25.11.19

Review. "Deep Blue" von Daniel Skjold Pedersen und Asger Harding Granerud

Fakten

 

Autor: Daniel Skjold Pedersen/Asger Harding Granerud

Spieleranzahl: 2-5 Spieler

Spieltyp: Familienspiel

Spieldauer: 45 Minuten

Alter: ab 8 Jahren

Erscheinungsjahr: 2019

Preis: UVP 44,99 Euro

Verlag: Asmodee

Spielbeschreibung

 

Es war eine großartige Idee, diese Karte zu kaufen. Die ältesten, legendärsten und prunkvollsten Unterwasserwracks warten auf euch! Das Boot ist mit Tauchanzügen und Sauerstoffflaschen beladen und der Anker kann gelichtet werden. Keine Zeit zu verlieren!

Das hektische Treiben am Hafen, wo Schiffskapitäne darum kämpfen, die besten Taucher und Historiker anzuheuern, kann nur eines bedeuten: Es gab mehr als ein Exemplar dieser Karte und nun startet die größte Schatzsuche aller Zeiten!

Deep Blue™ ist ein Familienspiel, in dem ihr in der Tiefe nach Schätzen sucht und von den Tauchgängen eurer Mitspieler profitieren könnt. Doch wenn ihr zu viel riskiert, geht euch womöglich die Luft aus. Heuert eine Crew aus Tauchern, Seemännern und Archäologen an, die euch dabei hilft, euch die besten Tauchstellen zu sichern und die Tiefen des Meeres zu erkunden, um Schätze und Juwelen aus den Wracks zu bergen.

(Quelle: Asmodee)

 



Hintergrundinformationen

 

Anbei ein gelungener Trailer zu "Deep Blue"


Spielmaterialien

 

Wie man es vom Verlag "Days of Wonder" gewohnt ist, lässt der Verlag auch hier keine Wünsche übrig. Das Spiel enthält sehr wertiges Material sowie individuelle Spielfiguren, wie z. B. Schiffe oder Truhen. Auch das Spielbrett und die Karten sind im Rahmen der Produktion überdurchschnittlich gut und konnten die Tester überzeugen. Die Spielertableaus wirken hingegen etwas minderwertig, da sie nicht aus festem Material wie die restlichen Materialien bestehen. Zudem muss man hinzufügen, dass die Schätze (Spielsteine) bei nicht perfektem Licht schwer zu unterscheiden sind, was etwas ärgerlich ist (Silber/Gold). Dennoch handelt es sich insgesamt um sehr gute Materialien und auch das Inlay der Schachtel ist als sehr gut zu bezeichnen, da es eine schnelle Sortierung ermöglicht.

 


Illustrationen

 

Die optische Aufmachung des Spiels ist gelungen! Die Illustrationen bestechen durch Varianz und ergeben ein rundes Gesamtbild. Ebeneso sind die Symbole im Spiel sehr gut zu erkennen und zu unterscheiden. Die Optik ist familiengerecht und konnte auch Kinder in den Testrunden ansprechen, was ein gutes Zeichen ist. Es wurden weiterhin verschiedenste Charakterkarten angefertigt, bei denen man echt Spaß hat, diese zu begutachten. Alles in allem liegt eine tolle Optik vor.

 


Spielmechanik

 

Anfänglich ist festzustellen, dass auf mechanischer Ebene die Zielgruppe "Familienspieler" angesprochen wird. "Deep Blue" ist diesbezüglich sehr eingängig und leicht bzw. verständlich zu erkären. Auch die Bandbreite an Aktionsmöglichkeiten ist begrenzt, sodass auch Kinder nicht bei diesem Spiel überfordert werden. Das vorliegende Spiel basiert auf einem "Deckbaumechanismus" und auf einem "Push-your-Luck-Element". Einerseits baut man sein Kartenstapel zusammen bzw. verbessert diesen und auf der anderen Seite muss man bei den Tauchgängen sein Glück herausfordern (Schätze aus einem Beutel ziehen). "Deep Blue" enthält nicht nur positive Aspekte, sondern auch Defizite, die aus den Testrunden hervorgegangen sind. Die Spielgeschwindigkeit ist für dieses seichte Spiel zu langsam und das gesamte Spiel fühlt sich träge und schleppend an. Es sind immer die gleichen Abläufe, die man durchlaufen muss, ohne dass gefühlt Abwechslung entsteht. Demzufolge wirken die Handlungsstränge sehr repetetiv und monoton. Hinzu kommt, dass man in diesem Spiel, wenn man bei fremden Tauchgängen mittaucht, leider auch sehr fremdbestimmt wird, da der Tauchleiter d. h. der Iniator des Tauchganges beschließt, wie weit getaucht wird und demnach über Sieg oder Niederlage entscheidet. Hierbei fühlten sich viele Testspieler zu stark fremdbestimmt und wurden in ihrer spielerischen Autonomie eingeschränkt.

 


Innovationen

 

Im Rahmen der Innovationen musste man nach einigen Testpartien feststellen, dass dem Spiel ein frischer Aspekt fehlt. Der "Deckbaumechanismus" und das Element des "Push-your-Luck" konnten diesbezüglich keine nennenswerten Ideen liefern, die als individuell oder äußerst kreativ zu bezeichnen wären. "Deep Blue" weist leider  keinen prägnanten Charakter auf, der sich von anderen Spielen dieser Art bedeutend unterscheiden würde.

 


Spielspaß

 

"Deep Blue" hat in puncto Spielspaß einen soliden Eindruck hinterlassen. Wie bereits beschrieben, wirkte das ganze Spiel zäh und es fehlte diesem an Geschwindigkeit und Dynamik. Dies wird gerade durch eine Aktion deutlich, mit der man einfach nur Karten nachzieht, was eindeutig im Spielvelauf als Bremse fungiert und das Spielgeschehen extrem stört. "Deep Blue" enthält Glückselemente und es ist hilfreich, wenn man (zufällig) zur richtigen Zeit am richtigen Ort steht, um einen fremden Tauchgang "abzustauben". Jedoch ist es dann doch arg fremdbestimmt, wenn ein anderer Spieler  letztlich ganz alleine über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. "Deep Blue" ist als durchschnittliches Familienspiel einzuordnen, auch wenn die Materialien und die Optik überwiegend glänzen konnten. Spielerisch konnten die Erwartungen nicht erfüllt werden und der Funke ist einfach nicht gänzlich übergesprungen.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Deep Blue" liegt bei 44,99 Euro. Die Spielmaterialien sind von einer sehr guten Qualität und es sind viele individuelle Materialien vorhanden. Dann fällt es umso mehr auf, dass die Farben der Schätze (Gold/Silber) nicht gut zu unterscheiden sind (bei schlechtem Licht) und auch die Spielertableaus im Gegensatz zu den restlichen Materialien minderwertig wirken. Im Rahmen der Mechanik wurde solide gearbeitet, die Spielgeschwindigkeit und die Fremdbestimmung waren den TestspielerInnen hier jedoch ein Dorn im Auge und auch mangelte es an äußerst frischen Einfälllen, sodass man spielerisch von einer soliden Leistung der Autoren sprechen kann.

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Deep Blue", wenn du...

 

- ein Spiel suchst, in welchem man man sein Glück herausfordern muss

 

- ein Spiel mit toller Optik und tollem Material bespielen möchtest, das für die ganze Familie zugänglich ist

 

 

Lass die Finger von "Deep Blue", wenn du..

 

- ein dynamisches Spiel mit spielerischer Geschwindigkeit erwartest

 

- beim Glückselement ("Push your Luck") nicht auch noch fremdbestimmt sein möchtest, sondern dein Glück selbst herausfordern willst