02.09.2019

Review: "Newton" von Nestore Mangone und Simone Luciani

Fakten

 

Autor: Nestore Mangone und Simone Luciani

Spieleranzahl: 1-4

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: ca. 90 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2018

Preis: UVP 42,99 Euro

Verlag: Asmodee

Spielbeschreibung

 

Das 18. Jahrhundert war das Zeitalter bedeutender wissenschaftlicher Entdeckungen und der Forschung. Viele große Wissenschaftler lebten in dieser Zeit, wie Galileo Galilei, Kopernikus, Kepler, Bacon und allen voran Sir Isaac Newton. Er ist es auch, in dessen Fußstapfen die jungen Gelehrten in Newton treten möchten. In diesem strategischen Spiel müssen sich die Spieler voller Hingabe in die Forschung stürzen, durch Europa reisen, dort Städte, Universitäten und Kulturstätten besuchen, um zum angesehensten Gelehrten zu werden. Dazu nutzen sie Aktionskarten, erwerben neue Karten und arbeiten sechs Runden lang an ihren Experimenten, Erfindungen und der Finanzierung ihres Werdegangs. Am Ende wird einer aus der Menge hervorstechen, wie einst der große Newton.

(Quelle: Asmodee)



Hintergrundinformationen

 

Der Entwickler Simone Luciani wurde mit Titeln, wie z.B. "Auf den Spuren von Marco Polo" sowie "Tzolk’in" und "Grand Austria Hotel" bekannt. Sein Partner Nestore Mangone ist in der Szene eher unbekannt und konnte bisher noch keine Erfolgstitel für sich verbuchen. Mal schauen, wie das Team mit dem ersten gemeinsamen Spiel ankommt...

 


Spielmaterialien

 

An den Spielmaterialien gibt es nichts auszusetzen! Die Tableaus (Spielertableaus/Spielpläne) und die vielzähligen Plättchen sind sehr wertig und aus festem Material (nicht biegbar), was äußerst positiv aufgefallen ist. Auch basiert "Newton" auf Holzmaterialien (Figuren/Marker), wodurch die gesamte Erscheinung aufgewertet wird. Zudem fühlen sich die Karten, die einen wichtigen Bestandteil im Spiel einnehmen, haptisch sehr gut an und konnten in vielen Testpartien einen guten Dienst erweisen. Alles in allem eine gelungene Produktion!

 


Illustrationen

 

Die Optik des Spiels, die vom Illustrator Klemens Franz angefertigt wurde, ist sehr gelungen. Obwohl "Newton" eine Vielzahl an Symbolen und Zeichen auf dem Spielplan beinhaltet, hat er es geschafft, dass das Spiel insgesamt nicht überfrachtet wirkt. Die Symbole auf den Karten, Spielplänen und auf den Plättchen haben eine angemessene Größe, sodass der Spielfluss nicht unterbrochen wird. Das vorliegende Brettspiel umfasst zwar unterschiedlichste Tableaus, dennoch wirkt das Gesamtbild stimmig und rund. Mit "Newton" wurde ein schönes Brettspiel herausgebracht.

 


Spielmechanik

 

"Newton" baut auf unterschiedlichen Mechanismen auf. Zum einen beinhaltet das Spiel einen Kartenmechanismus, bei welchem man sein Kartendeck aufbaut und umgestaltet. Dies wird mit einem ausgeklügelten Aktionsmechanismus verwoben, bei dem Symbole gleicher Art, die bereits ausgelegt wurden, zu der neuen Karte hinzuaddiert werden, wodurch mächtigere Aktionen entstehen. Zudem beinhaltet "Newton" eine spezielle Form eines "Puzzelmechanismus". Dies bedeutet, dass man sein Bücherregal seines eigenen Spielertableaus vollpuzzelt und mit Plättchen belegt, wodurch Siegpunkte generiert werden. Auch ein Technologiebaum ist vorhanden, bei welchem man seine eigenen Endwertungen bestimmt und individuelle Boni und Fähigkeiten freischaltet. "Newton" enthält wirklich eine Menge Mechanismen und es ist erstaunlich, wie gut das gesamte Spiel mechanisch verzahnt ist.

Oft wird kritisiert, dass die "Bücher-Strategie" zu stark sei. Im Grunde sollte man davon ausgehen, dass das Auffüllen des Bücherregals bzw. die Ansammlung von Wissen ein elementarer Bereich des Spiels sowie der Thematik ist und dieses Element schlichtweg nicht zu vernachlässigen ist, da es auch einen zentralen Bereich des eigenen Spielertableaus einnimmt. Von daher ist die Kritik an der "Bücherregal-Strategie“ nicht ganz nachzuvollziehen, da es sich hier nicht nur um eine Strategie, sondern um einen Kernablauf des Spiels sowie um ein zentrales Element der Thematik handelt. Die anderen Bereiche (Reisen, Technologie etc.) wurden um dieses "Herzstück" herum aufgebaut und sind eher Mittel zum Zweck zu sehen. Legt man den Schwerpunkt auf das Anhäufen von Wissen und betrachtet dieses als thematisches und mechanisches Zentrum, dann ist zu resümieren, dass es sich beim vorliegenden Spiel um ein sehr gut entwickeltes Spiel handelt.

Gelungen ist zudem, dass beim Kartenmechanismus nicht immer alle Karten ausgespielt werden müssen und dass das Spiel einen dazu "auffordert" stetig neue Karten zu kaufen, da man am Ende jeder Runde immer eine Karte aus der Hand unterhalb des Tableaus platzieren muss. Ebenso beinhaltet "Newton" für die Gattung des Spiels (Eurogame) ausreichend Interaktion, und zwar, wenn es um das Wegschnappen diverser Bonusplättchen auf den Spielplänen sowie um das Wegschnappen von Karten aus der gemeinsamen Kartenauslage geht.

 


Innovationen

 

"Newton" ist zwar kein innovatives Highlight, es beinhaltet dennoch frische Akzente. Diese sind u. a. der Kartenmechanismus, bei welchem sich gleiche Aktionen (bereits ausliegende Karten und die neu ausgelegte Karte) verstärken und der Puzzelmechanismus auf dem eigenen Tableau, durch den Siegpunkte generiert werden. Auch das Definieren von individuellen Siegendewertungen (je nachdem, ob das Feld erreicht wurde), ist nicht gang und gäbe und wirkte auf eine eigene Art und Weise neuartig. Somit hat "Newton" einige frische Abläufe.

 


Spielspaß

 

"Newton" ist ein klassisches "Euro-Game", das im Rahmen dessen doch recht thematisch wirkt. Die Einstiegshürde ist nicht gering, sodass bei erfahrenen SpielerInnen mindestens eine Partie zum Erlernen angebracht ist. Die Spieldauer ist perfekt skaliert und auch die Variabilität ist durch den enorm vielseitigen Spielablauf gegeben. Es wäre natürlich sinnvoll gewesen, wenn das eigene Bücherregal variabel wäre, da dies das Herzstück des Spiels ist und neue einzigartige Herausforderungen beim Puzzeln schaffen würde. Dennoch kam das Spiel in den Testpartien super an!

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Newton" liegt bei 42,99 Euro. Die Spielmaterialien sind von einer enorm guten Qualität und es ist sehr viel Spielzubehör vorhanden. Auch auf optischer Ebene ist "Newton" definitiv gelungen, da das Thema ästhetisch umgesetzt wurde. Mechanisch hat das Spiel ebenso einiges zu bieten und setzt an den richtigen Stellen Anreize, um den einen oder anderen Kennerspieler ins Grübeln zu bringen. Des Weiteren liegt zwar kein innovatives Highlight vor, die Entwickler haben es sich dennoch nicht nehmen lassen, frische Impulse zu setzen und bekannte Elemente neu zu verknüpfen. "Newton" hat definitiv Spaß gemacht und ist als ein gelungenes Werk des Autorenduos zu bezeichnen.

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Newton", wenn du…

 

- ein Spiel suchst, bei dem du deine Züge sehr bedacht vorausplanen musst

 

- ein Spiel spielen willst, das dem Genre der „Euro-Games“ völlig entspricht

 

- ein Brettspiel suchst, das zwar ein „Euro-Game“ ist, aber dennoch möglichst thematisch ist

 

 

Lass die Finger von "Newton", wenn du…

 

- unterschiedlichste Strategien verfolgen willst, die alle gleichstark sind (in diesem Spiel kannst du das Sammeln von Büchern nicht auslassen, da es der Kern des Spiels ist

 

- kein Fan von Kartenmechanismen bist. Dieses Spiel bindet Karten auf vielfältige Weise ein.