10.03.15

Review: "AquaSphere" von Stefan Feld

Fakten

 

Autor: Stefan Feld

Spieleranzahl: 2- 4 Spieler

Spieltyp: Expertenspiel

Spieldauer: ca. 100 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2014

Preis: UVP 39,99 Euro

Verlag: Pegasus Spiele

Spielbeschreibung

 

Abtauchen in abenteuerliche Spieltiefen

 

· Der neue Feld: vielschichtig, fordernd, unverkennbar

 

· Komplexes Strategiespiel aus der „Kennerspiel des Jahres 2014“-Redaktion

 

Auf dem Meeresgrund herrscht geschäftiges Treiben. Denn hier liegt die AquaSphere, eine fortschrittliche Forschungsstation, die eine Handvoll Spezialisten und ihre hochentwickelte Ausrüstung beherbergt. Die von den Spielern geleiteten Teams bestehen je aus einem Ingenieur, der sich in der Zentrale um die Programmierung der Bots kümmert, und einem Wissenschaftler im ausbaubaren Forschungslabor. Gemeinsam versuchen sie im Kampf gegen die Zeit, lästige Oktopoden und die eifrige Konkurrenz ozeanische Geheimnisse zu lüften, um mit diesem Wissensvorsprung triumphal an die Oberfläche zurückzukehren.

AquaSphere bindet mit schwierigen Entscheidungen, mangelnden Ressourcen und haufenweise Möglichkeiten die großen Stärken früherer Feld-Spiele stimmig in ein außergewöhnliches Thema ein. Ideale Voraussetzungen für ein tiefes Spielerlebnis.

 

· Einnehmendes Strategie-Schwergewicht

 

· Erfrischendes Tiefsee-Thema

 

· Umfangreiche Ausstattung

(Quelle: Pegasus Spiele)



Hintergrundinformationen

 

Der Name Feld sollte den meisten Spielern ein Begriff sein. Der Mann, der gefühlt jeden Monat ein neues Spiel rausbringt und an welchem sich dann im Endeffekt mal wieder die Geister scheiden. Entweder man liebt seine Spiele, oder man hasst sie!

Spiele wie "Brügge", "Amerigo", "Bora Bora", "Trajan", "Die Burgen von Burgund", "Strassburg", "Rialto", "La Isla", "Die Speicherstadt", "Macao" etc. tragen die Aufschrift Feld.

 


Spielmaterialien

 

"AquaSphere" bietet überaus qualitative Spielmaterialien. Vieles ist aus robustem Material und wurde fehlerfrei produziert. Einfach Klasse! Nur die Spielertableaus passen nicht in dieses perfekte Gesamtbild. Warum sind die Spielertableaus nicht auch aus fester Pappe? Stattdessen erhält jeder Spieler ein Tableau, was sehr dünn und gar nicht stabil wirkt. An der falschen Stelle wurde hier leider gespart. Dennoch beinhaltet dieses Spiel ansonsten sehr gute Materialien.

 


Illustration

 

Die Illustration bzw. Grafik von Dennis Lohhausen ist wirklich einzigartig und gefällt mir überaus gut. Angefangen mit dieser sehr individuellen Form der Station, die wirklich ein Blickfang ist, kommt die Aufteilung der einzelnen Stationen plausibel und nachvollziehbar zum Ausdruck. Diese wirken zwar etwas bunt, man gewöhnt sich jedoch recht schnell an diese Aufmachung und findet sich bestens zurecht, indem man sich regelrecht in die Station hineindenkt. In den einzelnen Bereichen sind auch beim genaueren Hinschauen kleinere Details zu erkennen, was sehr schön anzusehen ist.

Die Zentrale, auf der zum einen die Siegpunktleiste und zum anderen der Programmierbereich abgebildet ist, ergänzt die Darstellung der Station hervorragend. Auch die Spielertableaus, die wirklich liebevoll gestaltet wurden, komplettieren dieses Bild. Die Hauptfarben Blau und Gelb ziehen sich wie ein roter Faden durch die Materialien durch, wodurch die Atmosphäre einer Tiefsee-Station durchgängig hervorgehoben wird.

Weiterhin finde ich die Zeitmarker eine wirklich gelungene und schöne Idee. Irgendwann ist man doch satt immer mit Geld zu bezahlen, oder? ;)

Sowohl die roten Forschungskarten als auch die grünen Laborausbauten fügen sich perfekt ins Spielbild ein, indem sie in die vorgesehenen farbgleichen Bereiche angelegt werden. Die Symbole sind allesamt schön zu erkennen und gut nachzuvollziehen. Abgerundet wird die Illustration durch die individuell konzipierten Figuren wie z.B. schwarze Kristalle, Oktopden, Bots und Ingenieure.

Tipp: Die roten Rubine bei Istanbul einfach schwarz färben und schon sind es Kristalle ;).

Durch die Farbauswahl (Gelb/Blau) und die individuellen Spielmaterialien (Spielbrett, Spielfiguren etc.) wird das Spielgeschehen hervorragend unterstützt, wobei das Feeling einer Forschungsstation weitestgehend entsteht. Das Thema an sich ist schon „mechanisch“ (programmieren etc.), die Spielmechanik wirkt "mechanisch" wie ein typisches Stefan Feld-Spiel eben und da passt diese Illustration mit ihren "mechanischen“ Elementen perfekt ins Gesamtbild.

Dennoch hätte man die einzelnen Sektoren eventuell noch individueller gestalten können, da sie fast alle nahezu identisch sind.

 


Spielmechanik

 

Die Spielmechanik ist grandios. Grundsätzlich bietet "AquaSphere" dem Spieler nur 2 Optionen, die eine derart strategische Dichte hervorrufen, dass einem echt der Kopf qualmt. Jeder einzelne Schritt muss gut geplant sein.

In der Zentrale (rundes Spielbrett) muss ich mich entscheiden, wie ich mein Bot programmiere und welches Programmiersymbol ich auslasse. Ich muss überlegen, in welche Stationen ich meinen Wissenschaftler ziehe, wie ich die Mehrheiten in den Stationen erreiche, wie ich Kristalle erhalte, damit ich keine Siegpunkte verliere, wie ich Oktopden vertreibe, die mir am Ende der Runde schaden könnten, wie ich mein Labor ausbaue, um entsprechend mehr Ressourcen erhalten zu können und … und … und...

Wenn du das Spiel noch nie gespielt hast, dann kannst du es wahrscheinlich schwer nachvollziehen.

 


Merk dir aber eins:

 

Das Spiel ist definitiv nicht einfach!

 

Bei diesem Spiel passen die einzelnen Elemente der Spielmechanik hervorragend wie Puzzlestücke in ein großes Ganzes zusammen. Die Mechanismen sind wirklich sehr stark miteinander verwoben und plausibel: Ich programmiere meinen Bot auf Zeitmarker und bewege daraufhin meinen Ingeniuer auf ein solches Feld und kann den Bot somit dort gewinnbringend einsetzen. Dementsprechend sind sowohl Aktion A als auch Aktion B sehr stark miteinander verbunden und du solltest wirklich deine Züge vorausplanen.

 

Die Spielmechanik wird dich zwingen Entscheidungen zu treffen, da du deinen Bot entsprechend programmierst, dabei jedoch andere Programmfelder auslassen musst.

 

Grundsätzlich finde ich aber das Prinzip "Entscheide dich für etwas und gleichzeitig gegen etwas" beim Programmieren in der Zentrale wirklich gut gelungen und in einem sehr guten Rahmen, da das Spiel "eiskalte Entscheidungen" fordert.

Ein weiterer Aspekt dieses Spiels ist, dass du am Ende der Runde weitestgehend Oktopoden in deinen Sektoren verdrängen musst und sich parallel Kristalle in deinem Vorrat befinden sollten, um nicht unnötig Siegpunkte zu verlieren. Dadurch wird deine Strategie schon stark gelenkt, da du jede Runde gewisse "DO-IT"-Aufgaben (Kristalle sammeln/Oktopoden vertreiben) erledigen musst, um nicht komplett abzutauchen. Somit bist du nicht 100 % frei bei deinen wählbaren Optionen und dies begrenzt das Spielverhalten noch mehr, als es eh schon ist.

Es hätte gereicht sich nur in der Zentrale entscheiden zu müssen, was man programmiert und was nicht ("Entscheide dich für etwas und gleichzeitig gegen etwas"). Durch die "DO-IT"- Aufgaben wirst du aber oft gezwungen auf Oktopden oder Kristalle zu programmieren und dies schränkt die strategische Freiheit noch weiter ein, was erstmal als Kritik zu benennen ist. Andernfalls könnte man entgegnen, dass das Spiel dadurch noch komplizierter und kniffliger wird, was aber im Endeffekt auch der Anspruch eines wirklich schweren Spiels ist.

Dennoch sehr gut gelungene Spielmechanik. Es passt alles gut miteinander zusammen. TOP!

 


Innovation

 

Ist "AquaSphere eine eingerostete Forschungsstation?

 

Bei "AquaSphere" sind definitiv einige Elemente bereits bekannt wie z.B. der Mehrheitenmechanismus (Mehrheiten in den Sektoren) oder das Versetzen von Figuren vom eigenen Tableau auf das Spielfeld, was dann darunter entsprechend Siegpunkte freisetzt und mich sehr stark an "Terra Mystica" erinnert. Auch die Erfüllung von Zielen z.B. kompletter Ausbau des Labors, die am Ende des Spiels Punkte bringen, ist ja auch aus "Bora Bora" bekannt. Die einzelnen Aktionen lassen auf den ersten Blick nicht besonderes erahnen: nehme Zeitmarker, nehme dir einen Kristall oder einen Laborausbau usw.

Wenn man jedoch genauer hinschaut und diese Elemente im Gesamtkontext betrachtet, dann wirken diese auch sehr einfallsreich und nicht nur wie „ich baue jetzt mal nur mein Labor aus“. Baust du z.B. dein Labor aus, dann darfst du zum einen mehr Ressourcen sammeln und zum anderen entsprechend der darauf abgebildeten Buchstaben in bestimmte Sektoren Bots reinsetzen, was das Mehrheitenverhältnis in der Station verändert. Zu guter Letzt gibt es noch für einen kompletten Laborausbau am Ende des Spiels Punkte und nochmals für unterschiedliche Buchstaben auf den Ausbauten. Dieses Zusammenwirken von unterschiedlichen Elementen, die nur mit einem einzigen Laborausbau ausgelöst werden können, wirken in dieser Konstellation bzw. Kettenreaktion einzigartig.

Weiterhin bietet "AquaSphere" neue innovative Elemente wie z.B. das Programmieren in der Zentrale, was mich immer an den berühmten Talentbaum von Diablo 2 erinnert :) oder die Abgabe einer Ressource, wenn man einen bestimmten Bereich in der Siegpunktleiste überquert.

Grundsätzlich ist zu nennen, dass der komplette Grundmechanismus unfassbar innovativ ist, da der Spieler Bots programmiert und den Wissenschaftler in bestimmte Sektoren bzw. Bereiche bewegt, um den programmierten Bot dort dann einzusetzen. Dieses Zusammenspiel zwischen Programmierung und der Bewegung des Wissenschaftlers wirkt sehr neu, einzigartig und innovativ. Man führt also nicht eine Aktion sofort aus wie beim "Worker-Placement", sondern muss diese erst einmal vorbereiten. Demnach pendelt man gedanklich immer zwischen Vorbereitung und Durchführung und verbindet diese beiden Phasen miteinander.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die einzelnen Mechanismen auch nochmal durch die wirklich unverbrauchte Thematik und einzigartige Gestaltung an Individualität gewinnen.

Neue bzw. unvebrauchte Thematik, einzigartige Gestaltung und individuelle Mechanismen.


Spielspaß

 

Dieses Spiel macht extrem viel Spaß und ist wirklich ein Highlight aus Essen. Es schafft sogar eine gewisse thematische Atmosphäre zu erzeugen, was für ein Feld-Spiel nicht sehr gewöhnlich ist ;). Wer überhaupt nichts mit den Spielen von Stefan Feld anfangen kann, der sollte sich auch hier gegen den Kauf von "AquaSphere" entscheiden, da es sich auch auf seine Art und Weise „mechanisch“ spielt und in gewisser Weise seinen anderen Spielen ähnelt.

Besonders spaßig ist das Vorausplanen der Aktionen, bei denen du Entscheidungen treffen musst, die möglicherweise auch spielentscheidend sein können. Mit guten zwei Stunden sitzt man schon mal mit zwei Personen an "AquaSphere" (Auf-und Abbau mitgerechnet), wobei die Zeit unglaublich rasant vergeht. Bei diesem Spiel sind Spieler, die dieses Spiel bereits gespielt haben, klar im Vorteil, was dazu führen kann, dass Anfänger schnell frustriert sein können. Auch braucht man erstmal eine komplette Partie, um zu verstehen, wie die Mechanismen miteinander verknüpft sind und was die einzelnen Aktionen überhaupt bringen.

Wenn man diese Einstiegshürde überwunden hat, findet man in "AquaSphere" ein sehr gelungenes Spiel für Vielspieler und erfahrene Gelegenheitsspieler. Neben "Die Burgen von Burgund" und "Bora Bora" gehört dieses Spiel definitiv zu den Top 3 der Feld-Spiele!

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

"AquaSphere" ist ein sehr gelungenes Spiel, aber die UVP von 39,95 Euro ist dennoch nicht gerechtfertigt. Das Spiel habe ich auch mal für 35 Euro irgendwo gesehen, was schon angemessener ist, da es jetzt auch schon ein halbes Jahr auf dem Buckel hat. Dieses Feld-Spiel bietet qualitative Spielmaterialien, ein innovatives Spielerlebnis, individuelle Illustrationen und schon einige Materialien. Nichtsdestotrotz würde ein Preis zwischen 28-30 Euro ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis ausmachen, da "AquaSphere" nicht mehr neu ist und auch nicht unfassbar viele Spielmaterialien beinhaltet, die einen solch hohen Preis nach einem halben Jahr rechtfertigen würden.

 


Gesamtwertung

 

Ich empfehle dir "AquaSphere", wenn du...

 

- generell die Spiele von Stefan Feld magst

 

- gut und gerne mal ca. 35 Euro für ein Brettspiel übrig hast

 

- den ganzen Tag nur Brettspiele spielst und man dich als "Vielspieler" bezeichnen kann

 

- dich nicht scheust, ein "Schwergewicht eines strategischen Spiels zu spielen

 

- auch mal damit leben kannst, etwas in strategischen Möglichkeiten eingeschränkt werden zu können, da gewisse "Aufgaben" Vorrang haben

 

- gern Vieles im Spiel vorausplanst und dein Versagen dementsprechend auf deiner eigenen "Dusseligkeit" basiert

 

 

Ich empfehle dir "AquaSphere" nicht, wenn du...

 

- schnell seekrank wirst und mit dem Thema "Tiefsee-Station" nichts anfangen kannst

 

- meinst, dass die Feld-Spiele zu "mechanisch" sind und keine wirkliche Seele haben

 

- Farben nicht so gut unterscheiden kannst. Vor allem keine Sehschwäche in den Bereichen Gelb und Grün vorweist, da du sonst schnell Probleme beim Spielablauf bekommen wirst

 

- ein Spiel suchst, welches wirklich fast nur von der Thematik lebt