22.12.21

Review: "CloudAge" von Alexander Pfister und Arno Steinwender

Fakten

 

Autor: Alexander Pfister und Arno Steinwender

Spieleranzahl: 1-4

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: ca.60-100 Minuten

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2020

Preis: UVP 49,95 Euro

Verlag: Dlp Games

Spielbeschreibung

 

Die gesetzlose Gruppierung „Cloud“ hat mit einem weltweit koordinierten Schlag zahlreiche Ölanlagen sabotiert. Die Folge war eine Umweltkatastrophe mit verheerenden Auswirkungen für den ganzen Planeten. Fünfzehn Jahre nach diesem Inferno fliegt ihr in euren Luftschiffen über ausgetrocknete Landstriche. Auf der Suche nach einem besseren Leben, bereist ihr Städte, schickt Drohnen aus, um Ressourcen zu sammeln, und kämpft gegen die Cloud-Milizen.

Der innovative Sleeve-Mechanismus ermöglicht eine neue, immersive Form der Ressourcenbeschaffung. Ihr versucht, abzuschätzen, in welchem von Wolken bedeckten Gebiet eine gewünschte Menge Ressourcen zu finden ist und wo Zusatzaktionen möglich sind. Mithilfe der Ressourcen entwickelt ihr nützliche Upgrades für euer Luftschiff oder heuert neue Crewmitglieder an.

 

CloudAge ist eine Komposition aus Engine-Building, Deck-Building und Ressourcenmanagement. Das Kampagnensystem bietet einen schnellen Einstieg in das Spiel. Mit Fortschreiten der Kapitel werden zusätzliche Spielelemente integriert. Ihr erlebt und steuert dabei die Geschichte aktiv. Alternativ zur Kampagne könnt ihr eigenständige Spin-offs der Geschichte als Szenarios spielen.

(dlp games)



Hintergrundinformationen

 

Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung zu "CloudAge" wurde ein Interview mit dem Entwickler Alexander Pfister geführt. Das Interview könnt ihr hier lesen. Alexander Pfister ist für Spiele, wie z. B. "Mombasa" und "Great Western Trail" bekannt. 

 


Spielmateralien

 

Die Spielmaterialien sind von einer tollen Qualität! "CloudAge" bietet viele Holzmaterialien, wie z. B. Marker sowie Figuren und hinterlässt diesbezüglich einen positiven Eindruck. Auch das modulare Spielbrett lässt sich angenehm zusammenstecken, was auch für die Ausbauplättchen in dem eigenen Spielertableau gilt. Hinzu ist zu loben, dass der Siegpunktemarker entlang von passenden Stanzungen bzw. Aussparungen gezogen wird, wodurch haptisch ein tolles Gefühl entsteht. Dementgegen sind die mitgelieferten Kartenhüllen fragil und hinterlassen einen suboptimalen Eindruck, da sie eine zentrale Rolle im Hauptmechanismus einnehmen und stabiler sein müssten. Die Aufkleber auf den Markern und auf den Hüllen haben den vielen Testpartien standgehalten und diesbezüglich gab es keine Probleme. Beim Bekleben der Hüllen ist aber Konzentration und Fingerspitzengefühl gefragt. 

Im Großen und Ganzen wurde bei "CloudAge" auf qualitative Materialien gesetzt.

 


Illustationen

 

Die Optik des Spielbretts konnte nicht ganz den Geschmack der TesterInnen treffen. Als "Eyecather" ist dieser wahrlich nicht zu bezeichnen und macht einen sehr funktionalen Eindruck. Dementgegen sehen die Illustrationen auf den Karten ansprechender und lebhafter aus, sodass der triste Ersteindruck aufgewertet wurde. Ein toller Einfall ist, dass auf den Stadtkarten Mengenverhältnisse illustrativ umgesetzt wurden. Das bedeutet, dass wenn eine Karte viel Wasser generiert, ensprechend viel Wassergebiete auf einer Karte abgebildet sind. Somit wird die thematische Atmosphäre verdichtet, was äußerst gut gelungen ist.

 


Spielmechanik

 

"CloudAge" ist als Kennerspiel im mittleren Bereich einzustufen und kann solo sowie mit MitspielerInnen gespielt werden. Auch gibt es diverse Spielmodi, dies bedeutet, dass eine komplette Kampagne oder einzelne Szenarien durchgespielt werden können. Das Spiel basiert auf diversen Mechanismen, die gut miteinander verwoben wurden. Hier ist der "Deckbuilding-Mechanismus" zu nennen, bei dem man versucht sein Kartendeck gewinnbringend zu modifizieren, indem man Karten mit niedrigen Nummern "rauswirft" und mit hohen Zahlen generiert. Hinzu existiert noch ein "Hüllen-Mechanismus", bei welchem sich hinter einem "Wolkensticker" eine Stadt verbirgt. Man muss anhand des eingeschränkten Sichtfeldes erraten, welche Ressourcen in welchen Mengenverhältnissen von der Stadt geboten bzw. generiert werden. Dies ist ein toller Mechanismus, der gut funktioniert und hervorragend in die Thematik und in die weiteren Abläufe eingebettet wurde.

Das parallele Abhandeln von Aktionen ist ebenfalls zentral, sodass die Wartezeit für die SpielerInnen bewusst reduziert wurde, was ebenso gelungen ist. Ein positiver Aspekt ist hinzu, dass bei einer bestimmten Aktionsphase das Interaktionsniveau im Zentrum steht, da MitspielerInnen von eigenen Aktionen profitieren können. Dies bedeutet konkret, dass wenn man 2 Bauaktionen ausführt, die MitspielerInnen jeweils ebenfalls eine Bauaktion ausführen dürfen. Dieser Interaktionsmoment gilt übrigens auch für die Kartenhüllen mit den Wolkenstickern, da sich auch die MitspielerInnen eine Stadtressource aussuchen dürfen, nachdem man selbst seine Auswahl getroffen hat. Folglich wurden in "CloudAge" einige wesentliche Interaktionsmomente implementiert, die gut funktionieren. Ein weiterer erwähnsenswerter Punkt ist, dass das vorliegende Spiel viele Karten enthält. Die Karten befinden sich in einem guten "Preis-Leistungs-Verhältnis" und wurden mit Feingefühl austariert.

 


Innovationen

 

Im Kontext der Innovationen waren sich alle TesterInnen einig, dass der "Hüllen-Mechanismus" sehr frisch ist, auch wenn dieser sehr simpel in Erscheinung tritt. Es handelt sich hierbei um Kartenhüllen, die mit einem Wolkensticker bedruckt wurden. Durch die Wolkenfetzen sind Teile einer Stadt sichtbar, wobei man anhand dieser sichtbaren Fetzen eine Entscheidung treffen kann, für welchen Rohstoff man sich entscheidet. Eine simple, aber tolle Idee!

 


Spielspaß

 

"CloudAge" hat den TesterInnen gut gefallen. Gerade der "Hüllen-Mechanismus" hat einen positiven Eindruck hinterlassen. Die Kampagne wurde allerdings mit Verbesserungspotential gesehen, da die Texte nicht eine thematische Dichte hervorrufen und ihre gewünschte Wirkung entfalten konnten. Hinzu hat sich das Spiel schneller als gedacht "ausgespielt", da immer wieder die gleichen Abläufe sowie Handlungsmuster entstehen und man spielerische Varianz vermisste, sodass der Wiederspielreiz stark nachgelassen hat. Bei "CloudAge" sucht man nach mehr Individualität im strategischen Vorgehen, da man gefühlt sehr oft das Gleiche macht und die dieselben Mittel zur Verfolgung der Strategien benutzt. Nichtsdestotrotz kam "CloudAge" bei den TesterInnen gut an

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "CloudAge" liegt bei 49,95 Euro. Die Spielmaterialien sind von einer guten Qualität und es ist schön zu sehen, dass viele Holzteile mitgeliefert werden. Allerdings sind die Kartenhüllen eher als materielle Schwachstelle zu sehen. Die Optik ist solide, ist zwar kein Augenschmaus aber auch nicht unterirdisch. Die Mechanismen funktionieren, dennoch hätte man sich im Rahmen der Kampagne eine atomsphärischere Story gewünscht. Der frische Kick liegt in dem "Hüllen-Mechanismus", der auch thematisch überzeugt. Den TesterInnen hat "CloudAge" gut gefallen, jedoch fühlen sich die Partien sehr gleichförmig und nicht sehr variabel an.

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir "CloudAge", wenn du...

 

- ein Spiel suchst, das einen frischen Mechanismus aufweist

 

- ein interaktives Spiel spielen möchtest, bei welchem die "Downtime" gering ist (Aktionen werden auch parallel durchgeführt)

 

 

Lass die Finger vom Spiel, wenn du...

 

- ein Brettspiel kaufen möchtest, das sich sehr unterschiedlich in den einzelnen Partien anfühlt und somit einen hohen Wiederspielreiz aufweist