16.11.18

Review:  "Scythe" von Jamey Stegmeier

Fakten

 

Autor: Jamey Stegmeier

Spieleranzahl: 1-5 Spieler

Spieltyp: Expertenspiel

Spieldauer: ca. 120 Minuten

Alter: ab 14 Jahren

Erscheinungsjahr: 2016

Preis: UVP 79,90 Euro

 Verlag: Feuerland Spiele

Spielbeschreibung

 

In einem fiktiven Europa der 1920er Jahre versuchen 5 Nationen die Kontrolle über Osteuropa zu übernehmen.

Was auf den ersten Blick wie ein taktisches Konfliktspiel aussieht, ist im Herzen ein sehr strategisches Spiel mit starken Aufbauelementen. Die phantastisch gestaltete fiktive Welt und die hochwertige Ausstattung mit detailreichen Plastikfiguren und liebevoll gestalteten Holzteilen machen das Spiel optisch und haptisch zu einem Genuss.

Kaum ein anderes Spiel ist auf boardgamegeek. com so schnell in die Top 10 aufgestiegen und hat so viel Buzz erzeugt wie Scythe!

(Quelle: Feuerland Spiele)



Hintergrundinformationen

 

"Scythe" wurde im Jahre 2015 auf "Kickstarter" mit 1.810.294 Dollar finanziert, was als Riesenerfolg zu bezeichnen ist. Der Verlag "Feuerland Spiele" hat eine deutsche Lokalisierung auf den Markt gebracht. Auch bei der Brettspieldatenbank "Boardgamegeek" ist dieses Spiel bei den besten Expertenspielen vertreten. Schaut euch mal folgenden Trailer zum Spiel an, der wirklich gut gelungen ist:

 


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien sind bombastisch! Hier wurde auf sehr hochwertige Materialein gesetzt, wodurch auch der relativ hohe Preis zu erklären ist. Die Spielfiguren sind sehr detailliert ausgearbeitet und unterscheiden sich von Fraktion zu Fraktion und auch die Spielertableaus sind mit sehr luxuriösen Ausstanzungen versehen, die einen sehr edlen Eindruck hinterlassen. Hinzu sind die Holzmarker, die man auf seinem Tableau platziert, auch von feinster Qualität. Des Weiteren wurden die Regeln für dieses Expertenspiel sehr strukturiert und verständlich verfasst, wobei immer wieder Hintergrundinformationen bzw. Anmerkungen des Autors aufgeführt werden, die sich auf die Entwicklung des Spiels beziehen. "Scythe" bietet alles in allem Materialien, die keine Wünsche offen lassen!

 


Illustrationen

 

Auch im Kontext der Illustrationen wurde eine außerordentlich gute Arbeit geleistet. Das Spiel soll ein fiktives Europa der 1920er Jahre darstellen, was perfekt gelungen ist. Mit der optischen Gesamterscheinung wird eine sehr individuelle Atmosphäre erzeugt, die lebendig wirkt. Hierbei wurden das Spielbrett, die einzelnen Fraktionen und auch die Bilder auf den Begegnungskarten sehr detailreich und thematisch zu Papier gebracht. Eine wirklich perfekte Ausgestaltung des Themas!

 


Spielmechanik

 

"Scythe" ist ein Expertenspiel und bietet viele strategische Möglichkeiten. Es fällt positiv auf, dass die Abläufe sehr gut strukturiert wurden und demnach letztlich der gesamte Ablauf bereits nach einer relativ kurzen Zeit verinnerlicht wird. Bei "Scythe" ist zu beachten, dass es  in gewisser Weise ein "Euro-Game" darstellt, bei welchem man sich ausbreitet und seine Technologien entwickelt. Der Kampf rückt dadurch eher in den Hintergrund und muss auch nicht oft ausgeführt werden, um das Spiel zu gewinnen. Dies ist gut gelöst, da man dadurch verhindert, dass mehrere Mitspieler einen Spieler explizit angreifen und dieser dann letztlich keine Chance auf einen Sieg hat. Es kommt sogar soweit, dass man in einer bestimmten Form auch bestraft wird, wenn man einen Kampf auslöst.


Ein zentrales Element im Spiel ist die Entwicklung der eigenen Fraktion, die auf dem eigenen Spielertableau erfolgt. Hierbei wurde ein sehr guter Mechanismus verwendet, bei dem Marker versetzt werden und es dadurch zu einer Verminderung von Kosten bzw. zu einer Erhöhung eines Ertrages bei einer Aktion kommt. Des Weiteren ist durch die Ausbreitung auf dem Spielplan auch eine gewisse Konfronation vorhanden, da man sich auf dem Spielplan bewegt entsprechend Platz beansprucht. Zusätzlich profitiert man von den Aktionen der Mitspieler, wenn man eine bestimmte Fähigkeit freigeschaltet hat, sodass auch hier nicht nur solitär gespielt wird.

Die Fraktionen sind im Großen und Ganzen ausbalanciert und es stach in den Testpartien keine Fraktion heraus, die immer wieder den Sieg für sich beanspruchte, was gut gelungen ist. Das Ziel bei "Scythe" ist es, diverse Kategorien zu erfüllen und dadurch Sterne zu vergeben. Alle Ziele sind erreichbar und gut austariert, wobei positiv in Erscheinung getreten ist, dass es mehr Zielkategorien als Ziele gibt und man somit auch etwas variabel und der Situation entpsprechend handeln kann. Zusammenfassend ist zu sagen, dass hier eine sehr detailreiche und ausgewogene Entwicklerarbeit geleistet wurde, die definitiv sehr hohen Ansprüchen genügt!


Innovationen

 

Durch die Thematik, die durch die optischen Begebenheiten perfekt in Szene gesetzt wurde, kann man von einer sehr frischen thematischen Atmosphäre sprechen. Aber auch spielerisch werden kreative Ideen umgesetzt. Das eigene Spielertableau wird durch die Versetzung der Marker sehr individuell ummodelliert, wodurch die Kosten und Erträge gravierend verändert werden. Auch die Aktionen, die man auf seinem eigenen Tableau durch das Versetzen einer Aktionsfigur aktiviert, wirkt frisch, da jeder an seinen eigenen Aktionen bastelt und diese sich dann auf dem eigenen Tableau sowie auf dem Spielbrett manifestieren. Das Einläuten des Spielendes ist ebenso unvebraucht, da aus einer Reihe von Zielkategorien individuell sechs Kategorien zu erfüllen sind und so auch ein belebender Handlungsspielraum geschaffen wird. Ein frischer Wind wird selbstverständlich auch durch die sehr einzigartigen Spielmaterialien erzeugt, die mit der Thematik und der Optik einen sehr individuellen Stil hervorrufen. Spielerisch ist noch anzuführen, dass im Rahmen des Kampfes sehr kreative Ansätze ausgeführt wurden, die den Kampf selbst betreffen (Drehscheibe in Kombination mit Karten) und auch auf den Ausgang eines Kampfes abzielen, sodass es u. a.  zu Bestrafungen beim Kampf kommen kann. Final ist zu resümieren, dass in "Scythe" viele tolle Ideen zum Ausdruck gebracht wurden.

 


Spielspaß

 

"Scythe" ist ein Expertenspiel, das sehr viel Spaß bereitet und berechtigterweise viel Lob zugesprochen bekommen hat. Es ist nochmals hervorzuheben, dass es sich hier eher um ein Aufbauspiel als um ein Kriegsspiel handelt und durch das Artwork nicht falsche Vorstellungen oder Erwartungshaltungen geweckt werden sollten. Das Niveau enspricht einem Expertenspiel und eine Einarbeitungszeit ist notwendig, wobei im Rahmen des Umfangs an Regeln und Vorgängen dennoch Vieles intiuitiv abläuft. Durch die verschiedenen Fraktionen und den individuellen Spielertableaus entsteht ein sehr hoher Wiederspielreiz, wobei mittlerweile bereits einige Erweiterungen erschienen sind und somit viel Variabilität gegeben ist. Auch wenn der Kampf nicht im Vordergrund steht, liegt dennoch immer eine gewisse Anspannung vor, da jederzeit ein Kampf bevorstehen kann und man sich dementsprechend positionieren sollte. Hinzu ist anzuführen, dass durch die vielen Zielkategorien ebenso eine Vielseitigkeit gegeben ist, da weniger Ziele als Kategorien zu erfüllen sind. Alles in allem hat den Testspielern das Spiel extrem gut gefallen!

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Scythe" liegt bei 79,90 Euro. Die Spielmaterialien sind eine Menge und von luxuriöser Qualität. Das Artwork ist einmalig und setzt das Thema perfekt in Szene. Auch die Mechanismen funktionieren wunderbar, wobei auch kreative Ansätze verwirklicht wurden. Der Spielspaß kommt definitiv auf und ein Wiederspielreiz ist durch die Thematik und die hohe Variabilität gegeben. Alles in allem ist "Scythe" eine Perle in der Kategorie der Expertenspiele!

 


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "Scythe", wenn du...

 

- ein Expertenspiel suchst, das sehr wertig und luxuriös auftritt

 

- ein Spiel spielen willst, welches darauf abziel,t sich auf dem Spielbreit auszubreiten und seine eigene Fraktion weiterzuentwickeln

 

 

Lasse die Finger von "Scythe", wenn du...

 

- ein Spiel suchst, bei welchem es hauptsächlich um den Kampf und Kriegsführung geht