REVIEW: "Die rote Kathedrale" von Shei Santos und Isra Cendrero

Fakten

 

Autor: Shei Santos, Israel Cendrero

Spieleranzahl: 1-4 Spieler

Spieltyp: Kennerspiel

Spieldauer: ca. 50-80 Min.

Alter: ab 12

Erscheinungsjahr: 2021

Preis: UVP 29,99 Euro

Verlag: KOSMOS

Spielbeschreibung

 

Ein Prunkbau für Moskau muss her! Zar Iwan IV., genannt „der Schreckliche“, lässt im 16. Jahrhundert die rote Basilius-Kathedrale errichten. Als Bauleute und Handwerker folgt ihr seinem Wunsch und plant und baut, was das Zeug hält. Doch wer von euch trägt am meisten zu den Türmen der Kathedrale bei und bringt die schönsten Verzierungen an?

Beschafft euch auf dem Markt das beste Baumaterial, nutzt geschickt eure Verbindungen zu den Gilden und zum Klerus und vergrößert so euer Ansehen. Wer wird bei der Fertigstellung der roten Kathedrale den meisten Ruhm des Zaren erlangen? 

Das Kennerspiel für 1-4 Spieler ist schnell erlernt und bietet durch seinen originellen Würfelmechanismus strategischen Planern knifflige Herausforderungen. Ein Brettspiel mit hohem Wiederspielwert!

(Quelle: Kosmos)

 



Hintergrundinformationen

 

Das Spiel "Die Rote Kathedrale" wurde von Shei Santos und Isra Cendrero entwickelt. Beide haben bereits als Duo mehrere Spiele entwickelt, wie z. B. "Mondrian" und "Shinkansen". Allerdings blieben diese beiden Spiele eher unauffällig im deutschsprachigen Raum. Umso mehr ist man nun gespannt, wie "Die rote Kathedrale" im Test abschneiden wird, da es sich bei den EntwicklerInnen nicht um Neulinge handelt.

 


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien sind von einer sehr guten Qualität! Der Spieleinhalt umfasst wertige Würfel, qualitative Karten sowie Plättchen. Zudem sind die individualisierten Marker hervorzuheben, wie z. B. die Spielfiguren und Ressourcen. Leider gab es im Kontext des Regelwerks einige offene Fragen, die erst durch Online-Nachforschungen beantwortet werden konnten. Dementgegen ist es sehr lobenswert, dass der Verlag "Kosmos" viel Material in eine kleine Schachtel gepackt hat, um Ressourcen zu sparen. Das kam in den Testpartien bei den TesterInnen sehr gut an. Auch wenn die Schachtel erst einmal suggeriert, dass es sich um ein "kleines" Spiel handelt, kann "Die rote Kathedrale" im Kontext der Materialfülle locker mit großen Spielen mithalten. 

 


Illustrationen

 

Die Illustrationen sind gut gelungen und fangen das Thema "Russland" ansprechend ein. Die Symbole sind ohne Mühen zu interpretieren, wodurch der Spieleinstieg erleichtert wird. Die Optik lässt definitiv auf das Thema schließen, was für eine gute Arbeit des Illustrators spricht. 

Alles in allem kam die Optik gut an, da das Spiel nicht illustrativ überfrachtet wirkt und sich in einem übersichtlichen Rahmen befindet. Es ist zwar kein optisches Meisterwerk, schreckt aber auch nicht zum Spielen ab. 

 


Spielmechanik

 

Anfänglich ist zu sagen, dass sich das Spiel definitiv im Bereich Kennerspiele befindet, auch wenn die geräumige Schachtel erst einmal ein kleines Familienspiel suggeriert. "Die rote Kathedrale basiert auf einem Würfelmechanismus, der in ein Rondell integriert ist. Dieser funktioniert fehlerfrei und kann seine volle Wirkung in allen Spielerbesetzungen entfalten. Dabei ist dieser Mechanismus, mit dem Ressourcen generiert werden, so tricky, dass eine gewisse "Downtime" entsteht, die manchen SpielerInnen sauer aufgestoßen ist. Auch wenn das Würfelglück ein entscheidender Faktor ist, kann man diesen auch manipulieren, sodass das eigene Schicksal nicht ganz vom Glück abhängt. Des Weiteren existieren durch die Anzahl der Würfel auch unterschiedliche Möglichkeiten, wodurch man nicht nur auf einen Einzigen  angewiesen ist, sondern auch weitere Würfeloptionen in Aussicht hat. 


Der Kampf um den Bau der Kathedrale fördert die Interaktion zwischen den SpielerInnen und ist ebenso gut gelungen. Auch das Ressourcenmanagement ist ein großes Thema bei diesem Spiel und funktioniert tadellos. Hierbei ist zu erwähnen, dass das Spielertableau im Hinblick auf die Aufnahme von Ressourcen beschränkt ist, wodurch erneut ein gelungener Kniff entsteht. 

"Die rote Kathedrale" bietet den SpielerInnen im Grunde nur drei Hauptaktionen an. Es ist erstaunlich, dass dennoch eine Spieltiefe entsteht, wodurch es zu "Hirnzwirblern" kommen kann. 

 


Innovationen

 

Das innovative Element in "Die rote Kathedrale" ist sicherlich der Würfelmechanismus, der eine von drei Hauptaktionsmöglichkeiten darstellt. Dieser funktioniert gut und wurde auch mit den weiteren Hauptaktionen elegant verwoben. Dennoch besteht der überwiegende Teil des Spiels auf der Grundlage der Generierung von Ressourcen sowie der Erfüllung von Aufträgen. Leider dominieren diese beiden Aspekte so stark, dass das frische Element der Würfel überdeckt wird und nicht mehr ganz im Vordergrund steht. Man hätte sich gewünscht, dass der Würfelmechanismus mit frischeren Nebenaktionen verwoben wäre. 

 


Spielspaß

 

"Die rote Kathedrale" kam in den Testpartien gut an! Gerade der Würfelmechanismus hat es den TesterInnen angetan, auch wenn dieser hin und wieder zu längeren Wartezeiten aufgrund Grübeleien geführt hat. Auch ein "Racing-Element" hinsichtlich der Bauabschnitte entsteht, sodass man immer wieder anderen SpielerInnen zuvorkommen möchte, wodurch das Konkurrenzverhältnis verdichtet wird. Der Wiederspielreiz ist gegeben, aber nicht sehr hoch, da immer wieder die gleichen Abläufe durchgeführt werden. Diese wären: 1. Bauabschnitt beanspruchen, 2. Ressourcen sammeln, 3. Bauabschnitt bauen. So wird immer eine stringente Linie gefahren, wodurch der Handlungsspielraum und die taktische Varianz eingeschränkt wird.

Nichtsdestotrotz hat "Die rote Kathedrale" den SpielerInnen gut gefallen. 

 


Preis-Leistungs-Verhältnis 

 

Die UVP von "Die rote Kathedrale" liegt bei 29,99 Euro. Die Spielmaterialien sind von einer tollen Qualität und sind auch optisch ansprechend, da diese individualisiert wurden. Das Regelwerk ist zwar eingängig, lässt dennoch einige Fragen offen, die im Spielgeschehen auftauchen. Die Mechanismen funktionieren und es sind keine gravierenden Defizite zu erkennen, wenngleich die "Downtime" doch sehr hoch sein kann. Das Innovative an dem Spiel ist eindeutig der Würfelmechanismus, der frisch wirkt. Hier hätte man sich gewünscht, dass diese Frische auch auf die weiteren Hauptaktionen übertragen worden wäre.

Das Spiel kam in den Testpartien gut an, beinhaltet jedoch einen sehr starren Handlungsfaden, der den Wiederspielreiz schmälert.

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Die rote Kathedrale", wenn du...

 

- ein Spiel mit einem ausgeklügelten Würfelmechanismus suchst

 

- ein Spiel spielen willst, das zugänglich ist und dennoch eine Spieltiefe vorweist

 

Lass die Finger von "Die rote Kathedrale", wenn du...

 

- ein Spiel kaufen möchtest, das in allen Aktionsbereichen frisch wirkt

 

- kein Spiel spielen willst, das einen starren Handlungsrahmen hat