12.01.21

Review: "Anno 1800" von Martin Wallace

Fakten

 

Autor: Martin Wallace

Spieleranzahl: 2-4 Spieler

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: ca. 120 Minuten

Alter: ab 10

Erscheinungsjahr: 2020

Preis: UVP 49,99 Euro

Verlag: Kosmos

Spielbeschreibung

 

Die Industrialisierung hat begonnen! Im großen Aufbau-Strategie-Spiel baut jeder Spieler kontinuierlich die eigene Industrie auf, um seine Heimatinsel weiterzuentwickeln. Schiffsflotten ermöglichen einen regen Handel und die Erschließung neuer Inseln in der Alten und Neuen Welt. Es gilt in dieser analogen Umsetzung des PC-Spiels die Wünsche der eigenen Bevölkerung zu erfüllen. Sind die Einwohner anfangs noch mit Brot und Kleidung zufrieden, verlangen sie schon bald nach wertvollen Luxusgütern. Dabei müssen die Spieler bei diesem Gesellschaftsspiel ihre Produktionsketten sinnvoll planen und die Spezialisierung ihrer Bevölkerung im Auge behalten. Kommt es doch darauf an, eine kluge Verteilung von Bauern, Arbeitern, Handwerkern, Ingenieuren und Investoren zu erreichen. Aber Vorsicht: die Konkurrenz schläft nicht und könnte die neuen Errungenschaften jederzeit vor der Nase wegschnappen! Wer erschafft die florierendste Insel?

(Quelle: Kosmos)



Hintergrundinformationen

 

Der Verlag "Kosmos" hat ein Kurzvideo erstellt, das euch einen guten Überblick über das Spiel liefert:


Spielmaterialien

 

"Anno 1800" kommt mit sehr viel Materialien daher! Das Herzstück des Spiels sind etliche Plättchen, die von einer guten Qualität sind und in vielen Testpartien einen super Dienst erwiesen haben. Auch werden viele Holzmarker mitgeliefert, die  ebenso wertig sind. Hierbei ist es löblich, dass auf Holz und nicht auf Plastik/Kunststoff gesetzt wurde.  Zudem sind die Karten ausreichend groß produziert worden und treten mit einer angemessenen Materialfestigkeit in Erscheinung. Dies trifft auch auf die Spielertableaus zu, die zum Glück nicht aus biegsamem Material bestehen.

Mittlerweile ist es ja ganz nett, wenn sich die Verlage was feines bzw. kreatives im Rahmen der Materialien einfallen lassen, z. B. einen dreidimensionalen Startspielermarker oder etwas ähnliches. Dies wäre sicherlich für dieses Spiel super gewesen. Hinzu wäre mit Sicherheit ein Inlay notwendig gewesen, um die zahlreichen Plättchen auf irgendeiner Weise sortieren zu können.

Zusammengefasst liegt mit "Anno 1800" nichtsdestotrotz im Rahmen der Materialqualität ein wertiges Produkt vor.


Illustrationen

 

Leider konnte die Optik des Spiels die TesterInnen nicht ganz überzeugen! Laut den Produktinformationen wurden die Illustrationen vom PC-Spiel adaptiert. Dies merkt man auch, da die ganze Aufmachung leblos wirkt und die Spielernnen nicht sofort zum Spielen animiert werden. Hinzu wirkt das komplette Spielbrett überladen und gerade mit vier SpielerInnen und dementsprechend vier Spielertableaus kann ein optisches Chaos entstehen. Die "altbackene" Optik kann u. a. aber durch die Farbgebung ausgelöst worden sein, da die Farben, die in diesem Spiel verwendet wurden, einfach nicht harmonisch zusammenpassen. Hier merkt man, dass die Grafiken eines Computerspiels kopiert wurden und kein Brettspielilustrator bzw. keine Brettspielilustratorin am Werk war.

 Schade!

 


Spielmechanik

 

Grundsätzlich funktioniert das Spiel und man merkt, dass ein erfahrener Spieleentwickler am Werk war. Dennoch sind einige erhebliche Kritkpunkte anzuführen, die auf die Mechanik zurückzuführen sind. Zum einen wäre da der prägnante Glücksfaktor, der durch die Bevölkerungskarten ausgelöst wird. Dieser Glücksfaktor kann sehr weiteichend sein und über Sieg oder Niederlage entscheiden. Ein weiterer störender Umstand ist, dass im Prinzip die ganze Zeit rumgefragt werden muss, wer welches Plättchen gebaut hat, da man dann von diesem Spieler bzw. von dieser Spielerin ein entsprechendes Produktionsgut erwirbt. Bei dieser Anzahl von Plättchen kommt es zu starken Fragereien, wodurch der Spielfluss gestört wird. Es kann natürlich auch gut sein, dass SpielerInnnen von exakt einer Person immer und immer wieder neue Güter benötigen. Dieser Spieler bekommt dann einen immensen Vorteil, was ebenso unausbalanciert wird. Hinzu wird das Spiel kaum auf die unterschiedliche Spieleranzahl skaliert, was schon etwas merkwürdig ist. Folglich wirkt die Mechanik nicht ganz rund und vor allem stellt sich die Frage, an welche Zielgruppe sich diese Mechanik richtet? Anhand der Dauer, der Anzahl der Plättchen und der Spielzeit würde man auf ExpertenspielerInnen tippen. Doch die ganze Aufmachung suggeriert ein Spiel für KennerspielerInnen. Hier wäre eine klare Linie besser und eine Abstimung zwischen Mechanik, Spieldauer und Ausstattung sinnvoll.

 


Innovationen

 

Der Mechanismus besteht darin, dass man Ressourcen in andere Ressourcen umwandelt, neue Produktionsplättchen erwirbt und Auftragskarten erfüllt. Leider hat den TesterInnen der gewisse frische Kick gefehlt und der gesamte Ablauf wirkte extrem altbacken und kaum innovativ. Schade, denn von Martin Wallace ist man sonst immer viel Kreativität gewöhnt.

 


Spielspaß

 

Die TesterInnen empfanden das Spiel als Durchschnitt! "Anno 1800" hat sich in den zahlreichen Testpartien meist gegen Ende in die Länge gezogen, da es durch repetetive Handlungsstänge geprägt ist. Zudem entsteht durch die sehr hohe Anzahl an Plättchen eine extreme Unübersichtlichkeit, die natürlich auch durch die Optik unterstützt wird. Auch die ständige Fragerei, wer welche Produktionsstätte auf seinem Tableau hat, war ziemlicj nervig und hat den Spielfluss gestört. Doch als größerer Störfaktor ist das Glückselement bei den Auftragskarten zu nennen, da dieses schon sehr prägnant ist und unausbalancierte Vorteile verschaffen kann.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Anno 1800" liegt bei 49,99 Euro. Die Spielmaterialien sind von einer guten Qualität, wobei leider ein Inlay fehlt, welches definitiv notwendig ist. Die Optik konnte die TesterInnen nicht ansprechen, da diese lieblos und mau wirkt. Hinzu funktioniert das Spiel zwar, weist aber mechanische Mängel auf, wobei auch frische  Ideen vermisst werden. "Anno 1800" ist in seinen Handlungssträngen extrem repetetiv und wirkt mit Dauer sehr zäh.

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Anno 1800", wenn du...

 

- ein Spiel suchst, das vorwiegend Ressourcenmanagement zum Thema hat

 

 

 

Lass die Finger vom Spiel, wenn du...

 

- ein Spiel mit einem geringen Glücksanteil suchst

 

- ein Spiel mit einem kreativen Hauptmechanismus spielen willst