06.04.16

Review: "Das Konzil der Vier" von simone Luciani und Daniele Tascini

Fakten

 

Autor: Simone Luciani, Daniele Tascini

Spieleranzahl: 2-4

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: 40-70 Minuten

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2015

Preis: UVP 34,95 Euro

Verlag: Heidelberger Spieleverlag

Spielbeschreibung

 

Reichtum und Wohlstand herrschen in den 3 Provinzen des Königreichs. Jede der Provinzen wird von einem Konzil aus 4 Adligen regiert und verwaltet. Ein Platz im Konzil ist mit großer Verantwortung und ebenso großer Macht verbunden – kaum verwunderlich, dass die 6 großen Adelshäuser sich stets um diese Posten streiten. Dies bietet aufmerksamen Händlern die Gelegenheit zu Profit und Einfluss – Händlern wie dir!

 

Um dein eigenes Handelsimperium zu errichten, benötigst du Baugenehmigungen für Handelskontore in den Städten der 3 Provinzen. Und diese gewährt dir nur das jeweilige Konzil. Gelegentliche finanzielle Zuwendungen an die Mitglieder der Adelsfamilien sichern dir ihr Gehör und ermöglichen den Ausbau deiner Handelswege. Der Weg zum Königshof kann dir Möglichkeiten eröffnen, um das Konzil zu umgehen.

 

Wirst du deine Konkurrenz ausstechen und die richtigen Adligen beeinflussen oder wird dein Stern verglühen, sodass du deine letzten Tage auf einem Handelskarren in der Provinz verbringst.

(Quelle: Heidelberger Spieleverlag)

 



Hintergrundinformationen

 

Das Autorenduo Simone Luciani und Daniele Tascini haben bereits mit den Brettspielen Tzolkín (2012) und "Auf den Spuren von Marco Polo (2015) in der Brettspiellandschaft für Aufsehen gesorgt und einen immensen "Hype" ausgelöst. Ob die beiden mit ihrer neuen Entwicklung an den bisherigen Erfolg anknüpfen können, wird der folgende Bericht aufzeigen.

 


Spielmaterialien

 

Die Materialien von "Das Konzil der Vier" ließen sich relativ schwer ausstanzen und wirkten eher von minderer Qualität, was sehr ungewöhnlich für den Heidelberger Spieleverlag ist, der in der Regel qualitativ hochwertige Materialien verarbeitet. Zum Teil sind Einzelteile aus Pappe beim Herauslösen eingerissen und generell waren die Stanzbögen eher dünn und nicht stabil. Dementgegen sind die Spielfiguren aus Holz hochwertig und robust. Ebenso die Balkone, die man aus unterschiedlichen Elementen zusammenbaut, halten prima das Gewicht der Figuren aus, die drauf gestellt werden. Nichtsdestotrotz lassen sich redaktionelle Fehler feststellen, die sich auf die Anleitung beziehen (z.B. König kommt in die Stadt Juvellar (lilafarben)/auf der Rückseite des Spielplans ist jedoch Grada lilafarben). Grundsätzlich besteht der Spielplan aus drei Teilen, die jeweils umgedreht werden können und so das Spiel variabel gestalten lassen. Die Materialien waren sind im Gesamtkontext als in Ordnung anzusehen.

 


Illustrationen

 

Die Landschaftspläne haben uns aus ästhetischer Sicht kaum zugesagt, da die Gestaltung lieblos und "auf schnell gemacht" wirkt, obwohl die vorliegende Thematik graphischen Freiraum bietet. Die Städte doppeln sich (kaum Variationen), die Farben dieser wirken eher blass sowie matt und lassen sich schwer unterscheiden, wichtige Symbole (Kreise für die Plättchen) wurden vergessen, die Straßen sind aufgrund von Plättchen nicht so gut voneinander zu trennen und passen nicht zusammen (liegen versetzt). Ihr merkt schon, hinsichtlich der optischen Aufmachung wäre viel Luft nach oben gewesen, was nicht nur die Ästhetik, sondern auch den funktionalen Bereich betrifft.

 


 Spielmechanik

 

Anfänglich ist zu sagen, dass die einzelnen Aktionen sowie Zusatzaktionen sehr gut miteinander vebrunden wurden und logisch nachvollziehbar sind. Dies spricht für eine gut verzahnte Mechanik! Ebenso die Verknüpfung unterschiedlicher Stadtboni durch Kettenreaktionen funktioniert hervorragend. Super! Nichtsdestotrotz kam in vielen Testspielen das Gefühl auf, dass sowohl die Bonusplättchen "Königliche Belohnungen" als auch die Adelsleiste zu stark sind und das Spiel dadurch unausbalanciert wirkt. Man wird regelrecht dazu gezwungen, auf der Adelsleiste voranzuschreiten, da der Vorsprung der Mitspieler durch die zu starken Boni der Leiste zu groß wird. Dementsprechend ist es eigentlich Pflicht immer die Boni auszuwählen, die ein Voranschreiten auf der Leiste ermöglichen. Ergo wird der Vielschichtigkeit in dem Spiel arg eingegrenzt, da vorwiegend Optionen in Betracht gezogen werden, die die Adelsleiste betreffen.


Auch das Abgreifen der ersten "Königlichen Belohnungen" (aufeinander gestapelt = Siegpunkte absteigend) hat sich als zu starke Waffe bewährt und in diesem Kontext stimmt nicht das Leistungs-Boni-Verhältnis. Ebenso wäre es besser gewesen, den kombinatorischen Gedanken mehr in die einzelnen Züge zu integrieren und anstatt dem Spieler nur eine Zusatzaktion zwei oder drei Zusatzaktionen zu erlauben.

Alles in allem funktionieren die Abläufe sehr gut, wobei Defizite in zu starken Boni zu erkennen sind.

 

 


Innovationen

 

Einige Elemente sind bereits aus "Auf den Spuren von Marco Polo" bekannt und die Autoren griffen auf altbewährte Abläufe zurück. Dessenungeachtet ist ein wirklich innovativer Mechanismus eingebaut worden, der mit den Konzil-Balkonen wie auch dem Einsetzen bzw. Verdrängen von Konziliaren zusammenhängt und eine klare Daseinsberechtigung hat. Dieser Mechanismus macht einen wesentlichen Teil der Abläufe aus, ist hervorragend mit anderen Mechanismen verzahnt worden und wirkt sehr neuartig und individuell.

 


Spielspaß

 

"Das Konzil der Vier" hat den Testspielern viel Spaß gemacht. Gerade der variable Spielaufbau mit unterschiedlichen Stadtanordnungen und Boniplättchen sorgt für einen langanhaltenden Spielspaß. Es bereitet einem Freude, wenn das eigene Handelsimperium ausgebaut wird und dadurch bei der Ausschüttung der Boni interessante Kettenreaktionen ausgelöst werden. Auch der neuartige Mechanismus belebt das Spielgeschehen und wirkt neuartig. Einzig und allein das Gefühl, dass einzelne Boni zu stark sind und man unbedingt auf der Adelsleiste vorankommen muss, trübt den Spielspaß.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Das Konzil der Vier" liegt bei 34,95. Die Qualität der Materialien aus Pappe war nicht hochwertig und die Illustrationen ließen sowohl hinsichtlich der Ästhetik als auch im funktionalen Bereich Defizite erkennen. Innovative Elemente waren vorhanden, wobei die Autoren auch auf bekannte Mechanismen zurückgriffen. Die Abläufe des Spiels funktionieren gut und nur im Bereich der Boni scheint die Spielbalance unausgereift. Dieser Kritikpunkt stört den Spielspaß, der wiederum stets durch die Variabilität des Spiels aufrecht erhalten wird.


Gesamtwertung

 

Kauf dir das Spiel, wenn du...

 

- ein Spiel suchst, das nicht schwer zu erlernen ist, jedoch ein tiefgängiges Potential entfaltet

 

- Variabilität im Spiel nicht missen willst. "Das Konzil der Vier" hat einen modularen Spielplan

 

- einen einfallsreichen Mechanismus suchst

 

 

Lass die Finger vom Spiel, wenn du...

 

- viel Wert auf eine gelungene Illustration mit Liebe zum Detail legst

 

- ein perfekt ausbalanciertes Spiel spielen willst

 

- mit Elementen von "Aus den Spuren von Marco Polo" leben kannst