30.12.17

Review: "Rajas of the Ganges" von Inka und Markus brand

Fakten

 

Autor: Inka und Markus Brand

Spieleranzahl: 2-4 Spieler

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: 45-75 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2017

Preis: UVP 44,99 Euro

Verlag: "Huch!"

Spielbeschreibung

 

Indien in der Ära des Mogulreiches. Das Land entwickelt sich gerade zu einem der mächtigsten Reiche seiner Zeit. Der Großmogul beauftragt seine ehrwürdigsten Fürsten (die Rajas), neu erworbene Ländereien zu prächtigen und wohlhabenden Provinzen auszubauen. Ohne die Rolle des Karmas zu unterschätzen, versuchen die Spieler als Rajas, sich in einem anspruchsvollen Zusammenspiel von Ansehen und Reichtum am vortrefflichsten zu behaupten. Wer wird am Ende in den Legenden seines Volkes unsterblich werden

(Quelle: "Huch!")



Hintergrundinformationen

 

Das Autorenduo Inka und Markus Brand hat bereits einige Brettspiele entwickelt, die erfolgreich verlegt wurden, wie z. B. "Village" und die "Exit-Reihe". Beide genannten Spiele haben den Preis "Kennerspiel" erhalten, was für eine qualitative Entwicklungsarbeit spricht. Dieses Jahr veröffentlichte der Verlag "Huch!" das Kennerspiel "Rajas of the Ganges", worauf die Community nach der Ankündigung sehnsüchtig gewartet hatte. Im Zuge dessen habe ich mit Inka und Markus Brand ein Interview geführt, das ihr hier lesen könnt. Ob das Spiel den hohen Erwartungen gerecht werden kann, wird sich im Laufe dieses Berichts zeigen. Seid gespannt...


Spielmaterialien

 

Was "Huch!" da hinsichtlich des Inlays produziert hat, ist grandios und sollte ein Vorbild für viele weitere Verlage sein. Die Plättchen lassen sich sehr gut verstauen bzw. systematisieren und dies lässt natürlich jedes "Spielerherz" definitiv höher schlagen. Auch die Würfel wirken sehr luxuriös und unterscheiden sich von standardisierten Würfel, die in Spielen sonst üblich sind. Ebenso die Plättchen, Figuren und Spielertableaus können extrem hohen Qualitätsansprüchen genügen. Negativ aufgefallen ist hingegen, dass sich das Spielbrett bemerkenswerterweise nicht flach auf den Spieletisch legen ließ. Es war auch nach mehreren Partien stets so ausgerichtet, dass bestimmte Bereiche nicht den Tisch berührten, was sehr seltsam war. Alles in allem ist dennoch anzuführen, dass "Rajas of the Ganges" ein sehr qualitatives Produkt ist und der Verlag diesbezüglich Lob verdient.

 


Illustrationen

 

Die optische Aufmachung von Dennis Lohausen ist außerordentlich gut gelungen. Er hat ein relativ buntes Spielbrett angefertigt, das gut zu der Thematik passt. Auch die Charaktere wurden sehr ansprechend gestaltet und die Elemente sind von den Testern insgesamt als sehr ästehtisch und schön bewertet worden. Die Auswahl der Symbole ist geeignet, denn durch diese werden bei den Betrachtern die richtigen Assoziationen geweckt (Indien). Wenn man auf hohem Niveau meckern darf, dann damit, dass kaum Personen auf dem Spielplan abgezeichnet sind. Durch solche Akzente hätte das Gesamtbild an Lebendigkeit gewonnen und würde besser das geschäftige Treiben symbolisieren. Alles in allem ist mit der vorliegenden Darbietung dennoch eine tolle Umsetzung erreicht worden!

 


Spielmechanik

 

Die Abläufe wurden perfekt auf die Sparte der Kennerspiele abgepasst, denn das Spiel ist nicht zu überladen, beinhaltet relativ schlanke Regeln und ist dennoch mit genügend strategischer Tiefe ausgestattet. Der Würfelmechanismus wurde außerordentlich gut austariert und es gibt unterschiedliche Arten, wie man seine Vorgehensweisen planen und durchführen kann. "Rajas of the Ganges" ist ein "Würfel-Ressourcement-Spiel", da man sich über das Einsetzen der Würfel ausgiebig Gedanken machen bzw. immer wieder neue Würfel generieren sollte. Interessanterweise ist es neben dem "Würfel-Ressourcement-Spiel" gleichsam auch ein "Worker-Placement-Spiel", da Figuren eingesetzt werden, um Aktionen durchzuführen.


 Demnach enthält es zwei grundlegende Mechanismen bzw. Management-Systeme, die in einem Wechselspiel gut miteinander agieren. Auch die Einbettung zweier Leisten (Geld- und Ruhmesleiste) wurde hervorragend mit den vorhandenen Aktionen verwoben, sodass auch hier unterschiedliche Vorhaben realisiert werden können. Diesbezüglich kann man den Fokus mehr auf Ruhm oder Geld setzen, wobei eine Kombination aus beiden Strategien zum Sieg führt, da sich beide Marker auf den Leisten kreuzen und man somit das Spiel gewinnt. Spielmechanisch gibt es rein gar nichts auszusetzen. "Rajas of the Ganges" ist ein perfekt ausbalanciertes Spiel, das hervorragend als Kennerspiel funktioniert.

 


Innovationen

 

Indien, das "Rajas of the Ganges" zum Thema hat, strahlt von Beginn an eine gewisse Individualität aus, da dadurch ein Alleinstellungsmerkmal geboten wird. Auch das zweigliedrige System (Würfel- und Workermanagement) wirkt frisch und lässt interessante Doppelstrukturen entstehen. Zudem wurde eine neue Art von Siegbedingung entwickelt, was in seiner Einfachheit genial ist und unterschiedliche Vorhaben ermöglicht. Denn man gewinnt, indem man die Marker auf beiden Leisten (Ruhm- und Geldleiste) überkreuzen lässt, wobei eine Leiste im Uhrzeigersinn und die andere Leisten gegen den Uhrzeigersinn verläuft. Dieser Vorgang ist äußerst innovativ und stellt die bisherigen Siegpunktleisten in den Schatten. "Rajas of the Ganges" bietet sehr innovative Einfälle.

 


Spielspaß

 

"Rajas of the Ganges" ist dieses Jahr definitiv ein Highlight im Bereich der Kennerspiele. Das Spiel basiert zwar auf Würfeln, es existieren jedoch diverse Möglichkeiten, diese zu modifizieren. Ferner wird durch Module, wie z. B. andere Spielpläne, für abwechslungsreiche Spielumstände gesorgt. Weiterhin waren die Testpartien stets spannend, da man den Spielstand im Prinzip an den Leisten ablesen kann und es dann sehr häufig gegen Ende der Partien äußerst knapp zwischen den Spielern wurde, was dafür spricht, dass das Spiel gut austariert ist. "Rajas of the Ganges" ist bei den Testspielern durch den leichten Einstieg und durch die vielseitigen strategischen Möglichkeiten zu einem beliebten Kennerspiel avanciert.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Rajas of the Ganges" liegt bei 44,99 Euro. Die Spielmaterialien und das Inlay sind von einer hervorragenden Qualität. Auch die Illustrationen sind wirklich gut gelungen und lassen eine gute Verbindung zur Thematik entstehen, wobei anzumerken ist, dass es sich beim vorliegenden Produkt letztlich um ein mechanisches "Euro-Game" handelt. Die Abläufe wurden sehr gut ausbalanciert und lassen definitiv die Handschrift von erfahrenen Entwicklern erkennen. Zudem bietet das Spiel gelungene Einfälle, die gut kombiniert wurden. An "Rajas of the Ganges" werden sich sicherlich Kennerspieler erfreuen, da verschiedenste strategische Optionen möglich sind.

 


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "Rajas of the Ganges", wenn du...

 

- ein gelungenes "Euro-Game" suchst, das innovativ ist

 

- Würfel in Spielen magst

 

 

Lasse die Finger von "Rajas of the Ganges", wenn du...

 

- kein Spiel haben willst, das das Management von Ressourcen (Würfel) zum Gegenstand hat