwinkel

Hallo Herr  Vohwinkel, schön, dass Sie sich für das Interview Zeit genommen haben.

 

1) Sie haben bisher unfassbar viele Brettspiele gestaltet. Anscheinend haben Sie immer noch nicht die Leidenschaft für das Illustrieren verloren ;). Wie hat sich Ihre Arbeit im Gegensatz zu den Anfangstagen vom Gefühl her verändert.

 

 Da ich schon einige Spiele illustriert habe und es jede Menge Spiele zu den meisten Themen schon gibt, ist es eine grössere Herausforderung geworden, ein Spiel neu und einzigartig zu illustrieren

 

 2) Können Sie die Schritte bei der Anfertigung von Illustrationen im Groben beschreiben?

 

Das ist natürlich unterschiedlich von Verlag zu Verlag. Hier die einfachste Version: Ich bekomme ein Briefing vom Verlag mit Thema und den benötigten Illustrationen / Graphischen Details. Wenn möglich auch einen Prototyp, so dass ich das Spiel ausprobieren kann. Dann setze ich mich hin, mache mir Gedanken wie ich mir das Spiel am besten gestaltet vorstellen könnte. Als nächstes recherchiere ich zum Thema, und mache dann erste Skizzen. Die schicke ich dann an den Verlag. In ständigem Austausch mit dem Redakteur oder Artdirector entsteht so eine “final”  s/w Skizze, die ich dann meistens im Computer farbig anlege und wieder zum Verlag schicke. Ist diese abgesegnet, fange ich mit der Illustration an. Ist die Illustration fertig, gibt es manchmal noch Korrekturen falls z.B. bei Spielplänen sich noch was am Spiel geändert hat.

 

3) Eine Ihrer neueren Illustrationen ist das Spiel "Abenteuerland" vom Verlag Haba. Wie ist die Kooperation zustande gekommen? Und was hat Sie an genau dieser Arbeit gereizt?

 

Ich hatte für Haba schon ein paar Spiele Illustriert, und als Haba die neue Reihe entwickelt hat, kam Jürgen Valentiner-Branth, mit dem ich auch schon vorher gearbeitet hatte auf mich zu und fragte ob ich Zeit und Lust hätte, das Spiel zu illustrieren. Er schickte mir den Prototyp zu und das Spiel hat uns super gefallen. Die Kombination aus Fantasyillustration und Familienspiel und auch mit dabei zu sein, eine neue Reihe bei dem “klassischen” Kinderspielverlag Haba zu gestalten hat mir viel Spass gemacht.

4) Spielen Sie eigentlich auch die von Ihnen illustrierten Spiele?

 

Ja, immer. Am besten ist es natürlich, wenn ich die Spiele schon vor dem Illustrieren spielen kann, aber das ist leider nicht immer möglich. Wenn ich dann aber das fertige Produkt in der Hand habe, spiele ich es auf jeden Fall.

 

5) Kommen Ihnen nach dem Release eines Brettspiels evtl. noch folgende Gedanken: Mensch, diesen Bereich hätte ich noch ausarbeiten können oder das ist mir wirklich gut gelungen? ;)

 

Eigentlich finde ich immer was, was ich besser oder auch nur anders machen hätte können. Das hat aber auch damit zu tun, dass wenn das Spiel dann in fertiger Form im “richtigen” Material vor mir liegt und ich es in Ruhe anschauen und mehrmals spielen kann die Atmosphäre eine ganz andere ist, als wenn ich daran arbeite und mir kommen dann oft noch weitere Ideen auch durch die Reaktionen von Mitspielern.

 

6) Laut Ihrer Homepage leben sie in den USA. Können Sie Unterschiede zwischen amerikanischen und deutschen Illustrationen von Brettspielen ausmachen?

 

Da heutzutage die meisten Verlage auf internationaler Basis arbeiten und die Spiele auch für den internationalen Markt von Anfang an angelegt sind, ist da eigentlich meiner Meinung nach kein Unterschied mehr.

 

7) Lehnen sie ihre künstlerischen Tätigkeiten an ganz bestimme Kunststile an, die man von diversen Werken kennt? Lassen Sie sich von Kunstwerken evtl. inspirieren?

 

Ja, immer wieder, vor allem bei historischen Themen sind die jeweiligen Kunststile der Ära oder auch bestimmte Kunstwerke wichtig für die historisch korrekte Illustration eines Spieles und auch oft vom Verlag angeregt.

 

8) Wie würden Sie Ihren Illustrationsstil mit drei Wörtern beschreiben?

 

Schwierig, da ich nicht nur einen speziellen Illustrationsstil habe. Ich versuche immer, das beste für das jeweilige Produkt zu machen.

 

9) Können Sie schon etwas über Ihre zukünftigen Projekte verraten?

 

Ich arbeite momentan an mehreren Spielen für verschiedene deutsche Verlage ;0). Im Herbst kommt der 2 Band der "Blausteinkrieg" Buchreihe bei Heyne, wo ich wieder das Cover illustriert habe und ich arbeite für "Magic the Gathering".

 

10) Mit dem Spiel "Domus Domini" haben Sie Illustrationen für ein Startnext-Projekt angefertigt. Können Sie sich auch in Zukunft vorstellen, finanzierte Kampagnen zu illustrieren oder beschränken Sie sich in Zukunft wieder auf die klassischen Verlage?

 

Klar kann ich mir das wieder vorstellen, wenn die Zusammenarbeit so super wie mit "Franjos" ist. Ich habe ja nicht immer nur für “klassische” Verlage gearbeitet, sondern immer wieder auch für Kleinverlage oder neu gestartete Projekte.

 

Vielen Dank für das Interview.