17.03.16

Review: "Viceroy" von Yuri Zhuralev

Fakten

 

Autor: Yuri Zhuralev

Spieleranzahl: 1-4

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: 45-60 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2016

Preis: UVP 19,95 Euro

Verlag: Heidelberger Spieleverlag

Spielbeschreibung

 

Viceroy ist ein Brettspiel des Bietens und Ressourcenmanagements, welches in einem Fantasy-Universum des berühmten Russischen CCG Berserks angesiedelt ist. Während Spieler um die Macht über die Welt Laar kämpfen, rekrutieren sie zahlreiche Verbündete und erlassen diverse Gesetze. Diese Karten erlauben es den Spielern, das Militär des Staates auszubauen, ihre Autorität zu erhöhen und wertvolle Edelsteine zu bekommen, die sie brauchen, um ihre Nation wachsen zu lassen.

Während das Spiel voranschreitet, baut jeder Spieler eine eigene Machtpyramide mittels Charakter- und Gesetzkarten auf. Jede Karte hat einen eigenen Effekt, der vom Level der Karte abhängt, in welchem diese gespielt wird. Diese Effekte führen möglicherweise zu mehr Ressourcen, mehr Karten oder Siegpunkten. Der Spieler, der am Ende des Spiels die meisten Machtpunkte besitzt, wird der Herrscher über ganz Laar und ist somit Gewinner.

(Quelle: Heidelberger Spieleverlag)



Hintergrundinformationen

 

Das Spiel "Viceroy" basiert auf der Kickstarter-Kampagne, die im Jahre 2015 mit einem Endbetrag von 267.830 Dollar erfolgreich finanziert wurde. Nach der Kampagne hat sich das vorliegende Spiel erfolgreich in den Vereinigten Staaten etabliert und wurde nun über den Heidelberger Spieleverlag in Deutschland veröffentlicht. Ob das Spiel dem Hype aus den Vereinigten Staaten gerecht wird, könnt ihr dem weiteren Verlauf des Testberichtes entnehmen.

Hier das Video zum Trailer auf Kickstarter:

 


Spielmaterialien

 

Die Karten (Herzstück des Spiels) und die Plättchen sind von sehr guter Qualität und kaum zu kritisieren. Einzig und allein der Sichtschirm wirkt etwas instabil und gewährt nicht einen optimalen Blick auf die Textpassagen der Innenseite. Hinzu kommt, dass es schön gewesen wäre, wenn ein Wertungsblock vorhanden wäre. Diesen kann man aber zusätzlich bei Händlern erwerben, wenn man einen haben möchte, da am Ende des Spiels Einiges an Wertungen zusammenkommt. Nichtsdestotrotz wurde hinsichtlich der Qualität des Materials eine sehr gute Arbeit geleistet.

 


Illustrationen

 

Die Illustrationen sind überaus gut gelungen und 64 individuelle Charakterkarten wurden mit Liebe zum Detail angefertigt. Ebenso passen die Symbole und Farben der weiteren Materialien hervorragend zu dem Gesamtthema der kriegerischen wie auch mystischen Fanatasywelt. Die 24 Gesetzeskarten wirken dementgegen etwas kahl und könnten mit kleineren Symbolen angereichert werden, um die Liebe zum Detail auch in diesen Materialien zum Vorschein zu bringen. Weiterhin sind die essentiellen Symbole (Boni/Kosten) auf den Karten sehr gut zu erkennen. Die Kartenillustrationen wurden zwar von vielen unterschiedlichen Künstlern angefertigt, das Gesambild wirkt dennoch stimmig und einheitlich. Alles in allem bewegt sich die graphische Darstellung von "Viceroy" auf einem extrem hohen Niveau!

 


Spielmechanik

 

Bei "Viceroy" müssen unterschiedlichste Faktoren beachtet werden, wie z.B. Ressourcenmanagement, Effekte der Hand- sowie der ausliegenden Karten, einfarbige Kreise, Gesetzeskarten, sodass auch unterschiedliche strategische Wege eingeschlagen werden können. Was auf den ersten Augenblick viel wirkt, spielt sich im Spielverlauf sehr flüssig und klar strukturiert. Sehr verschachtelte Strategien sind nicht möglich, da eine angemessene, begrenzte Anzahl an unterschiedlichen Markerarten vorhanden ist. Nichtsdestotrotz können bzw. müssen unterschiedliche Karteneffekte aufeinander aufbauen (z.B. Magiemarker + Bonusmarker für Magiemarker) u.v.m. damit Siegpunkte generiert werden können. Ergo befinden sich die Karten, die in der Pyramide liegen, in einem wechselseitigen Verhältnis zu den Karten, die in der Auslage ausliegen und zu denen, die man letztlich auf die Hand aufnimmt.


Der kombinatorische Gedanke der Karten wird groß geschrieben und zeugt von Mechanismen mit fließenden Übergängen. Hinzu kommt, dass nicht nur das eigene Spielgeschehen beachtet, sondern jeder einzelne Mitspieler und dessen Pyramide aufmerksam beobachtet werden sollte, um in der Auktionsphase eine Karte zu erwischen, die sonst keiner dringend braucht. Selbstverständlich spielt in der Auktionsphase auch ein Fünkchen Glück mit, aber ist nicht jede Auktion, auch die im realen Leben, ein bisschen mit Glück verbunden? ;)

Die Gesetzeskarten und ihre Effekte scheinen bis auf einige Ausnahmen ausgewogen, wobei bei einzelnen Karten kein enormer Nutzen zu erkennen ist, bzw. der Nutzen zu einem unausgewogenen Kostenverhältnis steht. Die Effekte der Charakterkarten varriieren von Karte zu Karte. Zum Beispiel ist der Effekt "Unverschöpflicher Edelstein" auf einer Karte in der ersten Stufe angesiedelt (Kosten: ein Edelstein) und bei einer anderen Karte in der dritten Stufe (Kosten: drei Edelsteine). Dies verhält sich mit unterschiedlichen Effekten gleichermaßen, was gar nicht schlimm ist, weil der Spieler letzlich frei entscheiden kann, in welche Stufe er die Karte legt und welche Karte in der Auktionsphase überhaupt erworben wird. Es kommt immer drauf an, welche Strategie man verfolgen möchte und in den entscheidenden Momenten ist es gut auch mehr zu bezahlen, da sich der ausgewählte Effekt mit der Zeit rentiert, wenn dieser in die eigene Strategie eingebunden wird. Genauso kann es sein, dass man für einen Effekt wenig bezahlt und der Mitspieler für den gleichen Nutzen mehr Edelsteine in den allgemeinen Vorrat legt. Mit der Zeit gleichen sich so die Kosten aus und jeder Spieler muss sich die Fragen stellen, wann und zu welcher Zeit ein bestimmter Effekt ausgelöst werden soll. Und diese Frage stellt "Viceroy" dem Spieler auf eine sehr elegante Weise!

 


Innovationen

 

"Viceroy" ist in seinen Abläufen sehr innovativ! Das Erstellen einer Machtpyramide gepaart mit Effekten, die in den unterschiedlichen Ebenen ausgelöst werden, ist ein sehr individueller und kreativer Spielablauf. Der Aufbau von Kreisen, die durch das Aneinanderlegen der Kartenecken zustandekommen, ergänzt diesen Indivdualismus und bringt einen gewissen "Pfiff" in die Brettspiellandschaft. Ebenso die Auktionsphase, in welcher allesamt ihre geschlossene Hand über der Tischmitte öffnen und sichtbar wird, wer welchen Edelstein bzw. keinen Edelstein oder sogar einen Angriffsmarker einsetzt, ist gleichsam ein spannender wie auch sehr gut durchdachter Vorgang. Diese kreativen Einfälle sind Grund genug, "Viceroy" als höchst innovativ einzustufen, auch wenn die Karteneffekte teils bekannte Boni beinhalten! Sehr gute Arbeit!

 


Spielspaß

 

"Viceroy" hat allen Testspielern sehr gut gefallen. Es bietet einen relativ leichten Einstieg mit gewissem strategischem Tiefgang, der durch die Verflechtung der unterschiedlichen Karten und deren Effekte entsteht. Aufgrund der Vielzahl an Karten sowie Gesetzeskarten ist ein hoher Wiederspielreiz gegeben. Ebenso laden die unterschiedlichen Arten von Effekten dazu ein, diverse strategische Optionen in Erwägung zu ziehen und auszuprobieren, soweit es die Kartenauslage und weitere Umstände zulassen. "Viceroy" ist sowohl für Vielspieler als auch Gelegenheitsspieler geeignet, da es nicht zu komplex ist, jedoch einen fordernden Charakter vorweist und verschiedene Faktoren zur gleichen Zeit zu beobachten und zu analysieren sind. Weiterhin nimmt das Spiel nicht viel Spielzeit in Anspruch (2 Spieler ca. 50 Minuten), sodass gut und gerne eine zweite Partie auf die Erste folgen kann. Nicht ungeachtet bleibt, dass der innovative Charakter das Spiel aufwertet sowie auch die schönen Illustrationen atmosphärisch in eine Fantasywelt einalden.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Viceroy" liegt bei 19,95 Euro. Betrachtet man die Umstände, dass das Spielmaterial vielfältig und qualitativ ist, der Spielablauf im überwiegenden Bereich ohne Defizite sowie innovativ vonstatten geht, die Illustrationen gelungen sind und das Thema wirklich gut einfangen ist, so ist der Verkaufspreis angemessen. Hinzuzufügen ist, dass der Spielreiz auch über mehrere Partien nicht verloren ging und sowohl Viel- wie auch Gelegenheitsspieler Spaß an dem Spiel hatten.

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir das Spiel, wenn du...

 

- ein Spiel spielen möchtest, dass einen leichten Einstieg gewährleistet, aber dennoch fordernd ist

 

- innovative Mechanismen erleben willst, die in eine ansprechende Optik eingebettet wurden

 

- mit bestimmten Glücksmomenten leben kannst

 

 

Kauf dir "Viceroy" nicht, wenn du...

 

- Bietmechanismen in Spielen überhaupt nicht leiden kannst, da deiner Meinung nach, Bietgeschäfte Teufelswerk sind ;)

 

- der Bau einer Pyramide aus Karten dich vor zu große Herausforderungen stellt, da bereits das nebeneinander Legen von Karten für dich einen enormen Aufwand bedeutet ;)

 

- kein Fan von Spielen bist, die das Managen von Ressourcen erfordern