21.12.15

Review: "Schweinerei" von David Moffat

Fakten

 

Autor: David Moffat

Spieleranzahl: 2-5

Spieltyp: Familienspiel/Partyspiel

Spieldauer: -

Alter: ab 8 Jahren

Erscheinungsjahr: 2001

Preis: UVP 9,95 Euro

Verlag: Winning Moves

Spielbeschreibung

 

Es gab einmal eine Zeit, in der das traditionsreiche Historienspiel des Schweineschmeißens tatsächlich noch mit Original-Schweinen ausgeübt wurde. Und in dieser Zeit waren es Jonas und Franzl (zwei der beliebtesten Wurfschweine) leid, ständig mit blauen Flecken an den gewissen Stellen herumzulaufen. Eines Tages kamen sie auf die Idee, kleine, niedliche Schweinchen zu entwerfen, die dann an ihrer Stelle geschmissen werden sollten. Nacht für Nacht schnitzten sie an den Minischweinchen, ganz nach ihrem Ebenbild. Schließlich, während sie eine Punktetabelle in den Pfahl eines Schweinepferches schnitzten, rief Jonas laut: 'So eine SCHWEINEREI'. Das war die Geburtsstunde des Spiels.

(Quelle: Winning Moves)



Hintergrundinformationen

 

"Schweinerei" lässt schon aufgrund der Aufmachung vermuten, dass es es sich hier nicht um ein hochstrategisches Spiel handelt, sondern eher um eines, das man im besten Fall mit einem recht hohen Alkoholpegel (dies ist keine Anstiftung zum Alkoholkonsum ;)!) spielen sollte. Ob sich dieses Partyspiel lohnt, werdet ihr im Folgenden erfahren.

 


Spielmaterialien

 

Besonders lobenswert ist, dass die Spielmaterialien systematisch in einer Box verstaut sind! Demnach hat jedes einzelne Item des Spiels seinen festen Platz in der Box, die man hervorragend transportieren kann. Der Block und die Stifte sind ebenfalls von guter Qualität. Die Schweinchen, auf denen das Hauptaugenmerk in diesem Spiel liegt, wirken langlebig und robust. Sie bestehen aus einem federnden Material und lassen sich gut würfeln, was sehr wichtig für das Spiel ist, da durch das "Hüpfen" nicht sofort das endgültige Wurfergebnis ersichtlich wird (Steigerung der Spannung). Alles in allem ist hinsichtlich der Materialien Nichts zu beanstanden!

 


Illustration

 

Was will man hier groß illustrativ bewerten? Die Stifte? Den Block? ;) Ebenso ist hier der Fokus auf die Schweinchen zu legen. Die optische Aufmachung der Figuren überrascht einen zwar nicht, ist aber auch nicht unbedingt enttäuschend. Dem entgegen wurden dann wohl illustrative Potentiale außer Acht gelassen, indem man auf weitere Spielelemente verzichtet hat. Ergänzend zu den Schweinen könnte man noch evtl. ein Wurffeld zur Verfügung stellen, das einen Stall oder eine Weide symbolisiert, um dem Ganzen dann noch ein wenig thematische Atmosphäre zukommen zu lassen (nur so eine Idee :)).

 


Spielmechanik

 

"Schweinerei" ist glasklar ein Partyspiel, bei dem gewürfelt wird. Aus diesem Grund ist es nicht verwerflich, dass ein immenser Glücksanteil vorhanden ist. Hinsichtlich der Positionen der Schweinchen ist anzumerken, dass die Punkte äquivalent zu den Positionen der Figuren sind und gut auf diese abgestimmt wurden. Die Variante des Spiels wirkt jedoch unausgegoren, da die Aussicht, eine ganz bestimmte Position vorherzusehen, sehr gering ist und man mit aller Wahrscheinlichkeit Minuspunkte erhält. Wäre dies schon nicht genug, bekommt der "Werfer" noch die doppelte Punktzahl, was letztlich eine doppelte Bestrafung ist. Dies wirkt sehr unverhätlnismäßig, da eine geringe Wahrscheinlichkeit eines Tipps nicht doppelt bestraft werden sollte. Als wirkliche Alternative wirken diese Vorhersagen nicht.


 Im Grunde kann man bei falschen Vorhersagen wiederum eines richtig vorhersagen, und zwar, dass man verlieren wird. ;). Weiterhin ist im Rahmen der Spielmechanik zu sagen, dass ein Partyspiel von interaktiven Mechanismen lebt, was hier nicht der Fall ist. Der "Werfer" wirft vor sich hin, sodass wirkliche Einflussfaktoren auf den Wurf und damit lebendige wie auch interkative Mechanismen kaum zu Tage treten. Bei der Variante kann man zwar als einzelne Person einen Tipp abgeben, aber als Einflussfaktor auf den Wurf kann man dies nicht bezeichnen.


Innovationen

 

Besonders innovativ ist "Schweinerei" nicht. Dennoch ist eine kleinere Abgrenzung von den gängigen Würfelspielen erkennbar, und zwar, dass nicht die Seiten eines Würfels ausschlaggebend sind, sondern die Seiten zweier Figuren. Dies ist ein innovativer Ansatz, der jedoch auf der Strecke bleibt, da dieser nicht mit weiteren Ideen angereichert wurde. Schade eigentlich!

 


Spielspaß

 

Unterschiedliche Faktoren unterbinden den Spielspaß von "Schweinerei". Zum Verhängnis des Spiels wird der monotone Ablauf. Gute Partyspiele zeichnen sich durch ihre Vielseitigkeit und Variabilität aus. Dem Würfeln von Schweinefiguren ist leider keine große Abwechslung zu entnehmen, sodass der Wiederspielreiz sehr gering ausfällt. Zwar kommen spannende Momente auf (Risiko durch erneuten Wurf), diese werden jedoch auch durch die immer gleichen Abläufe gemindert. Weiterhin ist zu bemängeln, dass keine wirkliche Interaktion erfolgt. Die einzelnen Spielzüge der Spieler sind nicht richtig miteinander verwoben und alle würfeln ungehindert vor sich hin. Immerhin wird sich durch die Variante um Abwechslung im Spiel bemüht, jedoch ist die Option (Vorhersage) überhaupt nicht lukrativ und wurde nur minimal in den Testpartien in Anspruch genommen. Ferner bleibt dem einzelnen Spieler außer dem Werfen und Vorhersagen-Treffen (Variation) keine wirkliche Möglichkeit im Spiel zu agieren. Der Handlungsradius bleibt sehr stark begrenzt und man wird nicht einmal im Ansatz z.B. intellektuell oder kreativ gefordert, was das Spiel leblos erscheinen lässt.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Schweinerei" beträgt 9,95 Euro. Die Spielmaterialien sind zwar qualitativ, dennoch in der Menge recht spärlich (ein kleiner Wertungsblock, 2 kleine Figuren, 2 Bleistifte). Innovationen sind in einem kleinen Rahmen vorhanden, die Mechanismen sind defizitär und der Spielspaß hält sich auch arg in Grenzen.

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir das Spiel, wenn du...

 

- gerne stundenlang würfelst ;)

 

- ein Spiel mit einer witzigen Thematik erwerben möchtest

 

- kurzweilige, spannende Momente erleben möchtest, in denen du vor die Wahl gestellt wirst: Risiko, oder lieber Punkte sicher behalten?

 

- der Meinung bist, dass jedes Partyspiel gut ist, weil die Menge des Alkoholkonsums der ausschlaggebende Faktor ist

 

Lass die Finger vom Spiel, gehe lieber in den Tierpark und schaue dir ein paar Schweine an, wenn du...

 

- ein abwechslungsreiches Spiel spielen möchtest

 

- Glücksmomente im Spiel nicht schlimm findest, aber sagst, dass es auch diesbezüglich für dich Grenzen gibt

 

- sehr viel Interaktionen und Handlungsmöglichkeiten im Spiel vorfinden willst