12.11.18

Review: "Crown of Emara" von Benjamin Schwer

Fakten

 

Autor: Benjamin Schwer

Spieleranzahl: 1-4

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: ca. 45-75 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2018

Preis: UVP 39,95 Euro

Verlag: Pegasus Spiele

Spielbeschreibung

 

Das Königreich Emara kann auf gute Zeiten zurückblicken: Unter der Herrschaft des weisen Königs Thedorius sind Kriege, Aufstände und sonstige Unannehmlichkeiten eine ferne Erinnerung geworden. Stets lag dem König das Wohl seiner Untertanen mehr am Herzen als reine Macht und schnöder Mammon. So soll nun auch nur die Person sein Nachfolger werden, die sich ebenso gut um die Bürger Emaras zu kümmern weiß. Um die Fähigkeiten der Bewerber zu beurteilen, hat sich der König gemeinsam mit seinem Rat eine Aufgabe mit praktischem Nutzen ausgedacht: Wer immer die meisten der in die Hauptstadt zuwandernden Bürger von sich überzeugen kann, soll der neue König werden. Das wird aber nur gelingen, wenn ihnen auch ein Dach über dem Kopf verschafft werden kann - daher gehört es zu den wichtigsten Aufgaben, sich um die Bautätigkeiten in der Stadt zu kümmern.

Crown of Emara kombiniert gekonnt Kartenaktionen mit Arbeiterbewegungsaktionen und erlaubt es den Spielern, ihre Züge sorgfältig zu planen. Die zwei Ratsmitglieder, die jedem Spieler zur Verfügung stehen, bewegen sich auf zwei separaten Spielplänen, sodass jeder Zug optimal genutzt werden muss. Zusätzlich sorgen zwei Wertungsleisten für einen multidimensionalen Spielstil, da nur die niedrigere Leiste für den Spielsieg zählt.

(Quelle: Pegasus Spiele)

 



Hintergrundinformationen

 

Der Entwickler Benjamin Schwer hat über "Pegasus Spiele" vor nicht allzu langer Zeit das Familienspiel "Yeti" veröffentlicht (Rezension: hier). Nun findet eine Kooperation mit demselbigen Verlag im Kennerspielbereich statt. Mal schauen, wie sich Benjamin Schwer als Entwickler von Kennerspielen so schlägt.

 


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien sind hervorragend! Die Holzteile, Plättchen, die Spielertableaus und Spielpläne lassen keine Wünsche übrigt, wobei hervorzuheben ist, dass die Spielertableaus auch aus festem Material bestehen und nicht biegsam sind (weiter so! ;)). Hinzu ist es gelungen, dass hier und dort kleinere "Gimmicks" veranlasst wurden, wie z. B. eine dreidimensionale Startspielerfigur oder Ringplättchen mit einer Ausstanzung in der Mitte. Solche Zugaben sind sehr lobenswert und positiv  anzuerkennen. Im Großen und Ganzen ist "Crown of Emara" im Kontext der Materialien sehr wertig!

 


Illustrationen

 

Die Aufmachung ist sehr gelungen und "Crown of Emara" besticht durch eine sehr ansehnliche Optik. Positiv hervorzuheben ist, dass viele unterschiedliche Personenkarten zu Papier gebracht wurden und dadurch eine visuelle Variabilität gegeben ist. Zudem beinhaltet die Darstellung viele Details, wie z. B. Personen auf dem Spielbrett (Stadtleben), was ebenso gut gelungen ist. Hinzu wurden auch hier nicht auf kleinere "Gimmicks" verzichtet, da man z. B. die Titelkarten über den eigenen Charakter (Spielertablau) positioniert, was auch immer sehr lustig anzusehen ist. Einzig und allein ist etwas zu bemängeln, dass die Aktionsfelder mehrere Aktionen bieten und die unterschiedlichen Aktionen nicht stark hervorgehoben wurden, sodass gerade Anfänger schnell eine zweite mögliche Aktion übersehen.

Alles in allem dennoch eine optisch gelungene Darbietung!

 


Spielmechanik

 

"Crown of Emara" siedelt im klassischen Kennerspielbereich an (mittleres Niveau). Das Spiel basiert auf zwei Spielplänen, in denen gemäß eines Rondells Aktionen durchgeführt werden. Zudem besteht der Hauptmechanismus darin drei Karten auszuspielen, um so zum einen die Schritte auf den Spielplänen zu definieren (inkl. Aktion) und zudem noch die Kartenaktion zu aktivieren. Es ist stark hervorzuben, dass "Crown of Emara" ein extrem gut verzahntes Spiel ist und man sich deshalb intensiv überlegen sollte, welche Karte man ausspielt und welche Figur auf den beiden Spielplänen weitergezogen werden sollte. Hinzu gibt es noch viele strategische Möglichkeiten, die man verfolgen kann, wobei man am Spielende auch schon Einiges an diversen strategischen Zielen erfüllt hat, wenn man sich klug anstellt.


Durch die Titelkarten und den Personenkarten auf dem Spielplan ensteht auch ein konfrontatives Element, wobei im Großen und Ganzen das Spiel eher nicht sehr konfrontativ ist. Hinzu baut "Crown of Emara" auf einem zweigleisigen Siegpunktgenerator auf. Dies bedeutet, dass man Bürger- und Baupunkte in einem bestimmten Verhältnis sammeln muss, um überhaupt am Spielende Siegpunkte zu erlangen. Die Aktionen wurden so konzipiert, dass man von einem gleichmäßigen Verhältnis zwischen der Generierung von Bürger- und Baupunkten sprechen kann. Das Spiel funktioniert in einem Guss!


Innovationen

 

Der Entwickler hat kleinere frische Ideen in den Spielablauf implementiert. Zunächst ist zu erwähnen, dass der "Rondell-Mechanismus" nun auf zwei verschiedene Spielpläne aufgeteilt wurde. Hinzu passen sich die jeweiligen Baukosten in diversen Aktionsfeldern mittels drehbaren Scheiben an. Auch der zweigleisige Siegpunktgenerator, der in Spielen des letzten Jahrgangs häufiger Anwendung gefunden hat, wurde hier integriert. Der überwiegende Teil des Spiels ist jedoch bereits bekannt, wie z. B. der Kartenmechanismus und das Ressourcenmanagement in dieser Form. Zusammenfassend ist zu sagen, dass das Spiel kein innovativer Überflieger ist, jedoch hier und dort frische Ansätze bereit hält.

 


Spielspaß

 

"Corwn of Emara" vermittelt das Spielgefühl eines klassischen "Kennerspiels". Es bietet viele strategische Optionen und ist ungemein gut mechanisch verzahnt. Dadurch entwickelt sich bei manchen Spielern auch eine Grübelzeit, die etwas negativ aufgefallen ist. Denn Fakt ist, dass man viele verschiedene Aktionen (Kartenaktion + Bewegungsaktion + Zusatzaktion) in einem Zug tätigt und dadurch auch länger dran ist, sodass Wartezeiten kaum zu vermeiden sind. Dementgegen ist positiv einzuwenden, dass diese vielen Aktionen, die in einem Zug stattfinden auch eine Vielschichtigkeit beinhalten und demzufolge langfristige Strategien möglich sind. Auch sind in diesem Rahmen Kettenreaktionen möglich, um einem Gegenspieler z. B. bei Titel- oder Personenkarten zuvorzukommen. "Crown of Emara" erfüllt glasklar die Bedingungen eines "Kennerspiels": relativ leichter Einstieg, aber viele Verzahungen und strategischer Tiefgang, wobei die Spieldauer sich in einem angenehmen Rahmen verhält (ca. 60-80 Minuten). Das vorliegende Spiel beinhaltet viele bekannte Mechanismen, bei denen man sich noch etwas kreative impulse gewünscht hätte, wie z. B. beim Kartenmechanismus. Nichtsdestotrotz hat den Testspielern das Spiel gut gefallen!

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP liegt bei 39,95 Euro. Die Spielmaterialien sind von äußerst guter Qualität und auch die Illustrationen brauchen sich nicht verstecken. Zudem funktionieren die Mechanismen super, wobei eine hervorragende mechanische Verzahung vorhanden ist. Im Rahmen der Innovationen ist anzuführen, dass "Crown of Emara" auf vielen bekannten Mechanismen beruht, jedoch hier und da kleinere kreative Einfälle beherbergt. Das Spiel ist ein klassisches Kennerspiel und erfüllt dieses Format gänzlich. Es hat den Testspielern Spaß gemacht, wobei im Rahmen einer Einordnung in die besten Kennerspiele aller Zeiten noch Luft nach oben ist, da es dem Spiel dann doch an dem frischen innovativem "Kick" fehlt.

 


Geamtwertung

 

Kaufe dir "Crown of Emara", wenn du...

 

- ein klassisches "Kennerspiel" suchst (leichter Einstieg mit strategischem Tiefgang)

 

- ein Spiel spielen willst, das optisch gelungen ist und hervorragend verzahnte Abläufe beinhaltet

 

Lasse die Finger von "Crown of Emara", wenn du...

 

- ein inovativ starkes Spiel erwerben willst

 

- kein Fan von Kartenmechanismen bist

 

- es hasst auf deine Mitspieler bei ihren Spielzügen zu warten (hmmmm... vielleicht solltest du dir nur Solospiele holen ;))