06.10.16

10 Fragen an Claus Stephan

Hallo Herr Stephan! Danke, dass Sie Zeit für das Interview gefunden haben.

 

Immer gerne!

 

1. Sie sind ein erfolgreicher Illustrator von Brettspielen und haben schon an etlichen Projekten gearbeitet, wie z.B. "Dominion", "Cacao", "Karuba", "Russian Railroads" etc. Wie sind Sie eigentlich zu diesem Berufszweig gekommen?

 

Hier die wichtigsten Schritte meines Werdegangs

Vor ungefähr 100 Jahren saßen Frank, Karsten, Georg und der kleine Claus im Schulbus und waren dabei die Erde vor UFOs zu retten und eine gefährliche Marsexpedition vorzubereiten.

Kurz darauf begann einer der Hobbyastronauten damit im Spielwaren-Geschäft in Moers sich die neusten und teuersten Brettspiele genau erklären zu lassen und diese dann Zuhause nachzubauen. Den Laden gibt es schon lange nicht mehr, keine Ahnung, ich hätte die Spiele wohl besser kaufen sollen?

Sprung zur Studentenzeit:

Genau wie bei Klemens - und wahrscheinlich bei uns allen - ist ja aus dem anfänglichen Berufswunsch "Astronaut" dann doch nix geworden ("Rockstar" übrigens auch nicht) und ich habe Geografie und Kunst - ein bisschen Musik - auf Lehramt studiert, dann ein sehr schnelles, abgekürztes Grafik-Design hinterhergeschoben.

In dieser Zeit: Nächtelanges, gemeinsames Regellesen und Diskutieren von sogenannten Importspielen, "DUNE" und "MERCHANTS OF VENUS" usw. Gespielte Spielzüge: Im Schnitt zwei pro Nacht...erste bezahlte "Illus" für "MACHT & MAGIE", ein Rollenspiel aus dem "Duisburger Underground".

Dann - der Ernst des Lebens:

Viele Jahre in einer kleinen Werbeagentur in Düsseldorf, beim Grafikstudio Krüger, Anzeigen, Verpackungen und Prospekte gemacht, immer mit einem Faible für's Illustrative. War aber viel netter und interessanter als es sich hier jetzt anhört. 

In dieser Zeit, Wolfgang Lüdtke, einer der "MACHT & MAGIE- Mitstreiter" meldetet sich, weil er Illustrationen für ein Spiel benötigte. Das war "HALUNKEN & SPELUNKEN" von Alex Randolph. Damals alles noch handgemalt und es war mir eine große Freude Mr. Randolph kennenzulernen und ihm das Original des Cover zum 75 sten Geburtstag zu schenken.

Naja und dann ging's los mit den Spielen …. trotzdem: Spiele sind nicht alles, was ich mache. Immer gerne auch: Kekse verpacken, Mitarbeiterzeitungen, Plakate, Geschäftsausstattung ... das ganze Programm.

 

2. Können Sie den Lesern und Leserinnen die Arbeitsschritte erzählen, die Sie bei einer Illustration durchlaufen?

 

Das ist eigentlich immer anders, je nach Projekt. …. eine Sache ist vielleicht interessant für den einen oder anderen Leser, ich greife zwischendurch immer mal gerne zu Pinsel und Papier, Schere und Klebstoff. Bei der Suche nach Beispielen für dieses Interview bin ich auf diese alten Bilder gestoßen. Das Motiv war für "DOMINION, PROSPERITY". Einmal zeigen die Abbildungen, wie aus den Zeichnungen das gemalte Bild wurde und zusätzlich ist zu sehen, dass wir in der gedruckten Version das "Bauwerk" links ausgetauscht haben. Auf der gedruckten Karte wird eine Art Kathedrale gebaut, kein Stein-Koloss.

Ansonsten: Vielen der digitalen Arbeiten liegen Bleistiftskizzen zugrunde, die Scans werden in Photoshop weiter bearbeitet. Auch gerne alles direkt digital.

 

 

Bei "CAVEMEN" habe ich einige ca. 20 cm große Figuren gebaut, die wir dann in Kulissen fotografiert haben …. gute Überleitung zu einem weiteren Punkt, der vielleicht ebenfalls anders als bei den meisten Kollegen ist. Ich arbeite sehr gerne in kleinen Teams. Martin Hoffmann, Mirko Suzuki und ich haben viele Projekte gemeinsam bearbeitet. Das geht nicht immer schneller, aber wenn die Zeit da ist, macht's mehr Spaß und die Ergebnisse sind vielleicht ungewöhnlicher.

3. Bei welchem Spiel würden Sie sagen: "Da ist mir die Illustration besonders gut gelungen?" 

Und warum gerade dieses Spiel?

 

Je länger die Arbeit zurückliegt, umso "unfertiger" finde ich sie. Genau wie Franz geschrieben hat, schon beim ersten Spielen des fertigen Spiels fällt einem auf, was man alles hätte anders machen können und sollen.

Arbeiten, die mir bis heute relativ stimmig erscheinen, sind vielleicht "VINETA", hier sollte eine dramatische Situation (der Untergang der Stadt) locker-leicht und harmlos umgesetzt werden, wir haben damals Comic und "falsche" mittelalterliche Perspektiven kombiniert. "RENAISSANCE MAN" ist relativ einfach, aber irgendwie schön homogen geworden. Bei "SARKOPHAG" hat die Idee mit der Box als Sarkophag Spaß gemacht.

 

4. Gibt es auch andere Illustratoren (national/international), deren Arbeit Sie ganz gut finden? Und warum gerade diese Illustratoren?

 

Naja, erstmal meine Mitstreiter, Martin und Mirko! Wir ergänzen uns gut! Ich habe viel gelernt von den beiden während der vielen, gemeinsamen Projekte. Wir sind nicht die Besten ….aber auch nicht die Schlechtesten :-) 

Aus meiner Sicht hat Franz Vohwinkel den Beruf des Spiele-Illustrators sozusagen "erfunden". Er war der Erste, der ständig für große Verlage gearbeitet hat und tolle, malerische Illustrationen abgeliefert hat. Auch die Arbeiten von Johann Rüttinger und Gabriela Silveira finde ich immer wieder bewundernswert. Und ganz klar, Michael Menzel hat Standards gesetzt mit seinem kaftvollen, erdigen und malerischen und stets gut ausbalancierten Stil. Aber eigentlich haben schon alle, die sich malend und zeichnend durch den verschlungenen Dschungel der Brettspiele kämpfen, kleine und große Schätze hervorgebracht. Ansonsten haben mich die großen Comicillustratoren aus alten Tagen geprägt, die ganzen alten Meister: Jean Girard, Albert Uderzo, Hugo Pratt, Régis Loisel usw. unerreichbar für unsereins :-)

 

5. Wie würden Sie mit drei Wörtern Ihren Illustrationsstil bezeichnen?

 

habe echt keine Ahnung …  oh, sind Vier geworden

 

6. Gibt es ein Spielthema, das Sie gerne mal in Zukunft illustrieren wollen würden?

 

Vielleicht irgendwas mit "Unterwasser"

 

7. Spielen Sie eigentlich auch die Spiele im Vorfeld, die Sie illustrieren?

 

Ja, fast immer, entweder mit den Redakteuren oder mit Martin und Mirko. Wenn es nur um "Illus" geht - also nicht um konzeptionelle Überlegungen - ist das nicht so wichtig. Aber gerade das Gesamtpaket aus Funktion und Illustration macht den Reiz beim Brettspiel aus.

 

8. Besuchen Sie auch regelmäßig Veranstaltungen, wie z.B. die "SPIEL" etc. Und was bedeuten solche Messen für Sie als Illustrator? 

 

Ja! Ich war bei der ersten "SPIEL" - Anfang der 1980er - schon dabei, damals in der Essener Volkshochschule, die Verlage haben ihre Projekte auf normalen Schulklassentischen präsentiert. Ach ja, die gute alte Zeit :-) In Essen - sagte mir einst ein Redakteur - sehen wir für wen wir uns das ganze Jahr abgemüht haben. Das ganze Gewusel ist eine schöne Belohnung. In Nürnberg geht's ruhiger zu, da kann man länger und intensiver quatschen und fachsimpeln.

 

9. An welchen Projekten arbeiten Sie eigentlich derzeit?

Im Spielbereich: Zwei große und aufwendige Spiele und einige Kleinere. Eins davon spielt am Mississippi zu Zeiten knapp vor den großen Steamboats, das hat mich irgendwie gepackt … Naja, als Niederrheiner mit Büroblick auf den Rhein liegt das vielleicht nahe … na, und dann geht's natürlich immer weiter bei "RACE FOR THE GALAXY" :-)

 

10. In welchen Momenten Ihres Berufes würden Sie sagen: "Mensch, ich liebe meinen Job" und in welchen "Der Job geht mir gerade sehr auf den Keks" ?;)

 

Meistens ist der Job echt toll, obwohl die Bezahlung schlechter ist, als in anderen Branchen, Dafür entstehen kleine Kunstwerke - Brettspiele sind eine der wenigen Gelegenheiten für einen Illustrator, eine eigene Welt zu erschaffen in überschaubarer Zeit (O.K., "überschaubar" kann auch heißen, 1-2 Jahre) - und die Verlagsleute sind echt nett, alles ist meistens sehr familiär.

 

Danke für das Interview!

 

Auch so!