23.06.18

Review: "Die Quacksalber von Quedlingburg" von Wolfgang Warsch

Fakten

 

Autor: Wolfgang Warsch

Spieleranzahl: 2-4

Spieltyp: Familienspiel

Spieldauer: ca. 45 Minuten

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2018

Preis: UVP 31,49 Euro

Verlag: Schmidt Spiele

Spielbeschreibung

 

Jeder der bis zu vier mitspielenden Quacksalber kocht hier sein eigenes Süppchen. Zutat um Zutat wird hierfür aus dem eigenen, im Laufe des Spiels selbst zusammengestellten Vorratsbeutel gezogen. Doch Obacht: eine Prise zu viel von den Knallerbsen und die ganze Mischung ist verdorben. Da heißt es geschickt zur rechten Zeit aufhören und lieber nur ein kleineres Portiönchen kochen, um mit den hierfür gewonnenen Erträgen noch wertvollere Zutaten zu erwerben. Dann wird der nächste Trank sicher noch besser munden und viele wertvolle Siegpunkte einbringen.

(Quelle: Schmidt Spiele)



Hintergrundinformationen

 

Das Spiel "Die Quacksalber von Quedinlingburg" wurde dieses Jahr zum Kennerspielpreis nominiert. Zum jetzigen Zeitpunkt steht jedoch noch nicht fest, welches der drei Spiele ("Heaven & Ale", "Die Quacksalber von Quedlingburg", "Ganz schön Clever") den Preis gewinnen wird. Klar ist  aber, dass der Entwickler Wolfgang Warsch gute Chancen hat, den Preis "Kennerspiel" abzuräumen, da die Spiele "Die Quacksabler von Quedlingburg" und "Ganz schön Clever" aus seiner Feder stammen.

 


Spielmaterialien

 

Grundsätzlich ist zu sagen, dass das gesamte Produkt einen wertigen Eindruck hinterlässt. Es wurde auf stabile Materialien gesetzt, wie z. B. bei den Plättchen und Tableaus. Nichtsdestotrotz muss man im Hinblick auf ein zentrales Spielelment, und zwar dem Beutel und den darin verstauten Plättchen, definitiv Kritik ausüben. Der Beutel ist kaum qualitativ und nutzt sich bereits nach wenigen Partien sehr stark ab. Auch die darin enthaltenen Plättchen sind schwer herauszuziehen. Denn manchmal passiert es, dass sich Plättchen in den Ecken des Beutels "verstecken", wobei auch die Haptik der Plättchen mit Sicherheit eine andere hätte seien sollen, um ein vereinfachtes "Herausfischen" zu ermöglichen. Zudem korrespondieren die Spielerfarben farblich nicht mit den Spielsteinen, was oft zu Verwirrung geführt hat und unnötig ist.

Alles in allem wurde auf wertige Materialien gesetzt, es gibt aber ganz klar Optimierungspotential.

 


Illustrationen

 

Die Illustrationen des Spiels sind gelungen und wurden "spielerisch" zu Blatt gebracht, wodurch sich sicherlich Familien (Zielgruppe) angesprochen fühlen. Die Auswahl der Farben ist vielseitig und das Spiel ist bunt, was thematisch (Zaubertränke/unterschiedliche Zutaten) passend ist. Bei den etlichen Zutatenplättchen hätte man sich innerhalb einer Sorte noch etwas Varianz gewünscht, um die Individualität der einzelnen Zutat zu unterstreichen. Auch wäre es für eine herausragende optische Darbietung essentiell gewesen, wenn auch die Kessel der einzelnen Spieler mit individuellen Details versehen worden wären. Zusammengefasst eine gelungene optische Umsetzung, die dennoch nicht als herausragend zu bezeichnen ist.

 


Spielmechanik

 

Der Autor Wolfgang Warsch hat ein rundes Spiel konzipiert, in dem die Phasen gut strukturiert und eingängig sind. Bei "Die Quacksalber von Quedlingburg" besteht darin, dass man seinen Beutel mit diversen Zutaten füllt und diese dann rauszieht, doch am Besten nur so lange, bis eine gewisse Nummer (Zahl auf den Plättchen) erreicht ist, da sonst der eigene Kessel platzt. Das vorliegende Spiel beinhaltet somit einen sehr hohen Glücksfaktor und die zahlreichen Partien verdeutlichten, dass Spieler, die Pech beim Ziehen haben, definitiv verlieren werden. In dem Spielsystem kam ein immens hoher Glücksfaktor zum Tragen, der eindeutig zu gewichtig war. Nichtsdestotrotz wurden die einzelnen Bücher, mit denen man im Spiel spielt, gut aufeinander abgestimmt und austariert, wobei im Großen und Ganzen die Effekte der Plättchen passend waren.


Auch der Aufholmechanismus ist prinzipiell gelungen, da dieser Spieler, die weit zurückliegen, nach vorne "pusht". Jedoch  kann der immense Glücksfaktor, der im Spiel enthalten ist, auch nicht mit diesem Mechanismus austariert werden. Final ist zu bennen, dass das Spiel funktioniert, es jedoch mechanische Ungereimtheiten beinhaltet.

 


Innovationen

 

"Die Quacksalber von Quedlingburg" entählt zwar pfiffige Ideen, das Gesamtkonzept wirkt aber dennoch nicht sehr frisch. Der Mechanismus (Bag-Building) ist allseits bekannt z. B. aus "Orleans" und auch thematisch wurde bereits in vielen anderen Spielen auf das Brauen von Tränken zurückgegriffen. Ein frischer Impuls wird definitiv durch die unterschiedlichen Sets gesetzt, die man sich zu Spielbeginn aussuchen kann und die einen gehörigen Einfluss auf die Spieldynamik haben (unterschiedliche Effekte etc.). Spielerisch fühlte sich das vorliegende Spiel dennoch  nicht sehr erfinderisch an und der große innovative Wurf bleibt diesmal aus.

 


Spielspaß

 

Ehrlicherweise hat es die Testspieler schon überrascht, dass "Die Quacksalber von Quedlingburg" zum "Kennerspiel" nominiert wurde, da es einerseits eher einem Familienspiel zuzuordnen ist und andererseits stärkere Spiele im Bereich "Kenner" in diesem Jahrgang vertreten sind. Das Spiel konnte eher einen "Durchschnittsspaß" erzielen, da den Testspielern einfach der Glücksfaktor und gleichsam der Frustrationsfaktor zu hoch war. Als Highlight würden die Testspieler das vorliegende Spiel nicht bezeichnen, da es dafür dann doch zu uneigen ist und kaum ein emotional fesselndes Erlebnis ermöglicht. Das Spiel ist o.k. , was bedeutet, dass man es spielen kann, aber nicht unbedingt muss. "Die Quacksalber von Quedlingburg" bietet zwar Varianz, aber der Funke ist leider einfach nicht übergesprungen.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP des Spiels liegt bei 31,49 Euro. Die Spielmaterialien sind von einer guten Qualität, wobei einige Optimierungen möglich sind. Auch die Illustrationen sind gelungen, es könnten aber mehr Details und Individualitäten vorhanden sein. Die Spielmechanik funktioniert zwar, jedoch war der Glücksfaktor den Testspielern zu hoch, wodurch eine extreme Willkür des Ziehens entstanden ist. Im Rahmen der Innovationen fehlte es an Frische und einem originellem Spielsystem, wodurch auch der Spielspaß in Mitleidenschaft gezogen wurde.

 


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "Die Quacksalber von Quedlingburg", wenn du...

 

- generell "Bag-Building-Spiele" magst

 

- ein Spiel spielen willst, das schnell zu lernen ist

 

 

Lasse die Finger von dem Spiel, wenn du...

 

- einen hohen Glücksfaktor meiden willst

 

- ein Spiel mit strategischer Tiefe suchst