02.10.18

Review: "Das tiefe Land" von Claudia & Ralf Partenheimer

Fakten

 

Autor: Claudia und Ralf Partenheimer

Spieleranzahl: 2-4

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: ca. 50-100 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2018

Preis: UVP 49,90 Euro

Verlag: Feuerland Spiele

Hintergrundinformationen

 

Unser neues Workerplacement-Spiel mit einem semikooperativen Deichbaumechanismus.

Jeder Spieler baut seinen Hof hinter dem Deich mit Gebäuden und Schafzucht aus.

Dabei müssen sie den steigenden Wasserspiegel im Auge behalten und gemeinsam am Deich bauen. Denn wenn der Deich im Spiel bricht, hat das für alle Spieler Konsequenzen. Doch nicht jeder verfolgt die gleichen Pläne und manchem Spieler mag es gelegen kommen, wenn der Deich nicht hält...

Der Deich ist das besondere Element in Das tiefe Land. Sein Baufortschritt bei Hochwasser bestimmt die Anzahl der Siegpunkte für Schafe und geleistete Deicharbeit bei Spielende. Wer hat die richtige Balance zwischen Deichbau und Schafzucht gefunden? Und wer hat vielleicht zu viel investiert und am Ende dadurch wichtige Punkte verloren?

 (Quelle: Feuerland Spiele)

 



Hintergrundinformationen

 

Claudia und Ralf Partenheimer kann man mit Sicherheit als Autorenneulinge bezeichnen, da dies ihr erstes Spiel ist. Das Spiel gehört zur "Uwe Rosenberg Collection", denn dieses  Siegel steht für Spiele, die der Autor speziell seinen Fans empfhielt. Uwe Rosenberg hat das Spiel gesichtet und in der Entwicklung begleitet.

 


Spielmaterialien

 

"Das tiefe Land" ist randvoll gespickt mit Materialien. Was hier der Verlag an Materialqualität bietet, ist wirklich 1 A. Unzählige Materialien bestehen aus Holz und vor allem der Deich, der aus vielen unterschiedlichen Holzklötzen zusammengebaut wird, macht qualitativ Einiges her. Die Spielertableaus biegen sich nicht und auch die Plättchen aus Pappe sind sehr stabil und hinterlassen einen wertigen Eindruck. Einzig und allein die großen Aufkleber, die man auf die Figuren klebt, passen nicht ganz in den überaus positiven Eindruck. Ansonsten kann hier von einer sehr gelungenen Produktion gesprochen werden.

 


Illustrationen

 

Die Illustrationen von Andrea Boeckhoff haben den Testern zugesagt. Es ist sofort ersichtlich, dass sie ihren eigenen  Illustrationsstil hat und dem Spiel eine eigene Note verleiht. Gerade die Darstellung des Wassers und der Spielertableaus konnten überzeugen. Dennoch wäre es wünschenswert gewesen, dass die Gebäudeplättchen illustriert worden wären, da lediglich Schriften bzw. abstrakte Symbole darauf zu erkennen sind. Auch das ergänzende kleinere Spielertableau (graues Spielertableau) fügt sich nicht perfekt in die restlichen Materialien ein und wirkt optisch etwas fehl am Platz. Hier hätte man illustrativ an die restlichen Materialien anknüpfen müssen. Dennoch kann hier von einer gelungenen optischen Aufmachung geredet werden.

 


Spielmechanik

 

Die Mechanismen funktionieren wunderbar! Das "Worker-Placement-Element" ("Arbeiter-Einsetz-Mechanismus"), bei welchem man Arbeiter mit unterschiedlichen Aktionspunkten einsetzt, ist außerordentlich gut gelungen. Auch die Legeelemente, wie z. B. der Gebäudebau oder der Zaunbau funktionieren rund und spielen sich locker von der Hand. Hierbei ist zu erwähnen, dass mit dem Bauen von Zäunen und Gebäuden mehr Einkommen und Boni freigeschaltet werden, wodurch ein gewisser positiver Antrieb im Bauen geschaffen wird. Hinzu beschränkt sich "Das tiefe Land" nur auf eine Tierart, und zwar die Schafe. Diese Begrenzung ist optimal, da mit dem Bauen am Deich bereits weitere wesentliche Elemente im Spiel vorhanden sind und  durch die Begrenzung auf eine Tierart einer Überfrachtung entgegengewirkt wird.


"Das tiefe Land" ist ein semikooperatives Spiel, da alle Spieler am Deich bauen. Hierbei gibt es eine kontrastreiche Punktegenerierung, denn die beste Situation für einen Spieler entsteht dann, wenn dieser  viel in  einen Deich investiert, der Deich jedoch der Flut von Runde zu Runde nicht standhält. Dieser Kontrast mitsamt dem semikooperativen Element wurde sehr elegant in den Spielablauf implementiert.

 


Innovationen

 

Das vorliegende Brettspiel enthält etliche Abläufe aus bereits erschienen Spielen von Uwe Rosenberg. Jedoch wurde ein sehr innovatives Element in den Ablauf integriert, und zwar der gemeinsame Deichbau, der mit einem andersartigen Punktesystem ausgestattet ist und wiedersprüchliche Empfindungen beim Spieler auslöst (am Deich bauen - Deich soll am Besten nicht der Flut standhalten). Zudem wurde das "Worker-Placement-Element" abgeändert, da man auch gleiche Aktionen mehrmals aktivieren kann und ein Feld nach dem Aktivieren nicht für die aktuelle Runde gesperrt ist. Alles in allem enthält "Das tiefe Land" viele Elemente aus bereits erschienen Spielen von Uwer Rosenberg, wie z. B. Tiervermehrung, Gebäude- und Zaunbau, jedoch konnte ein Innovationswert durch den Deichbau erzielt werden.

 


Spielspaß

 

"Das tiefe Land" greift das Feeling von bekannten "Uwe-Rosenberg-Spielen" auf und verknüpft es mit einem kreativen semikooperativen Mechanismus (Deichbau), was den Spielern gut gefallen hat. Es ist immer wieder spannend zu hoffen, dass der Deich bricht oder hält, wobei es darauf ankommt, welche Strategie man verfolgt. Doch im Herzen hofft man doch immer, dass der Deich hält ;). Gerade aus haptischer Sicht macht es Spaß den Deich zu bebauen, indem man sehr wertige Holzteile aufeinander türmt.  Indem man nie wirklich weiß, welche Nummerierung die nächste Flutkarte beinhaltet (Flutsteine werden aufgetürmt), kommt ein weiterer spannender Faktor hinzu. Des Weiteren ist es sehr gut gelungen, dass man unterschiedliche Boni mit dem Bau von Gebäuden und Zäunen freischaltet, was einen gewissen Antrieb bietet und so den Spaß über einen langen Zeitraum konstant hält. Ein tolles Kennerspiel!

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Das tiefe Land" liegt bei 49,90 Euro. Die Spielmaterialien sind von einer hervorragenden Qualität und die Spielbox ist randegefüllt. Die Illustrationen haben den Spielern überwiegend gefallen, wobei die Gebäudeplättchen definitiv noch verbesserungswürdig sind. Im Rahmen der Mechanik ist zu resümieren, dass die Mechanismen sehr gut verzahnt wurden und der Deichbau als semikooperatives Element hervorragend in das komplette Spielkonzept passt. "Das tiefe Land" hat den Testern gut gefallen und wer die Spielkonzepte von Uwe Rosenberg mag und frische Elemente "bespielen" möchte, der sollte zugreifen.

 


Geasmtwertung

 

Kaufe dir "Das tiefe Land", wenn du...

 

- ein Spielkonzept suchst, das grundsätzlich an die bekannten Spiele von Uwe Rosenberg, wie z. B. "Agricola", anlehnt

 

- ein kreativies und semikooperatives Element im Spiel haben möchtest (Deichbau)

 

 

Lasse die Finger von "Das tiefe Land", wenn du...

 

- mit dem Thema Deichbau überhaupt nichts anfangen kannst, da das Spiel stark thematisch verwoben ist