06.12.21

Review: "Witchstone" von Martino Chiacchiera und Reiner Knizia

Fakten

 

Autor: Martino Chiacchiera und Reiner Knizia

Spieleranzahl: 2-4

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: ca.60-90 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2021

Preis: UVP 44,99 Euro

Verlag: Huch!

Spielbeschreibung

 

Das Strategiespiel Witchstone nimmt euch mit in eine alte Zeit. Breitet das Spielbrett aus und taucht ein in die magische Welt von Zauberern und Hexen. Als erprobte Vertreter eurer Zunft versammelt ihr euch um einen alten heiligen Stein, dessen Bedeutung und magische Kraft nur Eingeweihte kennen. Jeder bezieht einen der vier Türme rund um den Hexenstein, von wo aus ihr euch ans Werk macht. Entwickelt eure Zauberformeln mit Hilfe eures Zauberkessels und legt ein Netz aus magischer Energie um den Stein herum. Sendet eure Hexen aus, schöpft die magischen Kristalle aus dem Kessel, nutzt das Pentagramm und den

Zauberstab und behaltet die Prophezeiungen im Blick, um euch den Sieg zu sichern. Doch nicht alle Optionen stehen euch jederzeit zur Verfügung. Nur wer seine Möglichkeiten clever nutzt, hat die Chance, in 11 Runden die meisten Siegpunkte zu sammeln und so als Meister des Steins das Spiel zu gewinnen.

(Quelle: Huch!)



Hintergrundinformationen

 

Der Verlag "Huch!" hat einen sehenswerten Talk mit den beiden Entwicklern zur Verfügung gestellt: 

 


Spielmaterialien

 

Die Spielmateriaien sind von einer tollen Qualität. Erwähnsenswert ist das Schachtelinlay, das eine hervorragende Systematisierung der Materialien erlaubt. Das Spielbrett macht einen wertigen Eindruck und auch die Spielertableaus lassen keine Wünsche übrig. Die Sichtschirme hätten etwas größer sein können, um ein angenehmeres Spielgefühl zu unterstützen. Des Weiteren hält das Spiel viele bunte Kristalle bereit, was ein echter Hingucker ist und das gesamte Spiel aufwertet. Auch beinhaltet "Witchstone" individualisierte Spielfiguren, wodurch es im Rahmen des Materials eine individuelle Note verleiht bekommt. Zuletzt ist anzuführen, dass das Regelwerk sehr gut verfasst wurde und keine Fragen offen lässt. Hinsichtlich der Materialien ist "Witchstone" eine gelungene Produktion. 

 


Illustrationen

 

Die Optik des Spiels ist passend und wurde ansprechend gestaltet. Alle Symbole sind logisch nachzuvollziehen und wurden unmissverständlich gezeichnet. Die Illustrationen passen im Kontext des Stils gut in das Fantasysetting und können das Thema passend visualisieren. Hierbei hat der Illustrator darauf geachtet, unterschiedliche Akzente zu setzen, z. B. sind die Tränke bzw. die gläsernen Behälter optisch variabel und wurden nicht einfach per "copy & paste" hintereinander angereiht. Auch die Sichtschirme wurden mit unterschiedlichen Zauberern und Hexen versehen, was ein toller Bonus und schön anzusehen ist. Alles in allem kann das Spiel optisch einiges her machen. 

 


Spielmechanik

 

"Witchstone" ist ein klassisches "Kennerspiel", das mit 6 Aktionen in Erscheinung trifft. Auf dem eigenen Tableau (Kessel) werden gezogene Plättchen platziert, die wiederum Aktionen auslösen. Hierbei kann es zu grandiosen Kettenreaktionen kommen, da neue Plättchen, die an bereits gelegte Plättchen mit gleichen Symbolen angelegt werden, diese ebenfalls wieder reaktivieren. Dieser Mechanismus funktioniert einwandfrei, es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass ein gewisser Glücksfaktor vorherrscht, da immer auf 5 Plättchen nachgezogen wird. Folglich kann es gut sein, dass man ein passendes Plättchen zur passenden Zeit zieht, welches man dann perfekt in den Kessel platzieren kann.


Dieser Glücksfaktor hat den Spielfluss jedoch nicht gestört. Ein weiterer Kern-Mechanismus ist die Ausbreitung auf der rechten Seite des Hauptspielplans. Hier muss man Wege erschließen und Orte erreichen, damit Ziele, die man mit generierten Karten definiert, erfüllt werden können. Diesbezüglich ist positiv aufgefallen, dass auch die gebauten Routen der MitspielerInnen genutzt werden können, was eine gewisse Besonderheit ausstrahlte. Wie bereits erwähnt, können Karten mit Zielen generiert werden. Hierbei ist erneut ein Glücksfaktor vorhanden, da auch hier perfekte Karten zur perfekten Zeit einem Spieler bzw. einer Spielerin zur Verfügung stehen können. Auch in diesem Fall hat der Glücksfaktor keinen nervigen Beigeschmack gehabt. Dennoch ist der Gedanke aufgetreten, dass man die Karte, auf der man sich ausbreitet eventuell an die Spieleranzahl anpassen sollte, da keine Skalierung erfolgt. Alles in allem wirken die Mechanismen dennoch stimmig  und auch die Spieldauer war gut gewählt. 

 


Innovationen

 

Mit "Witchstone" wird das Rad hinsichtlich der Mechanismen nicht komplett neu erfunden. Dennoch kommt das Spiel mitsamt seinen Verzahnungen frisch daher. Der "Frischekick" wird durch den "Legemechanismus" erzeugt, der großartige Verkettungen ermöglicht. Auch der Umstand, dass das eigene Tableau Kristalle enthält, die Legewege versperren und die man erst einmal "wegtransporieren" muss, ist ein toller Einfall. Somit kommt noch ein gewisser Kniff hinzu, der über das bloße Legen von Plättchen hinausgeht. Hinsichtlich des Ausbreitungsplans (Zauberkugel) ist zudem erfrischend, dass man auch gebaute Wege von MitspielerInnen nutzen kann, um zu einem Ort zu gelangen. Demnach liegt sogar auch ein kleines kooperatives Element in der Luft. 

 


Spielspaß

 

"Witchstone" hat den TesterInnen Spaß gemacht. Es ist ein "Kennerspiel" mit einer Poriton Glück, wobei die Glückselemente nicht störend auffielen. Der "Puzzelmechanismus" auf dem eigenen Tableau hat seinen Reiz, da mit der Zeit sehr befriedigende Kettenreaktionen ausgelöst werden können. Auch der Spielplan, auf welchem man sich mit seinen Figuren bewegt, um Orte zu erreichen und Ziele zu erfüllen, enthält einen ansprechenden "Wettlaufcharakter". Leider kam das Thema nicht richtig durch und wirkte nicht lebendig, wodruch der Spielreiz vermindert wurde. 

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Witchstone" liegt bei 44,99 Euro. Die Spielmaterialien sind von einer sehr guten Qualität und auch die Optik wirkt passend. Die Mechanismen funktionieren in allen Spielerbesetzungen, eine Skalierung an die Spieleranzahl wäre dennoch optimal gewesen. Gerade im Bereich Kristallkugel, wo es um die Ausbreitung auf einem Plan geht, fehlt eine Skalierung. "Witchstone" beinhaltet keine "Game-Changer-Mechanismen", wirkt dennoch nicht altbacken und kann mit aktuellen Spielen in puncto Frische mithalten. Das Spiel hat allen TesterInnen gefallen und gerade das Thema "Aktionsketten" wird in diesem Spiel groß geschrieben. 

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Witchstone", wenn du...

 

- ein "Kennerspiel" suchst, das keine sehr hohe Einstiegshürde hat

 

- Aktionsketten in Spielen liebst

 

 

Lass die Finger von "Witchstone", wenn du...

 

- ein atmosphärisches Spiel suchst

 

- ein Spiel spielen willst, das innovative Mechanismen aufweist