14.11.18

Review: "Carpe Diem" von Stefan Feld

Fakten

 

Autor: Stefan Feld

Spieleranzahl: 1-4

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: ca. 45-75 Minuten

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2018

Preis: UVP 39,99 Euro

Verlag: Ravensburger

Spielbeschreibung

 

Rom, im Jahre 0. Die Spieler schlüpfen in die Rolle reicher Patrizier. Ein jeder versucht, ein einträgliches Stadtviertel aufzubauen, um bei den Wertungen möglichst viele Siegpunkte zu erzielen. Dazu sammeln sie in raffinierter und neuartiger Weise Plättchen um Plättchen ein und erschaffen so ein immer umfangreicheres und besser funktionierendes Stadtviertel.

(Quelle: Ravensburger)



Hintergrundinformationen

 

Der Erfolgsautor Stefan Feld hat mit "Ravensburger" bzw. "Alea" bereits bekannte Titel, wie z. B. "Die Burgen von Burgund", "Bora Bora" und "Macao" veröffentlicht. Aus diesem Grund ist eine solche Ankündigung immer ein Highlight und man kann es kaum abwarten, diese "Feld-Spiele zu spielen. Du kannst gerne hier ein Interview mit Stefan Feld zu "Carpe Diem" lesen. Mal schauen, ob das Spiel an den Erfolg der früheren Spiele anknüpfen kann.

 


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien sind von einer guten Qualität! Das Spielfeld und die Spielertableaus sind stabil und lassen keine Wünsche übrig. Nichtsestrotrotz hatten die Testspieler das Gefühl, dass die Karten vom Material her etwas dünn daherkamen. Weiterhin ist anzumerken, dass die Banderollenplättchen, die man auf seinem Tablau platziert etwas klein und unhandlich produziert wurden und ein etwas größeres Format haptisch optimal wäre. Dementgegen ist positiv anzumerken, dass die Figuren und Marker auf wertigem Holzmaterial basieren.

 


Illustrationen

 

Die optische Aufmachung ist leider eine große Enttäuschung und kann dem Erfolgsautor und diesem Produkt leider nicht gerecht werden! Die Gesamtgestaltung wirkt sehr lieblos und es sind kaum Details, wie z. B. Personen oder Wege auf den Plättchen vorhanden. Zudem ist die Farbauswahl bei einigen Gebäudeplättchen sehr mangelhaft, wodurch bei nicht optimalen Lichtverhältnissen schwer Unterscheidungen gemacht werden können. Die Rückseiten der Plättchen sind ebenfalls nicht gut zu unterscheiden, wenn eine Kategorisierung in Hellgrün und Dunkelgrün vorgenommen wird. Auch die Wahl des Grüns auf den Plättchen ist  eher mau und verleihtet kaum dazu, das Spiel als ästehtisch zu bezeichnen.  Es ist wirklich äußerst ärgerlich, dass hier eine Gestaltung gewählt wurde, die eher abschreckt, als das sie zu diesem grundlegend tollen Spiel einlädt. Demzufolge wäre eine Neuauflage wünschenswert, die die Optik anpasst und dem Spiel dadurch gerecht wird.

 


Spielmechanik

 

"Carpe Diem" ist ein klassischs "Euro-Game", das einen eher leichten Einstieg bietet und dennoch sehr viele Möglichkeiten beinhaltet. Der Grundmechanismus besteht darin, dass man seine Figur auf einer der zwei gegenüberliegenden Felder versetzt, um dort ein Plättchen zu nehmen. In diesem Kontext ist anzuführen, dass hier eine optimale Skalierung durchgeführt wurde und die Plättchen je nach Spieleranzahl  im Verlauf des Spiels entfernt werden

Durch das Legen der Plättchen auf sein Tableau kann man beim Fertigstellen von Gebäuden oder Landschaften sofortige Effekte oder Siegpunkte gegen Ende des Spiels auslösen. Dementsprechend besteht die Einstiegshürde darin, die Effekte der unterschiedlichen Plättchen zu wissen, diese sind jedoch auf der Spielerhilfe abgebildet.


In der Summe ergeben die Effekte und Boni der Plättchen Sinn und bilden ein rundes Gesamtkonstrukt. Das Wertungssystem funktioniert ebenso einwandfrei und fügt sich elegant in den Spielablauf ein. Zwar ist es möglich, Minuspunkte zu erhalten, falls man Wertungskarten nicht erfüllt. Dennoch gibt es auch Jokerrohstoffe, die für die Erfüllung von Wertungen eingesetzt werden können. Alles in allem ist zu sagen, dass "Carpe Diem" im Kontext der Mechanismen rund wirkt.

 


Innovationen

 

Der kreative Ansatz ist in den individuellen Wertungskarten zu sehen, die die Spieler beanspruchen müssen, um Siegpunkte zu erhalten. Für jede Wertungsscheibe sind jedoch zwei Wertungskarten vorgesehen, die miteinander gekoppelt sind. Der Umstand, dass jeder seine individuelle Wertung definiert und erfüllen muss, setzt frische Akzente. Auch der Ablauf, dass man seine Figur auf eine der zwei gegenüberliegenden Felder versetzt, um dort Plättchen zu generieren, ist ein schöner Einfall. Zudem beinhalten die Spielertableaus Rahmenteile, die bestimmte Wertungen auslösen, wenn man auf einer gedachten Linie entsprechende Gelände- und Gebäudearten platziert. Man merkt, dass  Stefan Feld hier und dort einige kreative Abläufe implementiert hat.

 


Spielspaß

 

Grundsätzlich ist zu erwähnen, dass die Testspieler den Entwicklungsstil von Stefan Feld mögen und ein neuer Titel von ihm immer für große Vorfreude sorgt. "Carpe Diem" hat in den Testrunden zwar überzeugt, jedoch hat die optische Gesamtpräsentation im erheblichen Maße den Spielspaß gemindert, denn das Auge spielt ja schließlich mit ;). Der Großteil der Abläufe besteht darin, Plättchen auf seinem Tableau zu platzieren und diese zu werten. Zwar hat Stefan Feld hier und da kleinere interessante Einfälle in den Ablauf integriert, es fehlte dem ganzen aber an der gewohnten "Schlitzohrigkeit", die das gewisse Etwas in seinen Spielen ausmacht. Hinzu ist das Spiel kaum thematisch und man hat sich schon gefragt, warum man drei Brotplättchen abgibt und dadurch eine Wertungskarte erfüllt wird. Titel, wie z. B. "Das Orakel von Delphi" und "Aquasphere" waren da schon im Rahmen eines "Feld-Spiels" thematischer.

"Carpe Diem" ist ein gutes Kennerspiel, das Spaß macht, jedoch stark an der Optik leidet. An Titel, wie z. B. "Die Burgen von Burgund" (ebenfalls ein Plättchenlegespiel) oder "Aquaspehre" etc. kommt es leider spielerisch nicht ran. Man weiß natürlich nicht genau, wie das Spiel mit einer lebhaften fantastischen Gesamterscheinung gewirkt hätte. Vielleicht wäre das Spielgefühl gleichsam anders und das Spiel wäre  zum favorisierten "Feld-Spiel" hochgestuft worden.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Carpe Diem" liegt bei 39,99 Euro. Die Spielmaterialien sind im Großen und Ganzen von einer guten Qualität, wobei die Karten doch etwas minderwertig wirken. Die Optik ist äußerst miserabel und genügt kaum ästehtischen Ansprüchen. Die Mechanismen funktionieren einwandfrei und "Carpe Diem" wirkt hinsichtlich der Abläufe rund. Das Spiel beinhaltet nicht die von Stefan Feld gewohnte "Schlitzohrigkeit" im Kontext der Innovationen, wobei anzumerken ist, dass das Spiel dennoch gut ist und Spaß gemacht hat.

 


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "Carpe Diem", wenn du...

 

- ein Fan von Legespielen bist und gerne dein Tableau individuell mit Plättchen befüllst

 

- ein abstraktes Spiel suchst und dir generell die Entwicklerhandschrift von Stefan Feld gefällt

 

 

Lasse die Finger von "Carpe Diem", wenn du...

 

- ein thematisches Spiel suchst

 

- großen Wert auf die optische Gestaltung eines Spiels wert legst