18.05.16

Review: "Schmuggler" von Klaus Teuber und Benjamin Teuber

Fakten

 

Autor: Klaus und Benjamin Teuber

Spieleranzahl: 2-4

Spieltyp: Familienspiel/Kinderspiel

Spieldauer: 30 Minuten

Alter: ab 8 Jahren

Erscheinungsjahr: 2016

Preis: UVP 29,99 Euro

Verlag: Kosmos

Spielbeschreibung

 

Um Nachwuchs anzuheuern, veranstaltet der Schmuggler-Boss einen Wettbewerb. Jeder muss einen mit Schmuggelware gefüllten Sack durch eine Öffnung im Zaun bugsieren. Die Schmuggelsäcke werden von den Spielern aus intelligenter Knete geformt und das Schmuggelgut darin versteckt. Nun werden die Säcke auf einer 3D-Bahn hinunter gerollt. Der Würfel bestimmt, durch welches Loch im Zaun der Schmuggelsack durch muss. Die Spieler, deren Säcke durch das Zaunloch passen und die die größten Säcke haben, dürfen die Mitspieler mit kleineren Säcken kontrollieren. Wer die versteckte Schmuggelware richtig rät, darf sie sich nehmen. Ein witziges Familienspiel rund um die Frage: Wer ist der beste Schmuggler?

(Quelle: Kosmos)



Hintergrundinformationen

 

Der Spieleautor Klaus Teuber sollte mittlerweile jedem Spieler und jeder Spielerin bekannt sein, da er der Entwickler des weltberühmten Spiels "Die Siedler von Catan" ist. Nunmehr zum zweiten Mal hat er mit seinem Sohn Benjamin Teuber wieder eine neue Entwicklung auf den Markt gebracht. Kann die Neuheit "Schmuggler" an den Erfolg des ersten Spiels ("Tumult Royal" (Link)) dieses Teams anknüpfen? Wir werden sehen... ;)

 


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien sind allesamt von herausragender Qualität! Auch die "intelligente Knete", die verspricht nicht auszutrocknen, hat bisher einen guten Dienst erwiesen und integrierte sich gut in das Spielgeschehen. Weiterhin sind die Plättchen, die Waage, die Sanduhr und die Rollbahn stabil und die Schmugglerware zeugt auch von Wertigkeit und Eleganz. Alles in allem liegen bei diesem Brettspiel qualitativ hochwertige Materialien vor! Sehr gute Arbeit vom Verlag!

 


Illustrationen

 

Die Illustrationen der Fiore GmbH sind gut gelungen und bringen mit ihrer optischen Umsetzung die Thematik auf humoristische Art und Weise zum Ausdruck. Die Sichtblenden wurden individuell gestaltet und auch die Vielzahl an Schmuggelplätchen wurden auf verschiedenste Weise angefertigt. Ferner ist schön zu sehen, dass ebenso eine kleine Geschichte im Stil eines Comics angefertigt wurde, die sich im Regelwerk befindet. Bei der Erstellung der Illustration ist klar zu erkennen, dass mit viel Humor und Witz auf die Zielgruppe der Familienspieler abgezielt wurde, was gut gelungen ist. Da wirkt die große Rollbahn im Gegensatz doch schon ziemlich trist und leblos.

 


Spielmechanik

 

Die Abläufe dieses Familienspiels sind simpel gehalten und auch Kinder werden grundsätzlich einen guten Einstieg genießen können. Die einzelnen Phasen sind systematisch aufgebaut worden und ergeben Sinn. Nichtsdestotrotz hat die Phase der Kontrolle oftmals zu Verwirrungen geführt und löste auch gerade bei Kindern ein gedankliches Durcheinander aus, was nicht für eine problemlose Eingängigkeit spricht. Klar ist, dass komplexe Mechanismen in diesem Brettspiel nicht zum Einsatz kommen und hier das Kneten und die Beobachtung der bisher gesammelten Schmuggelplättchen der Mitspieler im Vordergrund stehen.


Weiterhin kommen bei der Phase der Kontrolle Glückselemente ins Spiel, die diesem Familienspiel zugutekommen. Schön ist zudem, dass unterschiedliche Siegbedingungen das Spielende einläuten und somit die Spieler auch auf unterschiedlichem Wege als Sieger gekürt werden. Das Problem hierbei ist jedoch, dass alle bisher gesammelten Plättchen offen ausliegen und dadurch nicht selten die Absichten der Mitspieler zu erkennen sind, was den Reiz etwas mindert. Gerade die Erweiterung von Siegbedingungen hätten diesbezüglich die Absichten der Spieler etwas mehr verschleiern können. Ein positiver Aspekt im Hinblick auf die Mechanismen ist, dass der Spieler, der es nicht geschafft hat, sein Schmuggelgut durch den Zaun zu manövrieren, immer noch die Chance erhält, ein Schmuggelplättchen durch das falsche Tippen des Kontrolleurs zu erhalten. Weiterhin ist zu benennen, dass sich die Abläufe dieses Spiels auf "Schmuggelware in Knete verstecken" und dem "Tippen bei den Mitspielern" beschränken, was doch für ein Brettspiel in diesem familientauglichen Rahmen etwas karg daherkommt. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn noch ein oder zwei Abläufe hinzukämen, die den spielerischen Mehrwert steigern würden.

 


Innovationen

 

Der Grundgedanke Knete in ein Spiel zu integrieren, um Waren darin zu verstecken, die dann durch unterschiedliche Zaungrößen befördert werden müssen, ist ein schöner und kreativer Einfall! Das Spielgeschehen wirkt dadurch individuell und neuwertig. Das Sammeln von Gegenständen ist in der Brettspiellandschaft zwar gang und gäbe, nichtsdestotrotz ist der "Knet-Mechanismus" verknüpft mit dem Rollen durch die Zäune und dem Erraten der Ware eine gut gelungene Innovation im Sektor der Familienspiele!

 


Spielspaß

 

Gelegenheitsspielern und Kindern hat das Spiel gut gefallen. Das Formen der Knete und das Erraten der Schmuggelware bei den Mitspielern machen den Reiz dieses Brettspiels aus. Anzumerken ist jedoch, dass die Variabilität von "Schmuggler" sehr stark eingegrenzt ist, da keine Faktoren vorhanden sind, die wirklich Abwechslung in das Spielgeschehen bringen würden. Dieses Argument konnte ebenso von Gelegenheitsspielern nach mehrmaligen Runden unterstrichen werden. Man vermisste eindeutig variable Abläufe, die die starren Strukturen dieses Spiels aufbrechen und für einen hohen und langanhaltenden Wiederspielreiz sorgen. Ein wesentlicher Unterschied zu "Tumult Royal" ist, dass "Schmuggler" vornehmend für Kinder ausgelegt ist und Erwachsene an "Tumult Royal" mehr Spaß hatten, da es sowohl die Zielgruppe der Kinder als auch die der Erwachsenen konsequent angesprochen hat und demnach als vollwertigeres Familienspiel erachtet wurde. Nichtsdestotrotz fanden die Testpersonen "Schmuggler" nicht unbedingt schlecht, wobei Kinder mehr Gefallen an diesem Brettspiel gefunden haben. Erwachsene fanden das Spiel nach mehreren Partien nicht sehr reizvoll, da gerade die starren Abläufe, fehlende Variationen sowie die vorausschauenden Strategien durch offen ausliegende Waren den Spielspaß dämpften.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von Schmuggler liegt bei 29,99 Euro. Die Spielmaterialien sind von sehr guter Qualität und die "intelligente Knete" tut ihren Dienst. Weiterhin basieren das Spielthema und einige Abläufe auf kreativen Entwicklungen, wobei auch auf bekannte Elemente zurückgegriffen wurde. Der Spielspaß ist vorhanden, wird jedoch durch die begrenzte Variabilität und voraussehbaren Strategien stark eingeschränkt. Gelegenheitsspieler hatten definitiv mehr Spaß an dem Spiel als Vielspieler und das Spiel kam dann doch generell besser bei Kindern an als bei Erwachsenen. Die Abläufe funktionieren zwar, nichtsdestotrotz sind einzelne Spielphasen des Spiels nicht sehr eingängig und verzwickt. Im Vergleich zu "Tumult Royal" kann man sagen, dass "Schmuggler" nicht genauso gut ein Gesamtpaket als Familienspiel darstellt, da bei "Tumult Royal" alle Zielgruppen einer Familie besser vereinnahmt wurden.

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir das Spiel, wenn du...

 

- ein Spiel suchst, das mit dem Material Knete gekoppelt ist und nicht höchst komplexe Abläufe inne hat

 

- schon immer mal Knete besitzen wolltest, die nicht austrocknet ;)

 

- ein Familienspiel suchst, das auch Kindern gefallen könnte und Einschätzungen sowie Fingerfertigkeiten beim Kneten gefragt sind

 

Lass die Finger vom Spiel, wenn du...

 

- meinst, dass das Thema "Schmuggeln" so witzig gestaltet wurde, dass dein Kind evtl. in einigen Jahren eine kriminelle Karriere anstreben wird ;)

 

- ein Spiel suchst, das auch Strategien und anspruchsvolle Taktiken erlaubt

 

- sehr viel Variabilität im Spielablauf suchst