15.12.17

Review: "Das Fundament der Ewigkeit" von Michael Rieneck

Fakten

 

Autor: Michael Rieneck

Spieleranzahl: 2-4 Spieler

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: ca. 90 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2017

Preis: UVP 39,99 Euro

Verlag: Kosmos

Spielbeschreibung

 

Europa zur Regierungszeit von Elisabeth I. Die mächtigen Länder England, Frankreich, Spanien und die Niederlande stecken mitten in den aufkommenden Konflikten zwischen den verschiedenen Konfessionen. Katholiken und Protestanten streiten gleichermaßen um Macht und Einfluss in den Ländern. Mittendrin in dieser politisch instabilen Lage agieren die Spieler als Angehörige einflussreicher Familien. Wer in allen vier Ländern seinen Einfluss stärken will, muss zuverlässige Verbindungen zu wichtigen Personen der Gesellschaft knüpfen. Ständig kommt es zur Machtprobe in den Ländern und nicht selten werden diejenigen, die dann mit der unterlegenen Konfession sympathisieren, aus dem Land vertrieben. Wer nutzt die wechselnden Machtverhältnisse in Europa am besten für sich aus?

(Quelle: Kosmos)



Hintergrundinformationen

 

"Das Fundament der Ewigkeit" läutet nun den dritten Teil von Ken Follets Kingsbridge-Saga im Brettspielformat ein. Mit "Die Säulen der Erde und "Die Tore der Welt" hat der Spieleautor Michael Rieneck in Kooperation mit dem Entwickler Stefan Stadler bereits 2 Romane in die Brettspielwelt übertragen. Ob dies Michael Rieneck im dritten Teil alleine gelungen ist, wird sich im Verlauf der Rezension zeigen. Kürzlich ist ein ausführliches Interview mit Michael Rieneck erschienen (klicke: hier).

 


Spielmaterialien

 

Die Materialien, wie z. B. Karten, Würfel, Spielbrett und Plättchen sind sehr wertig und lassen ein qualitatives Produkt entstehen. Dennoch sind einige Defizite vorhanden, die benannt werden müssen. Die Würfelfarben Braun und Lila sind leicht zu verwechseln und die Farbauswahl ist diesbezüglich eher suboptimal. Auch wäre eine Spielerübersicht mit den Symbolen und dem Einsatz von Siegpunkten angemessen gewesen, um ein ständiges Durchblättern des Regelwerks zu verhindern (gerade bei Familienspielern). Hingegen sticht die Übersicht mit den Abläufen positiv hervor und wurde rege von den Testspielern genutzt. Alles in allem enthält das vorliegende Spiel wertige Materialien mit Schwächen in den genannten Bereichen.

 


Illustrationen

 

Wie in den beiden Teilen davor ("Die Tore der Welt"/"Die Säulen der Erde") hat der Illustrator Michael Menzel auch im dritten Teil der Romanumsetzung seinen Pinselstrich verliehen und für stimmungsvolle Darbietungen gesorgt. Für das vorliegende Thema wurde definitiv der richtige Illustrator ausgewählt, der das Setting malerisch sowie atmosphärisch umgesetzt hat. Die unterschiedlichen Personenkarten runden die perfekten Darstellungen auf dem Spielbrett ab und sorgen für abwechslungsreiche Gegebenheiten. Nicht zu Unrecht werden Menzels Arbeiten in der Community auch bei diesem Titel hoch gelobt! Mal wieder eine glanzvolle Leistung!

 


Spielmechanik

 

Anfänglich ist zu erwähnen, das das Gesamtkonzept der Phasen relativ sperrig ist und die Unterteilung in ein erstes bzw. zweites Halbjahr den Einstieg in das Spielgeschehen erschwert. Ein mechanisches Problem ist zudem, dass man an Handlungen, die man durchführt, zum Teil sehr lange gebunden ist und eine spontane Anpassung an die Begebenheiten des Spiels kaum möglich scheint. Man ist den Würfelaugen meist ausgeliefert und kann nur in Ausnahmefällen die Würfel von den Personenkarten wegnehmen, um diese dann für neue Personen oder andere Aktionen zu nutzen. Weiterhin ist noch negativ aufgefallen, dass die Bestrafungen für die Verlier bei Religionskriegen eindeutig zu prägnant sind. Das Entfernen des Handelshauses in dem Gebiet, in welchem ein Religionskrieg vorherrscht, wird entfernt, sodass kein Verkauf von Waren mehr in diesem möglich ist, was fatale Folgen für den besiegten Spieler hat.


Eine flexible Anpassung an solche Situation ist durch die Bindung an die Würfel nicht gegeben, wodurch man kaum die Chance erhält, zu reagieren. Zudem herrschen neben dem individuellen Würfelglück weitere Zufallsfaktoren, wie z. B. Ereigniskarten, die mehr oder minder gezielt einzelne Spieler benachteiligen können. Auch das Aufdecken von Personenkarten, die zufällig bestimmte Spieler direkt in die Hände spielen, untermauert den Glücksanteil. Diese Begebenheiten erweckten insgesamt den Eindruck, dass diese keine erwünschte Kontrolle über das Spiel erlauben. Positiv hingegen ist eine angemessene Interaktion zwischen den Spielern gegeben, da stets ein Kampf um die besten Felder in einem Gebiet vorherrscht. Zu Resümieren ist, dass "Das Fundament der Ewigkeit" einige mechanische Mängel aufweist, die durch die starke Bindung an die Würfel sowie dem erheblichen Glücksanteil entstehen und keinen spontanen Entscheidungsfreiraum hinterlassen.

 


Innovationen

 

Auch wenn der Ablauf vom vorliegenden Spiel sperrig ist und Defizite in der Mechanik aufweist, kann man feststellen, dass der Entwickler Michael Rieneck gelungene Einfälle in das Spielgeschehen implementiert hat. Der Würfelmechanismus ist kreativ und die damit verbundene Bindung an die Karten strahlt eine Individualität aus, auch wenn die Umsetzung nicht optimal ist. Auch die Religionszugehörigkeit, die man im Laufe des Spiels wechseln kann und die ausschlaggebend bei den Religionskonflikten ist, ist individuell. Des Weiteren setzt das Rondell, auf welchem man seine Würfel einsetzen kann, ebenso frische Akzente und kam positiv bei den Testspielern an. Alles in allem hat der Entwickler Michael Rieneck grundsätzlich schöne Ideen entwickelt.

 


Spielspaß

 

"Das Fundement der Ewigkeit" erachteten die Spieler als solide! In der Trilogie konnten die beiden vorherigen Titel "(Die Säulen der Erde"/"Die Tore der Welt") eher den Spielegeschmack treffen. Das vorliegende Spiel wirkt sperrig und kaum intuitiv, wodurch Familienspieler keinen geeignet Einstieg erhalten. Auch enthält "Das Fundament der Ewigkeit" mechanische Mängel, wie z. B. zu viele Zwänge aufgrund der Würfel, zu starke Bestrafungen bei Religionskonflikten sowie zu viele Zufallsfaktoren, wodurch der Ablauf nicht reibungslos funktioniert. Weiterhin ist zu benennen, dass die Partien repetitiv sind und keine nennenswerten Varianten im Spielgeschehen enthalten sind, der leider zu einem niedrigen Wiederspielreiz führt. Das vorliegende Spiel konnten zum Bedauern der Testspieler leider nicht die hohen Erwartungen erfüllen. Schade!

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Das Fundament der Ewigkeit" liegt bei 39,99 Euro. Die Spielmaterialien sind von einer guten Qualität. Jedoch wurde hinsichtlich der Farbauswahl der Würfel nicht optimal agiert. Auch eine Spielerübersicht über die Symbole und dem Einsatz von Siegpunkten wäre sehr hilfreich gewesen. Die Illustrationen sind gelungen und Michel Menzel hat sich mal wieder von seiner besten Seite gezeigt. Die Mechanismen funktionieren, jedoch kommen im Spiel zu viele Zwänge und zu starke Bestrafungen auf. Das vorliegende Spiel empfanden die Testspieler als solide und nach mehrmaligem Spielen konnte aufgrund der fehlenden Variabilität kein Reiz mehr entnommen werden.


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "Das Fundament der Ewigkeit, wenn du...

 

- großen Wert auf eine starke bildliche Darstellung legst

 

- kein Problem damit hast, im Spielverlauf Entscheidungen zu treffen, die sich langfristig auswirken

 

- kreative Elemente in Spielen suchst

 

 

Lasse die Finger von dem Spiel, wenn du...

 

- ein mechanisch einwandfreies Spiel suchst