21.07.15

Review: "Das Vermächtnis - Stammbaum der Macht

Fakten

 

Autor: Michiel Hendriks

Spieleranzahl: 1-4

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: 45-75 Min.

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2014

Preis: UVP 29,95 Euro

Verlag: Pegasus Spiele

Spielbeschreibung

 

Frankreich, 1729: Die Französische Revolution wirft ihre Schatten voraus. Um sich gegen die drohenden politischen Umwälzungen zu sichern, ist Umsicht und Planung gefragt. In "Das Vermächtnis" übernimmt jeder Spieler die Rolle eines aristokratischen Familienoberhaupts, das über drei Generationen hinweg versucht, für seine Kinder und Enkel gewinnbringende Ehen zu arrangieren, sowie den Reichtum, Ruhm und Einfluss seiner Familie durch geschickte Aktionen zu mehren.

Das Vermächtnis – Stammbaum der Macht ist eine Mischung aus Brett- und Kartenspiel. Der clevere Kartenmechanismus erlaubt es den Spielern, den Stammbaum ihrer stetig wachsenden Familie darzustellen. Dadurch werden mit jeder Partie einzigartige Dynastien gegründet, die ihre eigene Geschichte erzählen.

(Quelle: Pegasus Spiele)



Hintergrundinformationen

 

Auf der Messe "Spiel 2014" in Essen habe ich dieses Brettspiel (à la ich kam, sah und kaufte) erworben, da ich im Vorfeld schon sehr interessante Aspekte darüber im Internet gelesen habe. Auch der Spieleverlag "Portal Games", unter dem das Spiel im Ausland erschienen ist, sagt mir mehr und mehr mit qualitativen und vor allem originellen Spielen, wie z.b "Robinson Crusoe" oder aktuell "Imperial Settlers" zu. Der Verlag Pegasus Spiele hat eine deutsche Fassung mit dem Namen "Das Vermächtnis - Stammbaum der Macht" auf den Markt gebracht, auf die ich unbedingt zugreifen musste. Ob dieses Spiel ein Fehlkauf war oder vielleicht doch eine lohnende Investition, zeigt die Gesamtbewertung dieser Rezension,

 


Spielmaterialien

 

An den Spielmaterialien gibt es kaum etwas auszusetzen! "Das Vermächtnis" beinhaltet hauptsächlich viele Spielkarten, die in guter Qualität auftreten. Ebenfalls sind die Spielertableaus und Spielsteine nicht von minderer Qualiltät. Zu bemängeln ist jedoch, dass die Geldplättchen zwar stabil wirken jedoch an der Anzahl sichtlich gegeizt... nein, ich meine umweltschonend gespart wurde :). Anstelle mehr Geldplättchen beizulegen, griff man auf Karten zurück, die ebenfalls Geld symbolisieren (z.B. 1 Karte = 10 Geldeinheiten), was überhaupt nicht gut gelungen ist. Für diesen "Geiz" an der falschen Stelle gibt es definitv einen klaren Punktabzug. Des Weiteren beinhaltet das Regelbuch einige Rechtschreib- und Grammatikfehler, die ich überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Mir kam es so vor, als hätte man „Google-Translate“ zum übersetzen benutzt :(. Des Weiteren sind Abschnitte der Aufrtragskarten bei mir auf Englisch... komisch oder...?

Naja, im Grunde beinhaltet das Spiel qualitative Spielekomponenten, wobei die Gesamtwertung in puncto Quantität, Übersetzung und Produktionssorgfalt gemindert wird.

 


Illustration

 

Ich finde, dass die Illustration von „Das Vermächtnis“, die schon etwas an eine Karikatur erinnert, überaus gut gelungen ist. Die 75 Freundeskarten, sind in mancher Hinsicht sehr lustig gestaltet worden, was einen eigenen Stil untermauert. Das Thema eines Stammbaums und die recht witzigen Illustrationen passen somit wie die Faust aufs Auge zusammen und regen regelrecht zum spaßigen „Geschichten erzählen“ an. Die 88 Kinderkarten ergänzen diesen graphischen Stil, jedoch finde ich es schade, dass nicht 88 unterschiedliche Kinder aufs Blatt gebracht wurden. Vielleicht ist es auch etwas zu viel verlangt ;). Auch die Titel- und Gemeinwohlkarten hätten man auch noch mit Bildern versehen können, um "Das Vermächtnis", das von einer starken Bildsprache lebt, nochmals aufzuwerten. Hätte, hätte, Fahrradkette... ;)

Sowol die Spielertableaus als auch der Spielplan verbinden sich optisch sehr gut mit den Karten, die das Herzstück des Spiels ausmachen.

 


Spielmechanik

 

Die Mechanismen funktionieren zum größten Teil ohne erhebliche Defizite und ergeben zusammen ein stimmiges Gesamtbild. Jedoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass "Das Vermächtnis" einen nicht zu unterschätzenden Glücksfaktor beinhaltet. Karteneffekte beziehen sich oft auf Berufsgruppen oder Nationalitäten, die bereits in deinem Stammbaum vertreten sind. Ebenfalls richtet sich die Aufgabenkarte oft an Gruppierungen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, diesem Glücksanteil wenigstens etwas entegegenzuwirken. Es gibt z.B. die Aktion Freunde werben, die es einem gestattet, für nicht allzuviel Geld ausgewählte Karten zu erhalten. Da diese offen liegen, kann man bereits planen, welche Karten man auf die Hand nehmen möchte, wenn sie einem nicht vorher schon weggeschnappt werden.


Des Weiteren erlauben Gemeinwohlkarten, aber auch die Effekte auf der linken Seite der Freundeskarten, neue Freundeskarten vom Nachziehstapel verdeckt zu ziehen, sodass einem wieder mehr Optionen und eventuell die benötigten Berufsgruppen/Nationalitäten zur Verfügung stehen.

Dennoch kann es sein, dass man enorm viel Pech hat, was dadurch enstehen kann, dass kaum Karteneffekte miteinander zu kombinieren sind, man nur Komplikationskarten zieht (eine Komplikationskarte pro Generation ist möglich), benötigte Freundeskarten einfach nicht gezogen werden z.B. Berufsgruppe Handwerker, oder der Gegner in Generation Eins und Zwei Aufgaben zieht, die er schon automatisch fast vollständig durch seinen erbauten Stammbaum erfüllt hat.

Man kann das Glückselement zwar bis zu einem gewissen Grad kontrollieren, dennoch bleibt ein kleiner aber dennoch gewichtiger Freiraum für einen unbeherrschbaren Glücksfaktor übrig. Sinn und Zweck sollte es ja nicht sein, die ganze Zeit daran zu arbeiten, sein Pech irgendwie auszubalancieren.

Aber jetzt kommt das Wichtigste: der Glückfaktor ist in diesem Spiel berechtigt! Denn auch das Leben kann Komplikationen bei der Geburt beinhalten und wenn es um die Liebe geht, sagt hört man auch oft von dem Satz „Wo die Liebe hinfällt“ (Bezug zur Nationalität/Berufsgruppe = nicht auslösbare Karteneffekte). Dieses Spiel spiegelt perfekt diese Zufallsfaktoren wieder und ich muss sagen, dass aufgrund der Thematik dieses Element in dieses Spiel passt. "Das Vermächtnis" spiegelt einfach das Leben wieder :)..Mensch, jetzt wird es hier aber poetisch.

 

Abschwächung in der Bewertung gibt’s dennoch aufgrund:

 

des Gefühls, dass einige Karten nicht gut genug ausbalanciert wurden (Karteneffekte in Relation zu den Kosten und Aufgabenziele zu den Punkten, die man erhält).

 


Innovation

 

Dieses Brettspiel ist thematisch ein innovativer Meilenstein! Die komplette thematische Aufmachung wirkt sehr lebendig und regt stark die Assoziationen an, was Michel Hendriks, dem Autor des Spiels, wirklich hoch anzuerkennen ist. Anstatt einfach ein Spiel zu konzipieren, die den Namen einer Stadt trägt (wie in 50 % aller Spiele ;)), wird hier auf einer abstrakten aber gleichvoll lebendigen Ebene ein Stammbaum nachgebaut. TOP! Thematisch gesehen ist dieses Brettspiel eine nicht zu unterschätzende Bereicherung für die Spielelandschaft.

Einige Aktionen können einem bekannt vorkommen (z.B. Geld bekommen), jedoch ist hier auch die Einzigartigkeit charakteristisch. Denn um Geld zu bekommen muss man Freundeskarten aus der Hand abwerfen oder in anderen Fällen Einkommenspunkte verringern, was das Ressourcenmanagemnt auch neu gestalten lässt. Denn Karten sind eigentlich keine Ressourcen, können aber zu Ressourcen umfunktioniert werden. Das gleiche gilt für Ansehenspunkte, die sich auf die Siegpunktleiste ausschlagen. Diese nicht klar definierten Ressourcen, auf die man zugreifen kann, aber nicht muss, lassen das Ressourcenmanagement auch in einem etwas anderen Licht erscheinen. Denn es ist der Fall, dass Ressourcen auch gleichsam keine Ressourcen sind, was ich sehr interessant finde :) (Irgendwann ist man doch immer satt beim Spiel mit Geld zu bezahlen :))

Die theamtische Einbettung der einzelnen Aktionen gibt diesen dann den letzten Feinschliff!

 


Spielspaß

 

"Das Vermächtnis" macht wirklich Spaß und könnte auch was für Gelegenheitsspieler sein, die sich auf dem Weg zum Vielspieler befinden. Das Thema ist unfassbar stark und regt zum Geschichten erzählen an, wobei durch die Illustrationen eine lustige Komponente beigesteuert wird. Der etwas höhere Glücksanteil, der (und das überrascht mich selbst) wirklich gut zum kompletten Spielgeschehen passt, rundet dieses Brettspiel ab.

Einzig und allein die Karteneffekte und besonder die Zielkarten scheinen etwas unausgegoren, was mich manchmal etwas stutzig drein blicken ließ.

Am Ende guckt man auf seinen Stammbaum und sagt: "Man ist das ne kranke Familie" :)

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Dieses Brettspiel vom Verlag Pegasus Spiele ist aktuell für 29,99 Euro zu haben. Ich habe das Spiel auf der Spielemesse für 25 Euro erstanden und finde, dass genau dieser Preis auch angemessen ist! Innovation trifft hier auf thematische Stärke, was den von mir bezahlten Preis rechtfertigen würde. Denn die Anzahl an Spielmaterialien ist schon relativ gering: nicht viele Holzfiguren (was das Spiel auch nicht benötigt) und ein kleiner Spielplan bzw. vier bescheidene Spielertableaus. Das passt auch alles perfekt zum Spiel, dennoch ist zu bedenken, dass das nicht mengenmäßig viel an Materialien ist. Man hätte z.B. viel mehr Münzen beilegen können, anstelle von Karten, die diese ebenfalls darstellen. Der Preis von 29,99 Euro ist aus diesem Grund etwas zu hoch angesetzt worden und es folgt ein leichte Abwertung, wobei das Preis-Leistungs-Verhältnis dieses Spiels immer noch im oberen Bereich liegt.

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir das Spiel, wenn du...

 

- ein sehr thematisches Spiel spielen möchtest, dass Assoziationen weckt und Geschichten erzählen lässt

 

- auch aufgrund der einzigartigen Karikaturen auch mal schmunzeln oder vielleicht lachen willst (aber bitte keinen Speichel auf den Spielmaterialien :))

 

- innovative Elemente wie z.B. ein neuartiges Ressourcenmanagement oder einzigartige Aktionen spielen möchtest, die durch ihre thematische Einbindung sehr individuell sind

 

- ein leichtes bis mittelschweres Brettspiel besitzen willst, dass viele Aktionsmöglichkeiten bietet, dennoch nicht als zu komplex bzw. nicht als Schwergewicht durchgeht

 

 

Lass die Finger vom Spiel, wenn du...

 

 

- keinen großen Tisch hast.. Ein wirklich gut gemeinter Rat :)

 

- meinst, dass die Menge an Spielmaterialien als ein ausschlaggebender Faktor für einen Preis ist. Aus dieser Perspektive ist dieser nicht gerechtfertigt