07.10.2019

Review: "Civilization" - Ein neues Zeitalter von James Kniffen

Fakten

 

Autor: James Kniffen

Spieleranzahl: 2-4

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: ca. 60-120 Minuten

Alter: ab 14 Jahren

Erscheinungsjahr: 2017

Preis: UVP 41,99 Euro

Verlag: Asmodee

Spielbeschreibung

 

Erschafft euer Imperium Civilization: Ein Neues Zeitalter bleibt den Wurzeln des digitalen Vorbilds Sid Meier’s Civilization treu, indem es die Spieler vor schwierige, strategische Entscheidungen stellt. Es gibt viele Arten das Spiel zu gewinnen und die eigene Zivilisation zu führen. Strebt man danach, die reichste Nation zu werden, Rohstoffe abzubauen und mit seinen Alliierten zu handeln? Möchte man sich einen Namen als großer Eroberer machen, der seine Rivalen vollständig aufreibt? Oder möchte man seine Vorherrschaft durch wissenschaftlichen Fortschritt und kulturelle Überlegenheit durchsetzen?

(Quelle: Asmodee)



Hintergrundinformationen

 

Bereits im Jahr 2010 ist das Spiel "Sid Meier’s Civilization: The Board Game" erschienen, das eine Umsetzung des erfolgreichen Pc-Spiels ist. Nun ist eine neue Version dieses Brettspiels erschienen, das es ermöglicht, dieses komplexe Thema in 60 bis 120 Minuten durchzuspielen. Dementgegen konnte das ursprüngliche "Civilization" gut und gerne bis zu 4 Stunden andauern. Im Rahmen dieser Rezension ist anzumerken, dass das ursprüngliche “Civilization-Brettspiel“ nicht gespielt wurde und dementsprechend kein Vergleich gezogen wird.

 


Spielmaterialien

 

Grundlegend sind die Materialien von einer guten Qualität! Die Spielplanteile sind stabil und haben in den Testpartien keine Defizite aufgewiesen, was ebenso für die Drehscheiben gilt. Dennoch ist bei diesem Spiel nicht alles Gold was glänzt, um von perfekten Materialien sprechen zu können. Die Völkertableaus wirken sehr minderwertig bzw. extrem dünn und bieten keinen Platz für das Ablegen von Plättchen und Figuren, was sehr schade ist. Hinzu wäre es perfekt gewesen, wenn die Figuren der SpielerInnen sich unterscheiden würden, um thematisch die unterschiedlichen Völker zu untermalen. Es sind mittlerweile einige FAQs erschienen, was grundsätzlich bedeutet, dass die Regeln nicht sehr detailliert und sauber angefertigt wurden und im Spielverlauf einige Fragen aufkommen. Dessen ungeachtet kann man im Großen und Ganzen von einer guten Qualität sprechen!

 


Illustrationen

 

Die Darstellung des Spielbretts sowie der Völkertableaus ist gelungen und kann die Erwartungen erfüllen. Ebenso wurden die Karten optisch gut dargestellt, jedoch ist als klares Manko anzusehen, dass der Text der Effekte nicht mit einer bildlichen Darstellung transportiert wird, sodass man immer wieder die Texte lesen muss, um sich die Karteneffekte ins Gedächtnis zu rufen. Diesbezüglich vermisst man eine Ikonographie (da ein Bild manchmal mehr als 1000 Worte sagt). Zudem versucht das Spiel thematisch zu sein, die Barbaren werden jedoch durch sehr abstrakte Plättchen dargestellt, was kaum gelungen ist. Hier wären angemessene Illustrationen eines Barbarenvolkes oder gar Barbarenfiguren angebracht. Auch die Kontrollmarker, die das eigene Machtgebiet darstellen, sind sehr abstrakt und lieblos und ebenso hätte man hier Figuren oder liebevolle Illustrationen anfertigen können. Alles in allem ist die optische Darstellung o.k.

 


Spielmechanik

 

"Civilization – ein neues Zeitalter" basiert auf einem Kartenmechanismus, der definitiv funktioniert. Je nachdem in welcher Reihenfolge die Aktionskarten in der eigenen Auslage ausliegen, können mächtigere Aktionen durchgeführt und schwierige Gebiete erklommen werden. Das Spiel ist für ein Zivlisationsspiel im Rahmen der Abläufe sehr schlank und wurde hinsichtlich des Computerspiels gut umgesetzt, sodass auch SpielerInnen in einen Genuss eines solchen Themas kommen, wenn nicht gerade 4 Stunden Spielzeit möglich sind. Auch nach vielen Partien kam das Gefühl auf, dass manche Völker in ihren Fähigkeitein stärker sind als andere, was auch auf die zu bauenden Weltwunder zutrifft. Hinzu können sich Spieler verbünden, um einen Spieler zu attackieren, was oft zu einem unfairen Spielerlebnis geführt hat. Hier hätte man sich ausgleichende Spielabläufe gewünscht, die leider nicht existieren und keine Balance herstellen. Der Kampfaspekt wirkt in seinen Abläufen etwas fade bzw. unspektakulär und es ist sehr schwer (fast unmöglich), eine Stadt einzunehmen, wodurch der Spielspaß sichtlich leidet.


Zudem gerät dadurch der Aspekt des Kämpfens sehr stark in den Hintergrund, wobei diesem Aspekt hinsichtlich des Themas eigentlich eine zentralere Rolle zugewiesen werden sollte. Alles in allem wünscht man sich noch in diversen Bereichen des Spiels feinere Ausarbeitungen und elegantere Mechanismen. "Civilization" funktioniert zwar, bietet jedoch viel Disskussionspotential hinsichtlich der Abläufe.

 


Innovationen

 

Der Kartenmechanismus, mit welchem man die Aktionen durchführt, wirkt frisch und gut ausgearbeitet. Auch die Räder, die mit ihren Zeigern für die Bewegung bzw. für das Auftauchen von Barbarenplättchen sowie für das Upgrade der eigenen Aktionskarten zuständig sind, bringen frischen Wind in den Spielablauf. Der Rest von "Civilization - ein neues Zeitalter“ ist bereits aus anderen Spielen bekannt wie z. B. die Erfüllung von Missionskarten und die Ausbreitung auf der Karte. Gerade hinsichtlich der Kämpfe wünscht man sich ein kreativeres Kampfsystem, da das vorliegende System kaum frisch wirkt.

 


Spielspaß

 

Das vorliegende Spiel behandelt das Zivilisationsthema in einer abgespeckten Version, die in einer bis zwei Stunden zu spielen ist. "Civilization - ein neues Zeitalter" wirkt nicht unfertig, sondern komplett, obwohl es in einer recht kurzen Dauer zu spielen ist, was positiv auffällt. Negativ anzuführen ist, dass sich SpielerInnen gezielt gegen einen Spieler verbünden können und man beim Kampf sehr starkes Würfelpech haben kann, was beides zu Frustrationsmomenten führt. Das Spiel wirkte im Gesamten unspektakulär und man spielte vor sich hin, ohne das große Spannungsmomente aufkamen. Zudem wurde der Spielspaß dahingehend gestört, dass viele Regelfragen aufgetaucht sind, die im Regelheft nicht beantwortet wurden, sodass immer wieder die Faq und betreffende Seiten zur Hilfe gezogen werden musste, was sehr nervig war. Thematisch war es nicht ganz schlüssig, warum Völker Weltwunder bauen können, die überhaupt nichts mit ihnen zu tun haben, wodurch die thematische Atmosphäre arg verloren ging. Alles in allem ist der Spielspaß im durchschnittlichen Bereich anzusiedeln.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Civilization - ein neues Zeitalter" liegt bei 41,99 Euro. Die Spielmaterialien sind von einer guten Qualität, obwohl hier noch Luft nach oben gewesen wäre, um ein episches Spielerlebnis zu erzeugen. Die Optik ist überwiegend gelungen, wobei manche Plättchen zu abstrakt wirken, wodurch wiederum eine atmosphärische Störung herbeigeführt wird. Mechanisch verliefen die Partien  nicht ganz einwandfrei, wünschenswert wären hier noch Ausbalancierungen bzgl. der Völker, der Weltwunder sowie der Machtverhältnisse im Spielgeschehen (gezielte Bündnisse gegen einen Spieler). Weiterhin beinhaltet das vorliegende Brettspiel ein kreatives Kartensystem, was leider nicht von den restlichen Abläufen zu sagen ist. Der Spielspaß war durchwachsen und nach vielen Testpartien ist das Spiel als durchschnittlich zu werten, da keine Spannungskurve enthalten war und das gewisse Etwas fehlte.

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Civilization - ein neues Zeitalter", wenn du...

 

- ein schlankes Zivilisationsspiel spielen willst

 

- ein Fan von Aufbauspielen bist

 

 

Lass die FInger davon, wenn du...

 

- ein episches Spiel suchst

 

- ein perfekt ausbalanciertes Spiel spielen willst

 

- ein Zivlisationsspiel kaufen möchtest, das den Kampf als zentrales Element