23.03.16

           10 Fragen an Florian Racky

 

Hallo Herr Racky. Schön, dass Sie sich den Fragen des Brettspiegels stellen ;). Dann fangen wir mal an...

 

1) Wie würden Sie sich Spielern und Spielerinnen vorstellen, die noch nie etwas von Ihnen als Spieleautor gehört haben?

 

Ich stelle mich nicht als Spieleautor vor. Und zum Glück zeigen die Leute, die wissen, dass schon Spiele von mir veröffentlicht wurden, auch nicht mit dem Finger auf mich, was mir unangenehm wäre. Nur wenn ich bei einem Spieleabend bei einem Prototyp von jemandem mitspiele, sage ich, dass ich mir auch Spiele ausdenke.

 

2) Mit dem Spiel Haus der Sonne haben Sie über den Verlag Feuerland Spiele ein erfolgreiches Produkt auf den Markt gebracht. Wie kam die Zusammenarbeit mit dem Verlag zustande und was zeichnet den Verlag für Sie aus?

 

Das Spiel war beim Hippodice-Wettbewerb 2014 unter den Spielen in der Finalrunde.  Bei den Ratinger Spieletagen 2014, wo ich als Aussteller war, haben mir zwei Leute von Hippodice unabhängig voneinander gesagt, dass das ihr Lieblingsspiel war. Das hat mir dann den Mut gegeben, Uwe Rosenberg anzusprechen und ihm hat das Spiel sofort sehr gut gefallen. Auch Frank Heeren fand es interessant. Ich konnte dann zwischen Lookout und Feuerland wählen und habe mich für Feuerland entschieden, vor allem, weil Frank Heeren nur 10km von meinem Wohnort entfernt wohnt. Das ist dann natürlich auch die beste Voraussetzung, um das Spiel zusammen auszuarbeiten.

 

3) Was war der Grundgedanke bei der Entwicklung von "Haus der Sonne" (Haleakala) und warum haben Sie sich exakt für das Thema entschieden? Waren Sie womöglich schon auf Hawaii und haben den Vulkan Haleakala gesehen :)?

 

Auf Haleakala kam ich ganz einfach beim Googeln nach Bildern einer Vulkaninsel, die wie eine typische Vulkaninsel aussieht. Und als ich den Namen der Insel gesehen hatte, war der Name des Spiels gefunden. Volltreffer. Auf Hawaii war ich noch nicht, reizt mich auch nicht so. Wenn mit dem Flieger, dann nach Asien.

Der Grundgedanke zum Spiel war der Mechanismus. Auf den kam ich, als ich mir Gedanken darüber gemacht hatte, wie der Mechanismus mit dem Karten kaufen bei "Firenze" auch in einem Rondell funktionieren kann. Und eine Vulkaninsel ist rund, etwas Originelleres ist mir nicht eingefallen. Aber das Thema „Südsee“ kommt ja eigentlich auch immer wieder gut an.

 

(Bild: Prototyp Haus der Sonne)

 

4) Können Sie in groben Zügen die Testphase von „Haus der Sonne“ beschreiben?

 

Ich hatte einen Prototyp gemacht und Marc Klerner gefragt, ob er Lust hat, mit mir das Spiel auszuarbeiten. Der erste Prototyp war vom Handling her viel zu aufwendig und insgesamt zu unübersichtlich. Anstatt der Karten gab es Holzscheiben in verschiedenen Farben und mit einer bestimmten Menge an gesammelten Scheiben einer Sorte konnte man dann bestimmte Aktionen ausführen. Das ständige Nachlegen der Holzscheiben aus einem Beutel und das Zurückstecken in den Beutel war zu umständlich und hat vom Spiel abgelenkt. Wir haben uns dann Gedanken darüber gemacht, wie wir das verbessern können und kamen dann darauf, anstatt der Holzscheiben Karten zu nehmen, auf denen die Aktionen bereits abgebildet sind. Das war übersichtlicher und einfacher zu handhaben. Dann haben wir es regelmäßig gespielt und daran gefeilt. 

 

5) Sie führen nebenbei noch einen eigenen kleinen Verlag (Racky Spiele). Ist diese Verlagsarbeit eher ein Hobby oder schon zum Hauptberuf geworden? Und welche Tätigkeiten umfasst die Verlagsarbeit?

 

Den Eigenverlag habe ich mittlerweile aufgegeben. Als Einzelkämpfer kann man keinen Verlag machen. Man muss mindestens zu zweit sein. Ich dachte, wenn ich gute Spiele veröffentliche, werden sie zu Selbstläufern. Aber man muss sehr viel dafür tun, damit es die Spiele „über den Berg schaffen“, wie zum Beispiel in den Spiele-Foren mit Postings präsent sein. Dafür hatte ich aber keine Zeit und habe mir auch keine Gedanken darüber gemacht, wie ich das am besten anstelle. Ich habe das ja nur nebenbei gemacht. Hauptberuflich mache ich „Dienstleistungen für Haus und Garten“. Und nebenbei entwickele ich auch ständig neue Spiele und sobald ich eine neue Idee habe, kann ich nicht anders, als diese Idee auszuarbeiten.

Zum Glück konnte ich den Großteil der Spiele an "Swanpanasia" verkaufen, so dass sich der finanzielle Verlust in Grenzen hält. Von "Downtown" habe ich auf Messen in Deutschland zum Beispiel keine 100 Stück verkauft. Ca. 1500 Stück habe ich an "Swanpanasia" verkauft. Ca. 200 an andere Händler weltweit. Circus Grandioso lief auf Messen besser, aber mehr als die Kosten für den Stand reinzuholen, war trotzdem nie möglich.

 

6) Blicken wir nach vorn. Werden Sie in Zukunft womöglich weitere Spiele über den Verlag Feuerland oder einen anderen externen Verlag herausbringen?

 

Ich entwickele viele Spiele verschiedenster Art und biete sie Verlagen an. Entscheiden, dass die Spiele veröffentlicht werden, kann ich leider nicht. Ich kann nur darauf hoffen, dass ich irgendwann in Zukunft mehr Erfolg haben werde als momentan. In den vergangenen Wochen habe ich wieder einige Absagen bekommen, aber immerhin auch eine Zusage.

Frank Heeren hat Interesse an einem Spiel, das ich zusammen mit einem anderen Spielerfinder entwickelt habe, aber es steht noch nicht fest, ob er es veröffentlichen wird. Mal sehen.

 

7) Welches Ihrer bisherigen Spiele würden Sie der Brettspielszene wärmstens empfehlen und warum?

 

"Haus der Sonne", "Desperados" und "Downtown" sind allesamt gute Spiele, finde ich zumindest. "Downtown" sollte man unbedingt zu viert spielen. Es ist zu viert sehr viel besser als zu dritt. Möglicherweise wird es nächstes oder übernächstes Jahr eine Neuauflage von "Desperados" mit überarbeiteten Spielregeln geben. Darauf freue ich mich schon sehr und werde es wärmstens empfehlen.

 

8) Spielen Sie auch in Ihrer Freizeit Brettspiele? Auf welches Spiel freuen Sie sich dieses Jahr am meisten und warum?

 

Ich gehe fast jeden Mittwoch zu einem öffentlichen Spielabend, wo ich viele Neuheiten spielen kann. Selber kaufe ich mir fast keine Spiele mehr. Wenn ich ansonsten Gelegenheit zum Spielen habe, dann möchte ich meine Prototypen testen, was leider nicht so oft der Fall ist, wie ich es gerne hätte. Durchschnittlich etwa einmal pro Woche.

Von den diesjährigen Neuheiten interessiert mich "Dynasties" am meisten. Und auf "Broom Service – Das Kartenspiel" bin ich gespannt. Und "Imhotep" möchte ich gerne wieder spielen, da hatte ich mal den Prototyp gespielt und fand es sehr gut.  

 

9) Besuchen Sie auch in regelmäßigen Abständen Messen und Events rund um das Thema Brettspiele? Und welche Vorzüge bieten Ihnen diese als Entwickler bzw. Spieler?

 

Ich besuche die Spieleautorentreffen in Haar und in Göttingen und diverse Veranstaltungen, wo man seine Prototypen testen kann. Diese Veranstaltungen helfen mir besonders weiter. Man bekommt „marktorientierte“ Kritik, die man von Gelegenheitsspielern in der Regel nicht bekommt. Und ich bin in Essen und in Nürnberg, um meine Spiele Verlagen vorzustellen.

 

10) Wie würden Sie Ihren Entwicklungsstil mit drei Worten beschreiben?

 

Erst einmal testen.

 

Danke für das Interview und viel Erfolg mit Ihrem Verlag und Ihren Spielen!