27.03.2020

Review: "Obscurio" von Xavier Collette

Fakten

 

Autor:  Xavier Collette

Spieleranzahl: 2-8 Spieler

Spieltyp: Familienspiel

Spieldauer: ca. 40 Minuten

Alter: ab 10

Erscheinungsjahr: 2019

Preis: UVP 36,99 Euro

Verlag: Asmodee

 Spielbeschreibung

 

„Hab ich euch, ihr Diebe! 

Ihr glaubt also, ihr könntet ungestraft in die Bibliothek eines Hexenmeisters eindringen und MEIN magisches Grimoire stehlen? Ich habe einen hohen Preis dafür gezahlt! Glaubt ja nicht, dass ihr dieses Gebäude unbeschadet verlassen werdet! Ihr werdet es niemals schaffen, meine Illusionen zu durchschauen und aus der Bibliothek zu fliehen! Eure mickrige Zaubererbande setzt sicher auf die Hilfe dieses undankbaren Grimoires, um zu entkommen. Pah! In eurer Unverfrorenheit habt ihr jedoch nicht daran gedacht, auf Gefahren innerhalb eurer eigenen Reihen zu achten. Einer von euch ist meinem Zauberbann zum Opfer gefallen und wird eure lächerliche Gruppe nun von innen heraus zerstören. Bald schon werdet ihr euch gegenseitig nicht mehr trauen können und auf ewig verloren sein …“

Obscurio ist ein kooperatives Kommunikationsspiel mit fantastischen Illustrationen und geheimen Rollen. Ein Spieler verkörpert das Grimoire und leitet die Zauberergruppe Raum für Raum zum Ausgang, indem er den Mitspielern Hinweise zur richtigen Tür gibt. Die Zauberer versuchen gemeinsam, die Hinweise des Grimoires zu deuten und die richtige Bildkarte an einer Tür zu finden. Doch es gibt einen Verräter unter den Zauberern! Seine Aufgabe ist es, die übrigen Zauberer mit ähnlichen Bildkarten zu verwirren und sie in falsche Richtungen zu locken. Nur wenn ihr gut miteinander kommuniziert und die Illusionen auf eurem Weg meidet, könnt ihr aus der Bibliothek des Hexenmeisters entkommen! Seid vorsichtig, wem ihr in diesem Spiel traut …

(Quelle: Asmodee)



Hintergrundinformationen

Schaut euch gerne den Trailer an, den der Verlag veröffentlicht hat:


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien sind von einer ausgezeichneten Qualität! Das Regelwerk lässt keine Fragen offen und wurde gut strukturiert. Auch lässt sich hier ein perfktes Inlay vorfinde, was die Spielerherzen höher schlagen lässt. Die Marker, mit denen man auf die Hinweise zeigt, sind sogar magnetisch, was sehr lobenswert ist. Der Beutel, die Plättchen sowie das Spielbrett lassen hinsichtlich der Qualität keine Wünsche offen und zeigen sich auch hier von einer sehr guten Seite. Das Hinweisbuch könnte dementgegen etwas handlicher sein und die Vorrichtungen (Folien) zur Befestigung der Hinweiskarten hätten definitiv etwas lockerer sein können, da das Platzieren der Karten erschwert wird.

Alles in allem dennoch eine hervorragende Qualität der Materialien!

 


Illutrationen

 

"Obscurio" ist eindeutig ein Hingucker! Die Darstellungen auf den Hinweiskarten sind sehr ästehtisch und das gesamte Spielflair wurde mit dem Spielbrett eingefangen. Dabei zieht sich eine düstere Stimmung durch das komplette Spielmaterial und der rote Faden wurde hervorragend illustrativ umgesetzt. Hier hat man mit der optischen Darbietung definitiv ins Schwarze getroffen, sodass die Atmosphäre und das Thema sehr gut zur Geltung kommen.

 


Spielmechanik

 

Zunächst ist zu erwähnen, dass das Spiel leicht zu erlernern ist und gut strukturiert wurde. Warum auf der Spielschachtel eine Spieleranzahl von 2 und 3 Personen angegeben wurde, bleibt ein Rätsel, da sich das spielerische Potential erst ab 4 SpielerInnen überhaupt enfaltet. Zudem hat die Mechanik an diversen Stellschrauben diverse Schwachstellen.

Verräter-Mechanismus:  Es kann sehr gut sein, dass der Verräter frühzeitig von den restlichen SpielerInnen entlarvt wird.  Zum Beispiel durch die "Verräterphase", wenn keine Musik im Hintergrund läuft oder der Verräter sich ungünstig verhält. Durch die frühzeitige Enttarnung des Verräters geht auch ein wesentlicher Spielreiz verloren.


Hinzu ist zwar der Schwierigkeitsgrad zu skalieren, dennoch ergeben sich diesbezüglich Probleme, denn in den Testpartien wurden die Lösungen recht einfach erraten. Es kann aber auch an den TesterInnen gelegen haben. "Obscurio" funktioniert, hat jedeoch an einigen Stellschrauben Schwächen, die in ihrer Wirkungsweise nicht sehr stabil wirken. Das Spiel wirkt nicht so elegant wie "Mysterium", das der geistige Vorgänger von "Obscurio" ist.

 


Innovationen

 

Auch wenn "Mysterium" der geistige Vorgänger ist, wurden hier frische Akzente gesetzt. Das Thema wirkt individuell und die Spielmaterialien (Bücher etc.) tun diesbezüglich ihr übriges, was sehr positiv aufgefallen ist. Auch der Mechanismus des "Bilder-Erratens" mittels der Zeiger ist ordentlich und hebt sich von seinem Vorgänger ab. Durch diverse Plättchen wird das Rätselraten erschwert, was dem Ganzen eine individuelle Note verleiht. Auch der "Verräter-Mechanismus" in Kombination mit den restlichen Abläufen wirkt individuell. "Obscurio" weist genügend spielerischen Charakter auf, um eine Berechtigung neben "Mysterium" im Schrank zu haben ;).

 


Spielspaß

 

"Obscurio" muss sich dem Verlgleich mit "Mysterium" stellen, da dies der geistige Vorgänger ist und Parallelen vorhanden sind. Im direkten Vergleich kam "Mysterium" besser an und wurde von "Obscurio" nicht vom Thron gestoßen. "Obscurio" macht zwar auch Spaß und die Optik bzw. die Materialien sind umwerfend, dennoch schwächelt es im Rahmen des "Verräter-Mechanismus". Dieser fügt sich nicht so elegent in die restlichen Abläufe ein und hat viele Ecken und Kanten. In zahlreichen Situation stellten die Herausforderungen keine wirklichen Herausforderungen dar und waren zu einfach zu lösen. Durch die Hervorhebung einzelner Bildelemente fokussiert man sich im Kontext des Erratens dementsprechend nur auf Bildteile, wobei man bei "Mysterium" ein Bild als Ganzes betrachtet, wodurch mehr Kreativität, mehr Assoziationen und Interpretationen verlangt werden. Diese Abläufe bringen mehr Spielspaß und Diskussionsstoff an den Spieltisch.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Obscurio" liegt bei 36,99 Euro. Die Spielmaterialien sind sehr wertig. Im Rahmen der Behälter für die Karten in der Mappe wurde Potential verschenkt, da es sehr nervig und konobelig ist, diese dort zu platzieren. Im Rahmen der Optik wurde eine sehr gute Leistung vollbracht, da diese optimal zur Atmosphäre beiträgt. Das vorliegende Brettspiel hat einen eigenen Charakter, gleichwohl es der geistige Nachfolger von "Mysterium" ist. Auf mechanischer Ebene verbergen sich jedoch einige Schwachstellen, die zu einem verminderten Spielspaß beitragen. "Obscurio" ist ein gutes Spiel, aber die TesterInnen würden eindeutig "Mysterium" bevorzugen.

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Obscurio", wenn du...

 

- ein Spiel suchst, das atmosphärisch ist und bei welchem du "Teamgeist" zeigen musst

 

- ein Rätselspiel spielen willst, das einen individuellen Ablauf aufweist

 

 

Lass die Finger von "Obscurio", wenn du...

 

- ein Spiel mit einem perfekten "Verräter-Mechanismus" suchst