03.04.2020

Review: "Terramara" von Virginio Gigli, Flamina Brasini, Stefano Luperto und Antonio Tinto

Fakten

 

Autoren: Virginio Gigli, Flaminia Brasini, Stefano Luperto and Antonio Tinto

Spieleranzahl: 2-4 Spieler

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: ca. 120 Minuten

Alter: ab 12

Erscheinungsjahr: 2019

Preis: UVP 60 Euro

Verlag: Quined Games

Spielbeschreibung

 

Terramara ist der Name der um 1500 v. Chr. gegründeten Dörfer der mittleren bis späten Bronzezeit in Norditalien. Die Häuser in den Dörfern wurden auf Pfählen gebaut und die Menschen lebten, reisten und handelten zwischen den Alpen und dem Fluss Po. Die Hauptbeschäftigungen der Terramaraner waren Jagd, Landwirtschaft und Metallurgie. Sie gossen Bronzewerkzeuge wie Axtköpfe in Steinformen.

 

In Terramara verkörperst du den Anführer eines Clans, der in einem dieser Dörfer lebt. Dein Ziel ist es, deinen Clan zu vergrößern, das Land zu erkunden, mit anderen Dörfern zu handeln und heilige Orte zu erreichen. Sie verbessern deine Kampfkraft und entdecken neue Technologien, um nützliche Artefakte zu erschaffen. Der Spieler, der am meisten Entwicklungspunkte erhält, wird schließlich der Anführer der gesamten Terramaraner und gewinnt das Spiel!

(Quelle: Quined Games)



Hintergrundinformationen

 

Für dieses Spiel haben sich unterschiedlichste EntwicklerInnen zusammengetan, was in dieser Größenordnung bemerkenswert ist. Es handelt sich hierbei um erfahrene AutorInnen, wie z. B. Virginio Gigli (Grand Austria Hotel), Flamina Brasini (Coimbra), Stefano Luperto (Leonardo da Vinci) sowie Antonio Tinto (Comuni).

 


Spielmaterialien

 

Das Spiel zeichnet sich durch eine hervorragende Qualität der Materialien aus. Es wurden reichlich Holzmaterialien benutzt und auch die Pappmarker zeugen von einer super Qualität. Das gemeinsame Spielfeld besteht aus einzelnen Spielplanteilen, die sich hervorragend zusammenlegen lassen. Auch wurden individualisierte Spielfiguren benutzt, die den TesterInnen zum ersten Mal in einem Spiel vorgekommen sind.

Schade ist dennoch, dass die SpielerInnen nicht ein eigenes Tableau zur Verfügung  gestellt bekommen, denn in diesem Spiel ersetzt eine Karte das eigene Tableau, was nicht genügend Platz und Systematisierungsmöglichkeiten ermöglicht. Auch das Regelwerk hat einige größere Schwachstellen und kann Optimierungen vertragen.

Dessenungeachtet liegt eine qualitative Produktion vor!

 


Illustrationen

 

Der Illustrator Michael Menzel hat eine hervorragende Leistung abgeliefert! Das Spiel wirkt malerisch und sehr detailreich, wobei die Landschaften sehr lebendig und ästehtisch auf's Papier gebracht wurden. Die Optik wirkt rund und hat keine Ecken und Kanten. Zudem sind die Symbole auf den Landschaftsfeldern sehr gut zu erkennen, was äußerst wichtig ist.

Für die spielerische Atmosphäre wurde definitiv der richtige Illustrator gewählt.

 


Spielmechanik

 

"Terramara" ist ein Spiel, welches keine Fehler verzeiht und man sollte schon einige Partien spielen, um richtig in die Abläufe reinzukommen. Denn die Frage "Wo setzte ich meine Figur hin?" kann sehr weitreichende Konsequenzen mit sich ziehen, wenn die falsche Entscheidung getroffen wird. Es handelt sich um ein gehobenes "Kennerspiel", das einzelne Spielabläufe gut miteinander verzahnt hat. Den SpielerInnen werden zu Beginn der Partie Personenkarten zugeteilt, die individuelle Fähigkeiten besitzen. Die Personenkarten wurden gut, aber nicht perfekt austariert. Der Konkurrenzdruck auf dem Spielplan ist enorm und 1-2 weitere Aktionsfelder hätten dem ganzen Spielsystem besser getan, da man in manchen Fällen Aktionen ausführen muss, die man in bestimmten Situationen nicht ausführen möchte. Gegen Ende des Spiels geht es im Prinzip nur noch darum, Karten zu kaufen, womit mittels Rohstoffe wieder Siegpunkte generiert werden. Dieser Bereich des Spiels funktioniert zwar, wirkt jedoch in Relation zum guten Anfangs- und Mittelteil des Spiels eher unschön und nicht rund.

Dennoch funktioniert das Spiel und wirkt im Großen und Ganzen flüssig.

 


Innovationen

 

"Terramara" basiert auf einem modifizierten "Worker-Placement-Mechanismus", der äußerst frisch wirkt. Zeit und Reihenfolge spielen eine wesentliche Rolle, da zukünftig eingesetzte Figuren auch erst in späteren Runden zurückgeholt werden. Zudem wird eine kreative Atmosphäre dadurch erzeugt, indem Boni mittels der "Worker" freigeschaltet werden, wenn man mit anderen Figuren entlang eines Pfades die entsprechende Ebene erreicht hat. Ergo können bestimmte Aktionen nur ausgelöst werden, wenn man auf Leisten vorangekommen ist.

Der Grundmechanismus bietet ausreichend innovative Kraft.

 


Spielspaß

 

"Terramara" spaltet in der Szene die Gemüter und polarisiert. Den TesterInnen hat "Terramara" gefallen und der "Workerplacement-Mechanismus", der hier in einer modifizierten Form auftritt, kam gut an. Durch die modularen Spielplanteile und den unterschiedlichen Personenkarten liegt ausreichend Variabilität vor. Auch die Bonusplättchen werden zufällig auf diversen Leisten ausgelegt, sodass sich auch in diesem Bereich eine Abwechslung vorfinden lässt. Dennoch hinterließ das Spiel in manchen Situation ein unbefriedegendes Gefühl, wenn man Aktionen ausführen musste, die man gar nicht ausführen wollte. Aus diesem Grund wäre es besser gewesen, den extrem engen Spielplan um zusätzliche Aktionsfelder zu erweitern.

Dessenungeachtet ist dennoch zu resümieren, dass es sich definitiv um ein Spiel handelt, welches im Sektor der gehobenen "Kennerspiele" durchaus Spaß macht und Freude bringt.

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Terramara", wenn du...

 

- ein Spiel spielen willst, das eine ausgezeichnete Optik aufweist

 

- ein "Kennerspiel" kaufen möchtest, das einen sehr frischen Mechanismus und dadurch ein individuelles Spielgefühl hat

 

 

Lass die Finger von "Terramara", wenn du...

 

- ein Spiel mit einer perfekten Mechanik suchst

 

- ein Spiel spielen willst, das nicht extrem konfrontativ ist (aufgrund von wenig Aktionsfeldern)