05.07.18

Review: "Räuber der Nordsee" von Shem Phillips

Fakten

 

Autor: Shem Phillips

Spieleranzahl: 2-4

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: 60-90 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2017

Preis: UVP 45 Euro

Verlag: Schwerkraft Verlag

Spielbeschreibung

 

Räuber der Nordsee spielt in den aktivsten Jahren der Wikingerzeit. Als Krieger versuchen die Spieler, ihren Häuptling zu beeindrucken, indem sie nahe gelegene Siedlungen überfallen. Die Spieler stellen dazu eine Mannschaft zusammen, häufen Proviant an und segeln dann nordwärts, um Gold, Eisen und Vieh zu erbeuten. In den Schlachten gibt es Ruhm und Ehre zu gewinnen, sogar durch den Todeskuss einer Walküre."

(Quelle: Schwerkraft Verlag)

 



Hintergrundinformationen

 

Das Spiel "Räuber der Nordsee" wurde zum "Kennerspiel 2017" nominiert, jedoch konnte die Spielreihe "Exit" den Gewinn einheimsen. Mittlerweile sind auch schon einige Erweiterungen und weitere eigenständige Spiele zu "Räuber der Nordsee" erschienen, und zwar "Schiffbauer der Nordsee" , "Halle der Helden", "Felder des Ruhms" sowie "Entdecker der Nordsee".

 


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien sind von einer sehr guten Qualität! Das Spielbrett, die Spielsteine und Karten sind wertig und es gibt kaum etwas auszusetzen. Man hat schlimmes befürchtet, als man die Materialien von "Terraforming Mars" zu Gesicht bekommen hat, aber hinsichtlich der Materialien hat der Verlag hier definitiv vieles richtig gemacht und optimiert! Weiter so!

 


Illustrationen

 

Die Illustrationen haben die Testspieler überzeugt! Es wurden erstaunlich viele unterschiedliche Wikingerkarten angefertigt, die mit viel Witz und Humor daherkommen. Auch das Spielbrett ist schön gestaltet worden, da man auf kräftige Farben gesetzt und alle wichtigen Symbole, die man mit dem Thema verbindet, implementiert hat. Der Stil der Illustration ist sehr eigen und wirkt äußerst frisch und sehr überraschend, denn in "real" sehen die Farben noch kräftiger aus als auf vielen Bildern. Tolle Arbeit des Illustrators!

 


Spielmechanik

 

Die Abläufe von "Räuber der Nordsee" sind recht simpel und für Kennerspieler und sogar Gelegenheitsspieler relativ leicht erlernbar. Die einzelnen Aktionsmöglichkeiten bauen gut aufeinander auf und man muss sich grundlegend immer zwischen Plündern (obere Hälfte des Spielbrettes) und Arbeiten (untere Hälfte des Spielbrettes) entscheiden. Das Spiel basiert auf einer Abwandlung eines "Workerplacement-Mechanismus", wobei man eine Figur setzt und danach eine bereits gesetzte Figur entfernt, was außerordentlich gut funktioniert und noch einmal einen extra Kniff in das Spielgeschehen einbringt. Die Anforderungen der unterschiedlichen Ortschaften, die geplündert werden, wurden angemessen  festgeleget, sodass man die ertragreichen Orte nur mit einer kompletten Manschaft (bestehend aus 5 Karten) und mit viel Proviant plündern kann.


Bezüglich des Plünderns  existiert eine angemessen Steigerung, die es im Spielverlauf zu bewältigen gilt. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis der einzelnen Karten wurde sehr gut aufeinander abgestimmt. Eine gelungene Entwicklerarbeit liegt definitiv vor!

 


Innovationen

 

Das optische Setting ist gelungen, was der frischen der Art des Illustrierens geschuldet ist. Auch die Abwandlung des "Worker-Placement-Mechanismus" setzt gelungene Akzente und neuartige Impulse. Der restlichen Elemente des Spiels bieten eher standardmäßige Abläufe (Aufträge erfüllen, Plündern (Waren abgeben) und Karten sammeln). Dadurch wirkt das Gesamtkonzept im Rahmen der innovativen Konzepte dürftig und auch nicht sehr kreativ. "Räuber der Nordsee" enthält nette kleinere Einfälle, wobei man sich nicht für das Spiel entscheiden sollte, falls man sehr kreative Ideen sucht, die das ganze Spiel über zu finden sind.

 


Spielspaß

 

"Räuber der Nordsee" fanden die Testspieler o.k., wobei eine Nominierung dieses Spiels als etwas fragwürdig betrachtet wurde, da es als Komplettpaket nicht die schlagkräftigen Argumente für eine Nominierung aufweisen konnte. Das Spiel verläuft sehr geradlinig, wobei man stets dasselbe macht: man baut seine Manschaft aus und plündert dann die einzelnen Felder, indem man Ressourcen abgibt. Dadurch wirken die Strukturen sehr starr und repititiv, sodass bereits nach wenigen Runden der Wiederspielreiz kaum noch vorhanden war. Das Spiel ist im Rahmen des Spielspaßes im durchschnittlichen Bereich anzusiedeln und bietet nicht unbedingt die Abläufe, die es zu einem Highlight machen würden.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP des Spiels liegt bei 46 Euro. Die Spielmaterialien sind von einger guten Qualität und gibt diesbezüglich nichts auszusetzen. Auch die Illustrationen konnten mit viel Witz überzeugen und beinhalten einen eigenen prägnanten Stil. Die Mechanismen funktionieren gut und weisen keine Defizite auf. Die innovativen Elemente halten sich in Grenzen, wobei viele Abläufe sehr eintönig und einfallslos wirken. Durch den lineraren Spielverlauf (Arbeiten - Plündern) beinhaltet das Spiel keinen hohen Wiederspielreiz und wirkt sehr starr. Aber es sind ja schon einige Erweiterungen draußen, die hoffentlich für Abwechslung sorgen werden.

 


Gesamtwertung

 

Kaufe dir  "Räuber der Nordsee", wenn du...

 

- ein Fan des Wikingerthemas bist. Das Spiel beinhaltet wesentliche Elemente dieser Thematik (Plündern, Wallküren etc.)

 

- einen abgewandelten "Worker-Placement-Mechanismus" spielen möchtest

 

 

Lasse  die Finger von dem Spiel, wenn du...

 

- ein Spiel suchst, das sehr abwechslungsreich ist und ganz unterschiedliche Strategien ermöglicht

 

- ein Spiel spielen willst, das viele spielerische Innovationen enthält