21.01.15

Review: "Die Staufer" von Andreas Steding

Fakten

 

Autor: Andreas Steding

Spieleranzahl: 2-5 Spieler

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: ca. 20 Minuten/ Spieler

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2014

Preis: UVP 39 Euro

Verlag: Hans im Glück

Spielbeschreibung

 

Die Familie der Staufer stellte im 12. und 13. Jahrhundert mehrere römisch-deutsche Könige und Kaiser. Der berühmteste darunter war Friedrich der I., genannt Barbarossa. Doch sein Sohn Heinrich VI. war es, der das Reich der Staufer auf eine noch größere Ausdehnung brachte. Von Nord- und Ostsee reichte das Imperium bis nach Sizilien und Süditalien. Um über solch ein riesiges Reich zu herrschen, musste Kaiser Heinrich VI. mit seinem gesamten Hofstaat durchs Land reisen und ,,vom Pferd aus" regieren. Dabei legte er in nur einem Jahr mehr als 4000 Kilometer zurück.

Ihr reist mit Heinrich VI. durch sein Reich. Mit Geschick und Weitsicht setzt ihr euer Gefolge an die Zügel der Macht, was euch spannende Vorteile verschafft. Halte deine Mitspieler in Schach und werde ein einflussreicher Fürst! Werde Teil der Geschichte und lasse deine Mitspieler zur Fußnote dieser verblassen.

Die Staufer - für Strategen, die nach Großem streben!

(Quelle: Hans im Glück Verlag)



Hintergrundinformationen

 

Das erste Mal habe ich von dem Spiel auf der Spielemesse Essen 2014 gehört. Dort wurde das Spiel "Die Staufer" von Andreas Steding am Stand des "Hans im Glück" Verlages vorgestellt. Auch die Fairplaylisten dieser Messe suggerierten tendenziell einen guten ersten Eindruck der Besucher. Die Tische waren alle besetzt und die Spieler und Spielerinnen hörten gebannt den Spielerklärern des Verlages zu. Das Spielbrett sah auf den ersten Blick sehr originell aus und hat durch die außergewöhnliche optische Präsenz die Aufmerksamkeit voll und ganz auf sich gezogen. Natürlich ist nicht zu leugnen, dass der "Hans im Glück" Verlag ein bekannter Brettspieleverlag ist, der einige sehr gute Spiele publiziert hat und man somit auch bereits mit einer gewissen Erwartungshaltung an das Spiel herangetragen wird.

Zumal ist der Historiker Andreas Steding kein Unbekannter, da Spiele wie "Firenze" und "Hansa Teutonica" aus seiner Feder stammen.

 


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien sind alle von guter Qualität nur eine Figur war beschädigt. Der Hans im Glück Verlag ist jedoch sehr kulant, wenn es um defekte Spielmaterialien geht. Ansonsten ist die Qualität des Materials als sehr gut einzustufen, das sich sehr leicht ausstanzen lässt und dies ein Indikator für eine solide Verarbeitung des Materials ist. Sehr solide alles und hier gibt es kaum was zu meckern!

Ein halber Spiegelabzug aufgrund des defekten Materials, da sowas nicht unbedingt sein muss.

 


Illustration

 

Auch wenn das Design nicht von dem Illustrator Michael Menzel ist ;), sondern von Franz Vohwinkel, finde ich die Darstellungen gut gelungen. Die Städte sind schön individuell illustriert worden, was mir recht gut gefällt.

So das wär´s aber dann auch schon....

Man muss ehrlicherweise erwähnen, dass die Illustrationen, die ein positives Spielgefühl mit sich bringen, leider nicht imstande sind, die Thematik mit der Spielmechanik zu verbinden. Man hat nicht das Gefühl, als würde man von einer Stadt in eine andere Stadt reisen, wie es thematisch beabsichtigt wurde (Man bewegt den König Heinrich den VI von einer Stadt in die nächste Stadt). Wahrscheinlich kommt das Gefühl einer Reise nicht so richtig auf, weil sich die Spielfiguren immer nur im Kreis bewegen.

Ansonsten gefällt mir das Cover recht gut. Die Truhenplättchen sind minimalistisch gehalten und erfüllen einfach ihren Zweck der Vermittlung der Funktionen. Also keine herausragenden Darstellungen und demnach nichts Besonderes im Prinzip. Klare direkte Anweisungen, bei denen man nach kurzem Einspielen direkt weiß, was zu tun ist.

Betrachtet man nun die schönen illustrierten Städte auf dem Spielplan und das ansprechende Cover auf der einen Seite, jedoch das nicht völlig ausgeschöpfte Potential an weiteren tollen Illustrationen z.B. auf den Truhenplättchen und die nicht funktionierende thematische Einbettung durch die Illustrationen, sind solide 4 Spiegel zu vergeben. Eigentlich ist dies ärgerlich, da das Spiel im Rahmen der Illustrationen auf die vorhandenen schönen Zeichnungen aufbauen und man an diese anknüpfen könnte, um dadurch die Thematik mehr in den Vordergrund zu heben.


Spielmechanik

 

Die Spielmechanik ist gut, da alles gut miteinander verzahnt ist!

Da man nur 3 Züge pro Runde hat und es nur 5 Runden gibt, ist es ein recht kniffliges Spiel und man muss immer grübeln, wie man denn nun die Mehrheiten in den jeweiligen Orten optimal erreichen kann.

Auch wenn der Spieler nur entweder Zugvariante a) Nachschub anfordern oder b) Figuren bewegen und einsetzen aktiviert, gibt es dennoch viele strategische Möglichkeiten, die sich aus den genannten zwei Optionen ergeben, was mich, um ehrlich zu sein, überrascht und überzeugt hat. Hier gilt das Prinzip: Weniger ist mehr!


Ich würde sagen, "Die Staufer" ist ein mittelschweres Strategiespiel, da es schon einige strategische Möglichkeiten bietet z.B. durch das Aktivieren von Truhenplättchen oder erworbenen Effektkarten, die man mittels 2 lila Truhenplättchen erhält. Des Weiteren muss man immer darauf achten, dass genug Nachschub an Figuren im Vorrat vorhanden ist und man die Mehrheiten in den jeweiligen Orten erhält. Demnach ist es im Spiel essentiell, dass man verschiedenste Aspekte nicht aus den Augen lassen darf... sonst ist das Spiel verloren.Alles in Allem funktioniert die Spielmechanik super und ich finde es recht gut, wie sich aus einer Zugmöglichkeit basierend aus 2 Optionen eine gewisse strategische Dichte ergibt. Hut ab! Das Spiel wirkt ausbalanciert und die Mechanik funktioniert einwandfrei.

 


Innovation

 

Dass die Mechanik des Spiels gut funktioniert und sich das Spiel flüssig spielt, ist eindeutig klar. Nur, ist das Spiel auch innovativ?

 

Nein, das Spiel ist nicht innovativ.

 

Es ist ein klassisches Mehrheitenspiel mit Auftragskarten und Zusatzfunktionen. Hier wurde das Rad wahrlich nicht neu erfunden. Man bewegt sich zu einem Ort und legt Figuren hin, bezahlt den Amtsitz und legt wieder Figuren hin. Am Ende der Runde bewegt sich die Figur des Königs einige Felder weiter und man darf die Figuren einsammeln, die in dem Bezahlbereich liegen. Die Figuren, die in den Amtssitzen gewertet wurden kommen in den allgemeinen Vorrat.

 

Ist das innovativ? Ich denke nicht..... Hier wurden altbewährte Mechanismen schön aufgepeppt und neu intepretiert, was nicht unbedingt schlecht sein muss. Dennoch sind in puncto Innovation keine extrem hohen Bewertungspunkte im Rahmen dieser altbewährten Mechanismen zu vergeben. Des Weiteren scheint das komplette Bezahlsystem ganz frisch daher zu kommen.

 


Spielspaß

 

Innovation hin, Innovation her ….Jetzt mal die Innovation beiseite! :)

 

Das Spiel macht definitiv Spaß und gut is.....!!!

 

In einer Spielrunde mit 2 Personen wird der Spieler für eine gute Stunde gefordert. Somit recht angenehm für einen mittellangen Spieleabend inkl. Aufbau und Abbau. Man muss auf jeden Fall fokussiert spielen, damit man unterschiedlichste Aspekte nicht aus den Augen verliert. Dennoch bleibt eine "Überanstrengung" durch die überschaubaren Zugmöglichkeiten aus. Ergo kommen auch Gelegenheitsspieler, die das Spiel 3,4 Mal gespielt haben, voll auf ihre Kosten. "Die Staufer" bietet einen leichten Einsteig, doch alle Rahmenbedingungen im Spiel zu beachten und zu kontrollieren, will gekonnt sein.

Bei den bisher gespielten Runden blieb es bis zum Ende des Spiels immer spannend, was ich persönlich an Spielen sehr mag. Durch die Auftragskarten, die am Ende erfüllt werden, lassen sich nämlich noch eine Menge Punkte generieren.

In diesem Spiel rückt die Mechanik in den Vordergrund und nicht die Thematik! Wer ein rein thematisches Spiel sucht, sucht bei "Die Staufer" vergebens.

Das Spiel von Andreas Steding bietet 2 grundlegende Zugoptionen, aus denen sich aber einige strategische Möglichkeiten ergeben. Diese Möglichkeiten sind zwar begrenzt, aber für ein Spiel in diesem Umfang genau richtig!

Inwieweit der Spielspaß auf Dauer anhalten wird, ist nicht ganz abzusehen. Es gibt unterschiedlichste Komponenten, die man in das Spiel integrieren kann bzw. die immer unterschiedlich auslegen: z.B. 16 Effektkarten, von denen man zu Beginn dies Spiels einige für das bevorstehende Spiel selektiert und 9 unterschiedliche Truhenplättchen, die zufällig um den Spielplan und unter dem Nachschubtableau ausgelegt werden. Folglich spielt sich jede Partie dieses Spiels anders, was eine enorme Varianz im Spielaufbau unterstreicht. Unterstützt wird diese Varianz durch die unterschiedlichen Auftragskarten, die jeder Spieler zu Spielbeginn erhält. Dennoch kann der Fall eintreten, dass die Truhenplättchen, Auftrags- und Effektkarten irgenwann mal ausgeschöpft sind und man sich nach neuen Plättchen und Karten sehnt, damit wieder eine frische Brise ins Spiel kommt. Die hervorgehobene Varianz beizeht sich somit mehr auf den Spielaufbau als auf die unterschiedlichen Plättchen und Karten, von denen es eine begrenzte Anzahl gibt, was den Wiederspielwert des Spiels beinträchtigen könnte. Könnte..........muss aber nicht!

 

Ist das Spiel glückslastig?

Ich empfand dies nicht so. Wenn man strategisch gut spielt, hat man eigentlich auch das Spiel am Ende gewonnen und überall, wo man Glück hat, das hat man sich dann selbst erarbeitet z.B. durch Karten, die extra Truhen bringen etc.

Final kann ich zum Spielspass sagen, dass mir das Spiel bei der 8. Partie immer noch viel Spaß bereitet und ich dies zum jetzigen Zeitpunkt echt empfehlenswert ist. Hier wird der Spieler aus wenig Zugmöglichkeiten dennoch zum "grübeln" animiert, was einen gewissen Charme das Spiels ausmacht.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Das Spiel bietet auf jeden Fall einige Komponenten, die von guter Qualität sind. Dennoch ist es meiner Meinung nach für das hier Gebotene aktuell zu teuer. Ich rede von dem Preis von ca. zwischen 32 und 38 Euro. Ich würde sagen, dass es eher angebracht wäre, dass Spiel im Bereich der 25 Euro anzusiedeln, da das Spiel nicht gerade wenig Materialien, aber auch nicht übermäßig viele zu bieten hat. Betrachtet man weiterhin den Aspekt, dass das Spiel keine "Revolution" in der Spieleentwicklung darstellt, sondern nur Altbewährtes neu interpretiert, sind im des Preis-Leistungs-Verhältnis keine hohen Bewertungspunkte zu vergeben.

 


Gesamtwertung

 

 

Ich kann das Spiel wärmstens empfehlen an....

 

- Vielspieler und Gelegenheitsspieler

 

- diejenigen, die ein mittelschweres Spiel mit einer leichten Einstiegshürde und dennoch strategischen Tiefgang möchten, aber nicht zu tief tauchen wollen

 

- diejenigen, die keine Rückschmerzen vom langen Sitzen haben möchten, sondern in einer guten Stunde bei 2 Spielern das Spielende sehen

 

- die Spieler, die viel Wert auf spielerische Mechanismen legen, als auf thematische Einbettung, denn hier kommt das Thema nicht stark zum Ausdruck. Man lernt zwar geschichtlich durch die Anleitung etwas dazu, aber eigentlich bewegt man im Spiel nur die Figur weiter - das Gefühl einer simulierten Reise kommt nicht auf, eher ein "ich-bewege-die-Figur-um-2-Felder-weiter"...

 

- die Spieler, die nicht ein komplett neues, innovatives Spiel suchen, sondern mit einer Neuauflage alter Mechanismen fündig werden wie z.B. bei "Russian Railroads" (Worker-Placement). Jedoch sind diese Mechanismen nicht eingerostet, sondern wurden upgegradet und neu aufgelegt

 

- diejenigen, die am Schluss nochmal eine Schlusswertung und keinen absehbaren Spielausgang möchten

 

 

Das Spiel ist nicht zu empfehlen, wenn...

 

- du ein rein thematisches Spiel spielen willst

 

- du bei "mechanischen Spielen" direkt sagst, dass das Spiel zu trocken ist

 

- du unbedingt ein Schwergewicht eines Spiels spielen willst, bis dir die Schweißperlen die Stirn heruntertropfen

 

- du unbedingt ein komplett und noch nie dagewesenenes Spielgefühl haben möchtest

 

- du dich zwischen unendlich vielen strategischen Möglichkeiten entscheiden willst