01.10.15

Review: "Die Drachenzähne" von Noriaki Watanabe

Fakten

 

Autoren: Noriaki Watanabe

Spieleranzahl: 3-5

Spieltyp: Familienspiel/Kinderspiel

Spieldauer: 20 Min.

Alter: ab 6 Jahren

Erscheinungsjahr: 2015

Preis: UVP 11,99 Euro

Verlag: Trefl

Spielbeschreibung

 

Jeder weiß, dass Drachen große Zähne haben, die eine besondere Pflege erfordern. Die Drachen haben beschlossen, die tapferen Recken aus den umliegenden Burgen dafür einzusetzen: Diese müssen ihnen nach jeder Drachenmahlzeit mit raffinierten Werkzeugen die Zähne putzen. Die tapferen Recken klettern der Reihe nach und nach in das Maul des Drachen und putzen einen Zahn nach dem anderen. Leider kommt es vor, dass der Drache nach dem Essen schläfrig wird, beim Zähneputzen einschläft und dabei plötzlich das Maul schließt! Dir stehen acht tapfere Recken zur Verfügung. Wie viele von ihnen schaffen es, dem Drachen die Zähne zu putzen?

Quelle: Regelheft



Hintergrundinformationen

 

Es sind kaum Informationen über den Autor von "Die Drachenzähne" zu finden, der mit aller Wahrscheinlichkeit sein erstes Brettspiel veröffentlicht hat. Umso mehr ist die Neugier darauf, wie sich dieses Erstlingswerk, das unter dem polnischen Verlag "Trefl" erschienen ist, spielen lässt. Denn das erste Spiel muss, wie schon viele Autoren bewiesen haben, kein Schlechtes sein :). 


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien sind allesamt, wie man es von dem Verlag "Trefl" gewöhnt ist, von sehr guter Qualität. Insbesondere ist der 3D-Aufdruck zu erwähnen, der auch schon in dem Spiel Savanne positiv hervorstach und die Materialien sowohl haptisch als auch optisch aufwertet. Die Drachenhöhle, die man aufstellt und als Behälter für die Drachenkarten dient, lies sich sehr einfach und gut zusammenbauen. Nur die einzelnen Karten wirkten etwas dünn und man hätte diese stabiler produzieren können.

 


Illustrationen

 

Das witzige Thema (Putzen von Drachenzähnen) wurde mit genialen Illustrationen angereichert. Sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen fanden die Illustrationen sehr lustig und mehr als gelungen! Auf den Plättchen werden kleine "Kämpfer" gezeigt, die mit unterschiedlichen "Waffen" wie z.B. Zahnbürste und Zange etc. ausgestattet sind. Auch das Design der aufgestellten Höhle ergänzt das hervorragende Gesamtbild und wirkt dadurch realer. 

Schade ist, dass sich manche Drachenillustrationen wiederholen, obwohl sie unterschiedliche Werte aufweisen. Schön wäre es gewesen, wenn jedem einzelnen Drachen ein eigener Wert zugewiesen werden würde und sich die Illustrationen somit nicht doppeln. Weiterhin wäre es in optischer Hinsicht besser gewesen, wenn jede einzelne Illustration das komplette Plättchen vereinnahmt. Denn auf den Plättchen ist noch sehr viel weißer Hintergrund vorhanden, der die stimmungsvolle Atmosphäre unterdrückt und einfach nicht so schön anzusehen ist.

Dennoch ist die optische Aufmachung von "Die Drachenzähne" wirklich sehr gut gelungen und kam bei den Testrunden sowohl bei den Kindern als auch beiden Erwachsenen gut an.

 


Spielmechanik

 

"Die Drachenzähne" basiert grundsätzlich auf dem Mechanismus von Einschätzungen und hat auch einen sehr hohen Glücksanteil, den man nur in einem geringen Maße wirklich steuern kann. Der Starspieler kann die Spieler mit seiner Angabe über den Drachen hinters Licht führen und einen starken Drachen suggerieren, obwohl ein Drache mit einem niedrigen Wert gezogen wurde. Der erste offene Recke des Startspielers verlangt weitere Einschätzungen und die Mitspieler müssen überlegen, inwiefern der Wert des Recken in Verbindung mit dem Drachen zu setzen ist. Weiterhin wäre es theoretisch möglich, dass sich der Spieler merkt, welche Recken bisher im Spiel ausgespielt wurden und rechnet sich so Wahrscheinlichkeiten aus, was jedoch in den Testrunden der Kinder womöglich zu einer Überforderung geführt hätte und keinem Kind zuzumuten ist.

Demnach ist "Die Drachenzähne" ein intiutives Kinder- bzw. Familienspiel, dass auf Einschätzungen beruht. Das Spiel macht in dieser Hinsicht nicht viel falsch; nur ist zu bemängeln, dass kaum Platz für Reaktionen der Spieler gelassen wird. Es werden einfach die Plättchen aufgedeckt und gut ist... "Die Drachenzähne" hätte mehr richtig gemacht, wenn der Autor Einschätzungen mit wirklichen beeinflussbaren Aktionen kombiniert hätte. Die einzige beeinflussbare Aktion ist dem Startspieler zuzuordnen, der die anderen Spieler bzgl. der Stärke des Drachen hinter das Licht führen kann. Die anderen Plättchen werden allesamt gleichzeitig aufgedeckt, so das keinem weiteren Spieler wirklich beeinflussende Aktionen zuteil werden. Eine gute Spielmechanik besteht aus unterschiedlichen kleineren Mechanismen, die man wie ein Uhrwerk sehr plausibel miteinander verbindet. Dies ist in diesem Spiel leider nicht vorhanden, da keinem Spieler wirklich die Chance geboten wird, auf das Spiel einen konkreten Einfluss zu nehmen (außer einmal dem Startspieler) und die einzelnen Aktionen (das Aufdecken der Plättchen) gar nicht miteinander zu verbinden sind. 

 


Innovationen

 

Hinsichtlich der Mechanik ist das Spiel wirklich nicht als innovativ zu bezeichnen. Dennoch ist das einfallsreiche Thema hervorzuheben, die mit passenden Illustrationen und hervorragenden Spielmaterialien angereichert wurde. Sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen belustigten sich an der Thematik und gaben auch von sich, dass die Gestaltung etwas "Neues" darstellt. Vor allem die aufstellbare Drachenhöhle, in die man die Drachenkarten legt, untermalt nochmals diese einzigartige und dennoch zugleich stimmungsvolle Atmosphäre.

Somit sind Innovationen hinsichtlich des Themas zu erkennen, die sehr gut mittels der Spielmaterialien umgesetzt wurden. Leider ist im Hinblick auf die Spielmechanik doch von einem gewöhnlichen Spiel (Einschätzung abgeben, Plättchen aufdecken) die Rede.

 


Spielspaß

 

Zu Beginn der Testrunden war eindeutig ein Spielspaß vorhanden, der auf der einfallsreichen Thematik, den witzigen Illustrationen und der Umsetzung der Spielmaterialien (z.B. Drachenhöhle) aufbaute. Ebenfalls fanden alle beteiligten Spieler in der ersten Partie das Spiel noch relativ spannend, da man gespannt war, ob der eigene Recke es noch geschafft hat, dem Drachen die Zähne zu putzen. Gegen Ende der zweiten Partie war schon ein Abklingen des Spielspaßes zu vernehmen und dies fußt auf der geringen Variabilität des Spiels und des sehr begrenzten Einflussbereiches. Die Kinder und die Erwachsenen hatten nicht wirklich das Gefühl, wirklich was für den Sieg getan zu haben und man hörte auch öfters die Sätze ,,Ach, du hattest nur Glück" etc. Auch wiederholen sich die gleichen Abläufe immer wieder und alle Testspieler fanden nach einigen Partien dann keinen großen Spaß mehr daran, "Die Drachenzähne" erneut zu spielen. 

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

"Die Drachenzähne" lebt hauptsächlich von einer sehr individuellen Thematik, die mit lebendigen Illustrationen verkörpert wurden. Die UVP beträgt 11,99 Euro, was bzgl. der dieser zwei genannten Aspekte sogar nachvollziehbar ist. Dennoch mindert der Fakt, dass der Spielmechanismus und der Spielspaß gravierende Defizite aufweisen, die Bewertung des Preis-Leistungs-Verhältnisses. Dies ist schon sehr schade, da das Brettspiel viel mehr Potential hätte :(. 

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Die Drachenzähne", wenn du...

 

- dein Kind dazu animieren möchtest, sich die Zähne zu putzen ;)

 

- ein schön illustriertes Spiel willst, dass mit einer frischen Thematik daher kommt

 

- ein Produkt mit qualitativ hochwertigen Spielmaterialien erwerben möchtest, dass auch Kinderhänden stand hält

 

- ein Spiel suchst, das schnell zu spielen ist, einen hohen Glücksfaktor beinhaltet und in anfänglichen Partien Spannung erzeugt

 

 

Geh lieber zum Zahnarzt anstatt das Spiel zu spielen, wenn du...

 

- denkst, dass "Die Drachenzähne" ein variables Spiel ist

 

- ein halbwegs innovatives Spiel suchst

 

- ein Spiel kaufen willst, das deinem Kind das Gefühl gibt, wirklich etwas selbst geleistet zu haben