18.02.21

Review: "Carpe Diem (3. Auflage) von Stefan Feld

Fakten

 

Autor: Stefan Feld

Spieleranzahl: 1-4

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: ca. 60-75 Minuten

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2021

Preis: UVP 37,99 Euro

Verlag: Ravensburger

Spielbeschreibung

 

Rom, im Jahre 0. Die Spieler schlüpfen in die Rolle reicher Patrizier. Ein jeder versucht, ein einträgliches Stadtviertel aufzubauen, um bei den Wertungen möglichst viele Siegpunkte zu erzielen. Dazu sammeln sie in raffinierter und neuartiger Weise Plättchen um Plättchen ein und erschaffen so ein immer umfangreicheres und besser funktionierendes Stadtviertel.

(Quelle: Ravensburger)



Hintergrundinformationen

 

Der Erfolgsautor Stefan Feld hat mit "Ravensburger" bzw. "Alea" bereits bekannte Titel, wie z. B. "Die Burgen von Burgund", "Bora Bora" und "Macao" veröffentlicht. "Carpe Diem" wurde zum "Kennerspiel 2019" nominiert, konnte den Preis des "Kennerspiels" jedoch nicht abstauben. Zur ersten Auflage von "Carpe Diem" ist bereits eine ausführliche Rezension auf diesem Blog erschienen, die ihr hier lesen könnt. Mit dieser Rezension wird die dritte Auflage behandelt. Da die Mechanik gleich geblieben ist, wird der Fokus auf die komplett überarbeitete Optik gelegt.

 


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien sind von einer guten Qualität! Das Spielfeld und die Spielertableaus sind stabil und lassen keine Wünsche übrig. Nichtsestrotrotz hatten die Testspieler auch in der dritten Auflage das Gefühl, dass die Karten vom Material her etwas dünn daherkamen.  Weiterhin ist anzumerken, dass die Banderollenplättchen, die man auf seinem Tablau platziert etwas klein und unhandlich produziert wurden und ein etwas größeres Format haptisch optimal wäre. Zwar hat sich die Farbe dieser Plättchen geändert, was schon einmal gut ist, auf die Größe und Handlichkeit wurde leider kein Einfluss genommen. Dementgegen ist positiv anzumerken, dass die Figuren und Marker auf wertigem Holzmaterial basieren und auch die zahlreichen Plättchen, die man auf seinem Tableau platziert, sehr qualitativ sind.

 


Illustrationen

 

Mit dieser neuen Auflage wurde die Optik komplett überarbeitet, wobei man eine signifikante Verbesserung erkennt! Das neue Schachteldesign wirkt modern, edel und trifft den Zeitgeist. Schaut man sich das Spielmaterial näher an, wurden die vielen Plättchen allesamt optisch verbessert, da sie jetzt ausgearbeitet wirken. Auch das Spielbrett wurde den heutigen optischen Standards angepasst. Ein großes Ärgernis der ersten Auflage war, dass die Rückseiten der Plättchen beim Sortieren nicht klar auseinanderzuhalten waren, da die Farben sich zu sehr ähnelten. Dieses optische Problem wurde mit dieser Auflage behoben. Im Kontext des Designs ist schön anzusehen, dass sich "edle Weiß" des Schachteldesigns im Spielertableau und in den Spielkarten wiederspiegelt, was gut gelungen ist. Hinzu wurde nicht nur eine optische Verbesserung der Plättchen durchgeführt, sondern auch hinsichtlich der Geld- und Brotmarker, indem sie detailliert ausgearbeitet wurden. Ein schöner Bonus ist hinzu, dass man sich entscheiden kann, ob man seine Spielerablage im Quer- oder Hochformat bespielen möchte (Vorder- und Rückseite), was hoffentlich auch in zukünftigen Spielen in dieser Form auftreten wird. Alles in allem wurde die Optik stark verbessert, was sich auch ganz klar in den Testpartien positiv auf den Spielspaß ausgewirkt hat.

 


Spielmechanik

 

"Carpe Diem" ist ein klassischs "Euro-Game", das einen eher leichten Einstieg bietet und dennoch sehr viele Möglichkeiten beinhaltet. Der Grundmechanismus besteht darin, dass man seine Figur auf eine der zwei benachbarten Felder bewegt, um dort ein Plättchen zu nehmen. In diesem Kontext ist anzuführen, dass hier eine optimale Skalierung durchgeführt wurde und die Plättchen je nach Spieleranzahl im Verlauf des Spiels entfernt werden. Somit ensteht die perfekte Knappheit an Plättchen, wodurch der Spannungsbogen konstant hoch bleibt.

Durch das Legen der Plättchen auf sein Tableau kann man beim Fertigstellen von Gebäuden oder Landschaften sofortige Effekte oder Siegpunkte gegen Ende des Spiels auslösen. Dementsprechend besteht die Einstiegshürde darin, die Effekte der unterschiedlichen Plättchen zu wissen, diese sind jedoch auf der Spielerhilfe abgebildet.

In der Summe ergeben die Effekte und Boni der Plättchen Sinn und bilden ein rundes Gesamtkonstrukt. Das Wertungssystem funktioniert ebenso einwandfrei und fügt sich elegant in den Spielablauf ein. Zwar ist es möglich, Minuspunkte zu erhalten, falls man Wertungskarten nicht erfüllt, dennoch gibt es auch Jokerrohstoffe, die für die Erfüllung von Wertungen eingesetzt werden können. Alles in allem ist zu sagen, dass "Carpe Diem" im Kontext der Mechanismen rund wirkt.

 


Innovationen

 

Der kreative Ansatz ist in den individuellen Wertungskarten zu sehen, die die SpielerInnen beanspruchen müssen, um Siegpunkte zu erhalten. Für jede Wertungsscheibe sind jedoch zwei Wertungskarten vorgesehen, die miteinander gekoppelt sind. Der Umstand, dass individuelle Wertungen definiert werden, setzt frische Akzente. Dies bedeutet konkret, dass man Wertungen aktiviert, die für alle SpielerInnen gelten, wobei es auch hier auf das richtige Timing ankommt. Zudem beinhalten die Spielertableaus Rahmenteile, die ebenfalls bestimmte Siegpunkte generieren, wenn man auf einer "gedachten Linie" entsprechende Gelände- und Gebäudearten auf seinem Spielertableau platziert. Man merkt, dass  Stefan Feld hier und dort einige kreative Abläufe implementiert hat.

 


Spielspaß

 

Grundsätzlich ist zu erwähnen, dass die TestspielerInnen den Entwicklungsstil von Stefan Feld mögen und ein neuer Titel von ihm immer für große Vorfreude sorgt. Die erste Auflage kam im Kontext der Mechanik direkt sehr gut an, jedoch war die Optik extrem störend, was von vielen TesterInnen in der Brettspielszene ebenfalls kritisiert wurde. Die Optik wurde nun ganz klar mit dieser Auflage verbessert, wodurch das Spiel auch mehr Spaß macht.

"Carpe Diem" ist ein super Kennerspiel, das Freude bereitet und berechtigterweise zum "Kennerspiel" nominiert wurde. An Titel, wie z. B. "Die Burgen von Burgund" (ebenfalls ein Plättchenlegespiel) oder "Aquaspehre" kommt es leider spielerisch nicht ganz ran, da diese beiden Spiele etwas vielschichtiger daherkommen, was im Endeffekt aber auch Geschmacksache ist. 

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Carpe Diem" liegt bei 37,99 Euro. Die Spielmaterialien sind im Großen und Ganzen von einer guten Qualität, wobei die Karten doch etwas dünn daherkamen. Die Optik wurde aufgefrischt und erreicht die heutigen Standards. Die Mechanismen funktionieren einwandfrei und "Carpe Diem" wirkt hinsichtlich der Abläufe rund. Das Spiel beinhaltet nicht die von Stefan Feld gewohnte "Schlitzohrigkeit" im Kontext der Innovationen, wobei anzumerken ist, dass das Spiel dennoch gut ist und sehr viel Spaß gemacht hat.

 


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "Carpe Diem", wenn du...

 

- ein Fan von Legespielen bist und gerne dein Tableau individuell mit Plättchen befüllst

 

- ein abstraktes Spiel suchst und dir generell die Entwicklerhandschrift von Stefan Feld gefällt

 

 

Lasse die Finger von "Carpe Diem", wenn du...

 

- ein thematisches Spiel suchst