14.08.16

10 Fragen an Andreas Resch

 

1. Hallo, Herr Resch! Super, dass Sie sich Zeit für die 10 Fragen des Brettspiegels nehmen.

Sie sind Illustrator bzw. Grafikdesigner und haben schon an einigen Brettspielprojekten, wie z.B. "Istanbul", "Mombasa", "Porta Nigra", "Skyliners" etc. mitgewirkt. Was bedeutet für Sie diese Tätigkeit in der Brettspielbranche und wie sind Sie zu diesem Berufszweig gelangt?

 

Wenn ich jetzt mal meine Laufschuhe anschnalle und mir das Ganze aus der Entfernung angucke, dann hat das alles vielleicht einfach so kommen müssen. Ich habe immer schon mit Begeisterung gespielt und Kreativität war von jeher ein wichtiger Faktor in meinem Leben. Die Kombination könnte also nicht besser sein. Trotz alledem hätte ich mir damals nie gedacht, dass ich jemals in der Branche Fuß fassen hätte können. Durch Zufall habe ich dann 2009 die Gelegenheit bekommen einen Grafiker zu ersetzen und dadurch mein erstes Spiel zu illustrieren. Anscheinend hat meine Arbeit gepasst und so ging es von nun an in kleinen Schritten voran.

Ein Teil der Brettspielebranche zu sein bedeutet mir sehr viel. Wir sind eine große, fröhliche Familie die an einem sonnigen Tag auf einer saftig grünen Wiese ein Picknick macht – und das Tag für Tag. Manchmal sitzen wir zwar etwas länger da, aber es regnet kaum und Gewitter gibt es sowieso nie.

 

2. Das Brettspiel "Istanbul" haben Sie illustriert und gerendert. Des Weiteren haben Sie die Renderings bei Spielen, wie z.B. "Mombasa" durchgeführt. Können Sie den Lesern und Leserinnen den Unterschied beschreiben? Und was liegt Ihnen persönlich mehr?

 

Das Illustrieren brauche ich wohl nicht zu erklären. Das kennt man noch aus dem Kindergarten. Man sitzt mit einem Stift über einem Blatt Papier und verbindet Nummern so, dass man am Ende etwas erkennen kann – oder so ähnlich.

Das Rendern ist etwas weniger bekannt. Dabei erstellt man 3-dimensionale Objekte, stellt sie in einem Programm schön auf, beleuchtet sie ansprechend und macht daraus dann ein „Foto“ oder etwas, was zumindest so aussieht.

Ich mache beides sehr gerne. Das Illustrieren ist etwas anstrengender, dafür dann aber auch spannender und spaßiger. Das Rendern ist eigentlich nur „Arbeit“ und was man machen muss, kann man vorher schon gut abschätzen. Es muss bloß noch erledigt werden. Dadurch ist es aber der perfekte Lückenfüller, wenn meine kreative Hirnhälfte mal ein Nickerchen machen muss.

"Great Western Trail"
"Great Western Trail"

3. An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit? Können Sie uns schon etwas verraten?

 

Ich habe gerade das Spiel "Great Western Trail" (Alexander Pfister, "Eggertspiele") fertig illustriert, welches zu Essen erscheinen wird. Jetzt kommen noch ein paar kleinere Projekte dran, vor allem was Renderarbeiten betrifft und danach gibt es mal ne Auszeit und mein Schreibtischsessel macht Urlaub – ich auch.

 

4. Auf Ihrer Homepage sind Arbeiten zu Brettspielen zu finden. Kann man sich mit diesem Berufszweig gut über Wasser halten. Oder ist der Markt der Brettspiele so speziell, dass Sie diese Tätigkeit nur im Nebenberuf ausüben.

 

Das sind 2 Fragen und daher gibt es auch 2 Antworten – so wie es sich gehört.

 „Über Wasser halten“ kann ich mich, es ist aber so ein bisschen wie im Film Titanic. Das Wasser ist frisch und man weiß nicht was kommt. Angestellt zu sein ist einfacher und lukrativer.

Aus finanzieller Sicht würde ich sicher einen Nebenberuf ausüben, aber ich habe auf Wikipedia nachgeschaut und der Tag hat tatsächlich nur 24 Stunden – hmm. Sieht so aus, als ob mein Hauptberuf auch gleichzeitig mein Nebenberuf ist. 

 

5. Haben Sie auch Kontakt zu anderen Illustratoren, wie z.B. Klemens Franz, der auch wie Sie in Österreich wohnt?

 

Wenn du mir versprichst, dass Klemens dieses Interview nicht liest (den kannst du sicher in deine Firewall eintragen), dann gibt’s ne Antwort. Ich habe ihm nämlich schon seit Ewigkeiten versprochen, dass ich wieder mal vorbeischaue, aber irgendwas kommt immer was dazwischen. Dabei wohnt er bloß 45 Minuten entfernt. Jetzt hab ich gleich wieder ein schlechtes Gewissen.

Darüber hinaus habe ich auch mit vielen anderen netten Kollegen zu tun – vor allem durch meine 3D-Arbeiten für andere Spiele.

 

6. Welches Projekt hat Ihnen besonders viel Spaß gemacht? Gibt es ein Spiel, das aus den vielen Projekten heraussticht?

 

Mir macht immer das letzte Projekt am meisten Spaß. Der Grund ist einfach. Ich merke mit jedem Spiel, dass ich mich weiterentwickle, und mir selbst dabei zuzuschauen ist herrlich. Also – "Great Western Trail" hat mir besonders Spaß gemacht :)

 

7. Haben Sie eigentlich auch alle Spiele gespielt, an denen Sie gearbeitet haben?

 

Nein. Ich bin ein unguter Typ, kann nicht verlieren und 1-Spieler-Spiele machen mit mir selbst keinen Spaß. Aber jetzt mal im Ernst. Eigentlich kaum. Das Machen der Spiele hält mich zu oft vom Spielen der Spiele ab.

 

8. Können Sie einen Einblick in die Arbeitsprozesse geben? Welche Schritte passiert eine Illustration oder ein Rendering bei Ihnen?

 

Wenn ich ein Spiel komplett illustriere, dann gibt es am Anfang mal viel Recherche. Ich grabe mich durchs Internet, lese Artikel und schaue mir Serien oder Filme zum Thema an. Dabei sammle ich alles, was ich brauchen kann. Danach kommen grobe Skizzen um einen Stil zu finden bzw. um zu kontrollieren wie man alles gut im Spiel unterbringen kann. Darauf folgen dann vieeeeeele Schritte der Verfeinerung und man ist in ständigem Kontakt mit dem Redakteur, um auf einen gleichen Nenner zu kommen.

Beim Rendering ist das geradliniger. Ich bekomme die notwendigen Daten (3D-Modelle, Stanzkonturen, Fotos und Beschreibungen). Daraus erzeuge ich dann meine 3D-Objekte und schicke Rendertests raus.

Danach kommen noch die Verbesserungen und alles ist fertig. Klingt einfach – ist es meist auch.

 

9. Spielen Sie auch selbst Brettspiele? Wenn ja, vielleicht eine Empfehlung für die Leser und Leserinnen?

 

Ich habe mal viel mehr gespielt. Jetzt ist es praktisch zum Stillstand gekommen. Zum einen ist Selbständig-sein sehr zeitaufwendig und wohne ich nun zwischen Äckern und Hügeln wo keiner mit mir spielen will. Wie gesagt – das mag keiner so recht.

Wenn ich jetzt also Tipps abgebe, dann kann man diese Spiele wahrscheinlich gar nicht mehr kaufen. Aber ich liebe Spiele mit tollen Illustrationen und dichter Atmosphäre. Wenn ich zu viel grübeln muss, dann besteht die Gefahr, dass ich Holzzylinder schlucke und mit Kopfwehtabletten Siegpunkte markiere. Das riskiere ich nicht.

 

10. Wie würden Sie ihren Illustrationsstil mit drei Wörtern beschreiben?

 

Detailliert, Flexibel, Under Construction (sind eigentlich vier).

 

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Danke für das Interesse :)