08.05.19

Review: "Die Tavernen im tiefen Thal" von Wolfgang Warsch

Fakten

 

Autor: Wolfgang Warsch

Spieleranzahl: 2-4

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: ca. 60 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2019

Preis: UVP 37,99 Euro

Verlag: Schmidt Spiele

Spielbeschreibung

 

Im Örtchen Tiefenthal liegt DIE TAVERNE IM TIEFEN THAL. Dort versammeln sich alle Bürger aus der Gegend und es gilt, neue, zahlungskräftige Gäste zu gewinnen. Denn nur dann gibt es genug Geld, um die Taverne auszubauen und viele Adlige in die Taverne zu locken. Aber welcher Ausbau ist der Richtige? Ist die Konzentration auf Geld richtig? Oder doch lieber dafür sorgen, dass das Bier in Strömen fließt? In DER TAVERNE IM TIEFEN THAL besteht die Herausforderung darin, die Würfel geschickt zu wählen und sein persönliches Kartendeck möglichst gewinnbringend auszubauen. Das Spiel ist mit 5 Modulen so aufgebaut, dass jeder Spieler sich den gewünschten Schwierigkeitsgrad selbst einstellen kann.

(Quelle: Schmidt Spiele)



Hintergrundinformationen

 

Mit "Die Quacksalber von "Quedlinburg" hat der Autor Wolfgang Warsch letztes Jahr (2018) den Preis "Kennerspiel des Jahres" gewonnen. Mit dem Spiel "The Mind" war er im gleichen Jahrgang sogar für das "Spiel des Jahres" nominiert. Wird er seine Erfolgssträhne mit "Die Tavernen im tiefen Thal" fortsetzen können?

 


Spielmaterialien

 

Die Materialien sind von einer äußerst guten Qualität! Jeder Spieler erhält ein eigenes Tableau mit modularen Plättchen, die sich allesamt sehr gut in das Haupttableau einfügen. Auch wenn die modularen Plättchen in jeder Partie umgedreht und immer wieder mit dem Haupttableau verbunden werden, sind kaum Abnutzungserscheinungen zu erkennen. Toll ist zudem, dass auch dreidimensionale Marker vorhanden sind (Startspieler- und Rundenmarker). Auch die vielen Karten und Würfel sind qualitativ und es gibt diesbezüglich nichts zu beanstanden. Schade ist dementgegen, dass sich der zusammengefasste Rundenablauf in der Anleitung befindet und die Spieler keine eigenen Übersichten erhalten. Auch das Inlay der Spieleschachtel bietet für diese Vielzahl an Materialien kaum Freiraum für Systematisierungen. Ansonsten liegt hier ein sehr wertiges Produkt vor!

 


Illustrationen

 

Die Illustrationen sind sehr gelungen und die Atmosphäre einer Taverne wurde gut eingefangen. Auch wurden stimmige Farben und Symbole in die Optik implementiert, wodurch ein gewisser mittelaltericher Charme entsteht. Da das Thema des Spiels sehr lebendig ist, wäre es perfekt gewesen, wenn noch etwas Abwechslung mit eingeflossen wäre, sodass z. B. die Kellnerinnen oder die Bierlieferanten auf den Karten nicht gleich aussehen. Auch die Startgäste hätten sich gut und gerne von Tableau zu Tableau unterscheiden können, um das reale Gameplay zu unterstützen. Alles in allem eine sehr gute bildliche Umsetzung des Konzepts.

 


Spielmechanik

 

"Die Tavernen im tiefen Thal" ist ein Spiel, das in 5 Module eingeteilt ist. Je mehr Module man in einer Partie verwendet, desto komplexer wird es. Man kann im Prinzip sagen, dass sich "Die Tavernen im tiefen Thal" von einem Familienspiel bis hin zu einem Kennerspiel entwickelt (alle Module werden verwendet). Grundsätzlich ist anzuführen, dass die Mechanismen  sehr gut funktionieren und das Spiel eingängig ist, auch wenn es viele Phasen beinhaltet. Die Karten (Gäste) wurden gut austariert und stehen in einem guten Preis-Boni-Verhältnis. Nichtsdestotrotz ist ein zu hoher Glücksfaktor zu erkennen. Wie bereits erwähnt, entwickelt sich das Spiel von Modul zu Modul immer mehr zu einem Kennerspiel weiter, was durch eine erhöhte Komplexität unterstrichen wird. Gerade mit allen 5 Modulen hätte es in diesem Kennerspielbereich in einem der Hauptmechanismen (Card-Drafting /Dice-Drafting) noch eine Änderung geben müssen, da der extreme Glücksfaktor beibehalten wird, sodass diese Hauptmechanismen nicht mehr an dieses "Kennerspiel mit 5 Modulen" angepasst wurden. Hier hätte man sich gewünscht, dass die massive Glückskomponente etwas ausgeglichen worden wäre.

Alles in allem funktioniert "Die Tavernen im tiefen Thal" dennoch gut.

 


Innovationen

 

Gerade die Kombination aus "Card- und Dice-Drafting" wirkt sehr frisch und ist ein guter Einfall. Auch das gesamte Thema mit dem modularen Spielplan kann sich sehen lassen und ist individuell, wobei diese Individualität durch die gelungene optische Umsetzung untermauert wird. Der Grundgedanke, dass man gezogene Karten  je nach Kategorie an unterschiedliche Bereiche (Tavernenbereiche) des Spielertableaus platziert, ist auch auf haptischer Ebene kreativ. Alles in allem hat sich der Entwickler Wolfgang Warsch einiges einfallen lassen, was in den Testpartien gut angekommen ist.

 


Spielspaß

 

"Die Tavernen im tiefen Thal" hat den Testspielern gut gefallen. Gerade das Hinzuziehen von diversen Modulen, wodurch die Komplexität steigt, lässt auch eine Variabilität erkennen. Erfahrene Spieler können jedoch direkt mit den Modulen 1, 2 und 3 beginnen. Je höher die Anzahl der verwendeten Module, desto mehr erreicht das Spiel das Niveau eines "Kennerspiels". Gerade bei der Verwendung von allen 5 Modulen muss man sagen, dass ein erheblicher Glücksfaktor in 2 Hauptmechanismen vorhanden ist, die diesem Niveau nicht gerecht werden. Dadurch kam es in einigen Partien zu Frust und Enttäuschung beim Karten - und Würfelmechanismus. Dennoch hat das Spiel im Großen und Ganzen Spaß gemacht und gerade das Upgraden der eigenen Taverne hat den Spielern sehr zugesagt!

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Die Tavernen im tiefen Thal" liegt bei 37,99 Euro. Die Spielmaterialien sind von hervorragender Qualität und auch die optische Umsetzung ist gelungen. Mechanisch funktioniert das Spiel, jedoch entwickelt es sich mit mehr Modulen immer mehr zu einem "Kennerspiel", bei welchem die Glückskomponente zu hoch ist. Der Entwicker Wolfgang Warsch hat sich einiges einfallen lassen und den Karten- bzw. Würfelmechanismen frisch miteinander verwoben. Das vorliegende Spiel strahlt einen gewissen Reiz aus, führt jedoch in manchen Momenten beim Karten - bzw. Würfelpech zu extremer Frustration.

 


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "Die Tavernen im tiefen Thal", wenn du...

 

- ein stimmungsvolles Spiel suchst, das mit einem individuellen Thema glänzt

 

- die Komplexität eines Spiels gerne mittels Modulen skalieren möchtest

 

 

Lasse die Finger von "Die Tavernen im tiefen Thal", wenn du...

 

- davon ausgehst, dass es sich um ein "Kennerspiel" handelt, das einen geringen Glücksfaktor hat

 

- ein Spiel mit einem perfekten Inlay suchst ;)