02.12.15

Review: "Haus der Sonne" von Marc Klerner und Florian Racky

Fakten

 

Autoren: Marc Klerner und Florian Racky

Spieleranzahl: 2 

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: 40 Minuten

Alter: ab 12 Jahre

Erscheinungsjahr: 2015

Preis: UVP 29,90 Euro

Verlag: Feuerland Spiele

Spielbeschreibung

 

Haus der Sonne ist der deutsche Name für den Vulkan Haleakalâ auf Hawaii. Einer Legende nach soll einst der Halbgott Mâui die Sonne dort eingefangen haben. Haus der Sonne ist ein spannendes Spiel für 2 Personen, das mit wenigen Regeln eine große Spieltiefe bietet. Durch den geschickten Einsatz ihrer Spielsteine versuchen die Spieler, um einen Vulkan auf Hawaii ihre Statuen zu errichten - ohne dass die Lava des Vulkans sie wieder zerstört. Je nach Vorliebe der Spieler kann das Spiel mit oder ohne Glückselement gespielt werden. Wie alle Spiele von Feuerland besticht auch Haus der Sonne mit seinen liebevollen Illustrationen und seinem hochwertigen Spielmaterial. 

(Quelle: Feuerland Spiele)



Hintergrundinformationen

 

"Haus der Sonne" erschien dieses Jahr auf der Spielemesse in Essen und wurde von den Autoren Marc Klerner und Florian Racky entwickelt. Ich muss zugeben, dass ich von diesen beiden Autoren noch nichts gehört, geschweige den gespielt habe und sich erst nach einigen, mitunter wochenlangen und nervenaufreibenden Recherchen was zu Racky finden ließ ;).

Bereits im Jahre 2012 wurde das Spiel "Desperados" von Racky veröffentlicht. Fakten zu "Desperados" sowie zum Autor selbst sind mir erstmalig während der Recherchen zu Gesicht gekommen. Ist Racky ein Genie, ein Phantom unter den Autoren, der analoge Meisterwerke hinterlässt und sich dann in die anonyme Schattenwelt begibt? Wir werden sehen, was er mit Klerner produziert hat :)!

 


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien von "Haus der Sonne" sind von sehr guter Qualität. Die Karten, Spielsteine und Spielbretter fühlen sich ungemein hochwertig an. Allein der Fakt, dass Aufkleber zum Bekleben zur Verfügung gestellt werden, anstatt die Symbole auf den Holzmaterialien einzugravieren, mindert dann doch den hohen qualitativen Grad der Materialien und passt auch nicht in dieses Gesamtbild. Nichtsdestotrotz fühlen sich die Komponenten sehr robust an und lassen eine hohe "Lebenszeit" vermuten. Sehr gut!

 


Illustrationen

 

Die graphische Aufmachung fußt auf der Arbeit des renommierten Illustrators Dennis Lohausen. Leider hat diesmal das optische Erscheinungsbild nicht unseren Geschmack getroffen. Zwar ist "Haus der Sonne" ein abstraktes Spiel mit nicht allzu vielen Spielmaterialien, dennoch hätte vor allem das Spielbrett mit mehr Liebe zum Detail illustriert werden können z.B. Bewohner, Fischer, Nahrungsanbau etc., um die thematische Dichte etwas anzuheben. Zwei abgebildete Dörfer und ein Bootssteg konnten dann doch das spannende Thema einer Vulkaninsel nicht vollends widerspiegeln. Weiterhin wäre es wünschenswert gewesen, dass die Karten, von denen im Spiel nicht viele enthalten sind (das muss es auch nicht!), durch unterschiedliche Abbildungen symbolisiert werden, auch wenn sie die gleiche Funktion innehaben. Zum Beispiel könnten Baukarten mit verschiedenartigen Illustrationen eine gewisse Individualität ins Spiel bringen, die bei dieser geringen Anzahl an Karten locker illustrativ umzusetzen wären und für Abwechslung im Spielgeschehen sorgen würden. Alles in allem ist das Erscheinungsbild des Spiels ganz in Ordnung.

 


Spielmechanik

 

In "Haus der Sonne" greifen die einzelnen Optionen perfekt ineinander! Zwar gibt es nicht viele Optionen, dennoch sind strategische Planungen vonnöten und es sollte mit Bedacht gewählt werden, welche Zahlenscheibe man wo genau hinlegt. Da alle Karten und Zahlen offen auf dem Tisch auslegen, ist es notwendig, Züge im Voraus zu planen und dann durch einzelne Spielsteine den Spielverlauf (Bewegung des Bootes, Mehrheit in einem Segment) zu beeinflussen. Das Spiel scheint auf den ersten Blick sehr wenig Optionen anzubieten, was sich auf den zweiten Blick aber mit Sicherheit widerlegen lässt und eine nicht erwartete Spieltiefe bietet! 


Schön ist es weiterhin, dass durch die alternative Variante der Glücksanteil völlig aus dem Spiel entschwindet und es wirklich nur noch darauf ankommt, wer die Zahlenscheibe besser setzt, das Boot zum richtigen Zeitpunkt bewegt, Wertungsstrategien konsequent verfolgt bzw. erreicht, um so den verdienten Sieg zu beanspruchen.

 

"Haus der Sonne" ist ein Musterbeispiel dafür, wie man mit wenig Optionen abstrakte, aber durchaus anspruchsvolle und vor allem stark miteinander verwobene Spielabläufe aufbauen kann. Denn jeder "falsch" gesetzte Stein wird sich im Hinblick auf die eigene Strategie negativ auswirken. Das lässt sich mit Sicherheit sagen!

 


 Innovationen

 

Einige Elemente von "Haus der Sonne" wirken innovativ, wohingegen der Großteil der Spielabläufe bereits bekannt ist. Das Spielkonzept basiert auf Mehrheiten (Zahlenscheiben), auf dem Kaufen von Multiplikatoren (Wertungskarten), Sammeln von Karten, Bauen von Statuen, was (um ehrlich zu sein) allesamt Aspekte sind, die schon zuhauf in Spielen existieren. 

Eine pfiffige Idee ist hingegen, dass sich die Lava-Chips zerstörerisch auf die Statuen auswirken und wenn diese übereinander gestapelt sind, auch mehrere Ebenen erreichen können (z.B. zwei Lavachips übereinander gestapelt treffen in dem Segment die Statuen auf dem Gebirgsfeld und der Waldebene). Zudem passt dieser Ablauf gut zum Thema des Vulkanausbruches und dem Herunterfließen der Lava auf verschiedene Landschaftsebenen. Weiterhin ist es ebenso unüblich, dass Wertungskarten, die man im Verlauf erwirbt, zurückgeben muss. Dies wirkt sich auf strategische Planungen aus und ist ein kleiner Kniff, der auch nicht sehr gängig ist. Alles in allem kann man mit Sicherheit sagen, dass "Haus der Sonne" nicht gerade das innovativste Spiel der Messe 2015 ist ;).

 


Spielspaß

 

Zugegebenermaßen "Haus der Sonne" ist jetzt nicht das optisch ansprechendste Spiel und die Aufmachung hat den einen oder anderen Spieler nicht geradezu animiert, es unbedingt spielen zu wollen. So sehr kann man sich irren! :) Denn dieses Spiel für zwei Spieler bereitet viel Spaß und hat allen Testspielern wirklich gut gefallen. Die Einstiegshürde ist nicht sehr hoch, jedoch verlangen die Spielzüge eine intensive strategische Planung, die Vielspieler ansprechen könnte. Ebenfalls können sich Gelegenheitsspieler "Haus der Sonne" zu Gemüte führen, aber um das Spiel richtig gut zu spielen, benötigt man dann schon mehrere Partien. 

So sehr uns "Haus der Sonne" gefallen hat, muss man dann doch fairerweise hinzufügen, dass der Wiederspielreiz etwas geringer ausfällt. Durch die Palmen-Karten, die kontinuierlich ausgelegt werden, kommen zwar Variationen ins Spiel. Nichtsdestotrotz sind im Grunde genommen wenig unterschiedliche Karten vorhanden, die Wertungskarten sind arg begrenzt und die grundlegenden Handlungsabläufe (Schiffsbewegung, Zahlenscheibe legen, Zahlenscheibe nehmen) sind dann doch für Vielspieler zu eintönig. Strategische Möglichkeiten sind gegeben, die sehr gut geplant werden müssen: Welche Zahlenscheibe lege ich in welches Segment? Welche Karten möchte ich bekommen? Welche Wertungskarten soll ich kaufen? Wo soll ich meine Statuen bauen? Diese Fragen liegen sehr nah beinander, dennoch bleibt der Handlungsradius  in diesem Rahmen eingegrenzt, was manchem Vielspieler zu wenig sein kann, aber dem Gelegenheitsspieler genau passen würde.

Im Großen und Ganzen macht "Haus der Sonne" Spaß, spielt sich relativ zügig und lädt auch zu mehreren Partien an einem Abend ein. Gerade die Spielvarianten können zudem noch an die jeweiligen Spielertypen angepasst werden (alternative Spielweise beinhaltet weniger Glückselemente). Eine überdurchschnittliche Bewertung ist auf jeden Fall angebracht.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Haus der Sonne" liegt bei 29,90 Euro, was im Rahmen der Spiele für zwei Spieler eher im oberen Preissegment liegt. Die Spielmaterialien sind qualitativ hochwertig, die Spielmechanik funktioniert einwandfrei, das optische Erscheinungsbild ist eine subjektive Empfindung und von jedem Spieler selbst zu beurteilen ;). Innovative Elemente sind rar, dennoch macht das Spiel sehr viel Spaß!

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir das Spiel, wenn du...

 

- ein Spiel für zwei Spieler suchst, das eine geringe Einstiegshürde beinhaltet, aber dennoch geug strategische Optionen bietet

 

- eher abstrakte Spiele magst, denn "Haus der Sonne" ist definitiv kein sehr thematisches Spiel

 

- ein kurzweiliges Spiel suchst. Das Spiel dauert ca. 40 Minuten und hat uns viel Spaß bereitet

 

Lass die Finger vom Spiel, wenn du...

 

- keine Spieler für zwei Spieler magst, da ein direkter Wettkampf deiner Meinung nach eure Freundschaft zu sehr belastet ;)

 

- ein Spiel suchst, das viele originelle Einfälle einbindet. Innovativ ist "Haus der Sonne" jetzt nicht unbedingt

 

- eine "strategische Bombe" spielen willst, bei der du etliche Optionen hast und allein schon für die Auswahl zwischen den Optionen 3/4 der angegebenen Spielzeit in Anspruch nimmst ;)