20.07.19

Review: "Notre Dame" von Stefan Feld

Fakten

 

Autor: Stefan Feld

Spieleranzahl: 2-5

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: ca. 75-100 Minuten

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2007

Preis: UVP 34,99 Euro

Verlag: Ravensburger

Spielbeschreibung

 

Paris, im ausgehenden 14. Jahrhundert. Im Schatten der alles überragenden Kathedrale »Notre Dame« wetteifern die 2-5 Spieler um die Vor-herrschaft in der Stadt. Dabei nutzen sie ihre Karten klug und bestechen die richtigen Personen auf ihrem unaufhaltsamen Weg nach oben.

 

Ein abwechslungsreiches Strategiespiel, bei dem viele verschiedene Möglichkeiten zum verdienten Sieg führen.

(Quelle: Ravensburger)



Hintergrundinformation

 

"Notre Dame" ist bereits 2007 erschienen und wurde vom Erfolgsautor Stefan Feld entwickelt. Das Spiel hat den 2. Platz des "Deutschen Spielepreises 2007" erreichen können. Im selben Jahr wurde es zudem in die Empfehlungsliste des "Spiel des Jahres" aufgenommen. Ob das "Notre Dame" heutzutage spielerisch noch aktuell ist, wird der vorliegende Testbericht aufzeigen. Ihr könnt gerne (hier) klicken, um ein Interview mit Stefan Feld zu lesen.

 


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien sind von einer guten Qualität! Erst einmal ist das Regelwerk zu loben, das die Regeln sehr gut vermittelt und zusammenfasst. Ebenso beinhaltet "Notre Dame" qualitative Holzmaterialien, wie z. B. Figuren oder quadratische Spielsteine, die hohen Ansprüchen genügen. Des Weiteren besteht das Spielfeld aus unterschiedlichen Spielplanteilen, die man zusammenlegt. Diesbezüglich wäre es besser gewesen, wenn man diese zusammenstecken könnte (wie ein Puzzle), sodass kein Verrutschen möglich ist. Auch eine Spielübersicht mit allen Phasen (z. B. auf einer Spielkarte gedruckt) wäre für den Spielablauf hilfreich gewesen. Dennoch liegt alles in allem ein qualitatives Produkt vor!

 


Illustrationen

 

Die optische Darstellung ist gut, es ist jedoch klar ersichtlich, dass das Spiel bereits einige Jahre auf dem "Buckel" hat. Dies betrifft den Stil und die Farbgebung, wobei auch im Kontext der Übersichtlichkeit der einzelnen Elemente auf dem Spielbrett noch "Luft nach oben" ist. Die Personenkarten wurden ansprechend und optisch vielseitig dargestellt, was bei den Testern Anklang gefunden hat. Mit "Notre Dame" liegt eine durchschnittliche Optik vor, die nicht schlecht ist, jedoch auch keine Begeisterungsstürme auslöst.

 


Spielmechanik

 

"Notre Dame" ist ein "Kennerspiel", das in einer recht kurzen Zeit zu spielen ist (bei 2 Spielern ca. 40-60 Minuten). Die Einstiegshürde ist nicht sehr hoch, sodass sich auch Gelegenheitsspieler an das Spiel wagen können. Das Spiel besteht aus einem Kartenmechanismus (wie beim Spiel "7 Wonders"), bei welchem man Karten auswählt und die restlichen an den Nachbarn weitergibt. Dieser Mechanismus funktioniert hervorragend und es sind diesbezüglich keine Mängel zu erkennen. Hinzu basiert "Notre Dame" auf unterschiedlichsten Karteneffekten, die beim Ausspielen aktiviert werden. Hierbei spielen die Holzmarker eine wichtige Rolle, die auf der eigenen Seite des gemeinsamen Spielplans eingesetzt bzw. hin- und hergeschoben werden.


Je mehr Holzmarker sich auf einem Aktionsfeld befinden desto stärker wird diese Aktion, wenn man sie ausführt. Somit beinhaltet das Spiel zwei wichtige Entscheidungsfaktoren: Einerseits eine bedachte Auswahl der Karten und andererseits ein cleveres "Holzmarker-Management", sodass diese geschickt auf der eigenen Spielplanseite platziert werden. Eine Kartenaktion, bei der auf dem äquivalenten Feld auf dem Spielplan viele eigene Holzmarker liegen, kann dem eigenen Vorhaben schon einen extremen "Push" verleihen.

 

Grundlegend beinhaltet das Spiel nicht viele Regeln, es verlangt jedoch in Anbetracht der kurzen Spieldauer doch recht viele Entscheidungen. Stefan Feld hat auch hier ein gut verzahntes Spiel entwickelt, das sehr gut austariert wurde.

 


Innovationen

 

Der "Karten-Mechanismus" ist aktuell aus vielen Spielen bekannt (z. B. "7 Wonders") und bietet aus heutiger Sicht grundlegend keinen innovativen Mehrwert mehr, da dieser zu den Basismechanismen übergegangen ist. Der zweite große Mechanismus der Holzwmarker, die geschickt auf der eigenen Spielplanseite zu verteilen sind, hinterlässt dementgegen einen frischen Eindruck.

Dessen ungeachtet kann die Spielmechanik über die Jahre hinweg leider nicht gänzlich die volle Frische beibehalten, die sie im Jahre 2007 hatte. Das Spiel "Die Burgen von Burgund" vom selbigen Autor, das im ähnlichen Zeitraum erschienen ist, weist dann doch letztlich mehr Prägnanz in der Mechanik auf und konnte dadurch zu einem Klassiker werden (Rezension: hier).

 


Spielspaß

 

 

"Notre Dame" hat den Testspielern gefallen! Es ist nicht sehr komplex, bietet jedoch genug Entscheidungen um einer Einstufung als "Kennerspiel" gerecht zu werden. Der Kartenmechanismus funktioniert und auch die Abläufe der Marker, die auf der eigenen Spielplanseite zu platzieren bzw. zu versetzen sind, hinterlassen einen positiven Eindruck. Die Handschrift des Entwicklers ist definitiv zu erkennen und wer andere Spiele von Stefan Feld mag, der wird an "Notre Dame" ebenfalls Freude haben.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Notre Dame" liegt bei 34,99 Euro. Die Spielmaterialien sind qualitativ, jedoch könnte noch hinsichtlich des Spielplans bzw. einer Spielübersicht nachgebessert werden. Die optische Aufmachung ist durchschnittlich und akzeptabel. Stefan Feld hat eine sehr gute Entwicklerarbeit geleistet und es waren in den Testpartien keine mechanischen Ungereimtheiten zu erkennen, wobei "Notre Dame" in jeglicher Spielerbesetzung super funktioniert hat. Im Rahmen der Innovationen merkt man jedoch relativ rasch, dass das Spiel bereits vor einigen Jahren erschienen ist. "Notre Dame" hat den Testern zwar Spaß gemacht, gehört jedoch nicht zu den besten "Feld-Spielen". 

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir „Notre Dame“, wenn du…

 

- das typische Spielgefühl eines "Feld-Spiels" haben möchtest

 

- ein Spiel suchst, das in einer relativ kuren Spieldauer zu spielen ist, aber genug Entscheidungen fordert

 

 

Lass die Finger von „Notre Dame“, wenn du…

 

- den Kartenmechanismus von "7 Wonders" überhaupt nicht magst

 

- von dem Spiel erwartest, das es einen sehr kreativen Mechanismus beinhaltet, der mit dem aktuellen Spielejahr mithalten kann