11.02.19

Review: "Altiplano" von Reiner Stockhausen

Fakten

 

Autor: Reiner Stockhausen

Spieleranzahl: 2- 5 Spieler

Spieltyp: Expertenspiel

Spieldauer: ca. 60-100 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2017

Preis: UVP 49,95 Euro

Verlag: dlp games

Spielbeschreibung

 

Die Bewohner des Altiplano, der Hochebene zwischen den West- und Ost-Anden, müssen sich einiges einfallen lassen, um diese karge Welt und die hier vorhandenen Ressourcen für sich zu erschließen. Durch Fischerei am Titicacasee, Abbau von Erz im Gebirge, Alpakazucht sowie regen Handel mit lokalen Gütern erwirtschaften die Bewohner einen stetig wachsenden Wohlstand. Neue Produktionsstätten werden errichtet, Aufträge erfüllt oder Waren für schlechte Zeiten eingelagert. Auch der Bau der Straße sollte nicht vernachlässigt werden, um die Erschließung schneller voranzubringen. Der Bewohner, der seine Möglichkeiten am besten einzusetzen weiß, wird am Ende den höchsten Ertrag haben!

(Quelle: dlp games)



Hintergrundinformationen

 

Der Entwickler Reiner Stockhausen ist nicht nur der Entwickler von "Orleans" bzw. "Altiplano", sondern gleichsam der Inhaber des Kleinverlages "dlp games". Vor einiger Zeit wurde auf diesem Blog ein Interview mit ihm zu seinen Tätigkeiten als Verlagsinhaber und Spieleautor veröffentlicht, das ihr hier lesen könnt.

 


Spielmaterialien

 

Bei den Spielmaterialien wurde definitiv nicht gegeizt. "Altiplano" enthält ausreichend Materialien, die hohen Ansprüchen genügen. Das vorliegende Spiel beinhaltet vielzählige runde Plättchen, stabile Spielertableaus wie auch Spielplanteile, die allesamt keine Negativerscheinungen aufweisen. Es ist zudem ein schöner Bonus, dass dreidimensionale Kisten vorhanden sind, in denen man seine Plättchen lagert, bevor man diese in den Beutel platziert. Auch eine überdimensional große Startspielerfigur macht Einiges her. Nichtsdestotrotz sind die Beutel, aus denen man die Plättchen von Runde zu Runde herauszieht, zwar wertig, jedoch etwas zu groß geraten, was das "Herausfischen" erschwert. Hier wären kleinere Beutel sicherlich angemessener gewesen. Im Großen und Ganzen ist "Altiplano" dennoch ein qualitatives Produkt.

 


Illustrationen

 

Die optische Gestaltung ist stimmig und hat in den Testrunden überzeugen können! Auch wenn das Spielertableau sehr viele Informationen auf einen Fleck beinhaltet, ist es überaus gut gelungen, diese Informationen auf verständliche Art und Weise zu vermitteln. Die gemeinsamen Spielfelder wurden auch mit kleineren Verzierungen sowie Details versehen, wodurch es zu einer Verfeinerung des Gesamtbildes kommt. Jedoch hätte man sich z. B. bei den Schiffskarten oder Auftragskarten etwas mehr Lebendigkeit und Dynamik gewünscht, da diese schon sehr starr und monoton daherkommen.

 


Spielmechanik

 

Anfänglich ist zu sagen, dass die Abläufe äußerst gut strukturiert wurden. Bei "Altiplano" handelt es sich um einen geistigen Nachfolger des Spiels "Orleans", sodass mit diesem Spiel ebenso das Expertenlevel erreicht wird und für Brettspielneulinge sowie Kennerspieler erst nach einer gewissen Anzahl von Partien zu beherrschen ist. Im Gegensatz zum Brettspiel "Orleans" ist der Mechanimus des "Bag-Buildings" (Plättchen aus einem Beutel ziehen) nun damit gepaart, dass man sich mit seiner Figur zu bestimmten Orten (Spielpanteilen) hinbewegen muss, sodass nun ein komplexes Element zum bereits kniffligem "Bag-Building" hinzukommt. Somit sollten zu den Standartaktionen auch die Bewegungsaktionen mit eingeplant werden. Selbstverständlich ist hier wie bei "Orleans" auch beim Nachziehen der Plättchen ein Glückselement vorhanden.


Jedoch herrscht im vorliegenden Brettspiel mehr Absehbarkeit, da man die Plättchen aus der Kiste in den Beutel schüttet, wenn dort keine mehr vorhanden sind und somit ersichtlich wird, welche Plättchen potentiell gezogen werden können.

Dieser Zwischenschritt existierte bei "Orleans" nicht. Spielmechanisch hingegen wurde im Gegensatz zu "Orleans" etwas im Rahmen der Spielerinteraktion zurückgefahren, was negativ aufgefallen ist. Denn die Spieler kommen sich bei diesem Spiel überhaupt nicht direkt in die Quere und man hat kein Gefühl der Konkurrenz, wie es in Teilen von "Orleans" der Fall ist. Nichtsdestotrotz ist mit "Altiplano" ein mechanisch gelungenes Spiel in Erscheinung getreten, das flüssig läuft.

 


Innovationen

 

"Altiplano" enthält im Gegensatz zu "Orleans" nun eine zusätzliche Spielfigur, mit der man sich von Ort zu Ort bewegt und erst dann eine entsprechend gewünschte Aktion durchführen kann, die man sich auf dem eigenen Spielertableau zurechtgelegt hat. Durch diese Komponente werden reichlich neue Ansätze zur Verfügung gestellt, wodurch sich das vorliegende Spiel von seinem geistigen Vorgänger signifikant unterscheidet. Zudem landen neu generierte Plättchen bei "Altiplano" nicht direkt im eigenen Beutel, sondern erst vorher in einer eigener Kiste, wodurch ebenso ein prägnanter Unterschied zu "Orleans" vorliegt. Durch die Kiste kommt es zu einer Gleichmäßigkeit beim Ziehen der Plättchen, da der Beutel erst mit der Kiste befüllt wird, wenn er keine Plättchen mehr beinhaltet. Auch die diversen Verknüpfungspunkte zwischen den Aktionen unterscheiden sich von "Orleans", sodass bei "Altiplano" nicht einfach "abgekupfert" wurde.

 


Spielspaß

 

Wie bereits im Kontext der Spielmechanik erwähnt wurde, enthält "Altiplano" Abläufe, die im Bereich "Expertenspiel" anzusiedeln sind. Für "Kennerspieler" mag dieses Spiel in den meisten Fällen schon zu komplex sein. Jeder Spieler werkelt im Grunde auf seinem eigenen Tableau vor sich hin und bewegt seine Figur auf dem gemeinsamen Spielplan. Der "Bag-Building-Mechanismus" macht wie in "Orleans" auch hier viel Spaß und es ist schön zu beobachten, wie seine eigene Maschinerie ins Rollen kommt, indem man immer mehr Plättchen generiert. Leider enthält "Altiplano" kaum Interaktion, wodurch der Spielreiz etwas gelitten hat. Auch ist negativ aufgefallen, dass sich die Partie bei mehr als 2 Mitspielern sichtlich in die Länge gezogen hat und eine 2-Spieler-Partie als ideal eingestuft wurde, wodurch es in der Gesamtbewertung zu einer Unterscheidung kommt. Ob man "Altiplano" braucht, wenn man schon "Orleans" besitzt, muss jeder für sich selbst entscheiden. "Altiplano" ist zwar ein eigenständiges Spiel, fühlt sich in diversen Bereichen jedoch wie "Orleans" an. Wer "Orleans" auf einer komplexeren Ebene spielen will, der sollte nicht zögern, hier zuzugreifen.

 


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

 

Die UVP von "Altiplano" liegt bei 49,95 Euro. Die Spielmaterialien sind von sehr guter Qualität. Der Beutel, der das ganze Spiel über in Verwendung ist, hätte jedoch etwas kleiner sein müssen, da es sein kann, das Plättchen in den Ecken nicht zu greifen sind und somit übersehen werden. Die Optik passt gut zum Spielkonzept und auch die Mechanismen in Form des "Bag-Building" funktionieren hervorragend, wobei eine höhere Komplexitätsstufe als "Orleans" erreicht wird. Das Spiel konnte in den Testrunden überzeugen, enthält etliche knifflige Entscheidungen und hinterließ einen positiven Eindruck. Jedoch ist anzumerken, dass sich die Spielzeit mit mehr als 2 Spielern sichtlich in die Länge gezogen hat.

 

 


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Altiplano", wenn du…

 

- ein Fan des Mechanismus "Bag Building" bist

 

- dir bereits das Spielgefühl bei "Orleans" sehr gut gefallen hat

 

 

Lass die Finger von "Altiplano",

 

- wenn du viel Interaktion im Spielgeschehen haben willst

 

         (2 Spieler)


                                                                (ab 2 Spieler)