18.12.18

Review: "Tudor" von Jan Kirschner

Fakten

 

Autor: Jan Kirschner

Spieleranzahl: 2-4

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: ca. 20 Minuten/ Spieler

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2018

Preis: UVP 50 Euro

Verlag: Corax Games

Spielbeschreibung

 

Willkommen, Eure Lordschaft! Eure Winkelzüge hatten endlich Erfolg und einige Sprösslinge Eurer Familie sind am Hof von Henrich VIII Tudor angekommen. Aber jetzt beginnt das Spiel um die Macht hinter dem Thron erst richtig!

Tudor entstammt der Feder von Jan Kirschner und ist ein taktisches Euro-Spiel für 2 bis 4 Kennerspieler ab 12 Jahren mit sehr hoher Variabilität. Das gesamte Spiel zieren Dennis Lohausens mit meisterlicher Hand gezeichneten Illustrationen, der dafür bekannt ist, seine Projekte sorgsam zu wählen und nur zu bebildern, was ihm persönlich gefällt.

Setzt die höfischen Künste ein und bedient Euch Eurem Einfluss wie Eurer Hinterlist. Sammelt Amtsringe, um die Macht des Staates auf Eurer Seite zu haben und bringt die Mitglieder Eurer Familie in die höchsten Ämter!

Ein besonderer Blickfang sind dabei die handförmigen Spielerschirme, auf deren Finger im Laufe des Spiels Siegelringe gesteckt werden. Diese Siegelringe stehen für die Ämter, die sich Eure Familienmitglieder im Verlauf des Spiel aneignen. Beides ist jedoch nicht nur reine Zierde, sondern hat wichtige Bedeutung im Spiel - so müsst Ihr Euch gut überlegen, Eure Lordschaft, welche Siegelringe Eure Hand zieren sollen und an welchen Fingern Ihr sie tragt!

(Quelle: Corax Games)



Hintergrundinformationen

 

"Tudor" wurde auf der Crowdfunding-Plattform der "Spiele-Offensive" (Spieleschmiede) mit einem Betrag von 27723 Euro finanziert. Auch auf "Kickstarter", einer internationalen Plattform, wurde das Spiel mit einem Betrag in Höhe von 108.750 Dollar realisiert. Bei "Tudor" handelt es sich um das Erstlingswerk von Jan Kirschner und man ist natürlich sehr gespannt darauf, wie er "Kennerspiele" konzipiert und ob er mit seinem Entwicklungsstil frischen Wind in die Szene bringt.

 


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialen sind insgesamt von einer sehr guten Qualität! An dem Spielbrett, den Plättchen sowie an den Karten gibt es kaum etwas zu bemängeln. Zudem wurden farbige Ringe aus Plastik in das Spielgeschehen implementiert, was einen sehr individuellen sowie luxuriösen Eindruck hinterlässt. Bzgl. der Ringe ist jedoch anzuführen, dass auf der Rückseite der Ringe Aufkleber angebracht werden müssen und dies durch die "Herstellungsnaht" erschwert wird. Denn durch die Naht ist die Fläche uneben und nicht gerade, wodurch leichte Probleme beim Aufkleben entstehen. Auch die Aufbewahrungsbox für die Ringe lässt sich nicht einwandfrei zusammenfalten. "Tudor" enthält viele Bonusmaterialien, wie z. B.  Ringe, eine Aufbewahrungsbox für die Ringe, einen dreidimensionalen Startspielermarker sowie ein Spielertableau, auf welchem man seine Ringe an die Finger platziert. Dies sind  im Großen und Ganzen allesamt sehr individuelle und positiv erwähnenswerte Materialien.

 


Illustrationen

 

Der Illustrator hat mit "Tudor" eine sehr gute Arbeit abgeliefert. Das Thema wurde optisch ansprechend umgesetzt und stimmungsvoll realisiert. Wie beim Spielmaterial wurden auch hier individuelle Akzente gesetzt, wie z. B. Hände als Sichtschirme oder einen Rahmen (Rundenanzeiger), der von Runde zu Runde auf das nächste Feld wechselt. Ebenso enthält das Spielfeld feine Details, wie z. B. Tiere, Raumausstattungen sowie Personen, was das Spiel stimmungsvoller macht. Alles in allem eine sehr ansehnliche Arbeit!

 


Spielmechanik

 

Die grundlegenden Abläufe von "Tudor" sind relativ einfach und das Spiel reiht sich gut in das Segment der "Kennerspiele" ein. Der Verdrängungsmechanismus in den Räumen funktioniert optimal und auch die damit verbundene Aktivierung von Aktionen verläuft reibungslos. Es werden nur Aktionen aktiviert, wenn sich eigene Höflinge (kleine Holzfiguren) in Räumen mit Lords (große Holzfigur) befinden, die alle Spieler in diverse Räume platzieren. Grundsätzlich erwirbt man Karten, um sich mit diesen auf dem Spielfeld auszubreiten und Plättchen einzusammeln sowie Siegpunkte zu generieren (je nach Wertungskarte, die zu Spielbeginn ausgewählt wurde). Der Erwerb von Ringen und deren Platzierung auf dem Sichtschirm (Hand), verleiht einem gemäß unterschiedlicher Anordnungen mächtigere Aktionen.


Die verstärkten Aktionen haben allesamt ihren Reiz und wirken in bestimmten Situationen unterstützend. Auch beim Testen der unterschiedlichen Wertungskarten in vielen Testpartien ist zu resümieren, dass "Tudor" funktioniert und keine gravierenden mechanischen Mängel aufweist.

 


Innovationen

 

"Tudor" wirkt u. a. mit dem Ringmechanismus und den damit verbundenen Ringen sowohl spielerisch als auch hinsichtlich der Materialien frisch. Auch der Verdrängungsmechanismus in den Räumen sowie die Aktivierung von Aktionen enthält kreative Ideen. Dementgegen ist die Ausbreitung auf dem Spielfeld eher monoton und kaum vielschichtig, da man Karten erwirbt, diese für Bewegungen einsetzt und Plättchen durch die Bewegungen aufsammelt. Final ist jedoch zu nennen, dass das Spiel im Gesamtpaket nennenswerte kreative Impulse enthält.

 


Spielspaß

 

"Tudor" hat den Spielern gefallen! Gerade der Verdrängungsmechanismus in den Räumen auf dem Spielplan und die zusammenhängende Platzierung von Lords und Höflingen lässt sehr schwere und zugleich knifflige Entscheidungen entstehen, die Spaß machen. Zudem sorgen die Wertungs- und Situationskarten für Variabilität während einer Partie. Ein weiterer Abschnitt des Spiels umfasst die Ausbreitung auf dem Spielfeld mittels des Einsetzens und Weiterbewegens von Figuren, indem Karten der entsprechenden Farbe abgegeben werden. Dieser Spielabschnitt hat den Spielern etwas weniger als die Phase der Aktionswahl gefallen, da sich die Handlungsstränge prägnant wiederholt haben und sich repetitiv anfühlten. Dementgegen wirkte der Erwerb der Ringe und die damit verbundene Anordnung auf dem Sichtschirm frisch und sehr neuartig, wodurch sich nicht nur die Aktionen verstärkten, sondern auch der Spaßfaktor erhöhte. Alles in allem ist "Tudor" ein gelungenes Produkt aus dem Hause "Corax Games".

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Tudor" liegt bei 50 Euro. Die Spielmaterialien, wie z. B. die Schirme und die Ringe sind sehr außergewöhnlich und gut gelungen, wobei kleinere Verbesserungen möglich wären. Die optische Gestaltung setzt das Thema atmosphärisch um und hinterlässt einen positiven Eindruck. Auch mechanisch wurde gut gearbeitet, da "Tudor" entsprechend der Spieleranzahl zu skalieren ist. Durch den Ringmechanismus bzw. den Materialen sowie dem Verdrängungsmechanismus während der Aktionen werden frische Anreize gesetzt.

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Tudor", wenn du...

 

- ein Spiel spielen willst, das hinsichtlich der Materialien und diverser Spielabläufe mutig kreative Wege geht

 

- ein "Euro-Game" kaufen möchtest, das einen relativ einfachen Einstieg bietet

 

 

Lass die Finger von "Tudor", wenn du...

 

- qualitativ einwandfreie Materialien suchst

 

- überhaupt keinen Bezug bzw. Interesse an den geschichtlichen Hintegrund der damaligen Zeit hast