08.04.2020

Review:   "Orléans Stories" von Reiner Stockhausen

Fakten

 

Autor: Reiner Stockhausen

Spieleranzahl: 2-4 Spieler

Spieltyp: Expertenspiel

Spieldauer: 60-180 Minuten

Alter: ab 12

Erscheinungsjahr: 2019

Preis: UVP 74,95 Euro

Verlag: dlp games

Spielbeschreibung

 

Orléans Stories ist ein Brettspiel für 2-4 Spieler ab 12 Jahren mit einer epischen Spieldauer von 60-180 Minuten. Es beruht auf dem durch Orléans bekannten Bagbuilding-Mechanismus, der in Orléans Stories zu einer Storytelling-Geschichte weiterentwickelt wurde, in der die Spieler verschiedene Epochen durchlaufen und sich dabei unterschiedlichsten Herausforderungen stellen.

 

Im Spiel enthalten sind die beiden Stories Das erste Königreich und Die Gunst des Königs. In beiden Stories durchlaufen die Spieler aufeinanderfolgende Epochen, deren Bedingungen und Regeln unterschiedlich sind. Während Das erste Königreich es jedoch den Spielern überlässt, nach welcher Strategie sie wo und wie lange verweilen, schreiten die Spieler in Die Gunst des Königs gemeinsam voran und müssen im festgelegten Zeitrahmen einer jeden Epoche bestimmte Aufgaben erfüllen, um nicht vorher auszuscheiden.

(dlp games)



Hintergrundinformationen

 

Das Spiel "Orléans" ist in der Brettspielszene mittlerweile ein Klassiker und es sind bereits diverse Erweiterungen erschienen, wie z. B. "Orléans Invasion" sowie "Orléans - Handel und Intrige". Nun wurde eine riesiges eigenständiges Spiel im Universum von "Orléans" veröffentlicht, und zwar "Orléans Stories". Dies lässt alle "Orléans-Fans" sicherlich aufhorchen.

 


Spielmaterialien

 

Mit dem vorliegenden Spiel bekommt ihr eine Wucht an Spielmaterialien! Bemerkenswert ist, dass nicht nur Marker aus fester Pappe mitgeliefert werden, sondern eine Fülle von Holzmaterialien im Spiel existieren. Zudem enthält die Spielschachtel ein gutes Inlay, was sehr lobenswert ist und wodurch Systematisierungen möglich sind. Etliche Spielertableaus bestehen aus festem Material und sind sehr stabil, wodurch ein qualitativer Eindruck entsteht.

Dementgegen wirft das Regelwerk einige Fragen auf, die man nach einigen Recherchen auf "boardgamegeek" beantwortet bekommt. Hinzu kamen die Beutel, die in ständiger Benutzung sind, in den Partien nicht so gut an, da diese nicht qualitativ wirken und es dazu kommt, dass  sich Plättchen in den Ecken "verstecken" und man diese übersieht bzw. "überfühlt".

Ansonsten wurde seitens "dlp games" im Kontext der Materialien auf Qualität gesetzt.

 


Illustrationen

 

Bereits die Optik des Grundspiels "Orléans" kam gut an, hatte etwas Individuelles an sich und stellte auch das Markenzeichen des Spiels dar. Glücklicherweise hat der Illustrator den gleichen Stil erneut aufgegriffen, denn dieser ist wiederholt gelungen. Es wurden eine Fülle an Plättchen angefertigt, die allesamt verschiedene Gebäude o.ä. darstellen. Der gemeinsame Spielplan hätte etwas detailreicher aussehen können, um dem dortigen Spielgeschehen etwas mehr Dynamik zu verleihen.

Alles in allem eine gelungene optische Darbietung.

 


Spielmechanik

 

Wie beim "normalen" "Orléans" funktioniert auch hier das "Bag-Building-System". Das Spiel basiert auf zwei Stories, die unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Im Rahmen der Spieldauer ist zu sagen, dass die beiden Geschichten weit über die angegebene Spieldauer hinausragen und sich auch sehr in die Länge ziehen. Eine "knackigere" Spieldauer und eine diesbezügliche Skalierung hätte dem ganzen Mechanismen gut getan. Hinzu existiert in einer Story eine Spielereliminierung, was überhaupt nicht rund wirkt und das Spielsystem stört. Es kommt zudem zu der Situation, dass sich kein Holz mehr im Markt befindet, sodass man kein Holz mehr generieren kann, auch wenn man es theoretisch könnte, wodurch die oben genannte Eliminierung augelöst wird.


Hinzu trifft der Fall ein, dass Spielpunkte einfach verfallen, wenn man einen Checkpoint erreicht. Dies ist zwar ein "Catch-Up-Mechanismus", um sehr schwache SpielerInnen aufholen zu lassen, dennoch fühlt es sich mechanisch falsch an, da man auf unelegante Weise gestoppt wird, Siegpunkte zu generieren.

Schaut man sich die beiden Stories genau an, ist erst einmal festzustellen, dass diese gut untergliedert wurden und einen souveränen Übergang von Episode zu Episode aufweisen. Nichtsdestotrotz ist leider der Begriff "Story" fehl am Platz, da man strategisch die Geschichte vorgreifen sollte (Empfehlung in der Anleitung) und der narrative Charakter dadurch zerstört wird. Da der Begriff  "Story" sehr stark hervorgehoben wird, erwartet man eine perfekte Verzahung zwischen Thema und Mechanik, was leider nicht der Fall ist.

"Orléans Stories" hat so viele mechanische Stellschrauben, wobei zu resümieren is, dass sehr viele gut funktionieren, aber einige wichtige Stellschrauben nicht perfekt ausgearbeitet wurden.

 


Innovationen

 

"Orléans Stories" verbindet die Grundelemente von "Orléans" mit Geschichten. Dies ist ein innovatives Element, das im ersten Augenblick frisch wirkt. Nichtsdestotrotz wurden die Storyelemente nicht konsistent ausgearbeitet. Zum normalen "Bag-Building-System" sind nun auch Verdrängungsmechanismen auf einem gesonderten Spielplan hinzugekommen, wodurch ein "Area-Control-Spiel" entsteht. Dieser Bereich ergänzt das "normale" "Orléans" und bietet eine neue Facette, wobei anzumerken ist, dass SpielerInnen, die keine konfrontative Spiele mögen, hier sicherlich Probleme haben werden. Alles in allem wurden neue Akzente gesetzt, die sowohl gelungen als auch nicht so gut gelungen sind.

 


Spielspaß

 

Vorweg ist anzuführen, dass die TesterInnen große Fans von "Orléans" sind. Der "Bag-Building-Mechanismus" funktioniert auch hier hervorragend und macht auch weiterhin sehr viel Spaß. Doch leider war das Storyelement eine Enttäuschung, da man von lebendigen wie auch dynamischen Geschichten ausgegangen ist, die mit dem Spielgeschehen verwoben wurden. Als störend empfanden die TesterInnen, dass "Eliminierungen" von Spielbeteiligten erfolen können und diese dann nur noch zuschauen. Hinzu kam die Ressourcenproblematik wie auch der unelegante "Catch-up-Mechanismus", der den Spielspaß getrübt hat. Dies hat aber nicht darüber hinweggetäuscht, dass der "Bag-Building-Mechanismus" ´, den man aus "Orléans" kennt, auch hier seinen Reiz hat.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Orléans Stories" beträgt 74,95 Euro. Es werden eine Menge Spielmaterialien mitgeliefert, die sehr qualitativ sind. Auch die Optik knüpft an das Universum von "Orléans" an und kann in großen Zügen seinen Reiz entfalten. Auf mechanischer Ebene sind Schwächen zu verzeichnen, die den Spielspaß getrübt haben und auch das Element "Story" kommt nicht gut zur Geltung. Der "Bag-Building-Mechanismus", für den "Orléans" bekannt geworden ist, funktioniert auch hier und macht Freude.

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Orléans Stories", wenn du...

 

- "Orléans" mit einem "Area-Control-Element" verbinden möchtest

 

- ein großer Fan vom "Bag-Building-Mechanismus" bist. Das "Orléans-Feeling" kommt wieder stark zur Geltung

 

 

Lass die Finger von "Orléans Stories", wenn du...

 

- eine richtige "Story" erwartest

 

- ein mechanisch einwandfreies Spiel suchst