27.01.16

Review: "Arler Erde" von Uwe Rosenberg

Fakten

 

Autor: Uwe Rosenberg

Spieleranzahl: 1-2 Spieler

Spieltyp: Expertenspiel

Spieldauer: 60 Minuten/Spieler

Alter: ab 14 Jahren

Erscheinungsjahr: 2014

Preis: UVP 49, 90 Euro

Verlag: Feuerland Spiele

Spielbeschreibung

 

In Arle, einem kleinen Dorf in Ostfriesland, warten zahlreiche Aufgaben auf deine Familie: Zurückversetzt in die Zeit um 1800 sollen die Moore entwässert werden, die Ackerböden bestellt und Tiere gezüchtet werden. Entwickle das Handwerk im Dorfe und errichte die passenden Gebäude.

Arler Erde ist das autobiografischste aller Spiele von Uwe Rosenberg. Es spielt in dem Dorf, in dem sein Vater geboren ist und seine Eltern geheiratet haben. Wir sehr dieses Spiel Uwe am Herzen liegt, zeigt sich auch daran, dass er eigens ein Begleitheft im Umfang von 36 Seiten über Ostfriesland und dessen Geschichte geschrieben hat, das dieser Ausgabe beiliegt.

Das 2-Personenspiel bietet wie alle Feuerlandspiele viel fürs Geld: Neben einem großen Spielplan hat jeder Spieler einen persönlichen Heimatplan sowie einen Scheunenplan. Viele Holztiere und Spielteile aus stabilem Karton lassen das Spielerherz höher schlagen (die Box hat das gleiche Format wie das TM Grundspiel)!

(Quelle: Feuerland Spiele)



Hintergrundinformationen

 

Uwe Rosenberg, der Autor von "Arler Erde", ist mittlerweile kein Unbekannter mehr und "Agricola" gehört mitunter zu seinen bekanntesten Spielen. Wie "Agricola" lehnt "Arler Erde" ebenfalls an das Thema der Landwirtschaft an. Das Besondere bei dem vorliegenden Brettspiel ist, dass es exakt für zwei Spieler (oder einen Spieler) ausgerichtet ist und an die Biographie des Autors anlehnt. Von diversen Rezensenten wurde das Spiel auf internationaler Ebene hoch gelobt. Ob sich dies bewahrheitet, wird der folgende Spielbericht aufzeigen.

 


Spielmaterialien

 

Unglaublich, wie viele Spielmaterialien das Spiel enthält! Der Karton ist relativ groß und beinhaltet unzählige Plättchen, Figuren, Bretter und das gerade mal für zwei Personen. Ferner ist hinzuzufügen, dass diese von wirklich sehr guter Qualität sind und sehr stabil bzw. robust wirken. Einzig und allein der Umstand, dass die Aufkleber der Spielsteine (Warenleiste) und der acht Spielfiguren sich immer wieder lösen, trübt den hervorragenden Eindruck. Sehr lobenswert ist hingegen, dass neben dem Regelheft ein umfangreiches Begleitheft mit dabei ist, das den sehr gelungen Bezug zwischen dem Spiel bzw. einzelnen Elementen des Spiels und der Biographie des Autors herstellt.

Alles in allem ist "Arler Erde" auf der Ebene der Spielmaterialien ein qualitativ hochwertiges Produkt!

 


Illustrationen

 

Die Illustrationen stammen von Dennis Lohausen, der schon etliche Brettspiele illustriert hat und ein gern gesehener Illustrator bei diversen Spieleverlagen ist. Wie bereits erwähnt, beinhaltet "Arler Erde" sehr viele bzw. unterschiedliche Spielmaterialien und man muss hinzufügen, dass das vorliegende Brettspiel ein rundes optisches Gesamtbild bietet. Besonders sehenswert ist, dass einzelne Plättchen, auch wenn diese das gleiche darstellen, z.B. Weizenfelder, dennoch mit kleineren individuellen Verzierungen versehen wurden (Kornkreise, Vogelscheuche), was das Spiel noch mehr aufleben lässt. Ebenfalls sind alle Spielfiguren (acht Spielsteine) mit unterschiedlichen Persönlichkeiten versehen worden, was einen individuellen Charakter des Spiels untermauert. Umso ärgerlicher ist es, dass dieser individuelle Charakter nicht vollends ausgeführt wurde, da z.B. unterschiedliche Gebäude mit gleichen Abbildungen versehen wurden, was wiederum die Variabilität sowie die thematische Atmosphäre etwas mindert.

Alles in allem passt die Arbeit von Lohausen dennoch sehr gut zum Thema und dem Spielprinzip!

 


Spielmechanik

 

Alle Aktionsmöglichkeiten und Effekte wurden ungemein gut miteinander verzahnt. "Arler Erde" ist ein hochstrategisches Spiel, dass keinen Platz für Glückselemente übrig lässt. Die Spielmechanik funktioniert einwandfrei und man bekommt als Spieler nicht wirklich das Gefühl, dass die einzelnen Aktionen unausbalanciert sind, da die einzelnen strategischen Optionen auf ihre Weise effektiv sind. Positiv ist zu erwähnen, dass man mittels der unzähligen Aktionen einen bestimmten strategischen Weg einschlagen und diesen dann mit Hilfe von bestimmten Gebäuden noch wirkungsvoller machen kann. Ein weiterer Aspekt ist, dass Abgaben nach jedem Halbjahr in einem guten Verhältnis zu dem Ertragsgewinn stehen und sie somit nicht dem eigenen Vorhaben komplett entgegenstehen.


Wie bereits beschrieben, ist es nur möglich, dass ein Spieler eine bestimmte Aktion ausführt. Das Spiel bietet jedoch ein Aktionsfeld, das gegen einen Aufpreis genutzt werden kann und mit welchem man ein bereits vom Mitspieler genutztes Aktionsfeld "imitiert". Dies hat den positiven Effekt, dass sich die Gegenspieler nicht gegenseitig vollends blockieren. Ebenso ist die Möglichkeit für einen Spieler pro Halbjahr gegeben, dass dieser ein Aktionsfeld des anderen Halbjahres nutzt, wobei dies eine elegante Lösung ist, um den Handlungsspielraum zu erweitern und mehr Verzahnungen der Mechanismen zuzulassen. Weiterhin ist als herausragend zu vernehmen, dass man im Grunde als Anfänger nicht sehr hart für seine strategischen "Fehler" bestraft wird. Denn man kommt auch als Anfänger in dem Spiel voran, indem man einfach mal Waren generiert und grundsätzlich in die richtige Richtung (Erweiterung des Heimatplanes) hinarbeitet. Die Verzahnung der einzelnen Aktionen, die man nach einigen Partien begriffen hat, ist das, was die einzelnen Mechanismen in kombinatorischer Weise aufblühen lässt.

 


Innovationen

 

"Arler Erde" ist ein klassisches Worker-Placement-Spiel (Ich setze eine Figur auf ein Feld und führe dann eine Aktion aus) und setzt definitiv keine innovativen Meilensteine in puncto Spielmechanismen. Des Weiteren sind noch eindeutige Parallelen (sowohl thematisch als auch im Hinblick der Aktionen) zu Rosenbergs Spiel "Agricola" zu erkennen. Dennoch enthält dieses Brettspiel thematische Twists, die mit dem Spielgeschehen verknüpft werden und etwas frischen Wind in das Spielgeschehen bringen, wie z.B. die Moore, die Deiche, das Beladen der Fuhrwerke und die damit einhergehende Veredelung von Baustoffen. Dennoch bringt das vorliegende Brettspiel sehr viel Altbekanntes auf den Spieletisch und wurde lediglich mit kleineren Ideen angereichert.

 


Spielspaß

 

Ja, "Arler Erde" macht sicherlich Spaß und wenn man mal sich einen Überblick über die vielen unterschiedlichen Aktionsmöglichkeiten verschafft hat, entfaltet sich vollends das intensive Strategiespiel, das gut und gerne seine zwei Stunden Spielzeit benötigt. Es macht ungemein Spaß, die unterschiedlichen strategischen Wege zu verfolgen und verschiedenste Aktionsfelder miteinander zu kombinieren. Weiterhin gewinnt "Arler Erde" auch durch die austauschbaren Gebäude an Abwechslung. Dennoch hat es aufgrund der fehlenden Innovationen keinen "WOW-Effekt" ausgelöst, da sehr viele Abläufe von Rosenbergs bisherigen Spielen bekannt waren und eingefahrene sowie grundlegende Spielabläufe geboten wurden. Nichtsdestotrotz ist "Arler Erde" eine klare Empfehlung für Vielspieler, die ein sehr strategisches Spiel für eine längere Spielzeit suchen!

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Arler Erde" beträgt 49,90 Euro. Die Spielmaterialien sind sehr umfangreich und qualitativ hochwertig, die Illustrationen unterstützen hervorragend die thematische Atmosphäre und die Spielmechanik lässt auch kaum Freiräume für Defizite zu. Im Kontext der Innovationen ist zu resümieren, dass auf altbewährte Abläufe zurückgegriffen wurde und gewichtige Einfälle ausgeblieben sind. Der Spielspaß ist absolut vorhanden, bewegt sich jedoch aufgrund der nicht vorhanden innovativen Meilensteine nicht auf einem Höchstpunkt. Dennoch bewegen sich sowohl die Herstellung als auch die Entwicklung auf einem sehr hohen Niveau.

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Arler Erde", wenn du...

 

- ein sehr strategisches Spiel für zwei Spieler spielen willst

 

- meinst, dass dir schon "Agricola" sehr gut gefallen hat. Dieses Spiel geht definitiv in die gleiche Richtung

 

- ein Brettspiel spielen möchtest, das sehr thematisch

 

- schon immer mal ein Begleitheft in einem Spiel vorfinden wolltest, das sehr umfangreich die Verknüpfung zwischen Spiel und Thema (Autobiographie) herstellt

 

 

Kauf dir "Arler Erde" nicht, spare und fahre nach Ostfriesland, wenn du...

 

- meinst, dass dir Spiele, die ca. zwei Stunden dauern, zu lange sind und du sich deshalb nur ein Spiel, und zwar "UNO" in deinem Spieleschrank befindet

 

- auf der Suche nach einem innovativen Spiel bist, das auf sehr einfallsreichen Mechanismen fußt

 

- die Meinung vertrittst, dass ein Brettspiel mit dem Thema Landwirtschaft/Viehzucht gar nicht klar geht, da das Thema Zerstörung gar nicht vorhanden ist